Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum von KISP
und BPS
DNA-Computer
gegen Krebs
- fipskpv(?)
schrieb am 30.4.2004 unter dem Betreff "Interessante NEWS
Meldung bei Heise" im BPS-Forum:
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DNA-Computer gegen
Krebs
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Israelische Forscher
haben einen DNA-Computer [1] realisiert, der zwei gefährliche
Krankheiten bekämpfen könnte [2]: den Krebs in der Lunge
und das Prostatakarzinom. Die Gruppe um Yaakov Benenson [3], die
bereits seit längerem auf diesem Gebiet forscht [4], stellt
ihre Arbeit in Nature [5] vor (Yaakov Benenson, Binyamin Gil, Uri
Ben-Dor, Rivka Adar, Ehud Shapiro. An autonomous molecular computer
for logical control of gene expression). Bislang haben die
Wissenschaftler allerdings nur einen "proof of concept" im
Reagenzglas gezeigt unter Bedingungen, die nicht denen im Körper
entsprechen.
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Bei der Entwicklung
des Computers nutzen die Forscher das Wissen, dass bei jeder der
beiden Erkrankungen bestimmte Gene verändert benutzt werden.
Daher entsteht aus einem DNA-Abschnitt – dem Gen – mehr
oder weniger des entsprechenden Genproduktes. Indem der DNA-Computer
diese Konzentrationsänderung feststellt, kann er mit hoher
Wahrscheinlichkeit die Erkrankung erkennen – und anschließend
entsprechend handeln: Er produziert selbstständig DNA-Moleküle,
die die Krebszellen vernichten.
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Jeder Computer besteht
aus drei Modulen: Die Input-Unit wird von Boten-RNA gesteuert –
einem Genprodukt, dessen veränderte Konzentration auf eine
Krebserkrankung hinweist. Die Recheneinheit des Computers wird von
einem molekularen Automaten repräsentiert, der zwei Zustände
annehmen kann: positiv und negativ. Die Rechnung beginnt im
positiven Zustand und endet in ihm, falls das Ergebnis positiv ist.
Dies heißt, dass eine Krebserkrankung höchstwahrscheinlich
ist. Andernfalls ist die Diagnose negativ.
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Die Recheneinheit hat
eine Besonderheit: Sie ist stochastisch. Das bedeutet, dass die
Entscheidung, welchen Zustand der Automat als nächsten annehmen
wird, von Wahrscheinlichkeiten abhängt. Diese
Wahrscheinlichkeiten werden durch die Konzentrationen der
verschiedenen Boten-RNAs bestimmt. Ist viel Boten-RNA vorhanden,
neigt der Automat zumeist dazu, in den nächsten positiven
Zustand zu wechseln. Ist die Konzentration der Boten-RNA dagegen
gering, ist das Ganze genau umgekehrt.
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Das Ausgabemodul ist
in der Lage, ein kurzes DNA-Molekül – das Arzneimittel –
freizusetzen. Eingabe, Ausgabe und Programm des Computers werden von
DNA-Molekülen repräsentiert. Ihre wichtigsten Bausteine
sind vier unterschiedliche Basen, mit deren Folge jede beliebige
Information kodiert werden kann. Die von Benenson formierten
DNA-Moleküle beginnen mit einem Abschnitt, der der Diagnostik
dient: Die auf eine Krankheit hinweisenden Konzentrationsänderungen
von Boten-RNA werden durch bestimmte Folgen von DNA-Basen kodiert.
Schritt für Schritt kann der Automat so überprüfen,
ob eine Boten-RNA in normaler Menge vorhanden ist. Anschließend
gelangt er zum anderen Ende der DNA. Sind alle Konzentrationen
verändert und ist somit eine Krebserkrankung
höchstwahrscheinlich, wird dort eine einzelsträngige
DNA-Schleife abgespalten. Sie ist das Arzneimittel, das die
Krebserkrankung bekämpft.
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Diese Therapie
verspricht eine hohe Wirksamkeit. Denn die zahlreichen
Untereinheiten des DNA-Computers – es sind über eine
Billion pro Mikroliter – arbeiten parallel und unabhängig
voneinander. Da der Computer-Entwurf höchst flexibel ist, kann
er auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt werden. So ist jedes
ausreichend lange RNA-Molekül in der Lage, die Input-Unit zu
steuern, und jedes einzelsträngige DNA-Molekül, das
mindestens 21 Basen enthält, kann als Arzneimittel dienen.
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Aber die
Wissenschaftler denken noch weiter. Sie weisen daraufhin, dass ihre
Methode im Prinzip jede beliebige Genexpression, das heißt
Benutzung von Genen, kontrollieren kann. Damit könnte sie eine
hohe Bedeutung in der gesamten medizinischen Diagnostik und Therapie
erlangen. (Claudia Borchard-Tuch) /