- Krebs. Eine
der tückischsten Krankheiten unserer Zeit. Jetzt gibt es für
Erkrankte eine neue Hoffnung. Ihr Name: CHP (Cis-Hydroxiprolin).
Bei 20 Patienten zeigte das Medikament bereits erstaunliche
Erfolge.
-
Rostock/Greifswald (OZ/ddp) Für die krebskranke
Patientin bestand kaum noch eine Chance. Metastasen hatten ihre
Leber zerfressen, die Ärzte gaben ihr noch ein Jahr. Die
Frau bekam CHP. Das war vor acht Jahren. Sie lebt heute noch,
ohne Anzeichen von Krebs!
-
„Ein sensationeller Erfolg“, sagt
Dr. med. Dagmar Braun (44) von der Riemser Arzneimittel AG. Ein
Fall von 20, in denen der neue Wirkstoff geradezu Wunder wirkte.
„Sie alle hatten Darmkrebs, der zum Teil schon auf die
Leber übergegriffen hatte.“
-
CHP, das steht für eine seltene, chemisch
veränderte Aminosäure (Cis-Hydroxiprolin). Sie hemmt
das Wachstum der Krebszellen. Anders als eine Chemotherapie, bei
der die Killerzellen zerstört werden. Und anders als bei
einer Chemotherapie gibt es bei der Behandlung mit CHP kaum
Nebenwirkungen. „Die Testpersonen haben ausgesprochen
verträglich auf das Medikament reagiert“, so Dr.
Braun.
-
Die Verabreichung von CHP ist unproblematisch:
Es kann in Drageeform eingenommen oder als Infusion direkt in die
Venen eingegeben werden. Einziges Problem: Das neue Wundermittel
ist bisher in Deutschland noch nicht legal. Erfunden wurde es
schon vor Jahren in Bayern. „Ein Arzt hat die 20
Testpersonen auf eigene Verantwortung in seiner Praxis
behandelt“, sagt Dr. Braun. „Unsere Aufgabe ist es,
in einer wissenschaftlich kontrollierten Testreihe zu belegen,
dass CHP besser ist als eine Chemotherapie.“ Dazu
allerdings sind behördliche Genehmigungen erforderlich. Die
bislang noch nicht vorliegen. Frühestens in drei Monaten
hoffen die Riemser Arzneimittelforscher mit ihrer Testreihe
beginnen zu können. Spätestens ab Sommer kommenden
Jahres will man in Riems das Medikament mit neuen Patienten
weitertesten. „Mit der Zulassung von CHP rechnen wir
frühestens 2004.“
-
Dr. Braun warnt indessen vor übertriebenen
Hoffnungen. „Derzeit können wir noch keinem
Krebspatienten Hilfe bieten oder ihn an andere Stellen
vermitteln.“ Für die CHP-Behandlung komme zudem nur in
Betracht, wer noch keine Chemotherapie und noch keine
Bestrahlungen erhalten habe. „Also im Prinzip nur
Krebspatienten, die gerade frisch operiert wurden.“
-
Dennoch könnte CHP gerade für
Darmkrebs-Kranke eine bahnbrechende neue Behandlungsmethode sein.
Jährlich erkranken rund 30 000 Menschen in Deutschland
an dieser Krebsart, bei vielen werden schon bei der ersten
Diagnose Leberzerstörungen festgestellt. Oftmals liegt die
Lebenserwartung nach der Operation nur noch bei einem Jahr.
-
Die Riemser Arzneimittel AG ging aus dem um
1900 gegründeten Friedrich-Löffler-Institut hervor und
machte schon mit der Entwicklung von Impfködern gegen die
Schweinepest und Fischkrankheiten europaweit auf sich aufmerksam.
Mit Experten der Rostocker Universität forscht Riems zur
Zeit auch an einem Medikament zur Behandlung von Vorstufen des
Gebärmutterkrebses. In Litauen testet die AG einen neuen,
schmerzfreien Chemotherapie-Wirkstoff.
-
MARCUS STÖCKLIN
-
|