Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Neue Ansätze – Alpharadin

[Alpharadin ist ein neuartiger Alpha-Strahlung freisetzender radiopharmazeutischer Wirkstoff, der auf Radium 223 basiert. Er lagert sich im Knochen ein und gibt dort seine Energie mit hohem linearen Energietransfer ab, so dass die Stahlungsreichweite etwa 0,1 mm beträgt. Die physikalische Halbwertszeit beträgt 11,4 Tage. In einer Phase-II-Studie bekamen Patienten mit einem hormonrefraktärem Prostatakarzinom (HRPCa) und schmerzhaften Knochenmetastasen Alpharadin (50 kBq/kg KG) oder ein Plazebo, 4x in monatlichem Abstand. Die Nebenwirkungen waren mild (Hämatotoxizität, Obstipation). Alpharadin führte hingegen zur Verlängerung der Zeit bis zum PSA- und ALP-Progress sowie zur Verlängerung des Gesamtüberlebens. Am Universitätsklinikum Marburg läuft derzeit eine randomisierte Multicenter-Phase-III-Studie (Stand: September 2009).

Die Alpharadin in Symptomatic Prostate Cancer (ALSYMPCA) trial (Studie zu Alpharadin bei symptomatischem Prostatakrebs) ware eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie an 922 Männern mit kastrationsresistentem symptomatischen Prostatakrebs mit Skelettmetastasen, in der Radium-223-Chlorid plus aktuellem Versorgungsstandard mit einem Placebo plus aktuellem Versorgungsstandard verglichen wurde. Die Patienten wiesen im Skelettszintigramm multiple Skelettmetastasen auf und nahamen regelmäßig schmerzstillende Mittel ein.

In einer geplanten Zwischenanalyse zeigten die Patienten, die Radium-223-Chlorid bekommen hatten, die folgenden positiven Resultate: Die mittlere Gesamtüberlebenszeit betrug für mit Alpharadin behandelte Patienten 14 Monate verglichen mit 11,2 Monaten unter Placebo. Die mittlere Zeit bis zum Auftreten von SRE (skelettbezogenen Ereignissen) lag bei 13,6 gegenüber 8,4 Monaten (64-prozentige Verbesserung, HR = 0,610, p = 0,00046). Darüber hinaus normalisierten sich bei 33 % der Alpharadin-Patienten die Werte der alkalischen Phosphatase (ALP), einem Marker für die Metastasierung im Knochen gegenüber 1 % in der Vergleichsgruppe (p < 0,001). Die Zeit bis zur erneuten Erhöhung des PSA verlängerte sich um 49 % (HR = 0,671, p = 0,00015).

Ed

Ralf schrieb am 5.9.2009 unter dem Betreff "Neues Medikament für HRPK mit Knochenmetastasen 'Alpharadin' in Phase-III-Studie":

Seit einigen Tagen hat auch die norwegische PK-Selbsthilfeorganisation "PROFO" ein Diskussionsforum (das bisher einzige in den Nordischen Ländern), in dem es sogar schon einige Beiträge gibt, natürlich auf Norwegisch. Dabei stieß ich auf einen Hinweis auf ein in der Entwicklung befindliches Medikament "Alpharadin", von dem ich bis dato noch nichts gehört hatte. Es handelt sich um einen radioaktiven Alphastrahler, der speziell auf hormonrefraktäre Patienten mit Knochenmetastasen abzielt.

Dazu fand ich diese Pressinformation und diesen Aufruf zur Rekrutierung für eine Phase-III-Studie mit Angaben zu Ergebnissen aus einer vorangegangenen Phase-II-Studie.

Rudolf schrieb am 6.6.2011:

Die Firma Algeta hat bekanntgegeben, dass ein unabhängiges Experten-Komitee empfohlen hat, die Phase-III-Studie zu beenden, denn der primäre Endpunkt, Überleben, ist erreicht worden: 14 Monate gegenüber 11,2 Monaten. Die Studie wird entblindet, Placebo-Patienten wird der Alphastrahler auch angeboten.

Und HerriS verwies auf diese diesbezügliche Meldung bei n-tv:

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Bayer-weckt-Hoffnungen-article3506066.html


Am 4.9.2011 wies Jürg auf eine Pressemitteilung bezüglich Alpharadin hin:

Direkte Informationen über "Alpharadin" gibt es hier, also bei der Herstellerin selbst. Unter den neusten Miitteilungen (anklicken für Details!) findet sich der Hinweis, "FDA Grants Fast Track Designation to Alpharadin", was zwar nichts garantiert, aber doch ein gutes Zeichen ist.