Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – ViagraÒ & Co.

Horst MUC machte am 14.10.2005 unter dem Betreff "Sildenafil kann zu Schlaganfall des Auges führen" auf die folgende Webseite aufmerksam, wo auf eine böse potenzielle Nebenwirkung von Sildenafil, dem Wirkstoff von Viagra, hingewiesen wird:
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=8274

Günter Feick stellte am 10.4.2006 den folgenden Bericht ins Forum:
Vergleichsstudie über Patientenpräferenz, Wirksamkeit und Verträglichkeit von Tadalafil und Sildenafil
Dr. Ian Eardley, Leeds
10.04.2006 - PARIS (MedCon) – Männer mit erektiler Dysfunktion können heute zwischen drei wirksamen und gut verträglichen PDE-5-Hemmern (Tadalafil, Sildenafil, Vardenafil) wählen. Die Zufriedenheit mit dem PDE-5-Hemmer und die Länge des Wirkzeitfensters entscheiden in vielen Fällen über die Patientenpräferenz bei den Männern mit ED und ihren Partnerinnen, berichtete Dr. Ian Eardley vom St. James’s University Hospital in Leeds, der die Ergebnisse einer Vergleichsstudie mit Tadalafil und Sildenafil vorstellte.
Der britische Urologe wies darauf hin, dass Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil unterschiedliche pharmakokinetische Eigenschaften besitzen. So sei zum Beispiel für Tadalafil in klinischen Studien ein Wirkzeitfenster von mindestens 36 Stunden belegt (Brock, G. et al: Efficacy and safety of Tadalafil for the treatment of erectile dysfunction: Results of integrated analyses. J. Urol. 2002; 168: 1332 - 1336). Interessant sei ebenfalls, ob es auch hinsichtlich der persönlichen Präferenz statistisch signifikante Unterschiede gibt, nachdem die Männer über einen bestimmten Zeitraum diese Medikamente eingenommen und entsprechende Erfahrungen gesammelt haben.
In einer offenen, multizentrischen, randomisierten Crossover-Studie wurden die beiden PDE-5-Hemmer Sildenafil und Tadalafil bei 367 „therapienaiven“ Männern eingesetzt, die vorher noch nicht mit einem PDE-5-Hemmer behandelt worden waren (I. Eardley et al.: An open-lable, multicentre, randomized, crossover study comparing sildenafil citrate and tadalafil for treating erectile dysfunction in men naive to phosphodiesterase 5 inhibitor therapy. BJU Int 2005; 96: 1323 - 1332). Alle Männer befanden sich zum Zeitpunkt der Studie in einer stabilen Partnerschaft.
Die Männer wurden in die beiden Therapiegruppen Tadalafil und Sildenafil randomisiert und danach über 12 Wochen behandelt. Sie erhielten – je nach Bedarf – Tadalafil in den Dosierungen 10 mg oder 20 mg und Sildenafil in den Dosierungen 25 mg, 50 mg oder 100 mg. Nach einer 7 - 10-tägigen Auswaschphase erfolgte dann die Weiterbehandlung mit dem anderen PDE-5-Hemmer (Cross-over) über weitere 12 Wochen. Auch in dieser Phase der Studie wurde eine Dosisoptimierung durchgeführt.
Die in der Studie verbliebenen 291 Männer wurden befragt, mit welchem der beiden Medikamente sie weiterbehandelt werden wollen. 85 Männer (29 Prozent) entschieden sich für Sildenafil und 206 Männer (71 Prozent) für Tadalafil. Dieser Unterschied in der persönlichen Präferenz ist statistisch signifikant (p < 0,001).
Die Wirksamkeit der oralen ED-Behandlung wurde mit Hilfe des SEP-Fragebogens (Sexual Encounter Profile – SEP) ermittelt. Dabei ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der verschiedenen SEP-Fragen zur Erektion (SEP 1), der erfolgreichen Penetration (SEP 2), dem erfolgreich durchgeführten Geschlechtsverkehr (SEP 3), der Erektionshärte (SEP 4) und der allgemeinen Zufriedenheit mit der Medikation (SEP 5). Beide PDE-5-Hemmer wurden von den ED-Patienten gut vertragen.
Abschließend wurden die Männer noch befragt, warum sie sich - nachdem sie im Rahmen der Studie die Wirkung der beiden PDE-5-Hemmer Tadalafil und Sildenafil kennen gelernt hatten - für den einen oder für den anderen Wirkstoff entschieden haben (Dean, J. et al.: Drug attributes influencing the choice of sildenafil citrate and tadalafil for the treatment of erectile dysfunction in an open label, crossover study. Abstract 3144. World Congress of Sexology (WCS), Montreal 2005).
Die folgenden Argumente sprachen für Tadalafil:
Ich war in der Lage, noch lange nach der Einnahme der Tablette eine Erektion zu bekommen (Tadalafil: 138 Männer; Sildenafil: 6 Männer)
Ich hatte auch am nächsten Morgen noch Erektionen (Tadalafil: 62; Sildenafil: 7)
Meine Partnerin bevorzugt diesen PDE-5-Hemmer (Tadalafil: 27; Sildenafil: 10).
Bei der Frage nach der Härte der Erektion und der Verträglichkeit schnitten beide PDE-5-Hemmer Tadalafil und Sildenafil nahezu gleich gut ab. (rr)
Quelle:
Vortrag I. Eardley: „A Comparative Trial of Sildenafil Citrate and Tadalafil: Efficacy, Preference, and Reasons for Preference“.
Satellitensymposium “The Evolution of Patient Treatment: Beyond ED Efficacy”.
6. April 2006, EAU 2006 in Paris

Christian schrieb am 4.9.2006:
Sildenafil nach Prostatektomie verbessert Potenz
Vorteil bei Dauertherapie
ATLANTA (ku). Männer, die nach nervenerhaltender Prostatektomie eine erektile Dysfunktion haben, können ihre Potenz durch die niedrigdosierte Dauertherapie mit Sildenafil verbessern. Nach sechs Monaten ist die Potenz dann deutlich besser als bei Patienten, die das Medikament nur bei Bedarf einnehmen.
So brauchen Patienten, die nach Prostatektomie abends 25 mg Sildenafil (Viagra®) erhalten, für einen erfolgreichen Koitus seltener die maximale Dosis von 100 mg als Männer, die Sildenafil nach dem Eingriff nur bei Bedarf einnehmen.
Das geht aus Daten einer Studie von Professor Klaus-Peter Jünemann vom der Uni Schleswig-Holstein und dessen Kollegen hervor. Die Ergebnisse hat Dr. Andreas Bannowsky aus Flensburg bei der Jahrestagung der American Association of Urology in Atlanta in den USA vorgestellt.
In der Studie wurden 23 Patienten nach Prostatektomie abends mit 25 mg Sildenafil behandelt. 18 Patienten sollten das Medikament nur bei Bedarf, also nur bei bevorstehendem Koitus einnehmen. Bei den Patienten mit Dauertherapie gelangen nach 24 Monaten 41 Prozent der Koitusversuche auch ohne zusätzliche Medikation. Bei der Gruppe ohne Dauertherapie seien nur 28 Prozent der Versuche gelungen, so Bannowsky.
Nahmen die Männer mit Dauertherapie vor dem Koitus zusätzlich 100 mg Sildenafil, so waren 86 Prozent der Versuche erfolgreich. Außerdem konnten Patienten, die nach der Prostatektomie zunächst eine Bedarfs- und später eine Dauertherapie bekamen, den Vorteil, den der sofortige Beginn einer Dauertherapie bringt, nicht mehr aufholen.
Carola-Elke schrieb dazu am selben Tag:
soweit ich herausfinden konnte, wurde diese Untersuchung nur mit Sildenafil verifiziert.
Mich hat an dem schon häufig diskutierten Thema besonders interessiert, in wie weit sich die uni- oder bilaterale Nervenschonung bei der RPE auf die Ergebnisse auswirkt.
Dabei wurde ich mehrfach auf den Autoren der Untersuchung, Herrn Dr. Bannovsky aus Flensburg aufmerksam, der zusammen mit zwei weiteren Kollegen das sog. "Kieler Konzept" zur sexuelle Rehabilitation nach radikaler retropubischer Prostatektomie entwickelte.
Dieses möchte ich zusammenfassend kurz vorstellen, da ich davon ausgehe, dass es zukünftig auch im fachlichen Gespräch zwischen einem betroffenen Patienten und seinem behandelnden Arzt erwähnt werden sollte.
Erektions-orientiertes Vorgehen nach nerverhaltender radikaler Prostatektomie
"Mit dem von Walsh entwickelten Operationsverfahren war es in spezialisierten Zentren möglich, die therapiebedingte Impotenz von zuvor nahezu 100 % auf ca. 10–40 % zu senken.
Diese Ergebnisse können allerdings erst mit einer Latenz von wenigen Wochen bis zu 24 Monaten nach der radikalen Operation erwartet werden [2–5].
Die Kombination subtiler Operationstechniken mit der Kenntnis der Anatomie und Physiologie sowie des großen Erfahrungsschatzes eines erfahrenen Operateurs kann gewährleisten, daß bei beidseitigem Erhalt der kavernösen Nervenbündel im Mittel 56 % der präoperativ potenten Männer ohne Hilfsmittel Geschlechtsverkehr ausüben können.
Nimmt der Patient 50–100 mg Sildenafil „on demand“, wird über eine kohabitationstaugliche Erektion bei > 75 % berichtet [6].
Sildenafil verbessert die erektile Funktion aber nur dann, wenn zumindest teilweise eine nervale Versorgung des Penis bestehen bleibt.
Welche genauen pathophysiologischen Zusammenhänge der postoperativen Erektionsstörung zugrunde liegen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt, und verschiedene Pathomechanismen werden zur Zeit diskutiert [7].
Die Ätiologie der erektilen Dysfunktion (ED) ist bei der operativen Therapie des Prostatakarzinoms durch die Läsion des neurovaskulären Bündels überwiegend neurogen bedingt, wohingegen die ED nach Radiotherapie überwiegend vaskulären Ursprungs ist [8].
Werden beide neurovaskulären Bündel im Rahmen der RP reseziert, dann resultiert in 90–100 % der Patienten eine erektile Dysfunktion [9].
Bei beidseitigem Erhalt der Gefäßnervenbündel ist im Mittel in 50 % der Fälle mit einer postoperativen Erektionsstörung zu rechnen.
Erst im Verlauf der ersten 2 Jahre nach dem operativen Eingriff – der Rehabilitationsphase – kann mit einer signifikanten Erholung der Erektionsfähigkeit gerechnet werden [5] (Abb. 1).
Bislang ist jedoch der exakte zeitliche Verlauf der Wiedererlangung der Erektionsfähigkeit nach nerverhaltender radikaler Prostatektomie sowie dessen Beeinflussbarkeit hinsichtlich Zeitspanne und erfolgreichem Erektionsstatus ungeklärt.
Wie große Patientenserien zeigen konnten, entspricht die Reduktion der Erektionsfähigkeit vermutlich der Schwere des operationsbedingten Nerventraumas [10].
Der wohl wichtigste Aspekt in der Rehabilitation der Erektionsfähigkeit nach radikaler nerverhaltender Prostatektomie ist der Erhalt der physiologischen nächtlichen penilen Erektionen, die unabhängig von sexuellen Aktivitäten bei gesunden Männern durch regelmäßigen arteriellen penilen Bluteinstrom zu einer repetitiven Erhöhung der intrakorporalen Sauerstoffversorgung führen.
Da bei fehlender Oxygenierung der Corpora cavernosa ein Teufelskreis mit konsekutiver „Involutionsatrophie“ und zunehmender Fibrosierung der glatten Muskulatur einsetzt [14], sollte keinesfalls die postulierte Zeitspanne der Rehabilitationsphase von bis zu 24 Monaten nach operativer Therapie abgewartet werden.
Im Gegenteil: Es empfiehlt sich, die medikamentöse Therapie zur Unterstützung der Rehabilitation der erektilen Funktion so früh wie möglich einzuleiten.
Es wird eine frühzeitige Therapie innerhalb des ersten postoperativen Monats oder schon ab dem Tag der Katheterentfernung mit intrakavernös appliziertem PGE 1 oder eine orale Substitution mit Sildenafil oder der entsprechenden Folgesubstanzen (Vardenafil und Tadalafil) bzw. ggf. der Kombination beider Verfahren angeraten, um die kavernöse Oxygenierung zu unterstützen und damit der sonst drohenden Fibrosierung entgegenzuwirken [15].
Des weiteren wirkt die frühzeitige Einleitung einer ED-Behandlung einem sexuellen Vermeidungsverhalten entgegen, welches sich bei langsam regenerierender erektiler Funktion ausbilden kann und dadurch wiederum einen negativen Effekt ausübt.
Die Ansprechrate von Sildenafil in der Therapie der postoperativen ED ist entscheidend abhängig von der Art der Nerverhaltung, mit den höchsten Ansprechraten in der Gruppe junger Männer nach bilateralem Nerverhalt (80 % Ansprechrate), gefolgt von 50 % bei einseitigem Nerverhalt und nur noch 15 % ohne jegliche nervenschonende Operationstechnik [16].
Darüber hinaus wird eine Zunahme der Ansprechrate über einen längeren Therapiezeitraum beschrieben.
Bis zu 6 Monate postoperativ profitieren nur 26 % der Patienten von der eingeleiteten Therapie mit PDE-5- Hemmern [6, 17]. Diese Ergebnisse verbessern sich im weiteren zeitlichen Verlauf auf bis zu 60 % nach 18 Monaten [17].
Im Langzeitverlauf wird von einer Ansprechrate von 71 % nach 3-jährigem Follow-up berichtet [18]."
Fazit:
"Die Zunahme der durchgeführten radikalen Prostatektomien in den letzten Jahren führt zwangsläufig zu einem Anstieg der Anzahl der operationsbedingten Erektionsstörungen.
Mit der Etablierung der anatomischen nerverhaltenden radikalen Prostatektomie konnte diese Zahl reduziert werden.
Trotz immer subtilerer Operationstechniken und beidseitigem Erhalt der kavernösen Nervenbündel erleiden weiterhin eine große Anzahl von Männern eine postoperative Erektionsstörung.
Ausgehend von einer überwiegend neurogenen Komponente des postoperativen Erektionsverlustes ist der Funktionserhalt der Schwellkörper bis zum Wiedereinsetzen einer suffizienten neurogenen Steuerung von immenser Wichtigkeit.
Im Falle einer vorliegenden Früh-Erektion kann die supportive Medikation mit einem PDE-5-Inhibitor zur weiteren Organ-Rehabilitation beitragen.
Bei ausbleibenden spontanen nächtlichen Früh-Erektionen sollten die penilen Injektionsverfahren (SKAT) erwogen werden."
http://www.kup.at/kup/pdf/5623.pdf
[Die Abbildungen sind dem verlinkten Originalartikel entnommen – Ed]



















OliverB schrieb am 29.1.2007:
Soweit ich es überblicke, kommt es eher selten vor, dass die Erektionsfähigkeit nach der OP sofort wieder uneingeschränkt da ist. Wenn aber nach mehreren Monaten keine wesentliche Besserung erreicht ist, dann empfiehlt sich eine mehrwöchige Einnahme der einschlägigen PDE-5-Hemmer (Cialis, Levitra oder Viagra). Die Verträglichkeit ist individuell unterschiedlich. Ich habe alle drei probiert und bin letztendlich am besten und ohne Nebenwirkungen mit Levitra zurecht gekommen.