Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Medikamente –
Triamcinolon
(engl.:
triamcinolone)
- [Triamcinolon
ist ein synthetisches Glukokortikoid, das jetzt von einigen Ärzten
im Rahmen einer "HDK+HC"- (hochdosiertes Ketoconazol plus
Hydrocortison-) Therapie anstelle von Hydrocortison empfohlen und
verabreicht wird. Begründung dafür ist eine Studie, die
aussagt, dass Hydrocortison den Prostatakrebs sogar beflügeln
kann. – Ed]
- Carola-Elke schrieb am 4.5.2006:
-
oft wird innerhalb einer notwendigen Chemotherapie bei
hormonrefraktärem PCa zusätzlich Hydrokortison
verabreicht, um die Nebenwirkungen zu reduzieren. Welche
Auswirkungen Kortison allerdings auf den Tumor, der ja mithilfe der
Chemo bekämpft werden soll, haben kann, ist inzwischen
untersucht und veröffentlicht worden.
-
Es sieht so aus, als seien Glukokortikoide in der Tumortherapie eher
kontraproduktiv:
-
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=24011
-
Ein Denkanstoß, der vielleicht in der Praxis zu wenig
Beachtung erfährt. Es wäre schön, wenn uns Praktiker
ein wenig über ihre Beobachtungen berichten würden und vor
allem Alternativen zum Kortison nennen könnten.
-
Da keine eigene Chemotherapieabteilung existiert, gehört dieser
Beitrag sicher unter diese allgemeine Therapie-Rubrik, obwohl er für
ADT-Anwender (im Rahmen einer ADT5 z. B.) genauso von Interesse
sein dürfte.
-
Dazu schrieb Günther Feick am 7.5.2006:
-
In diesem Jahr gab es einen Beitrag von Dr. F. E., in dem er
schilderte, dass er Hydrokortison nicht mehr verwenden würde in
Kombination mit Ketokonazol. Die Gründe erachtete er als zu
weitreichend, um sie im Rahmen seines Beitrages erläutern zu
wollen.
-
Es würde mich interessieren, ob seine Therapieänderung auf
den selben Beobachtungen basieren, wie die im Artikel der
Ärztezeitung benannten Einschätzungen.
-
Der angesprochene Dr. F. E. äußerte sich einen Tag
später dazu:
-
Wenn unter der maximalen Androgendeprivation das PSA kontinuierlich
ansteigt, spricht man von einem Androgen-unabhängigen
Prostatakarzinom. Wir raten dazu, in dieser Situation die Therapie
umzustellen, Im allgemeinen setzen wir das Antiandrogen ab (meistens
Casodex), warten aber nicht auf das Anti-Androgen-Entzugsphänomen
(AAWR), sondern beginnen mit Ketokonazol und Hydrocortison.
Dr. Strum hat mich aber kürzlich auf Literatur aufmerksam
gemacht (siehe unten – vielleicht kann das jemand übersetzen),
nach der einige Cortisonpräparate den mutierten (!)
Androgenrezeptor stimulieren. Triamcinolon tut das nicht. Deshalb
geben wir jetzt statt Hydrocortison z. B. Delphicort®
4 mg 1-0-1 mit Ketokonazol.
-
Warum überhaupt Cortison? Ketokonazol blockiert die
Nebennierenrinde total. Damit wird auch keine Anpassungsreaktion des
Organismus auf Stress mehr möglich (Cortison ist ein
Stresshormon). Deshalb, auch um allergische Reaktionen zu vermeiden,
gibt man in diesem Kontext Cortison.
-
Krishnan AV, Zhao XY, Swami S, et al:
A
glucocorticoid-responsive mutant androgen receptor exhibits unique
ligand specificity: therapeutic implications for
androgen-independent prostate cancer.
Endocrinology
143:1889-900, 2002. PMID 11956172 -
The cortisol/cortisone-responsive AR (AR(ccr)) has two mutations
(L701H and T877A) that were found in the MDA Pca human prostate
cancer cell lines established from a castrated patient whose
metastatic tumor exhibited androgen-independent growth. Cortisol and
cortisone bind to the AR(ccr) with high affinity. In the present
study, we characterized the structural determinants for ligand
binding to the AR(ccr). Our data revealed that many of the C17, C19,
and C21 circulating steroids, at concentrations that are found in
vivo, functioned as effective activators of the AR(ccr) but had
little or no activity via the wild-type AR or Gralpha. Among the
synthetic glucocorticoids tested, dexamethasone activated both
Gralpha and AR(ccr), whereas triamcinolone was selective for
Gralpha. In MDA Pca 2b cells, growth and prostate-specific antigen
production were stimulated by potent AR(ccr) agonists such as
cortisol or 9alpha-fluorocortisol but not by triamcinolone (which
did not bind to or activate the AR(ccr)). Of the potential
antagonists tested, bicalutamide (casodex) and GR antagonist RU38486
showed inhibitory activity. We postulate that corticosteroids
provide a growth advantage to prostate cancer cells harboring the
promiscuous AR(ccr) in androgen-ablated patients and contribute to
their transition to androgen-independence. We predict that
triamcinolone, a commonly prescribed glucocorticoid, would be a
successful therapeutic agent for men with this form of cancer,
perhaps in conjunction with the antagonist casodex. We hypothesize
that triamcinolone administration would inhibit the
hypothalamic-pituitary-adrenal axis, thus suppressing endogenous
corticosteroids, which stimulate tumor growth. Triamcinolone, by
itself, would not activate the AR(ccr) or promote tumor growth but
would provide glucocorticoid activity essential for survival.
-
Übersetzung:
-
Krishnan AV, Zhao XY, Swami S, et al:
Ein auf Glukokortikoid
ansprechender mutierender Androgenrezeptor weist spezielle
Ligandenspezifizität auf: Therapeutische Implikationen für
androgenunabhängigen Prostatakrebs
Endocrinology
143:1889-900, 2002. PMID 11956172 -
Der auf Cortisol und Cortison ansprechende Androgenrezeptor
(AR(ccr)) besitzt zwei Mutationen (L701H und T877A), die in den
humanen Prostatakrebs-Zelllinien MDA PCa gefunden wurden, die von
einem kastrierten Patienten stammten, dessen metastasierter Tumor
androgenunabhängiges Wachstum zeigte. Cortisol und Cortison
binden mit hoher Affinität an den AR(ccr). In der vorliegenden
Studie beschreiben wir die strukturellen Determinanten für die
Ligandenbindung an den AR(ccr). Unsere Daten ergaben, dass viele der
zirkulierenden Steroide C17, C19 und C21 in Konzentrationen, die in
vivo festgestellt werden, als wirksame Aktivatoren des AR(ccr)
fungierten, dass sie aber wenig oder keine Aktivität über
den wild vorkommenden AR oder Gralpha hatten. Unter den getesteten
synthetischen Glukokortikoiden aktivierte Dexamethason sowohl
Gralpha als auch AR(ccr), während Triamcinolon Gralpha-selektiv
war. Bei MDA-PCa-2b-Zellen wurden das Wachstum und die Produktion
von prostataspezifischem Antigen durch potente AR(ccr)-Agonisten wie
Cortisol oder 9alpha-Fluorocortisol, aber nicht durch Triamcinolon
stimuliert (das sich nicht an den AR(ccr) band oder ihn aktivierte).
Von den getesteten potenziellen Antagonisten zeigten Bicalutamid
(Casodex) und der GR-Agonist RU38486 hemmende Aktivität. Wir
postulieren, dass Corticosteroide Prostatakrebszellen einen
Wachstumsvorteil verschaffen, die bei Patienten unter
Androgenablation den promisken AR(ccr) aufweisen und zu ihrem
Übergang zur Androgenunabhängigkeit beitragen. Wir sagen
voraus, dass Triamcinolon, ein üblicherweise veschriebenes
Glukokortikoid bei Männern mit dieser Krebsform ein
erfolgreiches therapeutisches Mittel ist, vielleicht in Verbindung
mit dem Antagonisten Casodex. Wir stellen die Hypothese auf, dass
das Verabreichen von Triamcinolon die
Hypothalamus-Hypophysen-Adrenal-Achse hemmen und somit enogene
Corticosteroide unterdrücken würde, die das Tumorwachstum
stimulieren. Triamcinolon würde von sich aus den AR(ccr) nicht
stimulieren oder einTumorwachstum fördern, sondern würde
eine Glucocorticoid-Aktivität liefenr, die essenziell für
das Überleben ist.
[Übersetzung durch Ed] -
Günter Feick fragte dazu:
-
vielen Dank für Ihr mit uns Teilen dieser Information.
Vielleicht werden wir auch einmal von Ihnen hören können,
welche Resultate die Anwendung des Studieergebnisses in Ihrer Praxis
erreichen konnte. Und wie so oft, habe ich eine weitere Frage an
Sie, mit der Bitte um Ihren Rat - Würden
Sie eine Combo von Triamcinolon mit dem Antagonisten Casodex, gleich
zu Beginn einer Antiandrogentherapie befürworten, analog zu
einer in dieser Studie geäußerten Vorstellung?
-
Was Dr. F. E. wie folgt beantwortete:
-
Ich würde die ADT3 nicht gleich mit
Triamcinolon kombinieren wollen. Allerdings würde mich
interessieren, ob beim androgenunabhängigen PCa, also während
der ADT3, das PSA weiter ansteigt, wenn man Triamcinolon dazugibt.
Das lässt sich wahrscheinlich relativ schnell und einfach
feststellen.
-
HWL berichtete am selben Tag von seiner Erfahrung mit
Triamcinolon:
-
Zum Thema Glukokortikoid habe ich als PCa-Betroffener (PSA ~4-5; GS
3+4 = 7/IIb) wesentliche Erfahrung über nunmehr 4½
Jahre. Denn die vorhandene sec.chronisch-progrediente MS (EDSS= 6,5;
GdB 90 a.G.) wurde insgesamt 65 mal mit 40 mg des
Glukokortikoids Triamcinolon-Acetonid (Volon-A, TCA) als
intrathekale Injektion in den Liquorkanal behandelt. Diese rein
symptomatische MS-Behandlung wurde seit Oktober 2001 vor-stationär
alle sechs bis acht Wochen ohne Nebenwirkungen durchgeführt.
-
Da parallel hierzu die Behandlung des lokalen PCa`s nach
wait-and-see, + Lycopin, MCP, Granatapfelkonzentrat und Doxazosin
mit annähernd konstanten PSA-Werten zwischen 3,7 und 4,8 läuft,
ist in diesem Fall ein negativer Einfluss des Glukokortikoids TCA
auf die PSA-Entwicklung bzw. die PCa-Progredienz nicht erkennbar.
- HWLPORTA schrieb am 18.7.2007:
-
Ende Mai 2006 führte ein Forumsteilnehmer eine interessante
eMail-Diskussion mit Professor David Feldman von der Stanford
University/USA, School of Medicine, Endocrinology Division. Prof.
Feldmann arbeitete seinerzeit an Untersuchungen beim
hormonunabhängigen Prostatakarzinom unter Anwendung des
Glukokortikoids Triamcinolon.
-
Es ging in der eMail-Diskussion unter anderem um Fragen an Prof.
Feldman
-
1. ob das von ihm eingesetzte Triamcinolon die
Hypothalamus-Hypophyse- Niere-Achse hemmt,
-
2. ob durch Triamcinolon endogenes Kortikosteroid unterdrückt
wird,
-
3. ob und welche schädlichen Nebenwirkungen bei PCa-Patienten
erzeugt werden, wenn Triamcinolon eingesetzt wird und
-
4. ob bei Nutzung von Ketokonazol gegen PCa oder niedrigeren
physiologischen Glukokortikoidspiegeln Triamcinolon verwendet werden
sollte.
-
Die Verabreichung von Triamcinolon an die Versuchpersonen erfolgte
oral oder intravenös. Die Fragen 1, 2 und 4 wurden mit „ja“
beantwortet, Frage 3 ergab, daß schädliche Nebenwirkungen
nicht auftreten. Zwei sehr wichtige Anmerkungen von Prof.Feldman
aber waren aus meiner Sicht:
-
„Als Glukokortikoid könnte
es (d.i.Triamcinolon) eine Wirkung bei allen PCa´s haben. Es
gibt jedoch ernsthafte Nebenwirkungen bei Langzeitgebrauch von
Kortikosteroiden, die mit ihren potentiellen Vorteilen ausbalanciert
werden müssen......“.
-
Hieraus habe ich folgende Überlegungen entwickelt:
-
Ich werde seit seit Jahren wegen einer chronischen Zweiterkrankung
von einem sehr erfahrenen Mediziner mit jeweils 40 mg einer
symptomatisch wirkenden, intrathekal (in den Liquorkanal)
injizierten Triamcinolon-Acetonid-Kristallsuspension (TCA)
behandelt. Diese Injektionen wurden seit Oktober 2001 bis heute etwa
70 x (alle 6-8 Wochen) durchgeführt, stets erfolgreich und ohne
wesentliche Nebenwirkungen. Es ist bekannt, daß die Kristalle
dieser Triamcinolon-Acetonid-Suspension sich sehr langsam im
Gehirngewebe auflösen und dabei ständig aus diesem
TCA-Depot geringe Mengen von TCA durch die Blut-Hirn-Schranke (BHS)
in die Blutbahn abgeben. Es ist denkbar, daß dieser konstante
Fluß geringer Mengen von Triamcinolon-Acetonid (TCA) auch die
Blutzellen im Prostatatumor erreicht und dort wachstumshemmend
wirken kann.
-
Mir liegt eine Dissertation der Medizinischen Fakultät der
Universität Würzburg vom August 1990 vor: „Vergleich
der Wirkungen intrathekaler Triamcinolon-Acetonid- und oraler
Triamcinolon-Acetonid-Gaben .....“, in der unter anderem zum
Übertritt von Triamcinolon aus dem Liquor in die Blutbahn
ausgeführt wird:
-
1. Da auch nach intrathekaler Injektion eines Depotpräparates
ein kontinuierlicher Übertritt freier Kortikosteroidmoleküle
in die Blutbahn erfolgt ......
-
2. Nach intrathekaler Verabreichung von Triamcinolon-Acetonid war
ein Liquorspiegel von 250 – 2000 µg/dl (n=29) und ein
Blutserumspiegel von 0,2 – 1,7 µg/dlm (n=31) zu messen.
-
Es stellt sich die Frage, ob das in sehr geringer Konzentration
wirkende TCA oder/und seine Langzeitwirkung eine wachstumshemmende
Wirkung auf den lokalen Prostatakrebs haben könnte. Denn meine
PSA-Entwicklung ist seit 2001 mit den üblichen Schwankungen
konstant und eine PSA-Verdopplungszeit nicht zu errechnen. (PSA im
Mittel 4-5 ng/ml; GS 3+4 =7/II b; zwei Stanzen von 8 mit 10 %
bzw. 20 % Infiltration; fPSA 25 %; PAP 1,6).
-
RuStra nahm am 17.5.2009 diesen Faden und schrieb:
-
Ih nehme hier den Faden von HWL
bzgl. Triamcinolon wieder auf, weil ich den Hinweis auf die Arbeit
von Prof.Feldman weiterführen möchte. Anlass ist die
erneut ausgesprochene Warnung von Dr. Strum,
Cortison-Präparate einzusetzen, ohne genau den Rezeptor-Status
der Androgenrezeptoren zu kennen.
-
Im Vortrag in Bielefeld [dort hatte Dr.
Strum am 14.5.2009 einen Vortrag gehalten – Ed] gab
es an dieser Stelle durch den Übersetzer, Prof. Eickenberg,
eine Gegenüberstellung, die die Brisanz des Themas erst richtig
klar machte: Er erzählte, dass es derzeit in Deutschland 32
Prostatakarzinom-Studien gibt und dass davon 5 Studien mit Cortison
arbeiten. Wenn man also die Warnung von Dr. Strum, der schon länger
beispielsweise in der Ketokonanzol-Therapie kein Hydrocortison mehr
gibt, sondern Triamcinolon (Dr. Eichhorn auch), ernst nimmt, dann
müssten die Studien-Designs dieser 5 Studien in Frage gestellt
werden.
-
Ich fand diese Hervorhebung ausgerechnet durch einen Uro-Prof sehr
bemerkenswert. Da wir in unserer Gruppe ausserdem einen Kollegen
haben, der kürzlich 4 mg Cortison als Begleit-Medikation
bekommen hat und jetzt mit Nebenwirkungen belästigt wird, ist
dieser Punkt bei uns hochgespült und in der SHG-Sitzung
diskutiert worden.
-
Ich habe mal in dem DVD-Vortrag von Dr. Strum in München [dort
hatte Dr. Strum am 18.10.2004 einen Vortrag gehalten – Ed]
nachgesehen, welchen Literatur-Hinweis Strum an dieser Stelle gibt.
Unter der Minute 1:15:23 zeigt Strum auf das Dia 29 (Titel:
"Androgen Receptor (AR) Related Dysfunction"). Auf der
rechten Seite steht die Warnung:
-
"2) Avoid Drugs Stimulating “Promiscuous” AR".
-
Unmissverständlich steht da:
-
Zitat:
-
"Avoid or use cautiously standard glucocorticoids such as
prednisone & dexamethasone."
-
Zwar konnte ich nicht genau verstehen, welchen Literatur-Tipp Dr.
Strum gibt, aber Dr. Eichhorn als Übersetzer ist zu hören,
dass Strum auf Stanford verweist und auf Arbeiten von "Trinivas"
oder so ähnlich.
-
Zum Glück haben wir das Forum.
-
Der Suchbegriff "Triamcinolon" bringt allerhand und
irgendwie war das Thema ja auch nicht neu. HWL verweist in diesem
Diskussionsfaden auf Feldman und schon bringt die nächste Suche
im PubMed die Quelle: Suchbegriff "feldman
triamcinolone prostate cancer" ergibt zwei Treffer:
-
"Phase II study evaluating oral
triamcinolone in patients with androgen-independent prostate cancer"
von 2006. Autoren: Srinivas S, Krishnan AV, Colocci N, Feldman D.,
und, schon von 2002:
-
"A Glucocorticoid-Responsive Mutant
Androgen Receptor Exhibits Unique Ligand Specificity: Therapeutic
Implications for Androgen-Independent Prostate Cancer".
Autoren: ARUNA V. KRISHNAN, XIAO-YAN ZHAO*, SRILATHA SWAMI, LARS
BRIVE†, DONNA M. PEEHL, KATHRYN R. ELY, AND DAVID FELDMAN.
Der im Strum-Vortrag gehörte Name "Trinivas" stellt
sich als Srinivas heraus.
-
Die grundlegende Arbeit aus 2002
ist im fulltext von der Zeitschrift herunterladbar, hier
ist der Link.
-
Nun habe ich auch den Ursprungs-Diskussions-Faden aus Mai 2006
wiedergefunden, schon drei Jahre her [siehe
den Anfang dieser Seite – Ed]:
-
Carola hatte angefangen, Dr. Eichhorn hatte den Lit-Tipp von Strum
als Abstract reingestellt, Günter hatte ihn übersetzt und
HWL war auch schon dabei.
-
HWLPORTA schrieb dazu am 21.5.2009:
-
Die Diskussionen zur ungünstigen Wirkung von Glukokortikoiden,
also etwa von Hydrocortison als begleitende Medikation bei der
Behandlung von PCa und die ersatzweise Verwendung von Triamcinolon
(Triam) wurden durch die nachstehende Mitteilung von Rustra neu
belebt.
-
Zitat:
-
Anlass ist die erneut ausgesprochene Warnung von Dr. Strum,
Cortison-Präparate einzusetzen, ohne genau den Rezeptor-Status
der Androgenrezeptoren zu kennen. Im Vortrag in Bielefeld gab es an
dieser Stelle durch den Übersetzer, Prof. Eickenberg, eine
Gegenüberstellung, die die Brisanz des Themas erst richtig klar
machte: Er erzählte, dass es derzeit in Deutschland 32
Prostatakarzinom-Studien gibt und dass davon 5 Studien mit Cortison
arbeiten. Wenn man also die Warnung von Dr. Strum, der schon länger
beispielsweise in der Ketokonanzol-Therapie kein Hydrocortison mehr
gibt, sondern Triamcinolon (Dr. Eichhorn auch), ernst nimmt, dann
müssten die Studien-Designs dieser 5 Studien in Frage gestellt
werden.
-
Ich fand diese Hervorhebung ausgerechnet durch einen Uro-Prof
sehr bemerkenswert. Da wir in unserer Gruppe ausserdem einen
Kollegen haben, der kürzlich 4mg Cortison als
Begleit-Medikation bekommen hat und jetzt mit Nebenwirkungen
belästigt wird, ist dieser Punkt bei uns hochgespült und
in der SHG-Sitzung diskutiert worden.
-
Die Mitteilung von Prof. Eickenberg, dass offenbar bei fünf von
32 PCa-Studien immer noch mit Cortison gearbeitet und dass in
Hamburg ein SHG-Mitglied von seinem niedergelassenen Urologen mit
Cortison als Begleitmedikation behandelt wird, halte ich für
ein Zeichen dafür, dass sowohl in manchen Instituten als auch
bei bestimmten Urologen die fachliche Weiterbildung unterentwickelt
ist. Denn dieses Thema ist nicht erst seit 2006 bekannt, als
Dr. F. E. Triam statt Hydrocortison einsetzte und andere
folgten. Mir liegt eine Pressemitteilung des Deutschen
Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg vor, datiert vom 16. Juni
2003 (!). Dort wird über eine Studie des DKFZ und der
Universitäten Ulm und Heidelberg berichtet, dass
Glukokortikoide, (Anm.: also insbesondere Hydocortison, Prednisolon
und Dexamethason; heute weiß man: mit Ausnahme von Triam)
Zellen von Gebärmutterhals- und Lungentumoren gegen die
Behandlung resistent machen. Inzwischen wurde bekannt, dass auch
andere Tumorarten, wie etwa das PCa, analog reagieren.
-
Ich bin also gleichfalls der Meinung von Rustra, dass ein dringender
Hinweis an die betreffenden Institute mit Forderung nach Abbruch der
Untersuchungen gehen sollte, um Schaden von den Probanden und den
Instituten abzuwenden. Auch ist zu diskutieren, ob eine
entsprechende Anfrage bei der Deutschen Urologischen Gesellschaft
DGU sinnvoll ist, ob und in welchem Umfang Glukokortikoide in den
urologischen Praxen noch als Begleitmedikation bei der
PCa-Behandlung eingesetzt und wo Triam verwendet wird.
-
Nachfolgend der Inhalt der DKFZ-Pressemeldung aus dem Jahr 2003.
-
Wohl und Wehe von Glukokortikoiden in der Krebsbehandlung
-
Steroidhormone können den Erfolg einer Chemo- oder
Strahlentherapie verhindern.- -
Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen – diese unerwünschten
Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie lassen sich häufig
durch Glukokortikoide abmildern. Die begleitende Verabreichung
dieser Steroidhormone gilt bisher als unverzichtbar in der
Krebsbehandlung. Doch dieses Therapiekonzept muss möglicherweise
bei bestimmten Krebsarten überdacht werden. Dies legen die
Forschungsergebnisse nahe, die Privatdozentin Dr. Ingrid Herr,
Deutsches Krebsforschungszentrum, sowie Prof. Klaus-Michael Debatin*
und Prof. Magnus von Knebel Doeberitz* in der Fachzeitschrift Cancer
Research** veröffentlicht hatten. Die Wissenschaftler stellten
zusammen mit weiteren Kollegen aus Heidelberg fest, dass
Glukokortikoide Zellen von Gebärmutterhals- und Lungentumoren
gegen die Behandlung resistent machen.
-
Glukokortikoide wirken sich positiv auf das Allgemeinbefinden der
Patienten während einer Therapie aus. Zudem lösen diese
Steroidhormone bei Leukämiezellen den programmierten Zelltod,
die Apoptose, aus und unterstützen somit den Therapieerfolg.
Dies ist jedoch nicht der Fall bei soliden Tumoren, im Gegenteil:
Gebärmutterhals- und Lungenkarzinome wachsen unter
Glukokortikoidhormonen sogar schneller. An Zellen und an Mäusen
untersuchte Ingrid Herr, wie die Substanz Dexamethason auf
molekularer Ebene in die Signalkaskade des programmierten Zelltods
eingreift. Sie fand heraus, dass das Glukokortikoid direkt und
indirekt die Aktivität vieler Signalmoleküle beeinflusst
und letztlich auch zwei entscheidende Komponenten, die Caspase-8 und
-9, hemmt. Die Blockade dieser Enzyme ist offensichtlich der
Hauptgrund dafür, dass die Zellen solider Tumoren nicht mehr
auf die Therapie ansprechen. Diese Annahme hat Ingrid Herr mit einer
weiteren Untersuchung untermauert: Bringt man die Gene der Caspasen
oder ihre funktionsfähigen Produkte in die Tumorzellen ein, so
werden diese wieder empfänglich für das Apoptosesignal und
sterben ab.
-
Bislang sind die molekularen Abläufe nicht im einzelnen
geklärt, und klinische Untersuchungen müssen sich
anschließen, dennoch könnten die Ergebnisse weitreichende
Auswirkungen auf den Einsatz von Glukokortikoiden in der
Krebsbehandlung haben. Ingrid Herr und Kollegen überprüfen
jetzt die Wirkung von Glukokortikoiden bei jeder einzelnen Krebsart,
um eine differenzierte Aussage machen zu können.
-
*Prof. Klaus-Michael Debatin, der frühere Leiter der Klinischen
Kooperationseinheit Molekulare Onkologie/Pädiatrie, ist derzeit
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Ulm.
-
*Prof. Magnus von Knebel Doeberitz ist heute Ärztlicher
Direktor des Instituts für Molekulare Pathologie der
Universität Heidelberg.
-
**"Glucocorticoid co-treatment induces apoptosis resistance
towards cancer therapy in carcinomas", Ingrid Herr, Esat Ucur,
Kerstin Herzer, Stella Okouoyo, Rüdiger Ridder, Peter Krammer,
Magnus von Knebel Doeberitz and Klaus-Michael Debatin, Cancer
Research, 63 (12), June 15, 2003.
-
DKFZ-Pressemitteilungen Nr. 31, 16. Juni 2003