Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Tamoxifen

[Der Wirkstoff Tamoxifen ist ein selektiver Estrogenrezeptormodulator, der zur Behandlung von Mammakarzinomen (Brustkrebs der Frau) eingesetzt wird. Beim Mann unter einer Androgenentzugstherapie (vor allem einer Monotherapie nur mit einem Antiandrogen) kann es durch das dann eintretende Ungleichgewicht zwischen (dem unterdrückten) Androgen und dem (auch beim Mann in geringer Menge vorhandene Östrogen) zu teils schmerzhaftem Brustwachstum (Gynäkomastie) kommen. Dem kann durch das Verabreichen von Tamoxifen entgegengewirkt werden. Ein Zurückbilden bei bereits bestehender Gynäkomastie wird kaum bewirkt.
Tamoxifen ist unter den Handelsnamen Ebefen® (A), Mandofen® (D), Nolvadex® (D, A, CH), Tamec® (CH), Tamokadin® (D) sowie als diverse Generika (D, A, CH) auf dem Markt.
Ed]

Dieter V schrieb am 19.4.2005:
Eine interessante Information für alle, die Probleme mit Brustwachstum unter / nach Hormonblockade-Therapie haben. Ich würde mich nicht bestrahlen lassen! Schließlich sagte schon unser seliger Wil: "da drunter ist ja mein Herz!" und stand auf und verließ die Strahlenklinik...
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT: 15.04.2005
M E D I Z I N
Tamoxifen schützt vor Gynäkomastie nach antiandrogener Therapie
LONDON. Bei einer antiandrogenen Medikation zur Behandlung eines Prostatakarzinoms entwickeln die Patienten häufig eine Gynäkomastie. Sisto Perdonà und Mitarbeiter vom nationalen Tumorinstitut in Neapel, Italien, haben in einer randomisierten Studie untersucht, ob die Gabe von Tamoxifen oder eine Bestrahlung der Brust die Entwicklung einer Gynäkomastie nach antiandrogener Therapie wirkungsvoller verhindert. Wie die Autoren in einem vorab online veröffentlichten Artikel im Lancet Oncology mitteilen, reduzierte Tamoxifen eine Gynäkomastie und Brustschmerzen am wirksamsten.
151 Patienten mit Prostatakrebs erhielten täglich 150 mg Bicalutamid. Sie wurden in drei Gruppen randomisiert, am ersten Behandlungstag mit 12 Gy bestrahlt oder täglich mit 10 mg Tamoxifen für 24 Wochen behandelt. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle. Hier entwickelten 35 der 51 Männer eine Gynäkomastie, im Vergleich zu 17 nach der Bestrahlung und vier aus der Tamoxifengruppe. Wenn sich eine Gynäkomastie entwickelte, war sie in den meisten Fällen mit Schmerzen verbunden.
Die Patienten aus der Kontrollgruppe wurden anschließend auch mit Tamoxifen therapiert. Dies führte ebenfalls zu einer signifikanten Besserung der Symptomatik. Die Kombinationsbehandlung mit Tamoxifen verschlechterte nicht die Lebensqualität. Ob diese Behandlungsmodalität die Überlebensrate beeinflusst, kann anhand dieser Arbeit nicht geschlossen werden. /me
Links zum Thema:
Der Beitrag im Lancet [eine angesehene britische medizinische Zeitschrift – Ed]: http://image.thelancet.com/extras/05oncf221web.pdf.
© Deutscher Ärzte-Verlag

annegret fragte am 20.12.2009:
Kennt sich jemand mit diesem Mittel [Tamoxifen – Ed] aus? Hilft es bei hormonell bedingtem Brustwachstum?
Conobar antwortete am selben Tag:
Durch die Einnahme von Bicalutamid (Casodex o.ä.) bekam ich trotz vorheriger prophylaktischer Bestrahlung Gynäkomastie mit nicht unerheblichen Schmerzen und Spannungsgefühl in der Brust. Die vom Urologen verordnete Tamoxifen-Salbe zeigte so gut wie keine Linderung. Daraufhin ließ ich mir Tamoxifen-Tabletten verschreiben in der Dosierung 10 mg. Einnahme 1x tägl. eine. Nach kaum zwei Wochen verschwanden das Spannungsgefühl und die Schmerzen. Ich hatte dann mehrere Wochen Ruhe, habe jetzt wieder mit der Therapie begonnen und werde bei Nachlassen der Beschwerden wieder intermittieren.
Ein Zurückbilden der Gynäkomastie hat das leider nicht bewirkt.