Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Statine

Ralf schrieb am 3.5.2004:
von Dr. Leibowitz gibt es eine neue Abhandlung, diesmal über die Medikamentengruppe der Statine. Sie werden standardmäßig zum Absenken hoher Cholesterinspiegel eingesetzt. Bei einigen von ihnen hat man darüberhinaus eine Antikrebswirkung festgestellt, wovon Dr. Leibowitz berichtet. Der übersetzte Artikel ist zu finden über => Texte, der letzte Link in der Tabelle. [Der Text im PDF-Format kann auch hier direkt heruntergeladen werden. – Ed]

Dieter V. schrieb am 24.4.2005:
auf der einen Seite müssen wir leider immer wieder mit ansehen, wie standardurologische "Behandlung" versagt, auf der anderen Seite sieht man immer wieder neue Ansätze zur besseren Behandlung von PK. Der folgende Beitrag aus dem Ärzteblatt, dem "Amtsblatt" und Pflichtlektüre der Ärzte,
läßt mich auf den Beitrag von Dr. Bob Leibowitz zum Thema Statine hinweisen.
Dieser Artikel ist bereits ein Jahr alt. Er beschreibt die Chancen der Statinsenker nicht nur zur Prophylaxe, sondern auch zur Bekämpfung des PK. Viele von uns nehmen heute bereits Sortis, ein neuer Statin-Senker. Auf Empfehlung von Dr. Leibowitz/Tucker.
Leibowitz ist offensichtlich ein Vorkämpfer.
Die deutsche Urologie sollte endlich einmal anfangen, dazuzulernen! Nur einige wenige Urologen – wir kennen sie – sind aufgewacht und kämpfen mit neuen Erkenntnissen.
Der Rest der Urologen hängt immer noch an alten Zöpfen!
Sie sollten doch mal aufmerksamer das Ärzteblatt ... und die Veröffentlichungen von Dr. Leibowitz lesen....
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT ONLINE 19.04.2005
M E D I Z I N
Schützen Statine vor Prostatakrebs? (http://www.deutsches-aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=19845)
ANAHEIM/KALIFORNIEN. Je länger Männer Lipidsenker aus der Gruppe der "Statine" einnehmen, desto seltener erkranken sie an Prostatakrebs. Die regelmäßige Einnahme des Medikamentes halbierte in einer Auswertung der Professionals Follow-up Study das Risiko auf eine fortgeschrittene Erkrankung sogar um die Hälfte, heißt es in einer Pressemitteilung der American Association for Cancer Research (AACR).
Die Professionals Follow-up Study gehört zu den prospektiven Beobachtungsstudien, die den Ursachen von Zivilisationserkrankungen auf den Grund gehen. Hierzu gehört – mit Abstrichen – auch das Prostatakarzinom, das nicht zuletzt aufgrund der steigenden Lebenserwartung in der Bevölkerung immer häufiger wird. Die Auslöser des Prostatakarzinoms sind weitgehend unbekannt, frühere Untersuchungen hatten jedoch bereits auf einen Zusammenhang mit einer Hypercholesterinämie hingewiesen, darunter auch eine Auswertung der General Practice Research Database, einer Datenbank britischer Hausärzte. Sie ergab, dass Patienten mit unbehandelter Hyperlipidämie zu 50 Prozent häufiger an Prostatakrebs erkranken (Br J Cancer 2004; 90: 635-7). Auch für Kolonkarzinom und Blasenkrebs wurde übrigens eine Assoziation mit den Lipidwerten beobachtet.
Die Auswertung von Elizabeth Platz von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore liefert hierzu die korrespondierenden Daten. Sie wertete die Daten von 34.438 Männern aus, die seit 1986 alle zwei Jahre interviewt und medizinisch untersucht werden. Bis zum Jahr 2000 waren 2.074 neu an einem Prostatakarzinom erkrankt, davon 283 mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom und 206 mit metastasiertem oder bereits tödlichem verlaufener Erkrankung.
Die Analyse ergab nun, dass in den letzten beiden Gruppe Patienten unterrepräsentiert waren, die wegen einer Lipidstörung mit Medikamenten behandelt worden waren. Platz gibt eine Hazard-Ratio von 0,54 an für alle fortgeschrittenen Prostatakarzinom-Erkrankungen. Für metastasierte und tödliche Tumoren betrug die Hazard Ratio sogar 0,34. Das heißt: Die Einnahme von Lipidsenkern (und dies waren zu 90 Prozent Statine) senkte das Risiko auf ein metastasiertes oder tödliches Prostatakarzinom um zwei Drittel.
Das sind beeindruckende Zahlen, die indes "nur" aus einer Beobachtungsstudie stammen. Die Epidemiologin betont, dass die Studie keineswegs beweist, dass Statine den Prostatakrebs verhinderten. Hierzu müssten weitere Studien durchgeführt werden, wobei die Epidemiologin an randomisierte kontrollierte Interventionsstudien denkt.
Völlig überzogen wäre es, aufgrund der Studie ältere Männer präventiv mit Lipidsenkern zu behandeln, auch wenn diese keine erhöhten Cholesterinwerte haben. Aufgrund der Daten der General Practice Research Database wäre vorstellbar, dass die Statine nicht direkt präventiv wirken, sondern nur den Risikofaktor Hyperlipidämie abstellen. Aber auch dies müsste erst in weiteren Studien belegt werden.
Platz erinnerte daran, dass es in den ersten Jahren nach der Einführung der Statine einmal die Befürchtung gegeben habe, dass Statine Krebserkrankungen auslösen, was sich aber später nicht bestätigte. /rme
Links zum Thema
Pressemitteilung der AACR: http://www.aacr.org/Default.aspx?p=1275&d=366
Pressemitteilung der Johns Hopkins Medical Institutions: http://www.eurekalert.org/pub_releases/2005-04/jhmi-mes041305.php
Hintergrund zur Health Professionals Follow-Up Study (HPFS): http://www.hsph.harvard.edu/hpfs/
Abstract der britischen Studie:
http://www.nature.com/cgi-taf/DynaPage.taf?file=/bjc/journal/v90/n3/abs/6601566a.html&dynoptions=doi1113912357
Alle Pressemitteilungen der AACR-Jahrestagung: http://www.aacr.org/page1275.aspx.
RuStra war skeptisch. Am selben Tag schrieb er:
ich möchte etwas bremsen, die Empfehlung von DocLeibowitz für Statine bei gleichzeitiger Ablehnung hochdosierten Fischöls hat mir schon länger zu denken gegeben. Er schreibt in dem Artikel von April 2004, dass weder er noch sein Partner DocTucker noch ihre Familien Anteile an Pfizer besitzen, aber ich finde trotzdem die Übernahme der Statine-Euphorie verkehrt. Weder kommt der Fall Baycol in dem Artikel vor, noch die Warnungen gerade in Bezug auf Brustkrebs.
Ich habe ein aktuelles Statement von Barry Sears übersetzt, der die gegenteilige Position einnimmt.
Barry Sears, in: The Omega Zone Volume 9 - 2005
Breitere Anwendung von Statinen ist fragwürdig
Kardiologen lieben Statine so sehr, dass sie manchmal scherzen, man sollte sie ins Trinkwasser tun, wie neulich im San Francisco Chronicle zu lesen war. Das ist zwar ein bischen extrem, aber nicht weit entfernt von Planungen, Statine wie Aspirin oder Hustenmittel frei zu verkaufen.
Warum dieser Druck von Seiten der Hersteller? Der Verfall von Patentschutz ist der eigentliche Grund. Das Patent auf das allererste Statin läuft ab.
Statine haben Nebenwirkungen. Gedächtnisverlust, Muskelschwäche, Leberschäden, Neuropathie und, was am wichtigsten ist, ein Ansteigen der Arachidonsäure. Das erklärt, warum 50% derjenigen, die mit Statinen angefangen haben, bereits nach nur 1 Jahr damit wieder aufhören. Nicht gerade eine gute Sache für eine „Wunder“-Droge.
Eine genauere Betrachtung der Daten zeigt, dass die Effizienz der Statine keineswegs universell ist. Die einzigen, die einen tatsächlichen Rückgang bei Herzattacken zu haben scheinen, sind Männer im mittleren Alter. Für Frauen und ältere Menschen (die viel wahrscheinlicher einen Herz-Tod sterben können) sind die langfristigen Vorteile viel geringer.
Darüberhinaus hat die CARE-Studie in Harvard einen 12-fachen Anstieg von Brustkrebs bei Frauen gezeigt, die Statine nehmen. Nimmt man noch dazu, dass ein Statin (Baycol) bereits vom Markt genommen wurde, weil es Todesfälle verursacht hat, sowie den Anstieg von Brustkrebs in einer weiteren Harvard-Studie, schliesslich der bekannte Anstieg der Arachidonsäure, dann scheint es an der Zeit zu sein, Statine rigoroser zu hinterfragen, so wie es die Regierung derzeit für alle COX-2-Hemmer macht (eine andere „Wunder“-Droge).
Wenn Sie Herzkrankheiten reduzieren möchten, ist das beste, schleichende Entzündungen zu reduzieren und die kosten-effektivste Art, das zu tun, ist, eine Menge Fischöl zu nehmen. Die einzige Nebenwirkung von Fischöl ist, dass man besser drauf ist ( The only side effect of fish oil ist hat it makes you smarter).
Ähnlich Paul am 25.4.2005:
Solche Veröffentlichungen [wie die von Dieter zitierte – Ed] gibt es zu verschiedenen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln (mal in der einen, mal in der anderen Richtung). Ich sehe das etwas gelassener. Auf Grund dieser Veröffentlichung habe ich kürzlich in einem anderen PK-Forum geschrieben:
Hallo ..., es ist zwar richtig, dass ein statistischer Zusammenhang zwischen Statinen und dem Risiko an PK zu erkranken besteht. Das Gleiche gilt z. B. auch für grünen Tee.
Man kann damit aber keineswegs die Erkrankung verhindern, sondern lediglich das statistische Risiko geringfügig vermindern (zu Lasten der Nebenwirkungen von Statinen).
Und RuStra fügte am selben Tag hinzu:
hier noch ein weiteres Statement von Barry Sears, die seine Kritik an Statinen deutlicher werden lässt:
Barry Sears, The Anti-Inflammation Zone, Regan Books, 2005
Kapitel 15:
Warum Herzkrankheiten sehr wenig mit Cholesterin aber alles mit schleichenden Entzündungen zu tun haben
Auszug, S. 253
Sollte man einen Cholesterin-Senker nehmen?
Eine übliche Situation: Ihr Arzt sagt Ihnen, dass Sie zu hohes Cholesterin haben und einen Cholesterin-Senker nehmen sollten. Sie mögen sich zunächst widersetzen. Doch dann fühlen Sie sich gut. Doch schließlich möchten Sie nicht einen plötzlichen Herztod sterben und praktisch jeder, den Sie kennen, nimmt irgendeinen Cholesterin-Senker. Also, was sollten Sie tun?
Bevor Sie eine Entscheidung treffen, sollten Sie sich mit Informationen bewaffnen.
Cholesterin-Senker, die in den 70-ern und 80-ern produziert wurden, wurden als Mittel gegen Herz-Tod gesehen. Bedenklicher aber war, dass sie oft die allgemeine Mortalität ansteigen ließen, was natürlich keine gute Sache war. Dann kamen 1994 als neue Klasse von Cholesterin-Senkern die Statine, und sie wurden als viel effektiver angesehen, Herzanfällen vorzubeugen. Kardiovaskuläre Forscher waren sicher, dass diese Wunder-Mittel das erreichten durch Absenken „schlechter“ Cholesterin-Level. (Als Nebenbemerkung: Insulin-Senkung senkt ebenfalls „schlechtes“ Cholesterin.)
Wie es sich aber herausgestellt hat, arbeiten Statine wahrscheinlich nicht über das Absenken von Cholesterin. Sie haben tatsächlich ein viel breiteres Wirkungs-Spektrum, als das sich je einer vorgestellt hatte. Sie arbeiten als grobe Entzündungs-Hemmer, indem sie die Freisetzung des C-reaktiven Proteins (CRP) aus der Leber blocken. Diejenigen Patienten, die die höchsten Level von CRP hatten (einem groben Marker für Entzündungsprozesse), hatten auch den größten Abfall in der Herzkrankheits-Mortalität, wenn sie Statine nahmen. Allerdings sind Statine nicht sehr gute Entzündungs-Hemmer, denn sie reduzieren nicht die entzündungs-fördernden Zytokine wie IL-6, wodurch wieder die CRP-Produktion veranlasst wird (wobei CRP kein besonders guter Marker für Entzündungsprozesse ist); Statine hemmen lediglich die Freisetzung des CRP aus der Leber. Sie scheinen außerdem das Rho-Gen zu hemmen, das für Entzündungs-Reaktionen zuständig ist. Demzufolge liegt also die Arbeitsweise der Statine zur Reduzierung von Herz-Anfällen darin, nur bestimmte Typen von Entzündungsprozessen zu reduzieren, während hochdosiertes Fischöl alle Typen von Entzündungsprozessen reduziert, weil es die Produktion der Arachidonsäure herabsetzt. Die Fähigkeit der Statine, LDL-Cholesterin zu reduzieren, mag darüber hinaus ein weiterer, sekundärer Faktor sein bei der Reduzierung der Herz-Mortalität.
Schließlich können Statine eine Heerschar von Nebenwirkungen verursachen, wie Gedächtnisverlust, Muskelschwäche, Leberschäden und steigendes Risiko von Nervenschädigungen (Neuropathie). Tatsächlich hören die Hälfte der Patienten nach einem Jahr Statin-Einnahme damit wieder auf, aufgrund der Nebenwirkungen. Aber da ist noch eine andere Nebenwirkung der Statine, über die die Pharma-Konzerne nicht gerne sprechen. Statine erhöhen auch signifikant den Arachidonsäure-Level. Dies bedeutet, dass die Langzeit-Einnahme von Statinen unwiderruflich schleichende Entzündungsprozesse forciert. Tatsächlich zeigt eine Studie, dass die Zahl der Patientinnen, die Brustkrebs entwickeln (eine andere Krankheit, die durch schleichende Entzündungsprozesse verursacht wird), signifikant höher ist bei denen, die Statine nehmen, gegenüber denen, die ein Plazebo bekamen. Das mag nicht die Art von Botschaft sein, die Sie vielleicht hören möchten, erst Recht, wenn Sie sich anschicken, für den Rest Ihres Lebens diese Medikamente nehmen zu wollen.
Empfehle ich Statine? Nur, wenn Sie jede Darstellung über Ernährung und Lebensstil, wie sie in diesem Buch gegeben wurde, beherzigt haben und Sie sind immer noch nicht in der Anti-Inflammation-Zone, mit einem Bluttest bewiesen. Wenn Sie Statine nehmen, supplementieren Sie sie immer mit hochdosiertem Fischöl, um den inhärenten Anstieg der Arachidonsäure, den diese Medikamente bewirken (und damit schleichende Entzündungsprozesse), zu reduzieren.
Am 26.4.2005 meldete sich HWL zum Thema "Statine":
Zum Thema "Statine und Prostatakrebs" möchte ich nach Dieter V. vom 24.04.2005 einen neuen Aspekt in die Diskussion einbringen. Denn ich selbst nehme seit etwa drei Jahren regelmäßig Statine, zunächst täglich 40 mg Zocor, später reduziert auf 20 mg Simvastatin – nach Ablauf des Patentschutzes und Preisverfall. Grund war nicht ein zu hoher Cholesterinwert, sondern der Versuch, die Progression der bei mir vorhandenen sekundär chronisch-progredienten MS zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Die Einnahme erfolgte nach Diskussion mit dem Hausarzt und unter regelmäßiger Laborkontrolle.
Über die Möglichkeit, dass bestimmte Statine neben der Cholesterin senkenden Wirkung auch gegen andere Erkrankungen wirksam sein könnten, war in der einschlägigen Wissenschaftspresse seit dem Jahre 2000 mehrfach berichtet worden. Auch damals entstand ein erheblicher wissenschaftlicher Disput über sich hier abzeichnenden Möglichkeiten. Insbesondere in Deutschland – ich erinnere mich noch genau – lehnte die Phalanx der auf immunmodulierende Beta-Interferone fixierten Schulmediziner diesen neuen Weg der MS-Behandlung ab. Begründung: keine beweiskräftigen Studien. Dass man diesen, sich schon damals abzeichnenenden Markt nicht den Amerikanern, Briten oder Australiern überlassen sollte, sondern selbst innovativ werden muss, diese Erkenntnis kam erst später.
Nachdem eine größere Anzahl von Instituten in Tierversuchen die wahrscheinliche Wirkung der Statine gegen MS bestätigt hatte, wurden über zwei Jahre klinische Humanversuche in USA, Österreich und sogar in Deutschland mit Zocor und Simvastatin sowie in der Charité, Berlin auch mit Atorvastatin mit Erfolg durchgeführt. Bei allen Untersuchungen wurde eine immunmodulierende Wirkung der Statine festgestellt. Im April 2003 wurden die positiven Ergebnisse anlässlich einer Tagung in Honololu/Hawaii diskutiert. Gegenwärtig wird untersucht, ob Statin als Monopräparat oder in Verbindung mit den konventionellen Beta-Interferonen wirkungsvoll ist. Die Versuche befinden sich in Phase III, und man rechnet mit der Markteinführung im Jahr 2008, sofern es die (hier voraussichtlich hart betroffenen) Pharma-Interessen zulassen.
Inzwischen wurde aus dem Karolinska-Institut in Stockholm bekannt, dass eine nachweisbare Verbindung besteht auch zwischen den beiden entzündlichen Autoimmunerkrankungen Multiple Sklerose und Rheuma und bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sich gezeigt hatte, dass in allen Fällen das Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt und auf diese Weise eine chronische Entzündung hervorruft.
Bereits im Jahr 2002 hatte man vermutet, dass die Statine auch für die Behandlung von Morbus Parkinson geeignet sein könnten, und die ersten Untersuchungen hatten erstaunlich positive Wirkungen gezeigt. Im gleichen Jahr haben dann die Forscher der Universität Boston nachgewiesen, dass Statine auch das Risiko von Alzheimer um rund 80 % senken können. Dieses positive Ergebnis stammt aus einer Studie mit über 2500 Personen aus 800 Familien, denen die Statine zu Vorbeugung von Herzerkrankungen gegeben worden waren. Von diesen Probanden waren 912 auf Grund ihrer Famliengeschichte anfällig für Alzheimer (!) bzw. hatten die Krankheit bereits entwickelt. Die Ergebnisse wurden von den Fachleuten als sehr bedeutsam bezeichnet, so dass grössere Studien erforderlich wurden.
Die von Dieter V. in seinem Forumsbeitrag vom 24.04.2005 erwähnten 10-Jahres-Studien der Johns Hopkins Medical Institutions mit ca. 30.000 Personen und die anderer Einrichtungen zeigen m. E. sehr deutlich, dass Statine mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichfalls eine Wirkung auf die Entstehung von Prostatakrebs und von Brustkrebs haben und dass – wie bei den anderen Erkrankungen – sich eine völlig neue Therapie anbahnen könnte, aber weitere umfangreiche Studien erforderlich werden. Aus den Studien über die Krankheiten Herz-Kreislauf, MS, Rheuma, Parkinson, Alzheimer, Brustkrebs (?) und Prostatakrebs (?) folgern viele Beobachter der Szene, dass sich die Statine zu einem "Aspirin der Zukunft" entwickeln könnten; denn in der Tat werden für dieses erstaunliche Medikament in immer schnellerer Folge neue Anwendungsgebiete erschlossen, und das Gebiet Prostatakrebs gehört möglicherweise dazu.
So sieht man in Grossbritannien seit Mitte 2004 die Statine bereits als Universalmedikament, und da man dort im Gesundheitswesen nicht selten anderen Ländern gegenüber eine Nasenlänge voraus zu sein scheint, wurden Statine zur Selbstmedikation bei koronaren Herzerkrankungen zugelassen. So hat die britische Zulassungsbehörde MHRA (Medicines and Health Products Regulatory Agency) eine niedrig dosierte Version von Simvastatin zum rezeptfreien Einkauf von Apotheken freigegeben. Natürlich werden hierfür einige einschränkenden Bedingungen gemacht, etwa nur Männer um Alter von 45-54 Jahren und Frauen über 55 Jahre, sofern sie zusätzliche Risikofaktoren haben, etwa das Rauchen. Der Patient muss in der Apotheke einen Fragebogen ausfüllen u. dgl. Ob die seinerzeitige Zulassung allein für die koronare Herzerkrankung vom Mitte 2004 inzwischen auch auf andere Erkrankungen erweitert wurde, ist mir allerdings nicht bekannt.
Albin lieferte am selben Tag den nachstehenden Link zu einer Seite der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, auf der über akuten Gedächtnisverlust unter Atorvastatin und Simvastatin berichtet wird:
http://www.akdae.de/20/20/797_20050204.html

RuStra schrieb am 1.5.2005:
Da ich gerade das PubMed nach Veröffentlichungen unter den Stichworten "Prostate Cancer Statins" durchforste, hier die Warnung eines britischen Forschers - wen das evtl. betreffen könnte, der sollte sich an den Arzt per e-mail wenden können
Rhabdomyolysis in prostate cancer--caution in prescribing cyproterone acetate with statins.
Clin Oncol (R Coll Radiol). 2004 Dec;16(8):528-9. No abstract available.
PMID: 15630845 [PubMed - indexed for MEDLINE]
Rhabdomyolysis in prostate cancer--caution in prescribing cyproterone acetate with statins.
Rhabdomyolyse bei Prostatakrebs - Warnung vor der Verordnung von Cyproteronacetat mit Statinen
Ahamed E, Bissett D.
Department of Clinical Oncology, Grampian University Hospitals NHS Trust, Aberdeen, UK. e.ahamed@abdn.acuk
Publication Types:
• Case Reports
PMID: 15630845 [PubMed - indexed for MEDLINE]
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Myolyse ist die fachliche Bezeichnung für die Zerstörung von Muskelzellen. Rhabdomyolyse ist die Zerstörung der so genannten quergestreiften Muskulatur. Quergestreifte Muskulatur findet zum Beispiel am Herzen, aber auch die Skelettmuskulatur gehört dazu. Als Symptome treten Muskelschwäche und -schmerzen auf. Die Rhabdomyolyse kann erblich bedingt der die Folge von Krankheiten sein. Sie wird aber auch durch Alkohol, Drogen wie Heroin oder Arzneimittel verursacht.
Im Jahr 2001 wurde der Arzneistoff Cerivastatin wegen dieser Nebenwirkungen aus dem Verkehr gezogen. Der Stoff wurde zur Senkung der Blutfettwerte eingesetzt. Rhabdomyolysen waren besonders aufgetreten, nachdem Cerivastatin gemeinsam mit der Substanz Gemfibrozil eingesetzt worden war.
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http://www.netdoktor.de/medikamente/100010753.htm
Cyproteronacetat bzw. als Markennamen unter Androcur bekannt. Cyproteronacetat ist ein Gegenspieler des männlichen Sexualhormons Testosteron. Es ist in der Lage, die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone im menschlichen Körper abzuschwächen. Darüber hinaus hemmt es ebenfalls die Produktion von Testosteron.
Die Hemmwirkung auf die männlichen Hormone bewirkt eine Veränderung der Behaarung, eine Verringerung der Talgdrüsenabsonderung und eine Unterdrückung der männlichen Samenbildung. Auch das Wachstum von hormonabhängigem Drüsengewebe, so zum Beispiel Prostatagewebe, wird unterbunden, was bei Prostatakrebs genutzt wird.
Cyproteronacetat
Im Gehirn blockiert Cyproteronacetat die Bindungsstellen von Testosteron, deren Stimulierung sexuelle Reaktionen und Erlebnisfähigkeit auslösen. So wirkt es triebdämpfend und wird bei Männern mit abnormaler oder krankhaft gesteigerter Sexualität zur Triebhemmung angewendet. Cyproteronacetat bewirkt auch bei Frauen eine Abschwächung der männlichen Hormonwirkung im Körper.
Anwendungsgebiete
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hier ein Beitrag von Ralf mit einem skeptischen Kommentar von Dr.Strum:
28.10.04, 21:13
Liebe Mitstreiter,
wir haben in der Vergangenheit hier im Forum schon ein paarmal darüber gegrübelt, ob im Zuge einer DHB Androcur eine Alternative zum teuren Casodex und zum nebenwirkungsreichen Flutamid sein könnte, und wussten es nie so recht. Heute fand ich im p2p-Forum zumindest Dr. Strums Meinung dazu:
"I am not a big fan of Androcur (cyproterone acetate or CPA). I do not find it as effective as Flutamide or Casodex." (Ich bin kein großer Freund von Androcur (Cyproteronazetat oder CPA). Es erscheint mir nicht so wirksam wie Flutamid oder Casodex).
Ich weiß, dass manche derer, die es verwenden, trotzdem mit der Wirksamkeit zufrieden sind.