Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum von KISP
und BPS
Silymarin
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[Silymarin
ist ein aus der Mariendistel gewonnenes Präparat und hat eine
schützende und entgiftende Wirkung für die Leber. Neue
Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Silymarin auch direkt gegen
Prostatakrebs wirksam sein könnte. – Ed]
- Günter
F reichte am 8.12.2004 den folgenden Bericht ein:
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angeregt durch eine
Posterpräsentation während des DGU Kongresses in diesem
Jahr in Wiesbaden über die Wirkung von Silibinin auf
Prostatakrebszellen, habe ich eine Beschreibung hierzu von Herrn Dr.
rer. nat. Thelen von der Abteilung Experimentelle Endokrinologie,
Universität Göttingen erbeten und erhalten. Bis auf die
ebenfalls übersanden Statistiken stelle ich den Bericht von Dr.
Thelen hiermit vor.
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Paul Thelen und
Rolf-Hermann Ringert:
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Das Flavonoid
Silibinin hemmt die PSA-Sekretion und die Telomerase-Aktivität
in Prostatakarzinomzellen
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Einleitung: Therapien
des metastasierenden Prostatakarzinoms, die auf Hormonabhängigkeit
dieser Erkrankung abzielen sind die kombinierte Androgenblockade,
Östrogen- und LHRH-Agonisten, Anti-Androgene wie Flutanid,
Nilutamid und Cyproteron-Acetat. Viele dieser Therapien haben
Nebenwirkungen, wie Gynäkomastie, Impotenz und
Leberschädigungen. Deshalb wird in jüngster Zeit verstärkt
nach “natürlichen“ Alternativen oder Ergänzungen
gesucht. Als Ideal gilt eine Prophylaxe, die mit der Lebensweise
verbunden ist, wie die traditionelle, fleisch- und fettarme
asiatische Kost, reich an Phytoöstrogenen und Pflanzenfasern
und die darin begründete geringere Inzidenz von
Prostatakarzinomen, obwohl dort die gleiche Inzidenz latenter
Prostatakarzinome vorliegt. Auch innerhalb Europas gibt es, jedoch
in geringerer Ausprägung als zwischen Nordamerika und Asien,
ein Gefälle bei der Prostatakarzinom-Inzidenz von Skandinavien
zu den mediterranen Ländern, in denen eine Ernährung durch
Flavonoid, Isoflavonoid und Lignan-reiche Kost verbreitet ist [1].
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Für das
Prostatakarzinom kamen bisher PC-SPES, ein Extrakt aus acht
verschiedenen Kräutern, Soja-Isoflavone und das synthetische
Flavon Favopiridol zur Anwendung. Diese Substanzen befinden sich zum
Teil in Phase II Studien. Auch der Extrakt Silymarin aus der
Mariendistel Silybum marianum wurde in seiner Auswirkung auf das
Prostatakarzinom untersucht [2].
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In der vorliegenden
Studie wurden die Effekte von Silibinin, dem isolierten
Hauptbestandteil des Silymarins analysiert. Anti-proliferatorische
Effekte von Silibinin wurden durch eine Hemmung der
Telomerase-Aktivität und eine Senkung der PSA-Sekretion
angezeigt, die bis auf eine verminderte Expression des Co-Aktivators
des Androgenrezeptors PDEF zurückverfolgt werden konnte.
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Material &
Methoden: Hormon-abhängige LNCaP Prostatakarzinom-Zellen wurden
mit verschiedenen Konzentrationen Silibinin mit und ohne
Co-Stimulation durch Dihydrotestosteron behandelt. Die
mRNA-Expression von PSA, PDEF (prostate-derived Ets transcription
factor) und hTERT (die katalytische Untereinheit der
androgen-abhängigen Telomerase) wurden im Vergleich zum
“Haushaltsgen“ Porphobilinogendeaminase mit
doppeltmarkierten Fluoreszenzsonden durch Real-Time-RT-PCR
untersucht. Die PSA-Sekretion wurde mit dem Elecsys® System 2010
und die Telomerase Aktivität mit einem TRAP-Assay untersucht.
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Ergebnisse: Die
Effekte einer Silibininbehandung mit oder ohne Co-Stimulation durch
Dihydrotestosteron auf die Expression von
LNCaP-Prostatakarzinomzellen wurden auf mRNA- und auf Proteinebene
untersucht. Durch die Silibinin-Stimulation der Zellen per se
konnten keine zytotoxischen Effekte während der 24 bis 48
Stunden der Inkubation mit MTT-Tests festgestellt werden. Fig. 1A
zeigt wie steigende Konzentrationen von Silibinin die PSA-Sekretion
von Prostatakarzinomzellen in konditionierte Zellüberstände
unterbinden konnten. Da LNCaP- Zellen androgen-abhängig wachsen
und die PSA-Sekretion durch Androgene stimulierbar ist, haben wir
die Silibininbehandlung der Zellen ebenfalls in Gegenwart von
Dihydrotestosteron (10-8 M) durchgeführt. Wie aus Fig. 1B
hervorgeht, konnte Silibinin auch unter dem Androgenstimulus die
PSA-Sekretion herunterregeln, jedoch waren für die vollständige
Unterbindung der PSA-Sekretion extrem hohe Konzentrationen bis 500mM
Silibinin notwendig. In weiteren Experimenten wurde untersucht, mit
welchen weiteren Faktoren die Senkung der PSA-Sekretion durch
Silibinin einhergeht. Der Verringerung der PSA-Sekretion ging
zunächst eine Herunterregulation der PSA-mRNA voraus und dies
geschah ebenfalls unter Androgenstimulation (Fig. 2A und 2B). Auf
mRNA-Ebene war für die Expressionsverminderung durch Silibinin
nahezu ein Alles-oder-Nichts-Effekt zu verzeichnen, der sich wie
erwartet zeitversetzt und abgeschwächt auf die
Protein-Expression auswirkte. Es ist interessant festzustellen, dass
die Silibinin-Effekte auf die PSA Sekretion bereits auf der Ebene
von Co-Aktivatoren des Androgenrezeptors ansetzten. Wie in Fig. 3A
und 3B dargestellt, ist schon der in der Kaskade der PSA-Aktivierung
neben dem Androgenrezeptor stehende Co-Aktivator PDEF durch die
Silibininbehandlung betroffen. Die Expressionsverminderung von PDEF
durch Silibinin ergab sich ebenfalls auch unter Dihydrotestosteron.
Somit findet sich der initiale Silibinin-Effekt beim Co-Aktivator
PDEF, der sich in gleicher Richtung bis zur PSA-Sekretion fortsetzt.
Dabei konnten für den Androgenrezeptor selbst keine
Expressionsveränderungen nach Silibinin festgestellt werden.
Die mRNA-Expression des Androgenrezeptors blieb ebenso wie die des
Haushaltsgen PBGD, sowie eine Vielzahl weiterer Gene, die untersucht
wurden, unbeeinflusst durch die Silibininbehandlung.
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Ein ebenso bedeutender
Effekt der Silibininbehandlung war auf die Telomeraseaktivität
zu verzeichnen. Dies war bei der mRNA-Expresion der hTERT (Fig. 4)
und bei der Telomeraseaktivität, die mit einem TRAP-Assay
untersucht wurde (Fig. 5) festzustellen. Ebenso wie bei der PSA
Sekretion konnte die Telomerasestimulation durch Dihydrotestosteron
mit einer Silibininbehandlung der Prostatakarzinomzellen kompensiert
werden.
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Diskussion: In der
vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass durch das Flavonoid
Silibinin aus der Mariendistel wesentliche Faktoren, die bei der
Proliferation und bei der Immortalisation von Tumorzellen eine
wesentliche Rolle spielen, beeinflusst werden. Die Senkung der
PSA-Sekretion ist gleichzusetzen mit einer Proliferationshemmung, da
auf diese Weise unterbunden wird, dass die Serinprotease PSA das
IGF-1-Bindungsprotein 3 (IGFBP-3) spaltet, das somit in seiner
Funktion die Bioverfügbarkeit von IGF-1 für den
proliferationsvermittelnden IGF-1-Rezptor zu regulieren unvermindert
zur Verfügung steht. Interessanterweise greift der
Silibinineffekt auf die PSA-Sekretion auf der Ebene von
Co-Aktivatoren des Androgenrezeptors an. Dies ist insofern von
Bedeutung, da NKX-3.1, der natürliche Repressor des
Rezeptor-Co-Aktivators PDEF häufig im Prostatakarzinom mit
Chromosom 8p21 deletiert ist [3,4]. Somit kann Silibinin den Verlust
dieses Repressors kompensieren. Der weitere wesentliche Effekt von
Silibinin auf Prostatakarzinomzellen ist die Inhibition der
Telomerase hTERT, die in allen neoplastischen Prostatageweben
exprimiert wird [5]. Im Verlauf der Tumorigenese können
Tumorzellen Telomeraseaktivierung wiedererlangen, was zur
Immortalisation der Zellen beiträgt. Auch hier kann Silibinin
diese maligne Entwicklung bei der Tumorentstehung kompensieren.
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Andere von uns
untersuchte Phytoöstrogene zeigen über die hier
vorgestellten Effekte hinaus auch pro-apoptotische Auswirkungen. Für
diese Substanzen wie auch für das Silibinin werden gegenwärtig
in vitro-Dauerstimulationen mit niedrigen Konzentrationen und
Futterversuche am Nacktmausmodell durchgeführt. Bisher wurde
Silymarin wegen seiner Radikalfängereigenschaften als
Therapeutikum für toxische Leberschäden und als Adjuvans
bei chronisch entzündlichen Lebererkrankungen und
Leberzirrhosen verwendet. Die hier vorgestellten Daten sind ein
weiterer Beleg für das therapeutische Potenzial von
Phytoestrogenen wie Silibinin als anti-karzinogene oder als
präventive Agenzien für das menschliche Prostatakarzinom.
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Literatur
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1. Agarwal R.: Cell
signalling and regulators of cell cycle as molecular targets for
prostate cancer prevention by dietary agents. Biochem Pharmacol, 60:
1051, 2000
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2. Zi X., Agarwal R.:
Silibinin decreases prostate-specific antigen with cell growth
inhibition via G1 arrest, leading to differentiation of prostate
carcinoma cells: implications for prostate cancer intervention. Proc
Natl Acad Sci U S A, 96: 7490, 1999
-
3. Oettgen P., Finger
E., Sun Z., Akbarali Y., Thamrongsak U., Boltax J., et al.: PDEF, a
novel prostate epithelium-specific ets transcription factor,
interacts with the androgen receptor and activates prostate-specific
antigen gene expression. J Biol Chem, 275: 1216, 2000
-
4. Abate-Shen C.:
Deregulated homeobox gene expression in cancer: cause or
consequence? Nat. Rev. Cancer, 2: 777, 2002
-
5. Bettendorf O.,
Heine B., Kneif S., Eltze E., Semjonow A., Herbst H., et al :
Expression-patterns of the RNA component (hTR)and the catalytic
subunit (hTERT) of human telomerase in nonneoplastic prostate
tissue, prostatic intraepithelial neoplasia, and prostate cancer.
Prostate, 55: 99, 2003
- WinfriedW
fragte am 6.1.2006:
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Manche
Medikamente wirken nur, wenn man fest daran glaubt. Bei anderen
lässt sich eine Wirkung auch in Doppelblindstudien nachweisen.
Gehört Silymarin (Mariendistel) nun der ersten oder der zweiten
Kategorie an? Nach meinem ersten Zyklus Taxotere nahm ich zeitweise
Silymarin ein. Seither ist Gamma-GT um > 90 % gefallen.
Bleibt die offene Frage, welchen Anteil Silymarin daran hatte? Die
mich behandelnden Ärzte glauben, keinen.
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Horst MUC
antwortete am selben Tag:
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Im
November 2004 habe ich mit der ADT3 begonnen und aufgrund von Infos
aus dem Forum von Anfang an Silimarin (Legalon forte - 2/pd)
eingenommen. Meine Ärztin ist von meinen Leberwerten begeistert
– sie meint, ich hätte noch nie so gute Werte gehabt.
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Auch LudwigS
antwortete am selben Tag positiv:
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Hier
ein Ausschnitt vom PCRI:
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SGOT:
serum glutamic-oxaloacetic transaminase; a liver cell enzyme;
elevation of SGOT is seen as an effect of liver cell injury by
drugs, alcohol and viruses. Supplements such as silymarin, alpha
lipoic acid and curcumin may protect and repair the liver cell and
help reduce elevations of SGOT.
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(SGOT:Serum-Glutamat-Oxalacetat-Transaminase;
ein Enzym der Leberzellen; eine erhöhte SGOT wird als Wirkung
einer Leberzellenschädigung durch Medikamente, Alkohol und
Viren beobachtet. Nahrungsergänzungen wie Silymarin,
Alphalipidsäure und Kurkumin können die Leberzellen
schützen und reparieren und tragen dazu bei, erhöhte
SGOT-Werte zu reduzieren. Übersetzung: Ed)
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(Quelle:
http://prostate-cancer.org/resource/gloss_s.html)
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Und
dann wirst du es ja möglicherweise an den kommenden Leberwerten
selbst beurteilen können.