Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Medikamente
– Prolia™, XGEVA™ (Denosumab)
- [Prolia®
ist
ein neuzugelassenes Medikament gegen Osteoporose.
Der enthaltene Wirkstoff Denosumab hemmt laut dem Hersteller Amgen
spezifisch den RANK-Liganden. Dieser Botenstoff ist essenziell für
die Regulation der Osteoklasten, die für den Knochenabbau
verantwortlich sind. Dem Hersteller zufolge ist Prolia das erste und
bislang einzige zugelassene Medikament mit diesem Wirkmechanismus.
-
In
der zulassungsrelevanten HALT-Studie (Hormone Ablation Bone Loss
Trial) wurde untersucht, wie sich die Knochendichte der
Lendenwirbelsäule unter Prolia® beziehungsweise
unter Placebo im Vergleich zum Ausgangswert veränderte.
Eingeschlossen waren 1.468 Männer, die aufgrund eines nicht
metastasierten Prostatakarzinoms eine Androgendeprivationstherapie
erhielten. Nach 36 Monaten hatten Patienten, die mit Prolia®
anstatt Placebo behandelt wurden, ein um 62 Prozent verringertes
Risiko für neue Wirbelkörperfrakturen, wobei die
Risikoreduktion bereits nach 12 Monaten signifikant war.
-
Die
häufigsten unerwünschten Ereignisse unter Prolia®
waren Infekte der Harn- und der oberen Atemwege, Ischialgien,
Katarakte, Verstopfung, Hautausschläge und Gliederschmerzen. In
den Studien zur postmenopausalen Osteoporose traten schwerwiegende
unerwünschte Ereignisse meist als Hautinfektionen und dabei
vorwiegend als bakterielle Entzündungen des Unterhautgewebes in
Erscheinung. Sie wurden unter Prolia® häufiger
als unter Placebo beobachtet (0,4 versus 0,1 Prozent).
-
In
den Studien mit Brustkrebs- und Prostatakrebspatienten waren
Hautinfektionen, die als schwerwiegende unerwünschte Ereignisse
eingestuft wurden, in den Verum- und Placeboarmen gleich häufig
(jeweils 0,6 Prozent).
-
In
der Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie mit
Prostatakrebspatienten unter Androgendeprivationstherapie waren
Katarakte unter Prolia® häufiger als unter
Placebo (4,7 Prozent vs. 1,2 Prozent). In Studien mit
postmenopausalen Osteoporosepatientinnen bzw. Brustkrebspatientinnen
unter Therapie mit Aromataseinhibitoren wurden diesbezüglich
keine Unterschiede beobachtet.
-
Prolia®
wird halbjährlich subkutan injiziert, die empfohlene Dosis
beträgt 60 mg Denosumab.
-
Zu
berichteten Therapie-Erfahrungen mit Denosumab siehe hier.
-
– Ed]
- Ralf
schrieb am 28.5.2010 unter dem Betreff "Neues
Osteoporose-Medikament zugelassen":
-
Die
EU-Kommission hat das neue Osteoporose-Medikament Prolia®
(Denosumab) zugelassen. Der monoklonale Antikörper ist nach
Angaben des Herstellers Amgen zur Behandlung der Osteoporose
indiziert bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem
Frakturrisiko sowie bei Männern mit Prostatakarzinom, die
durch eine hormonablative Therapie einen Knochendichteverlust
erlitten haben.
-
(Aus
"Apotheke Adhoc". Volltext der Meldung hier).
- Am
20.7.2011 verwies Ralf unter dem Betreff "XGEVA erhält
Marktzulassung in der EU " auf diesen
Artikel. Daraufhin fragten Juergen + Wltraud:
-
Ist
das etwas anderes als Prolia?
-
Ralf
antwortete, immer noch am selben Tag:
-
Ich
habe dazu diesen
länglichen Artikel gefunden, ihn aber nicht komplett
durchgelesen. Der Wirkstoff beider Präparate ist Denosumab. Die
wichtige Information scheint zu sein, dass Prolia™ indiziert
ist bei postmenopausalen Frauen mit dem Risiko von Osteoporose. Die
Dosis ist 60 mg alle sechs Monate subkutan. Dies war die
ursprüngliche Vermarktung von Denosumab durch Amgen. Dann
wurden eine oder mehrere Studien durchgeführt zur Anwendung von
Denosumab bei Frauen mit Brustkrebs sowie Männern mit
Prostatakrebs, jeweils mit Knochenmetastasen, und eine höhere
Wirksamkeit von Denosumab festgestellt, verglichen mit Zometa. Am
18. November 2010 ließ das FDA dies als neue Indikation für
Denosumab zu, nämlich von soliden Tumoren verursachte
Knochenmetastasen. Die empfohlene Dosierung von Xgeva™ ist 120
mg alle vier Wochen subkutan.
-
Der
Unterschied liegt also in der Dosierung und in der Häufigkeit
der Verabreichung.
-
LowRoad
schrieb am 23.7.2011:
-
Zu
Denosumab/Prolia/XGeva gibt es allerlei Informationen, sowie
Missverständnisse. Zuerst noch mal: Prolia = XGeva = Denosumab,
bis auf die Dosierung gibt es keine Unterschiede!
-
Zu
Denosumab kann aus eigener Erfahrung berichten, was ich hiermit tun
will. Ich verwende es seit Anfang 2011 statt Zometa,
komplikationslos. Der Vorteil für mich liegt darin, dass ich es
mir selbst verabreichen kann. Es wird in einer Fertigspritze
geliefert, die eine sehr dünne Nadel besitzt und wie div.
Blutverdünner subkutan in die Bauchdecke gespritzt wird. Der
monatliche Besuch beim Uro/Onkologen zur Infusion entfällt.
Günstig z. B. bei Reiseplanungen.
-
Ist
Denosumab wirksamer als Zometa?
-
Jein!
Es hemmt den Knochenabbau, nachweisbar z. B. am
Knochenabbaumarker beta-CTX, deutlich stärker als Zometa. Bei
mir ist beta-CTX in den unmessbaren Bereich gefallen, was unter
Zometa nicht der Fall war. Den Knochenabbau zu hemmen ist die
Aufgabe von Zometa und Denosumab, mehr nicht. Diese Medikamente sind
nicht zytotoxisch, höchstens indirekt, indem die Freisetzung
von Wachstumsfaktoren aus dem Knochen geblockt wird. Zometa wird
gelegentlich direkte zytotoxische Wirkung gegen Krebs zugeschrieben,
was allerdings nur bei Brustkrebs belegt scheint, bei Prostatakrebs
ist es leider nicht der Fall.
-
Die
Zulassung in der EU ist nicht gleichbedeutend mit
Erstattungsfähigkeit durch die GKV in DE! Das muss erst noch
durch die Instanzen... Schätze mal Ende 2011. Als Hindernis
dürfte der deutlich höhere Preis von etwa 650 €
(Denosumab 120 mg) gegen etwa 350 € (Zometa 4 mg)
stehen. Man wird argumentieren "...lassen Sie uns doch erstmal
mit Zometa anfangen, und wenn es nicht wirkt,...". In
vereinzelten Fällen von Knochenschmerzen ist dies auch so
beschrieben worden, d. h. Denosumab wirkt schmerzlindernd, was
Zometa nicht konnte.
-
Beide
Präparate gleichzeitig einzusetzen, wäre einen Versuch
wert, aber ich glaube nicht, dass das was bringt, da die Wirkung
(Hemmung des Knochenabbaus) gleichartig ist, es keine synergetischen
Effekte geben wird.
-
Ein
weiterer Nachteil von Zometa ist, dass es eine Halbwertzeit von ca.
sechs Jahren im Knochen hat. Wenn Komplikationen wie z. B. ONJ
auftreten, bringt Absetzen von Zometa nicht viel. Das wäre bei
Denosumab möglich! ONJ-Rate bei Denosumab ist leicht höher
als bei Zometa. Ich empfehle jedem Langzeitanwender, regelmässig
eine Bisphosphonatsprechstunde
aufzusuchen. Dort wird man entspr. beraten, kann Probleme evtl.
schon im Vorfeld angehen.
-
Mangelnde
Zahnhygiene, Zahnextraktion sowie verschiedene Medikamente wie z. B.
Kortison sind ungünstig und können ONJ induzieren!
-
ACHTUNG:
Denosumab muss kalt (Kühlschrank) gelagert werden!!!
- Ulla
schrieb am 23.7.2011:
-
Wenn
XGEVA anders dosiert wird als Prolia mit dem gleichen Wirkstoff –
lieber Himmel – könnte man dann Prolia nicht genauso
dosieren wie XGEVA und man hätte es mit nur einem Namen zu tun?
( ... warum so kompliziert - wenn es denn einfacher auch ginge ! )
-
Sham69
beantwortete das am 28.7.2011:
-
Das
liegt wohl daran, dass Prolia für die Osteoporose und für
tumortherapiebedingten Knochenmasseverlust zugelassen worden ist und
explizit hierfür zum einen Studien gemacht wurden und auch
hierfür gesondert eine Zulassung erteilt worden ist im
vergangenen Jahr.
-
Xgeva
ist mit demselben Wirkstoff "ausgestattet", jedoch keine
Fertigspritze und in einer völlig anderen Indiktion –
nämlich der Behandlung von Knochenmetastasen bzw. der
Behandlung/Vorbeugung der SREs (OP, Bestrahlung, Frakturen,
Schmerzen, Rückemarkskomperessionen...) – hier erfolgte
die europaweite Zulassung am 15.07.11.
-
Man
könnte natürlich auch 2x Prolia verabreichen alle vier
Wochen, das macht jedoch aus kostengründen keinen Sinn.
-
Hätten
jetzt beide Präparate denselben Namen, käme es vermutlich
für die behandelnden Ärzte, beteiligte Apotheker,
Grosshändler etc. zu Missverständnissen, Fehl-bzw.
Unterdosierungen.
-
Einen
Preis anzubieten, der sowohl auf dem Gebiet Osteoporose als auch auf
dem Onkologiemarkt konkurrenzfähig bzw. betriebswirtschaflich
sinnig für ein Unternehmen wäre, lässt sich
vermutlich nicht realisieren ?!
-
Ggf.
hat es aber auch mit dem amerikanischen Markt zu tun, wo Xgeva
bereits länger Zeit zugelassen ist.
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Wirksamer?
-
liest
man all die Studien, die das Präparat durchlaufen hat sollte
man darauf schließen, dass es wirksamer ist als Zometa, da
alle Endpunkte der Studien (ob nun primäre oder sekundäre,
Schmerzsenkung, SRE-Rate [SRE =
skeleton related event (skelettbezogene Komplikation) –
Ed]
etc)
eine signifikante Überlegenheit zu Gunsten von Xgeva zeigen,
bei einer zumindest auf dem Papier guten Verträglichkeit
(keinerlei Dosisanpassungen bei Nierenproblematiken, keine
Akutphasereaktion, ähnliche geringe Anzahl von
Kieferosteonekrosen) und eine
angenehmere und zeitschonendere Darreichungsform (Spritze statt
Infusion)...
- M
Schostak schrieb am 13.12.2011:
-
Denosumab
wurde in einer Studie im direkten Vergleich gegen Zometa getestet
(Fast 2000 Patienten, hochrangig publiziert)) und hat etwa 18 %
weniger sog. skelettassozierte Ereignisse (also Brüche usw.)
zur Folge gehabt.
-
Es
hat im Gegensatz zu Zometa keinen Einfluss auf die Nierenfunktion
und macht auch weniger grippeähnliche Symptome. Dafür kann
es Calciumveränderungen im Blut geben (durchaus nicht
ungefährlich), und die Rate an Unterkiefernekrosen war etwas
höher.
-
Es
wird ins Unterhautfettgewebe gespritzt, Infusionen sind nicht
notwendig.
-
Fazit:
Denosumab ist wahrscheinlich geringfügig besser [als
Zometa – Ed], hat teilweise andere Nebenwirkungen
und wird subcutan appliziert.
- RuStra
schrieb am 17.3.2012 unter dem Betreff "FDA lehnt
Indikations-Erweiterung fürs DENOSUMAB ab:
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Die
FDA [US-amerikanische
Medikamenten-Zulassungsbehörde – Ed] hat mit
Datum vom 8.2.2012 die Indikationserweiterung fürs
Denosumab/XGEVA abgelehnt, und zwar auf der Basis einer
Phase-III-Studie zur Verzögerung oder Vorbeugung von
Knochen-Metastasierung.
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Dabei
zeigt die Studie einen signifikanten Vorteil, von dem die FDA aber
sagt, das sei kein nachgewiesener klinischer Vorteil:
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"Though
the study met the pre-specified primary endpoint, with a
statistically significant prolongation in BMFS, it is unclear
whether an improvement in median BMFS by 4.2 months alone in
patients with CRPC at high risk for bone metastases is an adequate
measure of clinical benefit."
-
Übersetzung:
-
"Obwohl
die Studie den festgelegten primären Endpunkt mit einer
statistisch signifikanten Verlängerung des BMFS (bone
metastasis free survival) erreicht hat, ist es unklar, inwieweit
eine Verbesserung des mittleren BMFS um 4,2 Monate allein ein
adäquates Maß für den klinischen Nutzen bei
CRPC-Patienten [CRPC = castration
resistant prostata cancer, kastrationsresistenter Prostatakrebs –
Ed] mit hohem Risiko für Knochen-Metastasen ist."
-