Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Medikamente
– Mitoxantron, Novantron®
- Richard
fragte am 25.1.2002:
-
Leider hat
Taxotere keine Wirkung gezeigt, (T3, Gleason 9). Mein Onkologe will
es jetzt mit Novantron versuchen, hat jemand Erfahrung?
-
Wolfgang antwortete am selben
Tag:
-
leider kann
ich dir heute noch keine zufriedenstellende Auskunft auf deine Frage
geben, doch will ich dir wenigstens mitteilen, dass ich just heute
mit einer Novantron-Chemo begonnen habe. Ich habe 20 mg
Novantron infusioniert bekommen, das ist eine Dosis, die etwa 10 %
unterhalb der Normaldosis liegt, da meine Blutwerte absolut
bescheiden sind (Thrombozytenzahl = 48 Tsd/µl). Es ist
ein Versuch, das Knochenmark von Metastasen zu entlasten, damit das
Knochenmark wieder beginnen kann, Blut neu zu bilden.
-
Eine
engmaschige Kontrolle des Blutes soll die Entscheidung erleichtern,
ob in drei Wochen die zweite Dosis angehoben werden kann und ob die
erhoffte Wirkung eingetreten ist. Wenn du dann noch Interesse hast,
könnte ich dich ja erneut kontakten und dir berichten.
-
Wil meldete sich am 26.1.2002:
-
Ich musste
auch suchen, weil ich den Handelsnamen Novantron®
nicht kannte. Novantron® ist Mitoxantron, ein
Antibiotikum mit einer Anti-Krebswirkung. Bei Hormonrefraktärem
PK wird Mitoxantron meistens in Kombination mit Prednison oder
Hydrocortison gegeben. Scheint gut verträglich zu sein, obwohl
es auch Nebenwirkungen haben kann.
-
[Richard
("Ritschi") verstarb ein halbes Jahr später, am
14.7.2002, an seinem hormonrefraktären Prostatakrebs, der u. a.
in die Knochen und die Leber metastasiert hatte – Ed]
- Christa
fragte am 9.1.2004:
-
mein Vater (78) hat
Knochenmetastasen in der Wirbelsäule, Brustkorb und Becken, und
nach seiner Strahlentherapie ist nun eine Chemo mit Mitoxantron
geplant. Hat von euch jemand Erfahrungen damit, vor allem, was
Nebenwirkungen angeht? Es soll angeblich gut verträglich sein -
mache mir aber doch Sorgen, weil er nun mal nicht mehr der Jüngste
ist und mit Estracyt schon nicht klar kam.
-
Jörg (O)
antwortete am selben Tag:
-
Mitoxantron ist ein
spezielles Antibiotikum und ein hochwirksames Zystostatikum. Es
verhindert grob ausgedrückt, die Verdoppelung der DNS in der
Synthesephase der Zellteilung. Leider, leider treten bei allen
Zytostatika die uns bekannten "Nebenwirkungen" auf, die in
Grunde genommen die Hauptwirkungen der Zytostatika sind, nämlich
alles im Körper zu vernichten,was schneller wächst, sei es
nun gutartig oder bösartig.
-
Am 13.1.2004
meldete sich Julius:
-
Offenbar hat niemand
eigene Erfahrung mit dem Mittel Mitoxantron. Es wird neuerdings eher
zur Therapie bei Multipler Sklerose eingesetzt. M. wurde früher
aber schon als Krebsmittel verordnet. Jörg sprach zu Recht die
Nebenwirkungen an; meine Angaben (Internet) über dieselben sind
leider auch nicht erfreulicher; da muss wohlüberlegt abgewogen
werden zwischen Nutzen und Schaden.
-
Beschreibung zu
Mitoxantron:
-
Dieses Medikament
ähnelt in seiner Struktur dem Doxorubicin und wird zur
Behandlung von Brustkarzinom eingesetzt. Nach der Infusion in eine
Vene dringt es in Tumorzellen ein und stört deren Wachstums-
und Teilungsprozess. Dies bewirkt schließlich, dass der Tumor
schrumpft und mitunter sogar völlig verschwindet. Mitoxantron
ist zwar ein wirksames Krebsmittel, doch beschränkt sich sein
Effekt nicht allein auf Tumorzellen. Auch normale Zellen im Körper
können Schaden nehmen, was zu zahlreichen Nebenwirkungen führt.
Dazu gehören eine Anämie [Mangel an roten Blutkörperchen
(Erythrozyten)] und eine Neutropenie (Mangel an
infektionsbekämpfenden weißen Blutkörperchen
(Neutrophile Granulozyten)). Anämie und Neutropenie können
mit Zytokinen (Hormonen) behandelt werden. Sie steigern die
Produktion der roten bzw. weißen Blutkörperchen.
-
Weitere bekannte
Nebenwirkungen von Mitoxantron sind Herzmuskelschäden
(besonders bei längerem Gebrauch), Übelkeit und Diarrhoe,
Entzündung der Schleimhäute (Stellen im Körper, die
schleimproduzierende Drüsen aufweisen, insbesondere der
Mundraum), entzündete Handflächen und Fußsohlen,
merkwürdige Empfindungen im Körper und in den Gliedern
sowie Haarausfall.
-
Ebenfalls am
13.1.2004 schrieb Ralf:
-
ich habe einmal einen
Vortrag übersetzt, den Dr. Leibowitz vor einer amerikanischen
SHG gehalten hat. Darin spricht er Mitoxantron (Handelsname in USA:
Novantrone(R))wie folgt kurz an:
-
"Nach meiner
Meinung ist das erste Medikament, Mitoxantron, der Praxisstandard,
den sie heute in einer durchschnittlichen onkologischen Praxis in
den USA, Kanada oder Europa bekommen werden. Die werden sagen "das
empfehlen wir". Und ich sage: "Blödsinn!" Ich
habe 1994 aufgehört, das zu benutzen. Bei hormonrefraktären
Männern gibt es mit Mitoxantron im Vergleich zur Behandlung nur
mit Prednizone keine Lebensverlängerung, nur Schmerzlinderung."
-
Zumindest der erste
Satz scheint also auf Deinen Vater zuzutreffen. Onkologen, die in
der Regel mit Prostatakrebs wenig Erfahrung haben, neigen wohl oft
dazu, auch gegen diesen Mittel einzusetzen, die sie von anderen
Krebserkrankungen her kennen. Dort mag Mitoxantron Wirkung zeigen,
im Fall von PK darf man daran zweifeln.
-
Dr. Leibowitz ist ein
erfahrener Onkologe/Hämatologe, der sich ausschließlich
mit PK befasst. Ein anderer ist Dr. Strum. In seinem Buch "A
Primer on Prostate Cancer", das für viele von uns zur
Bibel geworden ist, spricht er (auf S. 170) Novantrone ganz kurz an,
in einer Auflistung mit einer Reihe anderer Medikamente, die gegen
hormonunabhängigen PK (HUPK) eingesetzt werden, und fährt
fort:
-
"Der Patient, der
HUPK, oder eine Mischung von HUPK und androgenabhängigem PK
hat, kann beträchtlich von jeder dieser Behandlungen oder einer
Kombination dieser Behandlungen profitieren, falls der Arzt in der
Lage ist, eine teilweise oder vollständige Remission des PK zu
bewirken."
-
Er lässt sich
also nicht explizit über die Wirksamkeit oder die
Nebenwirkungen von Novantrone/Mitoxantron aus.
-
Am 14.1.2004 kam
ein Erfahrungsbericht von Siegfried:
-
ich habe gerade eine
niedrig dosierte Chemo mit acht Infusionen Novantron beendet. Außer
Novantron 5 mg alle zwei Wochen habe ich 2x wöchentlich
eine Intron-Injektion (0,5 Millionen Einheiten) in die Nähe
der schmerzenden Stellen injiziert bekommen. Und zusätzlich
auch 2x wöchentlich eine lokoregionale Hyperthermie. Vor jeder
Chemo-Infusion wurde Zofron [Wirkstoff
Ondansetron, wird vorbeugend gegen Übelkeit und Erbrechen durch
Chemotherapie verabreicht – Ed] gegeben. Ich habe
die Behandlung sehr gut vertragen. Manchmal etwas Müdigkeit,
aber immer guten Appetit gehabt. Ich hatte vor der Chemo sehr häufig
(jede zweite Nacht) Knochenschmerzen, tagsüber sehr selten.
Anfangs war im Knochenszintigramm nichts zu sehen, erst nach neun
Monaten Schmerzen zeigte sich hier ein Befund (osteoplastische
Metastasen). Je eine Metastase im Sitzbein links und rechts. Bereits
nach zwei Behandlungen hatte ich keine Schmerzen mehr. Mein PSA ist
von 26,1 ng/ml bei Beginn der Therapie im September bis Ende
der Therapie im Dezember auf 14,4 ng/ml gesunken. Ich habe seit
fünf Jahren PK, aPSA 167 ng/ml, GS 5+4.
- Hermann
fragte am 10.3.2004 im BPS-Forum:
-
Wer
kann mir Infos zu Mitoxantron - Behandlung geben? Ich bin inzwischen
austherapiert, Hormon-Therapien sprechen nicht mehr an.
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Siegfried
antwortete am 12.3.2004 im selben Forum:
-
ich
habe Mitoxantron von September bis Dezember bekommen.
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Insgesamt
8 x 5 mg, alle 2 Wochen, dazu Intron Injektionen 0,5 Millionen
Einheiten in die Nähe meiner Knochenmetastasen und
lokoregionale Hyperthermie. Außerdem habe ich vor jeder Chemo
eine Infusion mit Zofron bekommen, zur Verringerung der
Nebenwirkungen.
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Nun
kurz zu meiner PK-Geschichte weshalb ich die Chemo bekommen habe.
Ich habe seit 5 Jahren PK. PSA bei Diagnose 167 ng/ml , GS 5+4 ,
befallene Lymphknoten und mindestens eine Fernmetastase am Hals.
Seit 1 Jahr habe ich Schmerzen im Sitzbein. Durch Knochenszintigramm
und anschließende Röntgenaufnahmen konnte je eine
osteoblastische Metastase rechts und links im Sitzbein bestätigt
werden.
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Meine
Schmerzen waren nach der 1. Behandlung weg. Mein PSA zu Beginn der
Chemo am 02.09.03 = 26,10 ng/ml. Am Ende der Chemo am 18.12.03
= 14,40 ng/ml.
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Ich
hatte während der gesamten Chemo außer etwas Müdigkeit
keine Nebenwirkungen und immer einen hervorragenden Appetit. Ich
hoffe, dass dir die Chemo einen ebenso guten Erfolg bringt.
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Dr.
F. Eichhorn antwortete einen Tag später:
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Mitoxantron
ist nicht das Mittel der ersten Wahl. Es hat nur einen Vorteil: es
ist in Deutschland zur Behandlung des Prostatakrebses zugelassen.
Von daher droht kein Regress. In modernen Chemotherapie-Regimen
spielt Mitoxantron eine eher untergeordnete Rolle. Bitte schauen Sie
auf das Kapitel "Chemotherapie" auf dieser homepage
unter Therapie/Life Extension. Die besten Schemata sind mit zwei
Rhomben markiert.
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