Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

NizoralÒ (Ketoconazol)

[Nizoral® ist die Handelsbezeichnung für das Fungizid Ketoconazol (engl. Ketoconazole). Eine eigentlich unerwünschte Nebenwirkung, das Hemmen der Funktion der Nebennieren, macht es für die Behandlung von Prostatakrebs interessant.
Patienten mit Leberschädigung sollten Ketoconazol nicht einnehmen. Leberprobleme können sich durch Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit mit Erbrechen, Gelbfärbung der Haut, dunklen Urin und hellem Stuhl äußern. Sollten bei der Aufnahme von Ketoconazol derartige Symptome auftreten, sollte der behandelnde Arzt hiervon in Kenntnis gesetzt werden.
Ketoconazol kann unabhängig von Nahrung eingenommen werden. Es benötigt zum Auflösen die Magensäure, darum sollte es, wenn gleichzeitig ein Magensäurehemmer verschrieben wurde, mindestens zwei Stunden vor diesem eingenommen werden.
Ketoconazol kann in Wechselwirkung mit einer Reihe anderer Medikamente treten. Hierzu sollte der Beipackzettel beachtet werden.
Es wird im Allgemeinen gut vertragen, kann aber Hautausschlag, Juckreiz, Übelkeit und/oder Erbrechen, Leibschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Müdigkeit, Impotenz und Abnormalitäten des Blutbildes verursachen. Selten soll es zu einem ernsthaften Abfall des Blutdrucks und Schock (Anaphylaxe) kommen. Ebenfalls selten soll Ketoconazol ernsthafte Depressionen, Haarausfall und Kribbelgefühle verursacht haben. – Ed]

Paul fragte am 5.9.2003:
Wer hat Erfahrung mit Nizoral + Hydrocortison und wie ist die Dosierung? Was ist dabei zu beachten?
Guy antwortete am selben Tag:
Hier im Forum meldete sich einmal ein Patient der mit Nizoral und Hydrokortison behandelt wird.
Ich werde seit drei Jahren u. a. in den USA behandelt (Befund damals: PSA 32, Gleason 7, Tb2), habe z. Zt. wg. Metastasen die dritte Bestrahlungsreihe laufen und drei (weitgehend) erfolglose Chemo-Therapien hinter mir. Mein Arzt (Dr. Scholz, HTO Marina del Rey/CA) empfahl kürzlich die von Dir erwähnte Kombination, und ich habe sie nach dem Ende der letzten Chemo vor neun Wochen begonnen und, soweit bis jetzt erkennbar, Erfolg damit: Mein CEA (der für mich wichtigste Marker ) ist in dieser Zeit von 21 auf 14 gefallen, und Dr. Scholz sieht sich in dieser Therapie bestätigt.
Meine Dosis: 3 x täglich je 200 mg Nizoral (alle acht Stunden - und zwar ZWISCHEN den Mahlzeiten, anders als auf dem Beipackzettel angegeben!), und zusammen mit den ersten beiden Nizorals jeweils eine Hydrocortison 10 mg. Ausserdem 2 x täglich 200 mg Celebrex und 1 x 0,5 µg Rocaltrol.
Nebenwirkungen minimal (manchmal Sodbrennen).
Ich denke, ohne Deinen Fall zu kennen, es wäre einen Versuch wert
Wilfried schrieb am 13.11.2003:
lese Deine Mail erst jetzt, wollte trotzdem noch antworten. Ich (58) bin bzw. war in einer ähnlichen Lage, Ausgangswerte vor vier Jahren PSA 32, Gleason 7 (war aber wohl eher 8, wie sich später rausstellte).
Habe seitdem div. Biopsien, Hormontherapie (Zoladex), Chemo (div., am besten wirkte aber auch bei mir Taxol) und Bestrahlungen (wg. Metas, u. a. auch Lymphknoten) 'en masse' hinter mir, bin natürlich auch HUPK.
Ich werde allerdings in den USA bei PC-Onkologen (Spezialisten!) behandelt und fühle mich in allerbesten Händen. Musste - bzw. konnte - hier wg. größerer Tumore (u. a. einer, 6 cm, nahe der Wirbelsäule, 2 mm vorm Nervenkanal...!) auch Protonen-Bestrahlung (in Loma Linda, California) machen lassen (mit Erfolg!).
Lasse in regelmäßigen Abständen Bone-Scan und Pet-SCAN machen, um Metas in den Organen aufzuspueren. Teuer, aber effektiv.
Meine Ärzte haben mich, nachdem mein PSA Anfang d. J. unter 0,02 ng/ml gerutscht war, auf eine "NIZORAL"-Pillen-Therapie gesetzt, d. h. täglich 6 x 200 mg (wichtig: zusÄtzlich 2 x tägl. 10 mg Hydrocortison!), die meine PC-Aktivitäten schon seit drei Monaten ruhig stellt. Musste jetzt mal aussetzen, weil der Magen rebellierte. Nach sechs Wochen Pause geht's jetzt weiter.
Ich bin zuversichtlich, fühle mich fit (morgens täglich Workout mit Gewichten, nachmittags zwei/drei Stunden Fahrrad). Vielleicht besprichst Du das mal mit Deinen Ärzten.
Meine Message: Nicht aufgeben, nicht den Mut verlieren - und für Experimente offen sein.

Stan fragte am 17.12.2003:
Ketoconazole soll doch Testo richtig gut senken. Habe jedoch nicht den Mut, dieses Teufelszeug zu schlucken. Ist es vielleicht möglich, dass man sich eine Ketoconazollösung auf den Hoden schmiert und dann [= damit – Ed] das Testosteron senkt ???
Ralf antwortete am selben Tag:
das wäre absolut das richtige, wenn Du dort einen Hautpilz hättest. Für den Zweck, den Du im Sinn hast, nutzt es dort aber herzlich wenig. Ketoconazol ist als Fungizid (Antipilzmittel) entwickelt worden. Man hat dann festgestellt, dass es, innerlich angewendet, eine Wirkung auf die Nebennieren hat und dort u. a. die Testosteronproduktion hemmt. Die Hoden produzieren dagegen munter weiter T, wenn man keine zusätzlichen Maßnahmen ergreift (LHRH-Analogon).
Da auch die Cortisonproduktion der Nebennieren von Ketoconazol beeinträchtigt wird, muss gleichzeitig mit der Einnahme von K. eine Cortisonersatztherapie laufen.
Jörg fragte am 21.12.2003:
Diese Studie besagt, dass Nizoral auch die Testo-Produktion im Hoden hemmt. Ralf, du hast mir doch gesagt, dass sie nur die Produktion in der Nebennierenrinde hemmt. Was stimmt denn nun, diese Studie oder deine Aussage?
Ralf musste seine Meinung revidieren und schrieb am selben Tag:
ich werde mich bestimmt nicht dazu aufschwingen, schlauer sein zu wollen als diese Studie. Im Zweifelsfall habe ich wieder etwas dazugelernt. Danke für den Hinweis!
Christian dagegen schrieb, ebenfalls am selben Tag:
das in den Hoden produzierte Testosteron wird m. E. nicht gehemmt, sondern dieses und die Stoffe aus den Nebennieren, die erst in den Prostatazellen zu Testosteron umgewandelt werden, werden blockiert. Wenn infolge der Depotspritze in den Hoden sowieso kein Testosteron produziert wird, dann blockiert Nizoral lediglich den Anteil des Testosteron, der durch die Stoffe der Nebenniere in der Prostata produziert werden könnte. Um eine mögliche Resistenz gegen nicht steroide Antiandrogene (Resistenz gegen Casodex und Flutamid infolge Zellmutation ist am ehesten zu erwarten – Benedict-Arnold-Effekt [diesen Namen hat Dr. Leibowitz geprägt – Ed]) ganz langfristig bereits vom theoretischen Ansatz her nicht zuzulassen, empfiehlt Dr. L. im zweiten Zyklus nicht mehr Casodex oder Flutamid, sondern Nizoral. Hier geht es ihm um voraussetzende Bedingungen zur Kontrolle des Prostatakrebses über viele Jahre.
Zitat aus der Studie:
Nizoral blockiert die Produktion von im Hoden produzierten Testosteron und die Androgenvorläufer (DHEA, DHEA-S und Androstendion), die in der Prostatazelle zu T und DHT metabolisiert werden.
Das ist m. E. etwas anderes als die Hemmung der Produktion in den Hoden, obwohl man es so verstehen könnte.

Frimu schrieb am 5.9.2005:
seit dem 25.8.05 nehm ich (geb. 1936) täglich dreimal 400 mg Nizoral und zweimal 20 mg Hydrocortison. Beginn-PSA 04/03 = 15, Gleason 5 + 4, zweifache Hormonblockade und Radiotherapie. PSA für acht Monate = 0,1, deshalb keine Medikamente mehr. 01/05 Anstieg des PSA auf 3,960, trotz dreifacher Hormonblockade und Estradermpflaster am 18.8.05 = 4,230. Genaueres auf Anfrage.
Zu Nizoral habe ich mich durchgerungen, obgleich der Beitrag von Dr. Richard Lam "Hochdosiertes Ketokonazol..." (www.Prostatakrebse.de - Texte - Nr. 35) u. a. wegen Nebenwirkungen und Warnungen sehr schockt. Das auch deshalb, weil ich bis heute nie irgendwelche Beschwerden hatte und nach wie vor sehr viel Sport treibe.
Wer hat Erfahrungen mit Nizoral oder kann mir – abgesehen von Chemotherapie, die ich nicht will – andere bewährte Mittel nennen?
Jürg antwortete ihm einen Tag später:
Nizoral habe ich bis dahin nicht einsetzen müssen, doch wird es meine nächste Therapioeoption sein, wenn die HB einmal definitiv versagen wird. Mach Dir aber wegen der detaillierten Schilderung der Nebenwirkungen von Dr. Lam nicht all zu viele Sorgen: Böse Zungen sagen, amerikanische Ärzte benötigten den größten Teil ihrer Honorareinnahmen zur Bezahlung der Haftpflichtversicherungsprämien...
Es gibt immer wieder "unmöglich" hohe Schadenersatzzahlungen, zu denen amerikanische Firmen und eben auch Ärzte verknurrt werden (das hängt mit dem Gerichtssystem zusammen), was dazu führt, dass sie sich gegen alle möglichen Risiken, so fern sie auch liegen mögen, absichern müssen. Das kannst Du übrigens auch bei Gebrauchsanweisungen zu Geräten feststellen: Zwei Seiten Gebrauchsanweisung und zehn Seiten Warnhinweise!
Ich würde Warnungen vor Medikament-Kombinationen ernst nehmen (zum Beispiel Halcion und Ketoconazol), alles andere aber vorerst einmal ruhig testen. Sollten wirklich schwer erträgliche Nebenwirkungen auftreteten, dann kannst Du immer noch die Segel streichen.
Dieter V schrieb:
einer der Männer in meiner Gruppe hat die sekundäre Hormonblockade gemacht. Hierzu gehört außer Nizoral aber auch noch LHRH-Depotspritze sowie Proscar!
Bei Ketokonazol bekommen ca. 20 % der Patienten starke Übelkeit.
In diesem Fall soll man nicht aufhören, sondern umstellen auf Orimeten. Das hat eine ähnliche Wirkung, ist aber besser verträglich. Nizoral hat aber zusätzliche toxische Wirkungen auf den Krebs, ist insofern offensichtlich besser.
Und Siegbert schrieb:
nehme seit 12 Monaten 3 x täglich Nizoral 200 und 10 mg Decortin (HC). Das entspricht der Lowdosis. Außerdem seit sechs Jahren Trenantone nach radikaler OP. GL 9, wie bei Dir.
Hatte sofort PSA-Senkung um 60 % und dann weitere Reduzierung. Seit zwei Monaten steigt allerdings mein PSA-Wert wieder. Auch die Verdoppelung der Nizoral- und der HC-Menge ändert nichts daran.
Die Nebenwirkungen sind hinnehmbar.
Habe also praktisch 12 Monate gewonnen. Überlege jetzt allerdings, was alternativ noch möglich ist außer Taxotere.