Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Nilutamid
Handelsnamen: Anandron, Nilandron (USA)

[Nilutamid ist ein Antiandrogen wie Flutamid und Casodex. Es scheint in Deutschland nicht zugelassen zu sein. Unter
http://www.elanderspublishing.no/medisinhandboken/preparat/61.htm
fand ich die folgenden Angaben (hier in Übersetzung):
Handelsname: Anandron
Hersteller: Aventis Pharma
Verabreichungsform: Tabletten (eine Tablette enthält 50 mg Nilutamid und Laktose)
Eigenschaften und Anwendung: Wirkt durch das Hemmen des Wirkens des männlichen Geschlechtshormons auf die Prostata. Bei der Behandlung von Prostatakrebs mit bestimmten Medikamenten [hier dürften LH-RH-Agonisten wie Enantone/Trenantone gemeint sein - Ed] steigt der Testosteronspiegel zu Beginn, was zu einem Aufflammen der Erkrankung führt. Nilutamid wird dann in Verbindung mit solchen Medikamenten bei Behandlungsbeginn angewandt, um dieses Aufflammen der Erkrankung zu dämpfen.
Nicht anzuwenden bei: Ernsthaftem Leberschaden oder ernsthaften Atembeschwerden. Überempfindlichkeit gegenüber einigen der Inhaltsstoffe.
Nebenwirkungen: Beeinträchtigung des Nachtsehens. Übelkeit und Erbrechen. Verminderte Libido, Impotenz. Hitzewallungen durch kurzzeitiges Erweitern der Adern im Kopf. Bei gleichzeitigem Alkoholgenuss sind Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel möglich. Moderates Ansteigen der Leberenzyme. Leberentzündung. Allergische Lungenentzündung.
Vorsichtsmaßnahmen: Patienten mit Atembeschwerden und verringerter Leberfunktion sollten sich vor Behandlungsbeginn mit dem Arzt beraten. Bei vermindertem Nachtsehen muss beim Autofahren Vorsicht geübt werden.
Dosierung: Anwendung und Dosierung werden vom Arzt festgelegt. Wird auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Die Behandlung kann 1-2 Tage vor oder gleichzeitig mit einer anderen Medikamentation gegen Prostatakrebs beginnen. Übliche Dosierung: 300 mg täglich bis zu vier Wochen. Die tägliche Dosis kann auf einmal oder aufgeteilt eingenommen werden.
Achtung! Die Wirkung kann von anderen Medikamenten beeinträchtigt werden. Fragen Sie den Arzt.
Packungsgröße: Tabletten, 90 Stück.
Ed]

Jupp, der die DHB macht, fragte am 29.10.2002:
ich habe weiter Probleme mit meinem Magen, was ich schon früher in diesem Forum erwähnt habe. Zwar bin ich vom Flutamid auf Casodex umgestiegen, nur half das nur teilweise. Durchfall ist eigentlich weg, dafür muss ich aber viel öfter ins Klo, um zu pinkeln. Besonders während der Nacht. 3-4 Male ist normal.
Zusätzlich viel stärkere Hitzewallungen und Schwitzen. Diese Nebenwirkungen sind auch sehr unangenehm. Sind schlimmer als bei Einnahme von Flutamid.
Habe im Forum gelesen, dass Dr. Leibowitz auch Nilutamid in manchen Fällen empfiehlt. Wie ich auch herausgefunden habe ist Nilutamid auch viel leberfreundlicher als Flutamid und sogar auch als Casodex. Ist auch viel billiger (so weit ich feststellen konnte).
- Hat also jemand schon Erfahrungen mit Nilutamid gemacht?
- Kann ich ohne weiteres auf Nilutamid umsteigen?
- Was für ein, Nilandron, Anandron oder Notostran?
- Wie viele Tabletten soll man pro Tag schlucken, einmal oder dreimal pro Tag?
- Wenn dreimal, soll man auch auf die 8 Stunden Zeitspanne aufpassen?
- Was ist noch zu beachten, wenn man auf Nilutamid umsteigen will (muss)?
- Warum, wenn Nebenwirkungen kleiner sind, wird von Dr. Leibowitz nicht empfohlen gleich mit Nilutamid anzufangen anstatt sich mit Flutamid zu quälen?
- Ist Casodex (150 g) für die Therapie das beste Antiandrogen?
Wil konnte am 5.11.2002 etwas dazu aussagen:
Halbwertzeiten der drei Antiandrogenen:
Flutamid 8 Stunden
Casodex 6 Tage
Nilutamid mehr als 2 Tage
Somit können die drei tägliche Nilutamidtabletten (insgesamt 150 mg) zu gleicher Zeit eingenommen werden.
WARNUNG 1: Niemals täglich die sechs Tabletten nehmen wie vielleicht in dem Begleitzettel als maximale Dosis erwähnt wird (150-300 mg/Tag).
WARNUNG 2: Bei 1 % der Patienten können lebensbedrohende Nebeneffekte in den Atemwegen auftreten:
Siehe:
http://www.pneumotox.com/pneumotox/nilutamidex.html
(a) : acute hypersensitivity pneumonitis and respiratory failure
(b) : subacute cellular interstitial pneumonitis
(c) : pulmonary infiltrates and eosinophilia
(d) : organising pneumonia ± bronchiolitis obliterans
(Atomica gibt eine ausführliche Beschreibung von "Hypersensitivity Pneumonitis") woraus ich ableite, dass man vor allem am Anfang sehr gut aufpassen muss, ob man nicht zu den 1 % der Patienten gehört, bei denen diese lebensgefährliche Nebenwirkung auftritt.
Auf dieser Webseite steht auch:
< Time to recovery upon dechallenge: a few weeks >
Also, Nilutamid sofort absetzen, wenn ein Verdacht besteht. Es dauert dann einige Wochen, bis die Nebenwirkung verschwindet.
Gerade, weil Nilutamid in Deutschland nicht zugelassen ist, soll man extra vorsichtig sein und mit dem Arzt die Sache überlegen. Sonst ist von Nilutamid abzuraten.
Auf die genannte Webseite steht auch:
< total dose: less than 50 gms >
Also, während der ganzen Therapie soll man nicht mehr als insgesamt 50 Gramm Nilutamid nehmen. Bei einer täglichen Dosis von 150 mg entspricht dies 50.000/150 ist 333 Tage. Die DHB dauert 13 Monate (fast 400 Tage). Na ja, das geht wohl auch noch.
Und was ist mir passiert?
Ich habe 4,5 Jahre lang Nilutamid genommen, jeden Tag 150 mg. Insgesamt also mehr als 200 Gramm (statt maximal 50 Gramm). Niemand hat gewarnt oder gefragt, wie es mit meinen Lungen geht. Und ich selbst hatte die diesbezügliche Anweisung in dem Begleitzettel übersehen – kam erst dahinter, als ich die Hormontherapie schon zwei Jahre abgesetzt hatte.
Da habe ich also noch Glück gehabt, denn meine Lungen haben Nilutamid augenscheinlich gut vertragen.