Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Nexavar®

Ralf schrieb am 22.12.2005:
hier ein Auszug aus einem Artikel auf der Wirtschaftsseite des "Darmstädter Echos" von heute (22.12.05):
"Die Marktzulassung eines neuen Mittels in den USA zur Behandlung von Nierenkrebs hat den Kurs der Bayer-Aktie gestern beflügelt. Im Dax lag das Papier des Chemie- und Pharmakonzerns zum Handelsbeginn mit einem Plus von rund ein Prozent ganz vorn. Einen Tag zuvor war das Medikament unter dem Namen Nexavar von den US-Gesundheitsbehörden zugelassen worden. Das Mittel werde jetzt innerhalb von 24 Stunden an die Apotheken ausgeliefert, hieß es bei Bayer...
In der Bayer-Pharmasparte gehörte Nexavar zu den Medikamenten mit so genanntem Blockbuster-Potenzial, das heißt einem Umsatzvolumen von mehr als einer Milliarde Euro. Durch die schnelle Zulassung könne das Krebsmittel früher als geplant zur Verfügung stehen, sagte Bayer-Chef Werner Wenning...
Einen Zulassungsantrag für Nexavar habe Bayer auch bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA eingereicht, hieß es weiter. In der zweiten Jahreshälfte 2006 wird mit einer Entscheidung gerechnet, so dass das Mittel bis Ende 2006 auf den Markt kommen könnte. Bayer zeigte sich zu versichtlich, dass der Wirkstoff Sorafenib nicht nur bei Nierenkrebs, sondern auch bei anderen bösartigen Tumoren eine vielversprechende Therapieform sein kann."
Nexavar® ist seit dem 20.12. in USA zugelassen, zunächst für die Indikation Nierenzellenkarzinom. Das Mittel hat aber auch bei anderen soliden Tumoren Potenzial.
Sorafenib greift die Tumoren über zwei Wege an: Es kann Tumorarten bekämpfen, bei denen der sog. Ras-Signalweg überaktiv ist und kontinuierlich Zellteilungsimpulse übermittelt. Außerdem blockiert Sorafenib die Signalübermittlung an Blutgefäßzellen durch bestimmte Wachstumsfaktoren (VEGF und PEGF). Es ist somit u. a. ein neuartiges Antiangiogenetikum.
Bayer hat Phase-II-Studien mit Sorafenib an kleinen Patientenkohorten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen durchgeführt, u. a. an sieben Patienten mit hormonrefraktärem Prostatakrebs. Die Studie begann im September 2004. Dabei ging es allerdings mehr um die Verträglichkeit des Mittels. Es wurde oral (2 x 400 mg täglich) in 28-Tage-Zyklen verabreicht. Dann wird der Patient neu untersucht. Die Behandlung wird bis zur Progression der Erkrankung fortgesetzt.
Die folgenden Nebenwirkungen wurden beobachtet (Zahlen in Klemmern: Beobachtet an x von y Männern):
Bluthochdruck (2/6), Hautausschlag (6/6), ferner Fatigue, Blähungen, Gewichtsverlust, Anorexie (Appetitlosigkeit, Magersucht), körperliche Schmerzen, Bradykardie (eine bestimmte Form von Herzrhythmusstörungen) und Durchfall.
Vier Patienten wurden mindestens acht Wochen lang behandelt. Bei einem von ihnen stabilisierte sich der Zustand (Befunde gemäß PSA-Messung und radiologisch).