Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Herceptin (Trastuzumab®)

Werner fragte am 5.3.2006:
Beim Fernsehsender RBB habe ich vor kurzem in der Gesundheitsserie "Quivive" etwas über die Antikörper-Therapie gehört, die bei Brust- und Darmkrebs als Standard bereits erfolgreich angewandt wird. In dem Fernsehbericht war Prof. Dörken von der Charité Berlin als Referent. Gibt es inzwischen evtl. auch schon Erfahrungen in der Behandlung beim PCa ?
Dazu schrieb Ralf am 7.3.2006:
mein Wissensstand ist, dass Herceptin zwar beim BK, nicht aber beim PK Wirkung zeigt. So führte jedenfalls am 1.3. in unserer SHG der Onkologe Prof. Tesch (Frankfurt/M.) aus. Es kann natürlich sein, dass es nur bei Patienten mit der falschen Sorte PK versucht wurde.
Dr. Leibowitz erwähnt Herceptin in seinem Vortrag von 2001 (www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/tad_neu.zip), aber meines Wissens danach nicht mehr.
Elke hatte besser recherchiert und schrieb am selben Tag:
zum besseren Verständnis kopiere ich auszugsweise aus dem von Dir erwähnten Vortrag von Dr. Leibowitz, was er über Herceptin berichtete:
"Herceptin ist ein monoklonaler Antikörper, keine Chemotherapie. Es zielt auf den humanen epidermalen Wachstumsfaktoren-Rezeptor, und ist gegen Brustkrebs zugelassen.
Wenn man sich die Zelle anschaut, dann gibt es da einen Rezeptor für den Wachstumsfaktor, und der Wachstumsfaktor setzt sich an den Rezeptor und stimuliert die Zelle zum Wachsen. Der Handelsname ist Trastuzumab®, es verursacht Wachstumsstillstand, indem es die Rezeptoren an der Zelloberfläche verringert.
Eine normale Zelle hat so viele Rezeptoren, um Signale von Wachstumsfaktoren zu empfangen. Aber eine bösartige Zelle entwickelt oft mehr von diesen HER-2-Rezeptoren, und darum können sich mehr Wachstumsfaktoren anlagern und die Krebszelle zum Wachsen anregen.
Herceptin wirkt so, dass es diese Rezeptoren blockiert. Es gibt nach der ersten Dosis kaum Nebenwirkungen dabei.
Bei Prostatakrebs haben nur ungefähr 25 % der nicht behandelten Patienten den HER-2/neu-Rezeptor. Von den mit Hormonblockade Behandelten, haben ihn 59 %, und wenn sie hormonrefraktär sind, 78 %. Wenn also die Erkrankung fortschreitet, wird mehr davon HER-2-Rezeptoren-positiv.
Und diese Substanz hemmte dramatisch das Wachstum von hormonabhängigen und auch hormonunabhängigen Zellen; es scheint am wirksamsten zu sein, wenn es mit einem Taxan wie Taxotere oder Taxol kombiniert wird.
Wir verwenden in unserer Praxis ziemlich viel Herceptin. Es wird als alleiniges Mittel gegen Prostatakrebs und auch in Kombination mit einer Chemotherapie verwendet, zum Beispiel Taxotere und Herceptin oder Taxol und Herceptin."
Dr. Leibowitz Erfahrungen bei der Behandlung mit Herceptin, insbesondere in Kombination mit Taxanen für geeignete, hormonrefraktäre Patienten mit PK, erscheinen mir weitestgehend deckungsgleich mit den Erfahrungen, die beim BK vorliegen. Wenn beim BK manche Frauen von der Herceptin-Therapie profitieren, könnte es bei PK-Erkrankten durchaus ebenso günstig wirken. Entweder eine Tumorzelle besitzt den HER 2/neu-Rezeptor oder eben nicht.
Für mich hören sich Dr. Leibowitz Worte so an, als wäre Herceptin durchaus ein fester Bestandteil seines Behandlungskonzeptes.