Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente Heparine

Bernd schrieb am 9.11.2003, an Uwe gerichtet:
habe gerade gelesen, dass Du z. Zt. eine Chemotherapie bekommst. Es könnte in Deiner Situation sinnvoll sein, zusätzlich Heparin gegen Thrombose anzuwenden, da durch die Chemotherapie das Thromboserisiko steigt. Gleichzeitig wirkt Heparin günstig gegen Krebs :
Auszug aus einem Artikel Ärztl. Praxis:
"Heparin bessert die Prognose Krebskranker
Gerinnungshemmer verlängern das Leben von Tumorpatienten kostengünstig und weitgehend nebenwirkungsfrei. Besonders niedermolekulare Heparine (NMH) scheinen die Prognose bei verschiedenen Karzinomen signifikant zu verbessern.
Thromben fördern die Bildung der Kollateralgefäße, die Tumoren zum Wachstum benötigen.
Bereits vor Jahrzehnten fiel auf, dass Warfarin das Überleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom verlängert. Ähnliche Effekte erzielte man später mit Standard-Heparin, das allerdings die Prognose nicht signifikant verbesserte. Eindeutiger sind die Ergebnisse durch die Behandlung mit NMH. Seit 1995 therapiert man nun Phlebothrombosen mit NMH – und behandelt die ursächliche Krebserkrankungen offenbar gleich mit: Gemäß den Ergebnissen retrospektiver Untersuchungen nahm die Drei-Monats-Sterblichkeit unabhängig von Art und Lokalisation des Primärtumors unter NMH um 50 Prozent ab. Eine Metaanalyse aller verfügbaren Studien zeigt zudem, dass sich durch die Therapie auch die langfristige Prognose verbessert.
Zur Ursache, warum NMH die Lebenserwartung von Tumorpatienten verlängern könnte, gibt’s drei Thesen:
- Heparin hat einen direkten Anti-Tumor-Effekt,
- unterdrückt die Angiogenese,
- wirkt günstig aufs Immunsystem.
Den praktisch tätigen Arzt interessiert vor allem, inwiefern die Behandlung seinen Patienten nützt, zumal die bisher verfügbaren Daten alle auf retrospektiven Erhebungen beruhen. Drei laufende, prospektive Studien sollen nun zeigen, ob es tatsächlich einen neuen Hoffnungsfunken für Krebskranke gibt. Erste inzwischen verfügbare Ergebnisse brauchen den Vergleich mit bewährten Methoden nicht zu scheuen: Die Studien sprechen dafür, dass NMH mindestens ebenso effektiv sind wie neu entwickelte Zytostatika.
J.S./Quelle: Arzneimitteltherapie 19, S. 394–397.
ÄP-HINTERGRUND
Blutgerinnung beeinflusst das Tumorwachstum
Die Blutgerinnung und die Neubildung von Gefäßen spielen eine Schlüsselrolle beim Wachstum und bei der Metastasierung von Tumoren. Um sich weiter auszubreiten, nutzen die Tumorzellen gezielt das Hämostase-System:
Fibrin findet sich im Stroma des Tumors und umkleidet einzelne Zellnester. An der Gefäßwand dient es als eine Art Klebstoff, ohne den maligne Zellen nicht hämatogen metastasieren können.
Thrombin übt auf Tumorzellen einen direkt wachstumsfördernden Effekt aus. Jeder Tumor muss neue Gefäße bilden, um wachsen zu können. Denn größer als zwei Millimeter können Geschwülste ohne Angiogenese grundsätzlich nicht werden. Heparin hemmt diesen fatalen Prozess und bewirkt im Tierversuch nicht nur eine Regression des Tumors, sondern verhindert auch Metastasen.