Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Estramustin(-phosphat), EMP

[Estramustin ist eine Verbindung aus einem Alkylans und einem Östrogen und reichert sich in der Prostata an. Es senkt u. a. den Testosteronspiegel im Blut und wird deshalb vor allem bei Prostatatumoren eingesetzt. Handelsbezeichnungen in Deutschland sind: Cellmustin®, Estracyt®, Multosin®, Prostamustin®; in Österreich:Estracyt®; in USA: Emcyt®.

Dem lifeline-Forum habe ich den folgenden "Expertenrat" zur Einnahme entnommen, den ich für wichtig halte:

- vor der Einnahme etwa zwei Stunden keine Nahrung aufnehmen, hinterher ebenfalls eine Stunde lang,
- die Einnahme sollte niemals mit Calcium-haltigen Nahrungsmitteln erfolgen
  (Milch, Mineralwässer mit hohem Ca-Gehalt, Joghurt etc.),
- im Intervall können selbstverständlich Milchprodukte aufgenommen werden, also zu den Mahlzeiten,
- darüberhinaus verursacht EMP häufig Störungen des Magen-Darmtrakts, evtl. hilft Omeprazol,
  bei schlechter Toleranz muss die intravenöse Gabe von EMP erwogen werden.
- wegen der erhöhten Neigung zu Thrombosen unter EMP sollte ein Aspirinpräparat eingenommen werden.

Ed]


Monika fragte am 7.4.2004 im BPS-Forum:

Seit 01/04 ist der PK meines Vaters hormonunabhängig.

In 03/04 erhielt er die erste Chemo mit Taxotere und Estramustin. Zur 2. Chemo kam es erst gar nicht, da seine Leberwerte zu hoch waren. Nun muss er eine Woche aussetzen, dann werden die Leberwerte wieder kontrolliert.

Hat jemand bereits Erfahrungen mit zu hohen Leberwerten bei dieser Chemo? Ist es Taxotere oder Estramustin, was die Leber so angreift? Was kann er tun, damit die Leber sich wieder erholt? Wir sind alle recht deprimiert, da wir in diese Chemo sehr viel Hoffnungen gesetzt haben.

Rudolf antwortete am selben Tag:

hier Details zu Estramustin, Julius hatte mir sie letzten August in einer Antwort im Forum geschickt:

Das Mittel heißt "Estramustin". Hier einige gefundene Infos zu Estramustin und dessen Einsatz, meist als Kombination mit anderen Medikamenten.

Estramustin

Dieses Medikament kombiniert ein Östrogen und eine Substanz namens Mustin. Es wird vorwiegend zur Behandlung von Prostatakrebs verwendet. Nach der oralen Einnahme dringt es in die Tumorzellen ein und stört deren Wachstums- und Teilungsprozess. Außerdem reduziert es den Spiegel des Hormons Testosteron. Dies bewirkt schließlich, dass der Tumor schrumpft und mitunter sogar völlig verschwindet.

Estramustin ist zwar ein wirksames Krebsmittel, doch beschränkt sich sein Effekt nicht allein auf Tumorzellen. Auch normale Zellen im Körper können Schaden nehmen, was zu zahlreichen Nebenwirkungen führt. Durch Estramustin ist das Risiko, später an einer akuten nicht-lymphozytären Leukämie zu erkranken, insbesondere wenn Estramustin während einer starken Bestrahlungstherapie gegeben wird, erhöht.

Es kann außerdem eine Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen) und eine Neutropenie (Mangel an infektionsbekämpfenden weißen Blutkörperchen (Neutrophile Granulozyten)) verursachen. Anämie und Neutropenie können mit Zytokinen (Hormonen) behandelt werden. Sie steigern die Produktion der roten bzw. weißen Blutkörperchen.

Weitere bekannte Nebenwirkungen sind Veränderungen der Fortpflanzungsfunktion, Brustwachstum bei Männern, Veränderungen der Leberfunktion, Herzbeschwerden, mäßige bis schwere Übelkeit und Diarrhoe und Haarausfall.

Estramustin (Lexikon)

D Cellmustin, Estracyt, Multosin, Prostamustin

A Estracyt

Estramustin ist eine Verbindung aus einem Alkylans und einem Östrogen und reichert sich in der Prostata an. Es senkt u. a. den Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron im Blut und wird deshalb vor allem bei Prostatatumoren eingesetzt.

Anwendung

Anfangs wird Estramustin 5-10 Tage täglich in die Vene geleitet (möglichst langsam über 3-5 Minuten, um zu vermeiden, dass die Haut an der Einstichstelle gereizt wird). Danach wird mit Kapseln zum Schlucken weiterbehandelt, meist als Dauertherapie.

Die Kapseln verteilen Sie am besten auf insgesamt 3 Portionen und schlucken sie 1 Stunde vor oder mindestens 2 Stunden nach dem Essen.

Achtung

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Estramustin bekommen:

Sie haben eine Venenentzündung (Thrombophlebitis).
Sie hatten einen Herzinfarkt.
Sie neigen zu Thrombosen.

Bei Speisen und Getränken

Estramustin sollten Sie nicht gemeinsam mit kalziumhaltigen Getränken einnehmen (Milch, Mineralwasser), weil diese die Aufnahme des Wirkstoffs ins Blut behindern. Eine Stunde vor und zwei Stunden nach der Einnahme sollten Sie deshalb auch nichts Kalziumhaltiges essen (Joghurt, Quark, Kefir, Dickmilch, Käse, Brokkoli, Porree).

Unerwünschte Wirkungen

Häufig, aber unbedenklich

Schmerzen und Hitzegefühl im Damm und in der Prostataregion. Die Östrogenkomponenten im Wirkstoff können dazu führen, daß bei Männern das Brustgewebe anschwillt (Gynäkomastie). Da der Testosteronspiegel absinkt, geht die Lust auf Sex (Libido) zurück, und die Potenz läßt nach.

Häufig und gefährlich

Die Östrogenkomponente kann das Risiko für Thrombosen und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) erhöhen.

Selten, aber gefährlich.

Wenn in den ersten sechs Therapiewochen die Zahl der Blutzellen zu stark abnimmt, sollte die Dosis von Estramustin vorübergehend verringert werden. Haben sich die blutbildenden Zellen erholt, läßt sich die Dosis langsam wieder erhöhen.

(Internetbeitrag Stand: 18.10.2002)

Am selben Tag fügte Rudolf noch hinzu:

Das dürfte vor allem das Estramustin sein, siehe meinen Beitrag von letzter Woche "Taxotere wirkt gut" über Anjas Vater. Seitdem er nur Taxotere bekommt, sind die Nebenwirkungen weg, der PSA sinkt, und die Leber-Metastasen gehen zurück. Ausführlichere Infos zu den Nebenwirkungen von Estramustin müssten folgen.

Max6 fragte am 12.7.2004:

Nächste Woche soll ich eine Therapie mit Estramustin 280 HEXAL beginnen. Die Nebenwirkungen reichen laut Beipackzettel von Anämie bis Herzinfarkt. Hat jemand Erfahrungen mit diesem Medikament?

Urologe fs antwortete am selben Tag:

Zu Estramustin ist wichtig die korrekte Einnahme: Eine Stunde VOR oder zwei Stunden NACH Mahlzeiten, und das Medikament verträgt sich überhaupt nicht mit Milch und Milcheiweiß. Magenbeschwerden sind häufig, die anderen Nebenwirkungen eher selten.


wenert fragte am 14.7.2010:

Ich nehme seit drei Tagen Estramustin-Kapseln, 2 x 1.280 mg. Welcher Zeitabstand ist der günstigste?

berndr antwortete einen Tag später:

Auch ich nehme seit einigen Wochen Estramustin 280 mg, allerdings dreimal täglich. Die Einnahme erfolgt auf Anraten des Arztes bzw. gemäß der Packungsbeilage, und zwar:

"Estramustin 280 mg sollte mindestens 1 Stunde vor oder frühestens 2 Stunden nach dem Essen (dazu zählen auch Milch und Milchprodukte) eingenommen werden. Estramustin sollte nicht zusammen mit Milch- oder Milchprodukten, calcium-, magnesium- oder aluminiumhaltigen Präparaten (z. B. Antacida [magensäureverringernde Mittel – Ed]) und calciumreichem Mineralwasser mit einem Calciumgehalt über 200 mg/l eingenommen werden. (Auszug aus dem Beipackzettel).