Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Dehydroepiandrosteron (DHEA)

[DHEAS ist ein bedeutender Vorläufer der weiblichen und männlichen Geschlechtshormone. Auffällig ist die sinkende Produktion von DHEAS mit fortschreitendem Alter und ein Mangel an dieser Hormon-Vorstufe bei verschiedenen Erkrankungen. DHEA ist die Abkürzung für Dehydroepiandrosteron.

Diese Substanz wird zum größten Teil in der Nebennierenrinde von Menschen und Säugetieren gebildet. Die Produktion wird wie bei dem Stress-Hormon Cortisol maßgeblich durch ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) gesteuert, das wiederum aus dem vorderen Teil der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet wird. Nach einer Sulfatierung liegt DHEAS (Dehydroepiandrosteron-Sulfat) vor, das als Vorstufe der weiblichen (Östrogene) und männlichen (Androgene) Geschlechtshormone angesehen werden kann, aber auch selbst die Wirkung eines Hormons aufweist (übernommen aus http://www.kath.de/lexikon/praevention_gesundheit/dheas.php).

Der Referenzbereich ist altersabhängig und für Männer und Frauen unterschiedlich. Hier die Werte für Männer im hier interessierenden Alter:

Altersbereich

Referenzbereich [µg/dl]

35-44

88,9 - 427

45-54

51,7 - 331

55-64

44,3 - 295

65-74

33,6 – 249

>74

16,2 - 123



(nach http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/d/Dehydroepiandrosteron-Sulfat.htm)

Ed]


vaukaa fragte am 5.10.2011:

Ich habe anlässlich eines Sturzes mit Oberarmbruch, OP, Titanschrauben und -nagel den medizinisch-technischen Komplex durchlaufen. Man stellte Osteoporosegefahr, zu niedrigen Testostorongehalt (nie eine Hormonbehandlung gehabt) sowie ein zu niedriges DHEAS [Dehydroepiandrosteron-Sulfat – Ed] fest. (Hat alles nichts mit meiner nicht mehr vorhandenen Prostata zu tun, oder doch??)

Der Endokrinologe meinte, da verschreibe ich Ihnen DHEA (wird aus den USA importiert, gibt es bei uns offensichtlich nicht) sowie Vitamin D3 in sehr hoher Dosis (20.000 I.E, Dekristol heißt das Produkt).

Frage: Ist DHEA kompatibel zu einem PCa (ich habe zwar seit Jahren < 0,07 ng/ml PSA, aber man weiß ja nie...)?

Vielleicht ist alles auch nur ein NEM [Nahrungsergänzungsmittel – Ed] ohne relevante therapeutische Wirkung, oder wie seht Ihr das?

Harald_1933 antwortete am selben Tag:

Vor Jahren habe ich auch einmal den Wert wissen wollen, der wohl zufriedenstellend war, d. h. ich habe das dann total aus meinem Repertoire bei den halbjährlichen Blutuntersuchungen gestrichen. Der therapeutische Nutzen einer zusätzliche Gabe ist mehr als umstritten. Hier wird berichtet. Bitte, bilde Dir selbst ein Urteil. Bitte, auch das lesen.

Und HorstK schrieb:

Zum jetzigen Zeitpunkt stellen daher das Vorliegen bzw. der Verdacht auf das Vorliegen eines hormonabhängigen Tumors (z. B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Prostatakrebs) absolute Kontraindikationen einer DHEA-Gabe dar. Wie bei jedem Medikament, muss der mögliche Nutzen einer Einnahme gegen mögliche Risiken abgewogen werden. Ein wesentlicher Nutzen einer DHEA-Einnahme beim gesunden älteren Menschen ist derzeit nicht zu erkennen. Somit muss jeder, möglichst in Kenntnis der oben dargestellten Forschungsergebnisse, selbst entscheiden, ob er oder sie deswegen die möglichen Risiken einer DHEA-Einnahme auf sich nimmt.

http://www.endokrinologie.net/stellungnahmen_70702.php

Urologe schrieb am 6.10.2011:

Früher sah man Prostatakrebs auch nach OP als Kontraindikation an für eine Testosteronterapie.

Das ist aber längst vom Tisch, und Hormone dürfen spätestens zwei Jahre nach OP gegeben werden (einige Operateure fangen sogar schon nach sechs Monaten damit an).

DHEA zu ersetzten ist eine eher milde Hormontherapie, der Körper macht sich sozusagen dann sein Testosteron selber daraus. Wirkung tritt aber oft erst nach drei Monaten ein.

Deswegen, sollten Sie einen labortechnisch eindeutig nachgewiesenen Testosteronmangel haben, ist besser eine Testosteronersatztherapie mit Gel oder Spritze sinnvoll.

Das hilft auch Ihrer Osteoporose.