Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Dexamethason

Berntt schrieb am 18.12.2006:

Hier meine Erfahrung mit Dexamethason 1 mg abends: Unter Eligardspritzen sank bei mir das Testosteron nicht unterhalb des sog. Kastrationslevels. Das "Rest"-Testosteron aus der Nebenniere lag immer so um 0,4 ng/ml.

Eine Woche nach zusätzlicher Einnahme von Dexamethason 1 mg abends gemäß Empfehlung meines Urologen lag jetzt der Testosteronspiegel bei < 0,04 ng/ml.

Das Resttestosteron aus der Nebenniere lässt sich offenbar mit Dexamethason sehr gut senken. Es besteht längerfristig allerdings die Gefahr, dass die Nebennierenfunktion irreversibel geschädigt wird.

Dazu riet Urologe fs einen Tag später:

Reduzieren Sie doch auf die Hälfte, wenn Sie so gut ansprechen, reicht das möglicherweise auch schon aus.

Hans-Joachim schrieb am 20.12.12.2006:

Deine Erfahrungen mit Dexamethason kann ich für meinen speziellen Fall vollinhaltlich bestätigen. Trotz Eligard und Androcur bin ich beim Testosteron auch immer um 0,4–0,5 geschwankt. Nach Einnahme von 1 mg Dexamethason sank innerhalb von zehn Tagen das Testo auf < 0,04. DHEA-S und Androstendion verminderten sich schlagartig auf geringe Werte unter Norm.

Allerdings hat im gleichen Zeitraum mein PSA unangenehm reagiert: Es stieg von 3,68 auf 4,85. Hat das Cortison es angeheizt, wie einige hier im Forum schon gemutmaßt haben?

Wegen irreversibler Nebenwirkungen habe ich im Beipack nichts feststellen können, oder ich habe es nicht richtig verstanden.

Siegbert fragte am 5.1.2007:

warum eigentlich nach wie vor Dexamethason, Prednisolon und ähnliche Cortisonpräparate, die doch nach Aussage hier im Forum (u. a. Dr. F. E.) den mutierten Androgenrezeptor stimulieren bzw. auf eine PCa-Zellinie wachstumfördernd wirken oder doch wirken können??

Warum nicht konsequent stattdessen Triamcinolon (z. B. Delphicort), das angeblich keinen Progress zur Folge hat?

Werner reagierte darauf am 26.1.2007:

Dein Einwand bezüglich der Anwendung von Dexamethason ist interessant. Denn der Einsatz von Dexamethason wird auch von Ärzten empfohlen und praktiziert, die am anderen Orte von der möglichen Stimulierung von Androgenrezeptoren sprechen.

Also meine Bitte, gib uns noch mehr Informationen, falls Du demnächst hier wieder reinklicken solltest.

Natürlich wären im Rahmen der wichtigen Informierung auch Beiträge von anderen Teilnehmern wichtig.

Günter verwies am 28.1.2007 auf diesen Beitrag von Carola-Elke vom 4.5.2006:

oft wird innerhalb einer notwendigen Chemotherapie bei hormonrefraktärem PCa zusätzlich Hydrokortison verabreicht, um die Nebenwirkungen zu reduzieren.

Welche Auswirkungen Kortison allerdings auf den Tumor, der ja mithilfe der Chemo bekämpft werden soll, haben kann, ist inzwischen untersucht und veröffentlicht worden.

Es sieht so aus, als seien Glukokortikoide in der Tumortherapie eher kontraproduktiv:

[hier folgte ein Link zu einem Artikel in der Internetpräsenz des Deutschen Ärzteblatts, der leider nicht mehr verfügbar ist – Ed]

Ein Denkanstoss, der vielleicht in der Praxis zu wenig Beachtung erfährt. Es wäre schön, wenn uns Praktiker ein wenig über ihre Beobachtungen berichten würden und vor allem Alternativen zum Kortison nennen könnten.

Günter fuhr dann fort:

Aus der Universität Stanford und vom DKFZ [Deutschen Kernforschungszentrum – Ed] habe ich noch ein paar weitere Informationen erhalten, die ebenfalls den Einsatz von Triamcinolon statt anderer Medikamente dieser Klasse nahe legen. Eine relativierende Auskunft von der Uni Insbruck hierzu erhielt ich jedoch auch.

Meine Abwägung der Ergebnisse und Meinungen ist, dass Triamcinolon lebensnotwendige Funktionen sichert und keinen Hinweis auf PCa-Progress im Vergleich zu anderen Glukokortikoiden zeigte.

Hans-Joachim schrieb am 30.1.2007:

Zwischenzeitlich ist meine Euphorie über Dexamethason sehr stark abgekühlt. Ich habe mir das Cushing-Syndrom eingehandelt: http://www.netdoktor.de/krankheiten/cushing-syndrom-symptome.htm.

Unbestritten ist in meinem Fall, dass das Dexa über Nacht mein Wohlbefinden um 100 % verbessert, meinen unbefriedigenden Testosteronspiegel auf 0 gesenkt und die adrenalen Androgene schlagartig unterdrückt hat – siehe Details in meinem Profil [gemeint ist das Benutzerprofil im gemeinsamen Diskussionsforum zum Prostatakrebs von BPS und KISP. Benutzerprofile können nur von registrierten Forumsbenutzern eingesehen werden – Ed].

Allerdings ist mein PSA von 3,6 auf 5,6 gestiegen. Vielleicht hat das Dexa ihn angeheizt? Deshalb schleiche ich mich jetzt aus Dexa wieder raus.

In seinem Thread vom 28. 1. weist Günter auf eine Studie zum Thema Triamcinolon der Stanford University hin.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Urology im Mai 2006 veröffentlicht. Die Kurzfassung dieses Artikels darf ich sowohl in meiner bescheidenen Übersetzung als auch im Original hier anfügen:

Urology, Mai 2006:

Phase-II-Studie über die Wirkung von oralem Triamcinolon bei Patienten mit androngenunabhängigem Prostata-Carcinom

Srinivas S,,Krishnan AV, Colocci N, Feldman D., Division of Oncology, StanfordUniversitySchool of Medicine, Stanford, California94305, USA. sandysri@stanford.edu

Ziele: Nachweis der Wirkung einer Triamcinolon-Behandlung auf den Serum-PSA-Verlauf und die Zeit bis zur Progression bei androngen-unabhängigen Prostatacarcinompatienten.

Methoden: Fortlaufend wurden androgenunabhängige Patienten mit 2 x täglich 4 mg Triamcinolon behandelt und ihr Serum-PSA und Kortisol-Level monatlich gemessen. Patienten, die einen mehr als 25-prozentigen PSA Anstieg zum Basiswert aufwiesen, wurden als progredient eingestuft und aus der Studie entlassen. Diejenigen Patienten, die einen PSA-Abfall oder einen stabilen Krankheitsverlauf verzeichneten, blieben bis zum Eintreten der Progession in der Studie. Knochenzsintigramme wurden alle 12 Monate oder bei Progression durchgeführt.

Ergebnisse: Von November 2002 bis Juni 2004 wurden 24 androgen-unabhängige Patienten behandelt. Bei 29 % wurde ein mehr als 50-prozentiger PSA-Rückgang festgestellt. Weitere 21 % hatten einen stabilen Verlauf. Bezüglich der Zeit bis zur Progession konnte kein statisitisch signifikanter Unterschied zwischen denjenigen festgestellt werden, die einen PSA-Rückgang, und denjenigen, die einen stabilen Verlauf aufwiesen. In beiden Gruppen betrug die mediane Zeit bis zur Progression 7,5 Monate. Die Behandlung war gut verträglich ohne Nebenwirkungen der Grade 3 oder 4.

Schlussfolgerung: Oral verabreichtes Triamcinolon wurde von androgen-unabhängigen Patienten gut vertragen, wobei 50 % der Patienten in Bezug auf den Serum-PSA-Verlauf und die Zeit zur Progression eine gute Wirkung zeigten. (Übersetzung ohne Gewähr)

Phase II study evaluating oral triamcinolone in patients with androgen-independent prostate cancer

Srinivas S, Krishnan AV, Colocci N, Feldman D., Division of Oncology, StanfordUniversitySchool of Medicine, Stanford, California94305, USA. sandysri@stanford.edu

OBJECTIVES: To assess the effect of triamcinolone administration on the serum prostate-specific antigen (PSA) response and the time to progression in patients with androgen-independent prostate cancer (AIPC). METHODS: Patients with AIPC were prospectively treated with oral triamcinolone 4 mg twice daily, and their serum PSA and cortisol levels were measured monthly. Patients with greater than 25% increases in serum PSA from baseline were considered to have progressive disease and were removed from the study. Those patients who had a decrease in serum PSA levels or stable disease continued in the study until disease progression. Bone scans were obtained every 12 weeks and at progression. RESULTS: Twenty-four patients with AIPC were treated from November 2002 to June 2004. A partial response with a more than 50% decrease in serum PSA level was seen in 29%. Another 21% achieved stable disease. No statistically significant difference was found in the time to progression in the partial responders and patients with stable disease. The median time to progression in both groups was 7.5 months. Treatment was well tolerated without any grade 3 or 4 toxicity. CONCLUSIONS: Oral triamcinolone was well tolerated by patients with AIPC, with 50% of the patients exhibiting a good response to therapy in terms of serum PSA level and time to progression.

PMID: 16698360 [PubMed - indexed for MEDLINE]

Zu beachten ist sicherlich, daß es sich um eine kleine Fallzahl handelt. Ferner werden in dieser Kurzfassung des Artikels keine Angaben zum Patientenkollektiv wie PSA, Gleason, Vorbehandlungen, etc gemacht. Keineswegs übersehen sollte man, daß auch unter Triamcinolon offensichtlich eine Progession stattgefunden hat.

Bereits im Mai 1988 !!! wurde in einem Artikel des Int. J. Cancer auf Triamcinolon hingewiesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/q...=pubmed_docsum.

In Nat.Med Juni 2000 wurde über die Problematik der Glukokortikoide referriert: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/q..._uids=10835690.

Dann erscheint im Mai 2002 in Endocrinology der Artikel, der Dr. Strum bewogen hat – immerhin hat auch er dazu vier Jahre gebraucht – den Finger zu heben und vor Dexamethason zu warnen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/q...=pubmed_docsum

Kann es sein, dass man seit 1988 Dexamethason anwendet – in zahlreichen internationalen Studien oder als Standardbehandlung mit Taxotere oder Keto – ohne dass jemand bemerkt hat, dass die Verwendung von Dexa auch kontraproduktiv sein kann? Würden die Standard-Regime eine bessere Wirkung erzielen, wenn man Dexa weglassen würde?

Wir wissen, dass wir nichts wissen.

Werner schrieb am 31.1.2007:

Also was nun, welches Glucocorticoid? Dexamethason oder Triamcinolon oder...?

Offenbar ist die optimale Unterdrückung des Testosterons durch LHRH-Agonisten nebst Antiandrogenen nicht die einfache Regel, wie sie in der Fachliteratur regelmäßig beschrieben wird. Wie erklärt man z. B. starke Schwankungen der Testosteronwerte innerhalb von zehn Tagen im Rahmen der ADT3?

Wer kann bitte noch bezüglich der Anwendung von Glucocorticoiden (Dexamethason usw.) mit weiteren Informationen beitragen?

Übrigens was das "Cushing -Syndrom" betrifft, die angegebene Schwellendosis (mg/Tag) beträgt beim Dexamethason 1,5 bis 2 und beim Triamcinolon 6 bis 8. Da aber jeder von uns ein Unikat darstellt, können wir uns nicht darauf verlassen.

Berntt schrieb am selben Tag:

Meine Erfahrungen mit verschiedenen Dosierungen von Cortison abends um Testosteron aus der Nebenniere zu unterdrücken:

1 mg Dexamethason abends: Testosteron > 0,04
0,5 mg Dexamethason abends: Testosteron 0,2
2 mg Triamcinolon abends: Testosteron 0,3

(Dexamethason 1 mg soll äquivalent 4 mg Triamcinolon sein. Allerdings hat Dexamethason eine wesentlich längere Halbwertzeit als Triamcinolon. Um das Testosteron aus der Nebenniere zu unterdrücken, scheint Dexamethason am geeignetsten zu sein).