Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Cefasel®


Sonja fragte am 13.2.2006:

Habe hier im Forum öfters das Medikament Cefasel gesehen. Wer sollte es nehmen und wozu? Ist es bei Knochenmetastasen hilfreich?

Ralf meinte am selben Tag:

wenn es nicht zwei grundverschiedene Präparate unter diesem Namen gibt, was ich nicht glaube, dann ist Cefasel® ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel, nämlich Natriumselenid. Es ist bekannt, dass eine ausreichende Selenversorgung die Wahrscheinlichkeit verringert, PK zu bekommen, und auch für den Fall, dass man ihn schon hat, raten viele Ärzte zur Einnahme von Selenpräparaten, weil Selen ein Radikalenfänger ist.

Wolfgang war da anderer Meinung und antwortete am 16.2.2006:

So oberflächlich kann man das Thema Selen nicht behandeln. Gerade das Natriumselenit kann man nicht als 'schlichtes' Nahrungsergänzungsmittel abtun, das anorganische Selenit ist vielmehr ein Therapeutikum, in Injektionsform sogar verschreibungspflichtig
(http://www.shop-apotheke.com/versandapotheke_artikel.htm?pzn=593738&expa=kmd.Index&partnercode=index).
Auch Prof. Dr. Wolfgang Schultze-Seemann, Freiburg, nennt das Selenit 'konfektioniertes Medikament' (also kein 'Nahrungsergänzungsmittel' wie die Aminosäure): http://boards.lifeline.de/prostatakrebs/er/messages/3900.html.

Das Kriterium dafür, ob und welches Selen ein Nahrungsergänzungsmittel oder Medikament ist, ist einzig der Zweck, den man mit der Substitution erfüllen will, und die danach gewählte Selensorte.

Es ist grundsätzlich zwischen zwei Selensorten zu unterscheiden:

  1. organische, Selen enthaltende Aminosäuren (Selenomethionin und Selenocystein), oft in Verbindung mit Hefe ('Selenhefe'), als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich in jedem Supermarkt,
  2. anorganisches Selen (Selenat und Selenit), als Therapeutikum erhältlich i.d.R. nur in Apotheken.

Das organische Selen (meist Selenomethionin) eignet sich nur als Prophylaxe, wenn man den Krebs noch nicht hat (wobei die auf den Drogerie-Schachteln empfohlene Dosierung 50 µg täglich i.d.R, d. h. wenn kein besonderer Selenmangel nachgewiesen wird, ausreichen dürften). Bei erhöhtem Selenbedarf: 100 µg, am besten hefefrei, z. B.: http://shop.supplementa.com/238967/4xFPSbKTzNDIuws6zBUxC5dsKXqwws/4DCGI/ezshop?sTICKCOUNT=7505028&action=direktanzeige&artikelnummer=93210 [dieser Link funktioniert nicht mehr – Ed]

Selenomethionin 100 µg, hefefrei, Hersteller: KAL (USA), 100 Tab. = 15,50 € (sogar billiger als in den meisten Drogerien).

Das anorganische Selen (meist Natriumselenit als Mono- oder Kombipräparat in Tabletten-, Injektion- oder Trinkampullenform) eignet sich bei erhöhter Dosierung als Therapeutikum bei vorhandenem Krebstumor, nicht aber zur Vorbeugung. Z. B. Cefasel oder Selenase (Fa. Biosyn, als Sprtzen / verschreibungspflichtig o. Tabl. / apothekenpfl. – www.medizinfuchs.de oder Google bemühen).

Hierzu vgl. http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_IV.htm (s. den letzten Abs. ganz unten: 'Bei der Behandlung von Krebspatienten hat sich Natrium-Selenit bewährt, während hier Selenomethionin nur äußerst geringe bis keine Wirkung entfaltete.').

Siehe auch

http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_I.htm
http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_II.htm
http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_III.htm

Man kann also auch nicht pauschal sagen, dass 'ausreichende Selenversorgung die Wahrscheinlichkeit verringert, PK zu bekommen' und in gleichem Atemzug von Natriumselenit sprechen oder dass 'Selen allgemein' beim vorh. Tumor eingesetzt werden kann / soll – es kommt immer darauf an, welches Selen in welchem Fall.

Die Dosierungen sollte man individuell entscheiden (ausprobieren), denn jeder Organismus reagiert anders. Prof. Schultze-Seemann: 'Grundsätzlich gilt, dass Selen ein lebenswichtiges Spurenelement ist, welches v. a. im Blut von Tumorpatienten niedriger ist als bei gesunden Vergleichspersonen.' (http://boards.lifeline.de/prostatakrebs/er/messages/3885.html).

Allein dies begründet die höhere Dosierungen bei Krebspatienten.

Prof. Schultze-Seemann schreibt von therapeutischen Selen-Dosierungen bei Krebspatienten in der Größenordnung zwischen 100 und >1000 µg/Tag (http://boards.lifeline.de/prostatakrebs/er/messages/3895.html).

Er selbst verordnet i.d.R. 200 µg/Tag (http://boards.lifeline.de/prostatakrebs/er/messages/3900.html).

Mir selbst haben die Betreiber der o. g. Seite www.webmed.ch geschrieben:

'Die von Ihnen erwähnten Dosierungen von 500-1000 mg Vitamin C pro Tag und 200 µg Selen erscheinen unseren ärztlichen und wissenschaftlichen Mitarbeitern als zu niedrig. Auch die weltweiten onkologischen Kongresse haben deutlich höhere Dosierungen empfohlen. So für Vitamin C bis zu 3 Gramm und für Natriumselenit zwischen 400 und 700 Mikrogramm.' (Also, die 700 µg werde ich bestimmt nicht nehmen...)