Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Bicalutamid (Casodex®)

[Der Wirkstoff Bicalutamid (ursprüngliche Handelsbezeichnung CasodexÒ) ist ein sog. nichtsteroidales Anti-Androgen und wird im Rahmen einer Hormonunterdrückungstherapie eingesetzt. Seine Wirkung beruht darauf, dass es an den Prostata- und Prostatakrebszellen die Rezeptoren für Testosteron besetzt und so die Aufnahme von Testosteron durch diese Zellen verhindert. Es kann damit im Rahmen der Dreifachen Hormonblockade (DHB) als eines der drei dort verwendeten Medikamente eingenommen werden.
Als Halbwertzeit von Bicalutamid (die Zeit, bis zu der die Hälfte des im Blutkreislauf befindlichen Wirkstoffes im Körper abgebaut wurde) werden 5,8 Tage genannt, als Verzögerung des PSA-Ansprechens (Zeit, bis das PSA wieder steigt) sechs bis sieben Wochen.
Das Originalprodukt Casodex
Ò (Hersteller: AstraZeneca GmbH) ist sehr teuer, eine Packung zu 90 Tabletten à 50 mg kosten seit Anfang 2004 in deutschen Apotheken 588,37 EUR, eine Packung zu 90 Tabletten à 150 mg 1.407,98 Euro.Seit Ende des Jahres 2008 das Patent für den Wirkstoff auslief, sind von zahlreichen Herstellern (siehe Liste weiter unten) Generika (Nachahmerprodukte) auf dem Markt, die nur etwa halb so teuer sind wie CasodexÒ, sich aber auch untereinander deutlich im Preis unterscheiden. Allerdings gibt es nicht von jedem Hersteller die z. B. für die "Dreifache Hormonblockade" empfohlene 150-mg-Dosierung.
Eine wesentlich billigere Alternative zu Bicalutamid ist der Wirkstoff Flutamid, mit dem aber viele Patienten mehr Probleme mit den Nebenwirkungen haben und das unbequemer in der Einnahme ist.
In der DHB werden üblicherweise 150 mg Wirkstoff täglich eingenommen, so dass eine Packung mit 50-mg-Tabletten gerade für einen Monat reicht.
Der Original-Hersteller des Wirkstoffs ist die AstraZeneca GmbH, D-22876 Wedel (http://www.astrazeneca.de). Er gibt die folgenden möglichen Nebenwirkungen an (Auszug aus dem Beipackzettel):
Es können häufig Hitzewallungen und gelegentlich Juckreiz, Brustschwellung und Spannungsgefühl der Brust auftreten. Die folgenden Nebenwirkungen wurden sowohl bei der Behandlung mit Bicalutamid allein als auch in Kombination mit LHRH-Analoga beobachtet:
Magen-Darm-Trakt
Gelegentlich: Durchfall, Verstopfung, Übelkeit und Leberfunktionsstörungen (Erhöhung von Bilirubin- und Leberenzymkonzentrationen sowie Transaminasen; Gelbsucht, Gelbsucht durch Gallestau, Vergrößerung der Leber). Letztere waren im Allgemeinen vorübergehend und verschwanden oder besserten sich auch bei fortgesetzter Behandlung bzw. nach Beendigung der Behandlung. In sehr seltenen Fällen wurden auch schwere Leberfunktionsstörungen beobachtet (s. Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise). Bei Verdacht auf Leberfunktionsstörungen wird Ihr Arzt gegebenenfalls bei Ihnen Leberfunktionstests (Bilirubin, Transaminasen, alkalische Phosphatasen) in regelmäßigen Abständen durchführen.
Selten: Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen, Erbrechen
Herz-Kreislaufsystem
Einzelfälle: Herzanfälle, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, EKG-Veränderungen (PR- und QT-Verlängerungen, unspezifische Veränderungen).
Blut
Gelegentlich: Blutarmut
Einzelfälle: Verringerung der Blutplättchenzahl
Nervensystem
Häufig: verminderter Sexualtrieb, gelegentlich: Schwindel, Schläfrigkeit, selten: Schlaflosigkeit
Atemwege
Selten: Atemnot
Harn- und Geschlechtsorgane
Häufig: Potenzstörungen bis hin zur Impotenz; selten: nächtliches Wasserlassen
Haut
Gelegentlich: Ausschlag (Hautausschlag, Nesselsucht, mit Fleckchen und Knötchen einhergehender Ausschlag), trockene Haut, Schwitzen, vermehrte Behaarung; selten: Haarausfall
Stoffwechsel
Gelegentlich: Gewichtszunahme, Zuckerkrankheit; selten: Gewichtsverlust, Erhöhung des Blutzuckers.
Sonstige Nebenwirkungen:
Gelegentlich: Ödeme (Wasseransammlungen im Gesicht, am Rumpf und an den Gliedmaßen), Beckenschmerzen, Schmerzen allgemein, Schwächegefühl, Schüttelfrost; selten: Bauchschmerzen, Brustschmerzen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen.
Diese Nebenwirkungen sind normalerweise kein Grund, die Behandlung mit Casodex® abzubrechen, sollten diese Beschwerden Sie jedoch beunruhigen, suchen Sie Ihren Arzt auf.
Casodex® sollte nie zusammen mit Taxotere® verabreicht werden, da diese Kombination die Leber sehr stark belasten kann.
Im Jahr 2008 lief das Patent für den Wirkstoff Bicalutamid aus. Dadurch wurde es anderen Pharma-Herstellern möglich, Generika (Nachahmerprodukte) auf den Markt zu bringen, die viel preiswerter sind als das Originalmedikament Casodex. Zur Zeit sind auf dem Markt (ohne Gewähr für Vollständigkeit):

* Bicalutamid medac 50 mg und 150 mg Filmtabletten --- medac GmbH
* Bicalutamid AbZ 50 mg Filmtabletten --- AbZ-Pharma GmbH
* Bicalutamid Actavis 50 mg Filmtabletten --- Actavis Deutschland GmbH & Co. KG
* Bicalutamid AL 50 mg Filmtabletten --- Aliud® Pharma GmbH
* Bicalutamid - 1 A Pharma 50 mg Filmtabletten --- 1 A Pharma GmbH
* Bicalutamid Basics 50 mg Filmtabletten --- Basics GmbH
* Bicalutamid beta 50 mg Filmtabletten --- betapharm Arzneimittel GmbH
* bicalutamid-biomo® 50 mg Filmtabletten --- biomo pharma GmbH
* Bicalutamid dura® 50 mg Filmtabletten --- Mylan dura GmbH
* Bicalutamid esparma 50 mg Filmtbl. --- esparma GmbH
* Bicalutamid HEXAL® 50 mg Filmtabletten --- HEXAL AG
* Bicalutamid-ratiopharm® 50 mg Filmtabletten --- ratiopharm GmbH
* Bicalutamid Sandoz® 50mg Filmtbletten --- Sandoz Pharmaceuticals GmbH
* Bicalutamid Stada® 50 mg Filmtabletten --- STADApharm GmbH

Ein weiterer Handelsname im Ausland ist "Calutol".
Ed]

Martin fragte am 9.2.2001:
Am 9.12.1992 wurde mein Vater (Jahrgang 1924) mit einem PSA-Wert von 14,1 ng/ml zur Biopsie eingewiesen. Am 17.12.92 wurde er bei einem Wert von 19,0 ng/ml radikal operiert. Bis zum 05.01.93 hatte sich der PSA Wert auf 1,3 ng/ml normalisiert. Im Mai 1995 stellten die Ärzte erneut ein Carzinom an der Nahtstelle "Harnleiter-Blase" fest. Man entschied sich für eine Hormontherapie (Casodex). Der PSA-Wert blieb im niedrigen Bereich (2,8 - 3,9). Seit ca. 1½ Jahren pendelt der Wert bis inzwischen 5,75 mit ansteigender Tendenz. Metastasen wurden bisher noch nicht gefunden. Meine Frage als Sohn meines Vaters: Sollte die Behandlung mit Casodex weiter fortgesetzt und abgewartet werden ? (das ist der Vorschlag seines Urologen) Oder gibt es andere Therapievorschläge ? Ich habe auch schon über eine zusätzliche Therapie mit PC-SPES nachgedacht ?!
Christian antwortete am 10.2.2001:
da Ihr Vater bereits seit mehr als 5 Jahren Casodex erhält, kann es sehr wohl sein, dass der Prostatakrebs dagegen resistent geworden ist, ja es gibt sogar die Möglichkeit, dass er "von Casodex lebt", also davon angetrieben wird. Die Vorgänge sind sehr komplex. Mein Ratschlag: dringend das Antiandrogen ändern (z. B. Flutamid). Ich bin sicher, Dr. Leibowitz, ein US-Hämatologe/Onkologe, der sich mit nichts als dem Prostatakrebs befasst, würde "up-front", also so bald wie möglich, die Dreifache Hormonblockade vorschlagen, weil das das stärkste Hormonmittel ist, das gegen den Krebs eingesetzt werden kann. Immer soll diese Blockade nur begrenzte Zeit angewandt werden (intermittierend, wenn erforderlich). Wie lange das bei Ihrem Vater sein sollte, kann ich allerdings auch nicht sagen, da bei Ihrem Vater nicht die Standardtherapie von 13 Monaten ohne weiteres eingesetzt werden kann. Ein Anhaltspunkt ist: 9 Monate soll der PSA-Wert niedriger als 0,1 ng/ml liegen. Danach absetzen. Ob er das bei Ihrem Vater noch tut, weiß ich natürlich auch nicht. Wenn Sie die Unterlagen, die ich aus dem Internet über die Tri Androgen Blockade übersetzt habe, zugeschickt haben wollen, sagen Sie mir bitte Bescheid. Falls Sie ausreichend englisch sprechen, sehen Sie sich die Internetsite www.prostatepointers.org/prostate/leibowitz an.
Wil antwortete ebenfalls am 10.2.2001:
Habe die PK-Historie aus deinem Text destilliert, siehe am Ende. Sie ist leider sehr unvollständig.
Bei der Beurteilung über "wie weiter", zählt das Alter mit sowie auch die Aggessivität des Krebses. Maßstäbe für die Aggessivität sind Gleason Score (GS) oder der Grad (I, II oder III) und auch die Steigungsrate des PSA-Wertes.
Ich könnte schon einen Kommentar geben, warte jedoch lieber bis du eine PK-Historie geschrieben hast. Am besten auch alle gemessene PSA-Werte mit Angabe Monat/Jahr.
Wie war der Befund über die Lymphknoten während der RP? Übrigens, all diese Daten sind dem Arzt bekannt. Ideal wäre, wenn du diese Daten kopierst oder abschreibst. Auch eine Kopie des Pathalogen-Berichtes erfragen (darin steht GS oder Grad).
Vorläufiger Vorschlag:
  1. Proscar (Finasterid) 5 mg/Tag hinzunehmen. Dieses mindert die PSA-Steigungsrate (und die Rate des Krebswachstums).

  2. Von Casodex auf Flutamid oder Nilutamid umschalten (wie Christan schon vorgeschlagen hat).

  3. Kurkuma (Gelbwurzel) einnehmen, siehe Webseite. Dieses verhindert Brustwachstum, hat eine Antikrebswirkung und (was ganz neu ist) hat eine Anti-Osteoporose-Wirkung.

  4. Tierische Fette und Öle einschränken. Reichlich Gemüse und Obst nehmen.

Dx:
1992/12/09 bPSA 14.1; PV ?; Bx: GS(?+?); T?N?M?
1992/12/17 PSA 19.0 Operation RP
1993/01/05 PSA 1.3 War dieses niedrigster Wert (Nadir)?
1994
1995/05/xx Dx: Carzinom Nahtstelle "Harnleiter-Blase" Tx: Casodex ??? mg
1995 PSA 2.8 - 3.9
1996 PSA 2.8 - 3.9
1997 PSA 2.8 - 3.9
1998
2001/2/xx PSA 5.75 steigend. Keine Metastasen gefunden.
[Wils Punkt 2 war unser Wissensstand von Anfang 2001. Inzwischen haben wir dazugelernt, siehe eine ähnliche Diskussion von Anfang 2005. – Ed]

Petra fragte am 25.4.2002:
Da der PSA unter DHB: Trenatone Monatsspr. + 1 x tgl. Casodex. begonnen hat zu steigen, innerhalb 2 Monate von 2 auf 6, (nach 6 Monaten Therapie, Anfangs-PSA war 76 ng/ml) und im Knochenszintigramm der Verdacht einer Metastase im Becken bestätigt wurde suchen wir nun händeringend einen kompetenten und erfahrenen Onkologen im Raum München.
Mein Mann ist nicht prostektomiert. Er hatte sich aus voller Überzeugung und weil eben T3 bzw.T4 vorlag für die Hormonblockade entschieden. Doch was nun???? Bisher hat er von seinem Urologen auch noch keine knochenstärkenden Medikamente erhalten. Sei bei Männern unter Hormonblockade nicht notwendig. Was halten Sie davon?
Wir waren zunächst so froh, dass der PSA so flott runter ging.
Ob es sinnvoll wäre, die Casodex auf 3x tgl. zu erhöhen???
Dank an alle, die uns raten können, und alles Gute weiterhin für alle Forumsteilnehmer.
Hansjörg antwortete am 28.4.2002:
am vergangenen Sonntag, bei der Feier zum 300-jährigen Bestehen des Klinikums Mannheim sprach ich mit Dr. Siegsmund, dem Oberarzt von Prof. Alken, über dieses Problem.
Es soll amerikanische Untersuchungen geben, dass Casodex 3x täglich allein genommen, also in der Dosis von 150 mg, genau so gut wirken soll, wie LHRH-Analoga (Spritze) und Antiandrogen (Tabletten) zusammen.
Nebenwirkungen: Bei der hohen Dosis schwellen die Brüste und werden sehr empfindlich bis schmerzhaft. Da kann eine leichte Bestrahlung Abhilfe schaffen.
Wil korrigierte das am selben Tag:
Solche Untersuchungen (in direktem Vergleich) hat es NICHT gegeben. Die Casodex-Monotherapie hat zwar weniger Nebenwirkungen, ist jedoch mit einem unbekannten Risiko verbunden in Bezug auf Überlebenszeit, dieses im Vergleich mit der DHB.
> Nebenwirkungen: Bei der hohen Dosis schwellen die Brüste und werden sehr empfindlich bis schmerzhaft. Da kann eine leichte Bestrahlung Abhilfe schaffen.
Dieses Problem kann schon bei der geringsten Dosis entstehen, z. B. 25 oder 50 mg pro Tag. Hängt auch vom Patienten ab. NIEMALS damit anfangen, wenn nicht erst vorbeugende Maßnahme. Entweder Bestrahlung der Brustdrüse oder Einnahme von Arimidex 1 mg/Tag (hemmt Umwandlung von Testosteron nach Östrogen).

Rudolf schrieb am 11.11.2002:
im Zusammenhang mit den letzten Vorbereitungen für meine DHB (ich fange hoffentlich noch diese Woche an) darf ich eine doch wohl erfreuliche Mitteilung weiterreichen:
Der für das Casodex zuständige Arzt bei AstraZeneca sagte mir vorhin (ich hatte angefragt wg. der Wechselwirkung mit gerinnungshemmenden Mitteln vom Cumarintyp, z. B. Marcumar, was ich dauerhaft wg. künstlicher Herzklappe nehme), dass Casodex jetzt auch als 150-mg-Variante die Zulassung hat, und zwar seit dem 1.11.2002. Dieses bedeutet, was ich mir von meiner Apotheke habe bestätigen lassen, dass es verschreibungsfähig ist, es hat die "Normgröße" N1 (30 Tbl.) und N3 (90 Tbl.), sodass es "nur" noch vom entsprechenden Arzt verordnet werden muss. Ich gehe also erstmal davon aus, dass ich keinen Kredit aufnehmen muss, um meinen Krebs u. a. mit Casodex zu bekämpfen, sondern dass die Kasse die Kosten übernimmt. Mal sehen.

Joachim schrieb am 28.9.2003 unter dem Betreff "NW bei Casodex 150":
ich habe in meiner SHG einen Fall von schweren Nebenwirkungen durch Casodex 150 mg. Der Betroffene bekam nach vier Wochen starke Müdigkeit und Abgeschlafftheit. Nach acht Wochen konnte er aus dem Bett nicht mehr aufstehen und hatte starken Gewichtsverlust (10 kg). Er hat dann Casodex abgesetzt, jedoch keine Besserung. Jetzt liegt er seit vier Wochen im Krankenhaus, kann kaum sprechen wegen eines trockenen Halses, wird mit Infusionen aufgebaut, weil er keinen Appetit hat und nichts isst. Er sagt mir, er wollte sterben, so schlecht ging es ihm und er glaubt nicht mehr an eine Besserung.
Hier die PKG von Hermann (1933:
Dx: 02/1999; bPSA 6,4; PV?; pT3a; Nx; M0; GS(3+5)
Tx: 02/1999; PEB
PSA-Entwicklung:
01.06.99: 0,3
10.09.99: 0,4
14.11.00: 0,25
14.12.01: 0,53
21.10.02: 0,79
19.02.03: 1,0
Tx: 06/03; Casodex 150
Tx: 08/03; Casodex 150 abgesetzt wegen schwerer NW.
Was meint Ihr dazu?
Sind weitere Fälle so schwerer NW bekannt?
Dazu schrieb Heinz am selben Tag:
ich begann im Januar 2002 die DHB, allerdings mit Casodex 50, die ich über den Tag verteilt einnahm. Im Juni 02 nahm ich dann 3 Casodex auf einmal, dann im Juli 02 explodierten meine Leberwerte bis zum Teil ums hundertfache, daraufhin setzte ich es ab. Ich war total alle. Eine Heilpraktikerin behandelte mich dann mit diversen Infusionen, worauf sich die Werte bis Oktober normalisierten. Ende November 02 überzeugte ich dann meinen Onkologen, dass ich Flutamid ausprobierte. Entgegen den Erwartungen habe ich das Flutamid shr gut vertragen, die Leberwerte blieben stabil im Normbereich und der Psa sank endlich unter 0,1 bis 0,04 was ich mit Casodex nicht erreichte. Wichtig ist auch viel zu trinken, das hilft bei der Entgiftung (ca 3 l Mineralwasser). Also nicht die Hoffnung aufgeben!
Uwe schrieb ebenfalls am selben Tag:
bis vor Kurzem war Casodex 150 durch Studien belegt, fast überall zugelassen, auch in Deutschland.
Canada hat Casodex 150 mg inzwischen verboten, weil bei einer Doppelblindstudie in dem Arm mit Casodex 150 vermehrt Herztod auftrat, allerdings nur, wenn man es sehr lange nimmt.
Casodex ist in der Regel gut verträglich, und auch bei der DHB würde ich abraten, auf Casodex 150 mg zu verzichten.
Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, das habe ich bisher allerdings bei Casodex sehr selten erlebt. Auch ich habe über längere Zeit Casodex 150 mg genommen.
[Dies ist die erste Erwähnung in diesem Forum eines Problems mit Casodex, das sich bei einer Studie in Kanada eingestellt hat, und das insbesondere bei Betroffenen, die die DHB mit 150 mg Casodex durchführten, für einige Unruhe sorgte. Darauf ging Franz mit der folgenden Frage ein: - Ed]
Franz fragte am 10.11.2003:
Verschreiben die Ärzte überhaupt noch Casodex 150 mg ? Was soll man Betroffenen in der SHG zu diesem Problem sagen ?
Uwe antwortete am selben Tag:
das ist überhaupt kein Problem, als es noch kein 150 mg Casodex gab, haben wir 3 x Casodex 50 mg genommen. Also, wenn es Casodex 150 mg nicht mehr gibt, einfach 3 x 50 mg Casodex nehmen, wo ist das Problem???
Man muss immer einen kompetenten Urologen oder Onkologen finden, der mit uns die DHB macht, und wenn er nicht will, zum nächsten gehen!!!
Christian schrieb am 11.11.2003 zu der Problematik:
die längliche Originalmitteilung der Fa. AstraZeneca an die Ärzte in den Praxen bitte ich unter www.prostatakrebs-bps.de nachzulesen [als PDF-Datei hier herunterzuladen. - Ed].
Meine Bewertung stelle ich auch hier ins Forum:
Meine Bewertung: Die Dreifache Hormonblockade mit 150 mg Casodex und 5 mg Proscar, verabreicht über 13 Monate, ist ein ganz anderes Konzept als die permanente oder zeitlich begrenzte alleinige Gabe von 150 mg Casodex (Monotherapie) in der Studie.
Andere Patientengruppen profitieren deutlich von der Behandlung mit Casodex 150 mg. Daher gibt es in Italien oder anderen Ländern nach wie vor die 150-mg-Tablette.
Außerdem hat eine Untersuchung keinen Anhaltspunkt für einen direkten Kausalzusammenhang zwischen der beobachteten erhöhten Mortalität und der Behandlung mit Casodex 150 mg ergeben. Und die Unterschiede in den Todesraten in den beiden Gruppen waren gerade mal 5 % und 8 % jeweils.
Aber wie das so bei Behörden ist - da man einen negativen Effekt von Casodex 150 mg in den beschriebenen Fällen auch nicht völlig ausschließen kann, machen die Behörden Auflagen. Die Firma muss reagieren.
Auch für Dr. Leibowitz gibt es keinen Grund, das Therapieprotokoll der DHB mit 150 mg Casodex zu verändern. Der Nachteil oder Schaden, der bei einer Anwendung von nur 50 mg Casodex auftreten könnte, ist m. E. viel größer als die mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Gefahr, von der hier gesprochen wird.
Wenn jemand von seinem Arzt die 150 mg, die jetzt in der Form von drei 50 mg Tabletten genommen werden müssen, einfach nicht mehr verschrieben bekommt, dann erscheint es sinnvoll, auf Flutamid, drei mal 250 mg pro Tag, überzugehen. Nach bisherigen Erfahrungen reagieren die Ärzte sehr unterschiedlich. Manche verschreiben ohne Schwierigkeiten nach wie vor 150 mg Casodex. Andere nicht. Ich wünsche allen eine erfolgreiche DHB.
Viktor fragte am 20.11.2003:
ich habe, wie es scheint, hormonunabhängigen PK (nicht operiert, multiple Metastasen im Skelett werden bestrahlt).
Ich hatte bisher HB2 mit Trenantone + Flutamid. Flutamid am 27.10.03 abgesetzt, seither fällt der PSA wieder. Nun will ich ein anderes Antiandrogen nehmen. Aber welches?
Hätte man die Wahl Casodex oder Androcur - was sollte man wählen? Androcur, sagt man, hilft gegen Hitzewallungen. Stimmt das? Ich finde keine Bestätigung im web.
Welche Vor- und Nachteile haben die Mittel? Bitte um Rat.
PSA-Verlauf
Datum         PSA µg/l (= ng/ml)
27.11.02      59,04 1.Befund, GS 4+5
16.01.03      HB2 Trenantone + Flutamid
17.03.03       1,88
22.07.03       1,17 Nadir
01.09.03       2,24
22.09.03       2,81 AIPC?
16.10.03      Beginn LWK Bestrahlung
24.10.03      12,67
27.10.03      Flutamid abgesetzt!
07.11.03      11,10
14.11.03      10,29 Ende LWK Bestrahlung
Uwe antwortete am 21.11.2003:
Du darfst Flutamid nie mehr nehmen. Probiere bitte Casodex, aber unter monatlicher PSA-Kontrolle. Wenn das auch nicht wirkt, dann kannst Du Androcur probieren. Man weiß vorher nie, welches Androgen noch wirkt.
[Dies war Uwe letzter Rat an einen Ratsuchenden. Uwe Peters starb in den frühen Morgenstunden des 24. November 2003 an den Folgen seines Prostatakrebses. – Ed]

Bernt fragte am 3.6.2004:
ich bitte um Eure Meinung bzw. Rat!
PK Historie in Kurzform:
Bernd (1952)
DX: 04.1999; bPSA 16 ng/ml; T3N+M+ GS (3+3) 6;
9/1999 Bestrahlung Prostata und d. kleinen Beckens mit 64 Gy, und Bestrahlung einer singulären Halswirbesäulenmetastase mit 40 Gy
--Androgenblockade mit Casodex 50 mg/d, Zoladex und Proscar seit 04/1999. Unter ADT3 lag der PSA Wert seit 8/99 unterhalb der Nachweisgrenze von 0,01 ng/ml.
1/2004 PSA < 0,01 ng/ml
3/2004 PSA = 0,01 ng/ml
4/2004 PSA = 0,02 ng/ml
5/2004 PSA = 0,03 ng/ml, Testosteron 2,06 pg/ml, NSE, CGA, CEA im Normbereich
Ich weiß zwar, dass die PSA-Messungen im sensitiven Bereich sehr ungenau sein können. Trotzdem zeigen meine letzten drei PSA-Messungen eine steigende Tendenz, die mich sehr beunruhigt.
Was ist Eurer Meinung nach zu tun? Weiteren Verlauf zunächst beobachten? Casodex jetzt absetzen? Umstellen auf Flutamid? Chemotherapie gemäß Leibowitz-Protokoll?
Übrigens nehme ich regelmäßig Actonel (Biphosphanat), ASS 100, und seit ca. vier Wochen MCP.
Christian antwortete am 8.6.2004:
es gibt einige Hinweise, dass ein Wechsel des nicht steroidalen Antiandrogens (von Casodex zu Flutamid oder umgekehrt) etwas bringen soll. Eine Erhöhung der Casodexdosis in einem zweiten Zyklus könnte jedoch eher kontraproduktiv sein. Die Zellen sind bereits verändert und die Anzahl der Rezeptoren sowie deren Sensibilität ausgelegt, um eine Therapie-induzierte Resistenz zu bewirken. Offensichtlich konnte Wil an dieser Stellen seine hervorragenden Kenntnisse bei sich selbst nicht umsetzen. Er erhöhte die Dosis von Casodex, der PSA-Wert fiel ab, und doch entwickelte sich darunter der Prostatakrebs sehr aggressiv weiter.
Dr. Leibowitz lehnt aus Gründen der Resistenzvermeidung einen weiteren HB-Zyklus mit nichtsteroidalen Antiandrogen grundsätzlich ab. Er verwendet weder Casodex noch Flutamid ein zweites Mal, d. h. in einem zweiten Zyklus. Er setzt dann andere Antiandrogene (z. B. Ketoconazol) ein. Nach seiner Logik kann Resistenz immer erst als Folge eines zweiten Zyklus dieser nichtsteroidalen Antiandrogene entstehen. Den lässt er nicht zu.

Sperber fragte am 22.6.2004:
stimmt es, dass Casodex 150 mg/Tag als Zusatz zu Trenantone Drei-Monats-Depot unsinnig ist und von der deutschen Urologenschaft und den gesetzlichen Krankenkassen abgelehnt wird?
Horst1 antwortete ihm am selben Tag:
mein Onkologe hat mir von Anfang an Trenantone, Casodex 150 und Proscar verordnet. Die Original-Dr.-Bob-DHB. Mein Uro hat Trenantone, und Casodex abgelehnt, da ihm das Zeug zu teuer war. Mein jetziger Uro ist für Proscar, sagt aber, dass die Kassen das nicht für Männer bezahlen. Wenn ich etwas brauche, schreibt er mir ein Privatrezept aus, oder ich fahre zum Onko, der gibt mir ein Kassenrezept dass von der Barmer bisher immer akzeptiert wurde. Mit diesen Medikamenten habe ich meinen Untermieter schon über drei Jahre im Griff.
Und Jürg schrieb einen Tag später:
Nicht nur die Urologenschaft, sondern die Herstellerfirma selbst befürwortet den Einsatz von Casodex 150 zusammen mit einer Hormontherapie nicht.
Der Fachinformation von Astra Zeneca kann entnommen werden dass Casodex 50 bei Kombinationstherapie zum Zug kommen soll und Casodex 150 als Monotherapie beim lokal fortgeschrittenen, nicht metastasierenden PK, wenn weder eine chirurgische noch eine medikamentöse Kastration in Frage kommen.
Die Firma schreibt wörtlich, dass beim metastasierenden PK die Monotherapie mit Casodex 150 nicht angewendet werden soll. Quelle: Arneimittel-Kompendium der Schweiz.

Christian schrieb am 25.7.2004 zur Situation von 150-mg-Casodex-Tabletten in Deutschland:
jetzt scheint der Vorrat an Tabletten 150 mg Casodex, die bisher noch gekauft werden konnten, fast überall aufgebraucht zu sein. Darüber hinaus höre ich gelegentlich von Patienten, dass ihre Urologen der Auffassung sind, die Einnahme von Casodex könne gar gefährlich sein. Das ist natürlich ziemlich unsinnig (sieht man von den seit mehr als ein Jahrzehnt bekannten möglichen Nebenwirkungen ab, die günstiger sind, als die Nebenwirkungen von Flutamid).
Ein paar zusätzliche Recherchen führten zu folgendem Ergebnis:
Schon seit Oktober 2003 liefert die Herstellerfirma AstraZeneca das Medikament nicht mehr aus. Hintergrund ist, dass die Behörden für seine Anwendung, gemäß dem Text in dem Beipackzettel - also bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs, die weder operiert noch bestrahlt wurden – keinen Vorteil erkennen können. Das Medikament darf aber grundsätzlich weiter verschrieben werden.
Dieselben Studienergebnisse, die Anlass zu dieser Entscheidung gaben, zeigen aber auch auf, dass Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs unzweifelhaft Vorteile von der Einnahme von Casodex 150 mg haben: Das Risiko für eine Fortschreiten der Erkrankung (z. B. die Bildung von Metastasen) wird erheblich vermindert. Dies wurde vor kurzem auf den weltweit größten urologischen Kongressen (EAU in Wien und AUA in San Francisco ) präsentiert.
Unsere Nachfragen haben ergeben, dass der deutschen Zulassungsbehörde schon seit Beginn der Auslieferungsunterbrechung ein Antrag zur Änderung des Anwendungsgebietes vorliegt. Eine rasche Bearbeitung hätte das verhindert, was jetzt eingetreten ist, nämlich dass die Versorgung betroffener Patienten nicht in gewohnter Weise aufrecht erhalten werden kann. Konkret sind die Packungen mit 90 150 mg-Tabletten überhaupt nicht mehr, und die Packungen mit 30 Tabletten nur noch mit viel Glück zu bekommen.
Fast im gesamten europäischen Ausland sind Casodex-150-mg-Tabletten überall erhältlich. Mit einer Normalisierung der Situation in Deutschland, d. h. der Wiederaufnahme der Lieferung, ist erst dann zu rechnen, wenn die heimische Behörde das Verfahren abschließt. Bis dahin bleibt nur der Hinweis, dass Casodex-50-mg-Tabletten problemlos bezogen werden können, und drei Casodex à 50 mg machen auch 150 mg. Nur etwas teurer. Wo liegt denn hier der Sinn einer gesundheitspolitischen Verwaltungsmaßnahme? Außerdem behindert hier - wie so häufig - die langsame Verwaltungsarbeit wieder mal eine schnellere Problemlösung.
Da sagt der Engländer: "What else is new". Auf Deutsch: "Immer wieder dasselbe".
Urologe fs schuf am 23.8.2004 endgültige Klarheit über die Situation:
die Firma AstraZeneca ist mit ihrer erneuten Zulassung von Casodex 150 mg vor dem BfrM gescheitert. Das Amt besteht auf Langzeitstudien mit Nachweis eines Überlebensvorteiles. Eine solche Studie dauert beim PK mehr als 10 Jahre. Das Medikament wird nicht mehr hergestellt für Deutschland. Das bedeutet auch, wenn die Kassen prüfen, dass 3 x 50 mg Casodex "hintenüberfallen" werden (Äquivalenz) und voraussichtlich nach den Gesetzesbuchstaben nicht bezahlt werden müssen. (Es wird zu Einzelprüfungen durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen, MdK, kommen und der ist nicht auf Seite der Patienten). Darauf werden sich die gesetzlichen Krankenkassen natürlich mit Freude stürzen. Regresse und weitere Probleme sind vorprogrammiert.
Dazu schrieb Reinardo am 24.8.2004:
Casodex 150 ist so teuer, dass ich es als Luxusmedikament für Promis einstufen und als Kasse auch nicht bezahlen würde. Mein Urologe wäre bereit gewesen, 1 x täglich Casodex 50 zu verschreiben, aber die fehlenden Casodex 100 waren für mich auch unerschwinglich.
Ich bin dann auf Flutamin ausgewichen. Die Einnahme war zwar unbequem (3x täglich), aber den Erfolg in der DHB habe ich damit auch erreicht. Warum muss es unbedingt Casodex 150 sein, wenn gleichwertige Medikamente zur Verfügung stehen, die verschrieben und von den Kassen bezahlt werden können?
Dies kommentierte Ralf am selben Tag:
ganz gleichwertig sind Casodex 150 mg und Flutamid eben leider doch nicht.
Ich erwähnte kürzlich in anderem Zusammenhang, dass ich derzeit an der Übersetzung eines Textes von Dr. Myers sitze (die Übersetzung liegt vor, ich bin nur gebeten worden, sie noch einmal durchzuschauen), der genau hierüber etwas aussagt, was wenig bekannt ist. Wil hatte einmal darüber geschrieben, aber das ist weitgehend wieder in Vergessenheit geraten. Es geht darum, dass ein "hormonrefraktärer" Krebs tatsächlich ein hormonhypersensibler Krebs ist, der durch das Ausbilden einer sehr hohen Anzahl von Androgenrezeptoren auch noch die letzten, auch bei einer ADT immer noch vorhandenen Androgenmoleküle aus dem Blut fischt und sich von ihnen ernährt. Ein Dr. Wilding hatte Versuche an einer menschlichen LNCaP-Zelllinie (LN = lymph node) gemacht und festgestellt, dass diese spezielle Art des PK sich auch von Flutamid ernähren kann (Dr. Leibowitz nennt das den "Benedict-Arnold-Effekt"). Weiter heißt es in Dr. Myers Text:
"Wilding zeigte dann weiterhin, dass auch Progestoron und Estradiol [weibliche Sexualhormone, die auch beim Mann vorhanden sind] das Wachstum von LNCaP anregten. Die Erklärung für dieses ungewöhnliche Verhalten war, dass der Androgenrezeptor des LNCaP derart mutiert war, dass er unterschiedslos auf Androgene, Estradiol, Progesteron und Medikamente wir Eulexin [Eulexin ist in USA ein Handelsname für Flutamid] reagierte. LNCaP reagierte wegen dieses veränderten Rezeptors auf alle diese Verbindungen, als wären sie Androgene. Diese Beobachtungen führten zu der Vorhersage, daß EULEXIN das Wachstum des Krebses bei Patienten anregen würde, deren Tumoren einen veränderten Androgenrezeptor wie bei LNCaP besitzen. Wenn das Eulexin abgesetzt würde, könnte der Tumor schrumpfen. Wir wissen jetzt, daß annähernd 25 % der Patienten, die über mehrere Jahre hinweg Eulexin erhalten haben und dann offensichtlich einen hormonresistenten PK entwickeln, ein signifikantes Ansprechen zeigen, wenn das Eulexin abgesetzt wird..."
"CASODEX ist das andere viel benutzte Antiandrogen. Es ist zwar teurer als Eulexin, aber bequemer in der Einnahme, weil es nur einmal am Tag verabreicht wird bei einem geringeren Risiko für Leberschäden und Durchfall. Es hat auch den Anschein, als ob die Inzidenz des Ansprechens auf Androgenentzug viel niedriger ist als bei Eulexin. Tatsächlich vermag Casodex das Wachstum der Prostatakrebszellen (PKZ) erfolgreich zu unterbinden, die den in LNCaP-Zellen gefundenen mutierten Androgenrezeptor (AR) aufweisen."
Zur Beruhigung aller, die bereits Flutamid nehmen oder es jetzt anstelle von Casodex 150 mg werden einnehmen müssen: Die beschriebene Mutation stellt sich erst nach Jahren der Flutamid-Einnahme ein. Leibowitz schreibt nichts davon, dass er es jemals bei seinen DHB-Patienten beobachtet hätte, die es 13 Monate lang einnehmen, aber er warnt immer wieder davor, bei einem etwaigen zweiten DHB-Zyklus noch einmal Flutamid oder Casodex einzunehmen.
Daraufhin fragte Reinardo:
wenn Leibowitz davor warnt, bei einem zweiten Zyklus Casodex oder Flutamid zu nehmen, was nehmen wir dann? Ich hoffe natürlich wie andere DHBler, dass die Antwort auf diese Frage noch lange von nur theoretischem Interesse ist.
Ralf antwortete am 25.8.2004:
was wir in einem zweiten Zyklus nach Dr. Leibowitz' Meinung anstelle von Casodex oder Flutamid nehmen sollten ist eigentlich bekannt, er sagt Ketoconazol (Nizoral) + Cortison. Das wird aber meines Wissens hierzulande kaum praktiziert. Ich glaube, Dr. Eichhorn hat gute Erfahrungen damit gemacht. Die Nebenwirkungen sollen allerdings gravierender sein als bei den Antiandrogenen, vielleicht kann jemand dazu etwas sagen.
Es ist im übrigen keineswegs ausgemacht, dass bei einem zweiten Zyklus der PK sich bereits vom Antiandrogen ernährt, aber Dr. L. will diesen Zustand um jeden Preis vermeiden, weil der Krebs dann viel schwieriger zu behandeln ist.
Man könnte statt an Ketoconazol auch an Androcur denken, das anders wirkt als Casodex und Flutamid und vielleicht auch nach eingetretener Androgenrezeptor-Mutation noch eingesetzt werden kann, aber dazu kenne ich keinen Erfahrungsbericht.

Kurt fragte am 5.2.2005:
Kann es sein, dass ich nach Beginn der Einnahme von Casodex Fieber (38,3 °C), Gliederziehen, -schmerzen, kribbelnde und empfindliche Kopfhaut, also eine Art Grippe-Symptome, bekomme?
Das ist mir passiert (Ersteinnahme eines solchen Medikaments) nach der dritten Einnahme (erster Tag 50 mg, zweiter Tag 150 mg, dritter Tag 150 mg.) Jetzt bin ich wieder zurück zu 50 mg. Soll die Vorbereitung für eine DHB sein. Enantone soll ich am sechsten Tag bekommen.
Horst MUC antwortete am selben Tag:
ich nehme seit Nov. 04 nicht Casodex, sondern Flutamid. Soll ja in den Nebenwirkungen noch übler sein als Casodex.
Diese Symptome hatte ich bei Beginn der Einnahme (am dritten Tag) von Flutamid auch. Ich wollte die Therapie sogar abbrechen – aber ab dem vierten Tag waren alle Nebenwirkungen wie verflogen.
Bis heute – Gott sei's gedankt – NIX mehr.
Georg schrieb dagegen einen Tag später:
ich habe 13 Monate Casodex 150 mg genommen (DHB) in meiner Gruppe haben auch sieben Betroffene Casodex 150 mg 13 Monaten genommen (DHB). Mir ist nichts bekannt von Fieber.
Christian (L) schrieb:
bei den vielen tausenden Patientengesprächen, bei den vielen Kontakten mit Patienten, die Casodex nehmen und auch bei dem, was zur Dreifachen Hormonblockade mit Casodex von den Drs. Leibowitz/Tucker gesagt wurde, ist Fieber als Folge der Einnahme von Casodex kein Thema gewesen. Schaut man in der Roten Liste über Nebenwirkungen nach, dann ist im Rahmen der vielen Möglichkeiten auch Fieber nicht auszuschließen. Horst weist auf ein Wirkverhalten hin, das für viele Medikamente gilt: der Körper muss sich auf das neue Medikament einstellen und reagiert erst mal mit einer kleinen Revolte. Unser Körper ist aber meist so stark und flexibel, dass er nach ein paar Tagen die Medikamente "integriert", so dass sie dann ihre eigentliche gewollte und sinnvolle Wirkung am Krebs entfalten können. Diese Zeit sollte man dem Körper gönnen und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Nur wenn das Fieber andauert und es sichgestellt ist, dass keine andere Ursache zu dem Fieber geführt hat (Achtung! Fieber ist ein vielfältiger Warn- und Heilprozess des Körpers), sollte von Casodex umgestellt werden.
Wir müssen damit rechnen, dass Medikamente, die ja eigentlich nicht in den Körper gehören, vom Körper manchmal nur zögerlich oder unter Protest aufgenommen werden. Die Hauptwirkung ist aber der Grund, weshalb wir dies unserem Körper zumuten. Wir führen einen Kampf gegen den Prostatakrebs.

Heinrich Josef fragte am 29.3.2005:
Bei mir wurde 5/2000 Prostatakrebs festgestellt bei aPSA 179, T3a, N1M1, Gleason Score 4+4=8. Nach 3½ Jahren Antihormonbehandlung (10/2003), und zwar
5/2000 ADT 1 (Trenantone),
8/2000 ADT 2 (Trenantone u. 50 mg Casodex),
4/2001 ADT 2 nach Leibowitz (Trenantone und 150 mg Casodex und Proscar),
10/2001 ADT 3 (Trenantone und 50 mg Casodex und Proscar),
10/2003 ADT 2 (Trenantone und Proscar, wegen Anstieg des PSA Casodex sofort weggelassen)
wurde ein hormonrefraktäres PCa festgestellt.
Es stellt sich daher die Frage, ob es noch Sinn macht, bei einem hormonrefraktären, metastasierten PCa die Antihormonblockade (hier Trenantone) weiter fortzusetzen, zumal durch Trenantone die Leber geschädigt werden kann. (Aktuelle Leberwerte sind: GOT 37, GPT 35 und Gamma-GT 237).
Die befragten Ärzte sind unterschiedlicher Auffassung. Die beiden Urologen sind der Meinung, wegen fehlender Studien, Trenantone weiter zu spritzen, während dies für den Onkologen keinen Sinn macht.
Gibt es hierzu Erfahrungen?
Hansjörg schrieb am selben Tag bezüglich des Absetzens von Casodex:
Man spritzt heute die LHRH-Hemmer weiter, auch wenn der PK hormonrefraktär geworden ist, weil man davon ausgeht, dass der Prostatakrebs nicht homogen ist. D. h. man vermutet, dass neben den hormonrefraktären Zellen auch weiterhin noch hormonsensible vorhanden sind.
Jürg meinte, ebenfalls am selben Tag:
In gewissen Fällen wird all zu rasch der Schluss gezogen, ein PK sei hormonrefraktär geworden. Lies einmal den Artikel von Dr. Lam "Hochdosiertes Ketoconazol plus Hydrocortison (HDK+HC)". Vielleicht wäre das noch ein zweckmässiger Schritt, den Du Dir überlegen könntest. Gelegentlich soll übrigens schon der Wechsel von Casodex zu einem anderen Antiandrogen (zum Beispiel Flutamid) etwas bringen.
Dem letzten Punkt widersprach Urologe fs:
bevor ein PK als hormonrefraktär (bzw. in diesem Falle genauer androgenunabhängig) eingestuft wird, sollte unter Therapie ein Testosteronspiegel (+ CGA, NSE) vorliegen, der sicher im Kastrationsbereich liegt (am besten unter 0,1 ng/ml).
Erst dann würde man bei PSA-Anstieg wirklich von einem AIPC/AUPK sprechen – dann spricht er aber meist immer noch auf Östrogene an – ist also nicht wirklich hormonrefraktär – das wäre die nächste Stufe.
Flutamid nach Casodex bringt keine Verbesserung – wenn, dann müsste vom nicht-steroidealen auf ein steroideales Antiandrogen – sprich Cyproteronacetat – gewechselt werden.
Wird übrigens Zometa + Rocaltrol gegeben?

WinfriedW schrieb am 31.5.2006:
Paris, 1. November 2005.
Von vielen Urologen und Onkologen mit großer Spannung erwartet, wurden gestern erstmals die Daten der 3. EPC-Analyse im Presidential Symposium der European Cancer Conference (ECCO 13) vorgestellt. Das wichtigste Ergebnis: Die adjuvante Therapie mit Bicalutamid (150 mg/d) verbessert statistisch signifikant das Überleben bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom, die eine Strahlentherapie erhalten haben. Bicalutamid ist damit das erste Antiandrogen, das beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom nicht nur die Zeit bis zum objektiven Progress verlängert, sondern bei strahlentherapierten Patienten auch das Überleben signifikant verbessert.
http://www.uroonkologie.de/newsletter/archiv/0511.asp

HerbertK schrieb am 2.9.2006:
in Erläuterungen/Kommentaren zur Hormonblockade werden Wirkung und Nebenwirkungen von CASODEX und FLUTAMID verglichen. Hier eine Ergänzung : FLUTAMID ist ein reiner Blocker. CASODEX hat einen anderen Wirkungsmechanismus. CASODEX kann bei geringer Dosierung (50mg) und alleiniger Anwendung (HB1) Krebs stimulieren. Bei HB2 und HB3 reicht eine Dosierung von 50mg CASODEX. Bei hoher Dosierung - 150mg CASODEX - wird von Todesfällen berichtet (Herz-Kreislauf).
Quelle: Dr. Böcher, Klinik für integrative Onkologie, Soest - Vortag beim 3. Dortmunder Patientenseminar am 25. und 26.08.2006
Christian antwortete am selben Tag:
die Aussagen, die bei dem 3. Dortmunder Patientenseminar durch Dr. Böcher gemacht worden sind, entsprechen in so ziemlich keinem Punkt den wissenschaftlichen Fakten, den Erfahrungen der Ärzte und Patienten, die eine DHB seit mehr als einem Jahrzehnt (in den USA) und seit mehr als 5 Jahren (in Deutschland) gemacht haben und den Berichten aus verschiedenen urologischen und onkologischen Kongressen sowie den Erfahrungen der Ärzte mit Casodex und Flutamid. Ich wiederhole einige Deiner Aussagen und kommentiere sie nach "C.L.":
1. FLUTAMID ist ein reiner Blocker. CASODEX hat einen anderen Wirkungsmechanismus.
C.L.: Beides sind nichtsteroidale Antiandrogene, beide haben die Funktion, die Rezeptoren der Prostatazellen für weitere Zuführung von Testosteron zu blockieren. Die wesentlichen Unterschiede liegen in den unterschiedlichen Nebenwirkungen. Geringfügige Unterschiede im Wirkmechanismus sind vorhanden, daher kann auch nach Wirkungslosigkeit des einen Medikamentes noch das andere probiert werden, was jedoch meist keine wesentlich anderen Auswirkungen hat. Das gilt sowohl in der einen wie in der anderen Richtung.
2. CASODEX kann bei geringer Dosierung (50 mg) und alleiniger Anwendung Krebs stimulieren.
C.L.: In dieser allgemeinen Formulierung ist diese Aussage völlig falsch und widerspricht langen und ausführlichen, weltweiten Studien. Casodex 50mg wurde seit etwa 1992 hundert millionenfach in der PCa-Bekämfung weltweit eingesetzt.
Es ist bekannt, daß nach längeren Gaben von nichtsteroidalen Antandrogenen über Jahre hin, insbesondere bei häufiger intermittierender Gabe zwei Mechnismen der Resistenz eintreten können:
a. Zellen mutieren, wie bei fast allen Hormone blockierenden Wirkstoffen, die jahrelang gegeben werden. Zellen können sich durch Mutation auf verschiedene Wirkstoffe aus Gründen des Zell-Überlebenskampfes einstellen und fangen an, sich dann von Casodex (oder Flutamid) zu ernähren. Man kann dann das sog. Antiandrogenentzugssyndrom feststellen, das in der Literatur bekannt ist: durch Absetzen von Casodex oder Flutamid sinkt der PSA-Wert.
b. Nichtsteroidale Antiandrogene können nach längerer, oft jahrelanger Gabe die Produktion von übermäßig vielen Rezeptoren stimulieren (Überschwemmung), die außerdem noch in hohem Maße testosteronsensibel sind, d.h. geringe Mengen von Testosteron doch noch an die PK-Zellen herantragen können. Das sind mögliche Nebenwirkungen von Langzeitgaben des Casodex (und auch Flutamid), die üblicher Weise bei stark entdifferenzierten Zellen (z.B. Gleason Score 9 und 10) eher auftreten.
Aus diesen Gründen empfiehlt Dr. Leibowitz, dann, wenn üblicherweise bei einer Ausgangssituation mit mehreren Hochrisikofaktoren ein zweiter Zyklus der DHB notwendig werden sollte, nicht mehr Casodex oder Flutamid als zweite Komponente, sondern Ketokonazole oder andere Antiandrogene, die Testosteron aus den Nebennieren blockieren. Darüber hinaus empfiehlt er bereits zu diesem Zeitpunkt nach stark angestiegenem PSA die gering dosierte Chemotherapie. Das Tumorwachstum soll wieder "eingefangen" werden, so daß dann nach Absetzen der Therapien durch verschiedene Medikamente (antiangiogene Medikamente) in einer Erhaltungstherapie wieder Jahre guter Lebensqualität hinzugefügt werden können. Immer spielt das indiviuelle Ausmaß der Tumorerkrankung, die Aggressivität etc. eine wesentliche Rolle bei solchen Therapieentscheidungen. Ihm geht es um Langzeit-Therapiekonzepte zur Kontrolle einer chronischen Krankheitssituation, nicht etwa um kurzfristige Behandlung des PSA.
3. Bei der HB3 reicht eine Dosierung von 50 mg CASODEX.
C.L.: Falls Dr. Böcher 12 bis 15 Jahre Erfahrung mit der DHB hat, dann sollte er doch bitte seine Erfahrungen mit evidenzbasierten Daten belegen, wie das Dr. Leibowitz in der wissenschaftlichen Zeitschrift der amerikanischen Onkologen "The Oncoloist" getan hat mit weiterer Verfolgung der Patientenergebnisse. Da ich aber annehmen muß, daß er diese Erfahrung nicht hat, kann ich nur darauf hinweisen, daß Dr. Leibowitz/Tucker ausdrücklich widersprechen, nur 50 mg Casodex anzwenden! 150 mg sind integraler Bestandteil der DHB und erforderlich. Wenn dies aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, empfiehlt er Flutamid 3x250mg. Ich vermute, daß Dr. Böcher seine Empfehlung, nur 50 mg einzusetzen, falls er es denn getan hat, aus seinen Bauch heraus getan hat, wofür er eher finanzielle (im Interesse des Patienten) als medizinische Gründe haben könnte. Oder Du hast ihn falsch verstanden.
4. Bei hoher Dosierung (150 mg CASODEX) wird von Todesfällen berichtet (Herz-Kreislauf).
C.L.: Herz-Kreislaufprobleme sind bei Herren in höherem Alter nicht ungewöhnlich, die dann natürlich sofort einem der Medikamente der DHB zugeordnet werden. Natürlich ist in den Beipackzetteln der verschiedenen Medikamente nachzulesen, welche Nebenwirkungen in seltenen Fällen zu erwarten sind und dass besonders der LH-RH-Analogon Eingriff auch Herz-Kreislaufprobleme zur Folge haben kann. Es gibt aber keinen Hinweis darauf und auch keine Erfahrungspotential, daß bei der Gabe von 150mg Casodex eine besondere Gefahr von Herz-Kreislauferkrankungen die Folgen sind. Üblicherweise sind die Nebenwirkungen der DHB bei einem sonst gesunden Mann moderat.
Bei einer 150 mg Monotherapie ist in einem Versuchsarm ein Ergebnis aufgetreten, das zu Diskussionen geführt hat. Zu 150 mg Casodex Monotherapie gibt es eine Studie mit über 8000 Männern weltweit, sie wird in verschienen "Studienarmen" durchgeführt. In der fraglichen Studiengruppe wurden Männer ohne vorherige lokale Therapie jedoch mit Komorbiditäten (zusätzlichen anderen Erkrankungen) und in einem Alter von 72 Jahren aufwärts in der Casodex-Gruppe gegenüber der Placebogruppe untersucht. Etwa um 20 Männer mehr (ca. 190 statt 170) sind in der Casodexgruppe gegenüber der Placebogruppe gestorben. Sie sind nicht an Prostatakrebs gestorben und ob diese etwas höhere Anzahl auf Casodex zurückzuführen war, konnte nie ermittelt werden, man kann es aber auch nicht ausschließen, wie die hiesigen Zulassungs-Beamten argumentieren (nur Deutschland und Canada folgen dieser Argumentation). Daher wurde die 150 mg Casodex-Pille in Deutschland und Canada vom Markt genommen. In den anderen Ländern ist weiterhin eine 150 mg Casodex-Pille zu erhalten, weil dort auch die Casodex-Monotherapie in den anderen Studienarmen eindeutige und erstaunliche Erfolge bei den Patienten nachgewiesen wurden. Die Studie wird noch weitergeführt.
Studienleiter in Deutschland: Prof.Wirth, Dresden.
Ich hatte Dich um Deine Genehmigung gebeten, Dein E-Mail mit den Aussagen von Dr. Böcher im Forum veröffentlichen zu dürfen, damit ich diese Mißverständnisse klären kann. Nun hast Du es dankenswerter Weise selbst getan. Ich hatte allerdings vorgeschlagen, dass Du Dich vorher mit Dr. Böcher in Verbindung setzt, damit es nicht zu Mißverständnissen kommt zwischen dem, was er gesagt hat und dem, was Du verstanden hast. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Dr. Böcher solche krassen Aussagen gemacht hat.
Friedhelm ergänzte am 5.9.2006:
zu diesem Thema passt noch eine Antwort des Herstellers von Casodex aus dem Jahr 2005 auf meine Frage zu den Todesfällen mit Casodex 150 mg.
ZITAT:
"Sehr geehrter Herr F,
ich beziehe mich auf Ihr E-Mail von heute in Zusammenhang mit Casodex 150 mg und 3-fache Hormonblockade.
Uns selbst liegen leider keine eigenen klinischen Erfahrungen zur 3-fachen Hormonblockade mit 150mg Casodex vor. Dieses Behandlungsschema geht allein auf Herrn Leibowitz zurück, Vergleichstudien fehlen.
Warum er für diese Kombination die Dosierung von Casodex auf 150 mg/Tag gewählt hat, entzieht sich unserer Kenntnis.
Üblicherweise werden 50 mg Casodex innerhalb einer Kombinationstherapie (komplette Androgenblockade) eingesetzt.
Die Aussage Ihres Onkologen, man würde heute Casodex 150 mg nicht mehr geben, ist so nicht ganz richtig. Man muss auch zwischen Monotherapie und Kombinationsbehandlung unterscheiden:
Die Monotherapie mit Casodex 150 mg/Tag ist für die Behandlung des lokal begrenzten Karzinoms nicht geeignet und wird von uns auch nicht empfohlen. Dies geht auf eine Auswertung einer Untergruppe von Patienten aus einem internationalen Studienprogramm zurück (zahlenmäßig mehr Todesfälle in der Casodex-Gruppe). Bei dieser Untergruppe handelte es sich aber ausschließlich um Patienten mit lokal begrenztem Stadium, die an Stelle eines Beobachtenden Abwartens früh mit Casodex 150 mg behandelt worden waren.
Im Gegensatz dazu bringt die Monotherapie mit Casodex 150 mg/Tag sehr wohl einen Nutzen für Patienten mit einem hohen Progressionsrisiko. Hierzu zählen Patienten mit lokal fortgeschrittenem Stadium nach Operation oder nach Bestrahlung (sogenannte adjuvante Behandlung) bzw. Patienten, die an Stelle eines Beobachtenden Abwartens eine frühe Casodex-Therapie erhalten.
Für diese Patientengruppen liegen auch in vielen europäischen Ländern Zulassungen vor. Eine aktuelle Auswertung hat bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Tumor, die bestrahlt und anschließend mit Casodex 150 mg/Tag behandelt worden waren, eine Senkung der Todesrate ergeben.
Zur Kombinationsbehandlung mit Casodex 150 mg/Tag wurden keine Vergleichstudien durchgeführt. Es existieren lediglich kleinere Studien, bei denen über klinische Erfahrungen mit Casodex 150 mg als 2. oder 3. Schritt nach Versagen einer primären oder sekundären Hormontherapie berichtet wird.
Casodex wurde hier also zusätzlich zu einer kastrationsbasierten Behandlung eingesetzt. Hier handelt es sich aber grundsätzlich um andere Tumorstadien als diejenigen, bei denen Herr Leibowitz eine 3-fache Hormonblockade anwendet.
Ich hoffe, diese Informationen sind für Sie hilfreich.
Mit freundlichen Grüßen"

Berntt schreib am 30.9.2007:
Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Zulassung für Bicalutamid 150 mg (Monotherapie)
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat als zuständige Behörde am vergangenen Freitag, 21. September 2007 Bicalutamid150 mg (Wirkstoff: Bicalutamid) die Zulassung zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs und hohem Progressionsrisiko - entweder als alleinige Therapie oder adjuvant nach radikaler Prostatektomie oder Strahlentherapie - in Deutschland erteilt. Der Entscheidung ging eine Revision durch die europäische Zulassungsbehörde EMEA voraus.
Ab dem 15. Oktober 2007 können Bicalutamid (Casodex®) 150-mg-Filmtabletten zur Monotherapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms verordnet werden.
Spätestens seit der Vorstellung der 7,4-Jahres-Daten des "Early Prostate Cancer" (EPC) Programms im Rahmen der "European Cancer Conference 2005" (ECCO) war der Stellenwert der Bicalutamid-Therapie beim frühen Prostatakarzinom gefestigt und präzisiert: Bei Männern mit lokal fortgeschrittenem Karzinom wurde durch das nichtsteroidale Antiandrogen eine Senkung des Progressionsrisikos erreicht: Die alleinige Therapie senkte das Risiko einer klinischen Progression (z. B. durch bildgebende Verfahren nachgewiesene Metastasierung oder Tumorausbreitung) um 40 %. Die adjuvante Therapie im Anschluss an eine radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie senkte das Risiko eines klinischen Rezidivs um 25 bzw. 44 %. Im Anschluss an eine Strahlentherapie zeigte sich darüber hinaus bereits ein Überlebensvorteil, das Sterberisiko wurde um 35 % gesenkt. An den Studien nahmen insgesamt mehr als 8.000 Patienten teil.
Obwohl diese Daten bereits auf dem europäischen Krebskongress ECCO im Jahr 2005 vorgestellt worden waren, lag bisher in Deutschland – anders als in den meisten europäischen Ländern – keine Zulassung für Casodex® 150 mg vor. Casodex® war hierzulande lediglich erst bei fortgeschrittener Erkrankung in Kombination mit Maßnahmen zur Testosteronsuppression ("Maximale Androgenblockade") in geringerer Dosierung (50 mg) zugelassen.
Die neue Zulassung bietet Therapeuten und Patienten nicht nur eine effektive, sondern auch eine verträgliche Therapie: Im Vergleich zu einer LHRH-Analogon-Behandlung werden kastrationsbedingte Nebenwirkungen vermieden. So bleiben Muskelmasse und Knochendichte sowie weitgehend auch Libido und sexuelle Potenz erhalten.

Ralf schrieb am 11.7.2008 unter dem Betreff "Bicalutamid-Generikum auf dem Markt ":
Endlich kommt eine preiswertere (alles ist relativ!) Alternative zum teuren Casodex® auf den Markt. Ab dem 1.8.2008 soll Bicalutamid Stada erhältlich sein (allerdings nur in der 50 mg-Dosierung). Hier die Preise im Vergleich:

Dosierung

50 mg

150 mg

Casodex® 30 Stück (N1)

234,12 €

597,45 €

Casodex® 90 Stück (N3)

675,54 €

1662,04 €

Bicalutamid Stada 30 Stück (N1)

110,24 €

(x3 = 330,72 €)

Bicalutamid Stada 90 Stück (N3)

298,10 €

(x3 = 894,30 €)



Das ist über den Daumen eine Halbierung des bisherigen Preises.