Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Aminoglutethimid, auch: Aminoglutethamid (Orimeten®, Cytadren®)

[Der Wirkstoff Aminoglutethimid wurde in den 1960er Jahren als Medikament zur Anwendung bei Schlaganfall entwickelt. Es zeigte sich, dass es die Funktion der Nebennieren und damit die Produktion von Cortison und Androstendion, einem Vorprodukt von Testosteron, sowie die Testosteronproduktion der Hoden hemmt. Es ist damit ein potenzielles Antiandrogen, das – anders als Flutamid und Casodex®, aber ebenso wie Ketoconazol – nicht nur die Testosteronproduktion der Hoden, sondern auch die der Nebennieren blockiert. Wie Ketoconazol kann es also im Rahmen einer Hormontherapie eingesetzt werden, wenn die Krebszellen begonnen haben, sich von Flutamid oder Casodex® zu ernähren. Die wenigsten deutschen Ärzte kennen es aber in diesem Zusammenhang.
Leider hat Aminoglutethimid Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit und Hautreaktionen. Ärzte, die mit der Anwendung bei Prostatakrebs vertraut sind (das sind vor allem amerikanische Onkologen), empfehlen eine "einschleichende" Verabreichung, d. h. einen Beginn mit niedriger Dosierung.
Handelsbezeichnungen sind Cytadren® (in USA) und Orimeten® (in Europa). Anmerkung: Die Vermarktung von Orimeten wurde vom Hersteller Noavartis Oharma am 1.3.2006 aus "wirtschaftlichen Gründen" eingestellt. Es ist nicht mehr zu beschaffen.
Bezüglich Nebenwirkungen gab der Hersteller das Folgende an:
"Bei vielen der folgenden Vorkommnisse konnte die Ursache nicht sicher geklärt werden. Sie standen möglicherweise mit der Grundkrankheit und nicht mit der Behandlung durch Orimeten in Beziehung. Es müssen nicht alle genannten unerwünschten Wirkungen auftreten. Häufigkeitsangaben: Häufig: > 10 %; gelegentlich: > 1 % - 10 %; selten: < 1%; vereinzelt: In Einzelfällen.
Zentrales Nervensystem
Häufig: Schläfrigkeit, Bewusstseinstrübung (Lethargie). Diese Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung häufig, verschwinden jedoch in der Regel nach etwa sechs Wochen. Sie können durch "einschleichende" Dosen deutlich verringert werden. Andernfalls sollte die Tagesdosis von Orimeten vorübergehend vermindert werden.
Gelegentlich: Schwindel.
Selten: Störung des geordneten Bewegungsablaufs (Ataxie). Kopfschmerzen, Depression.
Vereinzelt: Schlaflosigkeit, Verwirrtheit.
Haut und Hautanhangsgebilde
Häufig: Hautausschlag (Exanthem), manchmal mit Fieber.
Dies kann, unabhängig von der Dosis, in den ersten 7 - 14 Tagen auftreten. Falls das zu Behandlungsbeginn häufig auftretende Exanthem nach 10 Tagen nicht verschwindet, ist Orimeten vorübergehend abzusetzen und/oder die Kortikosteroiddosis zu erhöhen.
Selten: Juckreiz (Pruritus), Nesselfieber (Urtikaria).
Vereinzelt: Blasenbildende Hauterkrankungen (Dermatitis exfoliativa, Stevens-Johnson-Syndrom; zwei Fälle von Lyell-Syndrom sind bekannt).
Magen-Darm-Trakt
Gelegentlich: Übelkeit.
Selten: Durchfall (Diarrhöe), Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit (Anorexie). Nebenwirkungen, die den gesamten Organismus betreffen Selten: Fieber, Schwitzen.
Leber
Vereinzelt: Leberentzündung (Hepatitis vom cholestatischen Typ, verbunden mit juckendem Hautausschlag), Gelbsucht (Ikterus). Hormon-System
Selten: Funktionsstörung der Nebenniere (Hyponatriämie, Hypotonie, Schwindel, Hypoglykämie).
Vereinzelt: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), unzureichende ADH-Sekretion.
Niere
Vereinzelt: Nierenfunktionsstörungen.
Herz-Kreislaufsystem
Selten: Blutdrucksenkung (Hypotonie).
Blut
Selten: Verminderung der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen (Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie).
Vereinzelt: Verminderung aller Blutkörperchen, Blutarmut (Panzytopenie, Anämie). In diesen Fällen ist Orimeten abzusetzen, Allergie.
Vereinzelt: Schockreaktionen (allergische/anaphylaktische Reaktionen), allergisch bedingte Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis; eosinophile Lungeninfiltrate). Wenn eine Alveolitis vermutet wird, soll Orimeten sofort abgesetzt werden. Abweichende Laborparameter
Selten: Erhöhte Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT), die auf die enzyminduzierende Wirkung von Orimeten zurückzuführen und in der Regel kein Anzeichen für eine Leberschädigung ist. Natriummangel, erhöhter Kaliumgehalt im Blut, erniedrigter Blutzuckergehalt (Hyponatriämie, Hyperkaliämie, Hypoglykämie).
Vereinzelt: Erhöhter Cholesteringehalt (Hypercholesterinämie).
Unerwünschte Wirkungen der Glukokortikoid-Substitution
Vereinzelt: Cushing-Syndrom (Vollmondgesicht, Gewichtszunahme, Ödem), Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), erhöhter Blutzuckergehalt (Hyperglykämie), Muskelkrämpfe. In diesen Fällen ist die Glukokortikoiddosis zu verringern.
In Fällen von besonderer Streßsituation kann eine vorübergehende Erhöhung der Glukokortikoiddosis notwendig sein.
Wenn Sie Nebenwirkungen bei sich beobachten, die nicht in dieser Gebrauchsinformation aufgeführt sind, teilen Sie diese bitte Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin/ Ihrem Apotheker mit. Welche Gegenmaßnahmen sind bei Nebenwirkungen zu ergreifen?
Falls unerwünschte Wirkungen auftreten, müssen Sie unter Umständen ärztlich behandelt werden. Setzen Sie sich bitte mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt in Verbindung, wenn unerwünschte Wirkungen im Lauf der Behandlung nicht zurückgehen oder störend sind.
Bei schwerwiegenden Nebenwirkungen ist Orimeten sofort abzusetzen und eine Ärztin/ein Arzt zu benachrichtigen."
Ed]