Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – Antiandrogene allgemein

Wernert fragte am 1.6.2006:
in welchen Fällen werden bei der Hormontherapie
1. steroidale Antiandrogene ( z. B. Androcur )
und wann
2. nicht-steroidale Antiandrogene ( z. B. Flutamid oder Casodex)
eingesetzt?
Günter Feick antwortete am selben Tag nicht direkt auf die Frage, sondern schrieb:
kenne keinen Unterschied zwischen den steroidalen und den nicht steroidalen Antiandrogenen (AA) bezüglich deren antiandrogenen Effektivität. In ihrer Wirkungsweise und Nebenwirkung sind sie unterschiedlich (siehe weiter unten). Durch die nicht steroidalen AA steigen das luteinisierende Hormon (LH), das Testosteron und Östradiol an. Die steroidalen hemmen im Gegensatz zu reinen Antiandrogenen infolge ihrer gestagenen Partialwirkung die hypophysäre LH-Sekretion und Testosteronbiosynthese. Inwieweit die Berücksichtigung der Östrogenrezeptoren der Prostata, Überlegungen eines Arztes beeinflußen bei der Auswahl des Antiandrogens, ist mir nicht bekannt. Tatsache ist jedoch, daß auch die nicht steroidalen AA, als auch die 5alpha Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid) den Östrogenspiel ansteigen lassen.
Steroidale Antiandrogene
Steroidale Antiandrogene ähneln im Aufbau den weiblichen Geschlechtshormonen (Gestagenen). Ihre Einnahme verursacht daher deren typische Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme oder Gefäßverschlüsse Da steroidale Antiandrogene auch den Testosteronspiegel senken, können ähnlich wie bei einer Kastration, Einschränkungen der Erektionsfähigkeit auftreten.
Nichtsteroidale Antiandrogene
Nichtsteroidale Antiandrogene haben den entscheidenden Vorteil, dass sie den Testosteronspiegel im Körper nicht absenken. Werden sie alleine angewandt, bleiben daher allgemeine Leistungsfähigkeit und Knochendichte erhalten, was die Lebensqualität positiv beeinflusst. Selbst die Potenz kann unter Antiandrogenen aufrechterhalten werden. Eine typische Nebenwirkung ist die Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie). Dies kann eine vorsorgliche Bestrahlung der Brustwarzen jedoch meist verhindern.
Ralf schrieb am 3.6.2006:
Nach meinem Eindruck entscheidet ein Urologe nach Bauchgefühl (und ggf. einem Blick auf sein restliches Medikamentenbudget für das Jahr), welches Antiandrogen er einsetzt. Andere Kriterien hat er nicht.
Urologe fs schuf am 5.6.2006 Klarheit:
die Auswahl des Antiandrogenes hängt in erster Linie vom Risikoprofil des Patienten ab.
Danach werde ich zweitens abwägen, welches Medikament am besten zu dem Patienten passt (unter dem von Außen auferlegtem Gebot der Wirtschaftlichkeit).
Auch Wünsche des Patienten sollten Berücksichtigung finden (z. B. erhaltene Erektion). Nartürlich hätte es eine Firma wie Astra gerne (daher die Studien), wenn jeder PK-Patient, auch der radikal Prostatektomierte, Casodex 150 für 10 Jahre nähme (EPC-Programm), aber das ist weder sinnvoll noch wirtschaftlich zu vertreten (würde etwa 1,5 Milliarden!! pro Jahr kosten).
Also versucht man eine Balance aus Risikoprofil/Wunsch des Patienten/Kosten zu erreichen.


GNRH-Analoga

Östrogen

Estradiol

Flutamid

Bicalutamid

Cyproteronacetat

Gynäkomastie

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Hitzewallungen

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Impotenz

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Thrombose

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Osteoporose

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