Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – 5alpha-Reduktase-Hemmer

[Die 5alpha-Reduktase (auch 5-Reduktase) ist die Sammelbezeichnung für drei bisher bekannte, einander chemisch sehr ähnliche körpereigene Enzyme (Isoenzyme), die die Umwandlung des männlichen Sexualhormons Testosteron in den biologisch wirksameren Metaboliten Dihydrotestosteron bewirken. Das Dihydrotestosteron (DHT) spielt eine Rolle bei der gutartigen Vergößerung der Prostata (benignen Prostatahyperplasie, BPH), und es wird gesagt, dass es den Prostatakrebs fünf- bis zehnmal so stark "ankurbelt" (nicht auslöst!) wie Testosteron.
Bisher sind zwei Wiekstoffe (Finasterid und Dutasterid) auf dem Markt, die über den Umweg des Hemmens der 5alpha-Reduktase-Produktion den Blutspiegel des Dihydrotestosterons verringern. Bisher sind diese 5alpha-Reduktase-Hemmer (engl. 5alpha reductase inhibitors, 5ARIs) nur für die Behandlung der BPH zugelassen. Obwohl mehrere Untersuchungen darauf hinweisen, dass ein Hemmen des DHT das Fortschreiten von Prostatakrebs verlangsamt, ist eine entsprechende Erweiterung der Zulassung bisher weltweit abgelehnt worden.
Mehrere namhafte amerikanische Hämatologen/Onkologen wie Dres. Robert Leibowitz, Stephen B. Strum und Charles "Snuffy" Myers, die sich ganz dem Behandeln von Prostatakrebs verschrieben haben, setzen mit guten Erfolgen bei ihren Patienten im Rahmen von antihormonellen Behandlungen einen der beiden 5alpha-Reduktase-Hemmer in Kombination mit einem LHRH-Analogon und einem Antiandrogen (üblicherweise Bicalutamid) ein [z. B. als "Dreifache Hormonblockade" ("Triple Hormone Blockade, Robert Leibowitz") bezeichnet].
Ed]

LowRoad schrieb am 25.10.2013:
Mittlerweile kommen mehr und mehr positive Daten zum Einsatz von 5ARIs, aber das Dogma ist noch nicht gebrochen. Manchmal führt diese ideologisch begründete Ablehnung von 5ARIs zu absonderlichen Stellungnahmen, wie z. B. die von Pat Walsh [Prof. Patrick Walsh ist ein bekannter amerikanischer Urologe, der z. B. die "nerverhaltende Prostatektomie" "erfand" – Ed], der meinte, dass nicht Dihydrotestosteron (DHT) sondern Testosteron selbst der potentere Agonist des Androgen-Rezeptors (AR) wäre. 5ARIs würden zwar DHT senken, aber Testosteron erhöhen, was, nach Doc. Walsh schädlich wäre.
Hier im Pca-Forum interessiert natürlich, ob uns die 5ARIs irgendwie helfen könnten. Hilfe ist aber nur erforderlich, wenn die Primärtherapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat (oder abgelehnt wurde). Eine wirklich gut gemachte Studie dazu wurde unlängst in European-Urology veröffentlicht[1]. Angelegt als internationale prospektive, randomisierte und multizentrische Studie wurde unteruscht, ob Patienten mit biochemischem Rezidiv (BCR) nach Versagen einer Primärtherapie (RPE oder RT) von einer Dutasterid-Therapie profitieren oder nicht:
Dutasterid-Behandlung über zwei Jahre verzögert die PSA-Progression bei Patienten mit biochermischem Therapieversagen nach radikaler Therapie bei Prostatkrebs:
Ergebnisse aus der randomisierten, Placebo-kontrollierten Avodart nach Radikaler Primärtherapie bei Prostatakrebs (ARTS) Studie.
Grundlage:
Steigende Werte des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) nach radikaler Therapie bei Prostatkrebs deuten auf einen wiederkehrenden oder vebliebenen Prostatakrebs (PCa) hin. Dieses biochemische Rezidiv erfolgt in der Regel mehrere Jahre, bevor klinisch nachweisbare Metastasen erscheinen. Die Art der Behandlung von Patienten mit biochemischen Rezidiv ist umstritten.
Ziel:
Beurteiluen der Wirkung von Dutasterid auf das Fortschreiten von Prostatakrebs bei Patienten mit biochemischen Versagen nach radikaler Therapie.
Design, Stadien, und die Teilnehmer:
Randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Studie mit 294 Männern aus 64 Zentren in neun europäischer Ländern.
Intervention:
Einsatz eines 5a-Reduktase-Inhibitors, Dutasterid. Verlaufsbeobachtung unnd statistische Analyse:
Der primäre Endpunkt war die Zeit vom Beginn der randomisierten Behandlung bis zur Verdoppelung des PSA Wertes...
Sekundäre Endpunkte waren die Zeit bis zur Krankheitsprogression und der Anteil der Patienten mit Fortschreiten der Erkrankung.
Ergebnisse und Einschränkungen:
Von den 294 randomisierten Probanden (147 in jeder Behandlungsgruppe), konnten 187 (64 %) die 24 monatliche Behandlung abschliessen, 107 brachen die Behandlung vorzeitig ab:
71 [48 %] der Placebo-Gruppe
36 [24 %] der Dutasterid-Gruppe.
Dutasterid verzögert erheblich die Zeit bis zur Verdoppelung des PSA-Wertes im Vergleich zu einer Placebobehandlung bei 24-monatiger Behandlung. Die relative Risikoreduktion war 66,1 % für die gesamte Studiendauer. Dutasterid verzögert ebenfalls signifikant die Krankheitsprogression (darunter PSA-und Nicht-PSA-Outcomes) im Vergleich zu Placebo; die relative Risikoreduzierung zugunsten von Dutasterid betrug 59 %. Das Auftreten unerwünschter Ereignisse, schwerer Nebenwirkungen und oder allgemeiner Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Studienteilnahme führten, waren in beiden Behandlungsgruppen identisch. Eine Einschränkung war, dass die begleitenden Ärzte über die PSA-Werte im Verlauf der Studie informiert wurden.
Besonders eindruckvoll die Daten zum Fortschreiten der Erkrankung, wie
Fig. 3 Kaplan-Meier estimates of time to disease progression (intention-to-treat population).
Dutasteride kann demnach die Progression der Krankheit verzögern. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Patienten letzendlich auch länger leben, denn dazu bedarf es eines sehr langen Nachbeobachtungszeitraumes von ~20 Jahren – kaum durchführbar. Aber verzögerte Metastasenbildung ist ja auch schon mal nicht schlecht...
Mein Fazit:
Doc. Myers [gemeint ist Dr. Charles ("Snuffy") Myers, s. Kopf dieser Seite – Ed] hat sich des Dutasterid-Themas auch noch mal angenommen [2]. Seine detaillierte Sichtweise möchte ich euch nicht vorenthalten:
to be continued...
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[1]: Schröder & Kollegen, Dutasteride Treatment Over 2 Years Delays Prostate-specific Antigen Progression in Patients with Biochemical Failure After Radical Therapy for Prostate Cancer