Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Medikamente – 5-Fluorouracil (5-FU)
(Xeloda®)

[Bei Wikipedia wird über 5-Fluorouracil u. a. folgendes gesagt: "5-Fluorouracil (5-FU) ist ein Arzneistoff der Gruppe der Zytostatika. Es wird bei verschiedenen Therapieschemata eingesetzt, vor allem beim kolorektalen Karzinom und bei Brustkrebs.
Es ist ein Antimetabolit, es wird bei der Zellteilung aufgrund der Strukturähnlichkeit mit den Pyrimidinbasen Cytosin und Thymin statt dieser in die DNA eingebaut. Die entstehende DNA ist nicht funktionsfähig. 5-FU hemmt über komplexe Mechanismen die RNA- und DNA-Synthese darüber hinaus auf verschiedenen Ebenen.
Die Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Schleimhautentzündugen, Knochenmarkschädigung) können beträchtlich sein.
Durch Tetrahydrofolsäure wird die Wirkung von 5-FU verstärkt, man nutzt diesen Effekt für Kombinationstherapien. Eine Wirkungsverstärkung bewirkt auch Interferon-alpha."
- Ed]

Bibi fragte am 25.3.2006:
Hat jemand Erfahrung oder kennt sich mit 5 FU aus und kann mir etwas darüber sagen?
Sepp konnte etwas dazu sagen. Am selben Tag antwortete er:
5-FU ist ein Chemotherapeutikum (5-Fluorouracil) das besonders häufig bei Darmkrebs, Brustkrebs etc. eingesetzt wird. Bei Prostatakrebs ist die Verwendung von 5-FU selten. Am ehesten neigen noch Onkologen dazu, einen Versuch zu wagen, nachdem beispielsweise eine Therapie mit Taxotere oder Estramustinphosphat oder Östrogenen nichts gebracht hat.
Allerdings wird ohnehin eher Xeloda, das ist die orale Verabreichung von 5-FU, verschrieben. Xeloda wird auf enzymatischem Wege im Körper bzw. im Tumor in 5-FU umgewandelt. Es wird in der Regel ein klein wenig besser vertragen als eine 5-FU-Infusion.
Natürlich hat auch Xeloda/5-FU Nebenwirkungen. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn eine koronare Herzerkrankung vorliegt. Bei längerer Anwendung kommt es sehr häufig zu Polyneuropathien, vorallem zu schmerzhaften Veränderungen an den Händen und Füßen.
In unserer Selbsthilfegruppe waren die Therapieerfolge mit Xeloda meistens eher bescheiden, wobei die Männer alle stark mit anderen Medikamenten vorbehandelt waren. Trotzdem kann es ein Versuch wert sein, denn im Einzelfall gibt es immer wieder mal ein akzeptables Ansprechen.
Ralf schrieb einen Tag später:
Dr. Leibowitz, ein Onkologe/Hämatologe in Los Angeles, der ausschließlich Prostatakrebs behandelt, hat offenbar bei einigen Patienten 5-FU mit recht gutem Erfolg eingesetzt, aber immer kombiniert mit anderen Medikamenten [Leucovuorin (LV), Adriamycin und Cytoxan]. In einem Vortrag (2001) sagte er einmal darüber:
"Und dieser Herr aus Schottland, wir gaben ihm an den ersten drei Tagen eines 21-Tage-Zyklus Adriamycin und Cytoxan, und am 15. Tag gaben wir ihm 24 Stunden lang dieses Medikament [5FU/LV], das nie Nebenwirkungen verursacht. Und drei Wochen nach Beginn seines ersten Zyklus begann er einen zweiten, und seitdem bekommt er davon zwei Dosen, so dass es jetzt ein vierwöchiger Zyklus ist.
Adriamycin und Cytoxan an den ersten drei Tagen, am 15. und 22. Tag 5FU/LV, am 29. Tag wieder von vorn. Wir empfehlen im Allgemeinen etwas vier bis sechs solcher Zyklen, je nach dem Ansprechen."
Die Aussage zu den Nebenwirkungen ist auffällig, denn bei Wikipedia wird unter 5-Fluorouracil etwas anderes gesagt. Entweder verabreicht er es anders (geringer!) dosiert, die Verabreichung über 24 Stunden ist besser verträglich, oder die anderen verabreichten Mittel heben die Nebenwirkungen auf.
Den gesamte Vortrag findest Du bei KISP => Texte => Nr. 41 (ZIP-Datei, >3 MByte groß). Vielleicht wäre es auch für die Ärzte interessant, die Deinen Vater behandeln.