Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Einholen einer Zweitmeinung

[Damit der Betroffene sich eine sicherere Grund­lage für seine bevorstehenden Entscheidungen schafft, kann das Einholen einer Zweitmeinung – wie auch im Patientenratgeber I und von man­chen Krankenversicherungen empfohlen – eine gute Hilfe sein. Das gilt sowohl für das Befunden der Biopsiestanzen durch einen Patho­logen als auch für die Wahl einer geeig­neten Therapie aus den in Betracht kommenden auf der Grund­lage eben dieser Befundung.

Es gibt allerdings bis heute keine gesetzliche Regelung dar­über, wann die Kosten für eine Zweit­meinung von den Gesetzlichen Kran­ken­ver­sicherungen (GKVn) zu über­nehmen sind. Wenn Sie Mitglied einer solchen Kran­ken­versi­cherung sind, dann sollten Sie sich bezüglich einer Kos­ten­erstattung vorab dort erkundigen, und Sie be­nöti­gen für den zweitbegutach­ten­den Arzt eine Über­wei­sung Ihres behandelnden Arz­tes. Man­che Urologen stellen sich leider dies­bezüg­lich schwerhörig und wollen durchaus den Sinn und Zweck einer Zweitmeinung nicht ein­se­hen: „Da werden Sie auch nichts Anderes erfah­ren!“.

Der vorstehende Text ist ein Auszug aus der Schrift „Bei mir wurde Prostatakrebs festgestellt – was nun? Erster (aber auch zweiter und dritter) Rat nach der Krebsdiagnose“, den Sie als PDF-Datei hier herunterladen können.

Ed]


PeterKa fragte am 5.8.2017 unter der Überschrift „Zweitmeinung in der Praxis“:
Einige von Euch haben sich ja bereits mit einer Zweitmeinung abgesichert. Aber, wie läuft das denn in der Praxis ab? Ist der „Zweitarzt“ mit der Patientenschilderung und evtl. Kopien der bisherigen Diagnosen zufrieden? Oder will er selbst neu-untersuchen? Fast alle Auswertungen, wie Biopsie, US, Szintigramm etc sind ja subjektiv, lassen also individuellen Interpretationsspielraum frei, der so oder anders gedeutet werden kann. Auch könnten sich nach der Erstmeinung gewisse Parameter verändert haben? Und wie geht es weiter, wenn Erst- und Zweitmeinung echt divergieren?
Was sind euere Erfahrungen ?
Norbert H. antwortete als Erster:
Ich habe mehrere Meinungen eingeholt. Tastuntersuchung wurde immer, US meistens wiederholt Biopsie oder Szinti etc. nicht. Bei mir haben die Empfehlungen divergiert, da musste ich mich mit Hilfe des "Ersten Rats" hier aus dem Forum für etwas entscheiden.
farcenty schrieb:
Ich würde von mir behaupten, gar eine "6.Meinung" eingeholt zu haben. In der Regel reichen den Ärzten die Kopien der bisherigen Befunde inkl. CDs von gemachen CTs und MRTs. Nur ein Arzt verzichtete nicht auf eine eigenständige und aus meiner Sicht überflüssige Tast- und weitere Unterschalluntersuchung, obwohl der Biopsiebefund bereits auf dem Tisch lag.
Vielfach habe ich kopierte Befunde oder CDs der Radiologen an diverse Kliniken geschickt und bekam im Anschluss einen telefonischen (Charité) oder persönlichen Termin (Uniklinik Heidelberg) oder auch schriftlich eine Empfehlung. Mit einigen Ärzten habe ich auch per E-Mail kommuniziert....
Ergänzung: Die Meinungen werden dann divergieren, wenn du mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen sprichst. Jeder wird dir etwas aus seinem Repertoire empfehlen. Der klassische Urologe im Regel die Ektomie – deshalb ist es ist es m. E. nicht nicht unwichtig, auch mal gezielt Strahlentherapeuten anzusprechen oder auch Vertreter der "fokalen Methoden". Am Ende wird es dir obliegen, aus dem bunten Strauß an Meinungen ein sinnvolles Vorgehen abzuleiten.
Ralf schrieb:
Eine Biopsie wird sicher nicht noch einmal gemacht, aber Du kannst einen anderen Pathologen mit einer erneuten Befundung beauftragen. Du solltest Dich aber auch immer fragen, ob sich aus einer Zweitmeinung oder -befundung eine therapeutische Konsequenz ergeben würde, ob Du Dich also anders behandeln lassen würdest, wenn der Zweitpathologe z. B. einen GS 4+4 statt eines GS 3+4 erkennen würde. Wenn die Zweitmeinung erkennbar keine therapeutische Konsequenz haben würde, ist sie rausgeschmissenes Geld.
Und Weibsbild schrieb, immer noch am 5.8.2017:
Mein Mann war in der Uniklinik Ludwigshafen, dort wurde die Biopsie gemacht und die Erstmeinung abgegeben. Die Stanzen haben wir nach Berlin zu Prof. Bonkhoff geschickt, Zweitmeinung der Biopsie, die mit der in LU gemachten übereinstimmt. Zweitmeinung der weiter gehenden Therapie in Heidelberg eingeholt. Drittmeinung dann in der Uniklinik in Kiel eingeholt und schlussendlich dort behandelt bzw. operiert worden. Es gab natürlich unterschiedliche Ratschläge... Ich habe hier im Forum, auf anderen Seiten und im Ersten Rat viel gelesen. Die Entscheidung wurde auch ein klein wenig nach Gefühl getroffen. Nach einem halben Jahr sind wir immer noch fest davon überzeugt, das Richtige getan zu haben.
Alle Ärzte haben sich auf den histologischen Befund der Biopsie verlassen. Aber jeder wollte noch einmal einen Tastbefund durchführen sowie Ultraschall.