Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Ultraschall

[Bei Verdacht auf Prostatakrebs, z. B. aufgrund eines erhöhten PSA-Wertes, wird der Urologe immer eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Prostata vornehmen, in der Regel mittels eines in den Enddarm eingeführten Ultraschallkopfes (TRUS - transrektaler Ultraschall). Das macht beim Patienten vielleicht Eindruck, ist aber weit davon entfernt, Grundlage einer sicheren Diagnose sein zu können. In 70 % der Fälle stellt sich krebsbefallenes Prostatagewebe echoarm dar (erscheint auf dem Schirm als dunkler Fleck), in 15 % ist es echoreich (erscheint als heller Fleck), in 10 % ist es isodens (= hat die gleiche Dichte wie normales Gewebe und ist von normalem Gewebe nicht zu unterscheiden) und bei 5 % ist es inhomogen, d. h. von allem etwas. - Ed]

Uwe schrieb am 28.5.2003 unter dem Betreff "Schlechte Noten für Ultraschall":
Wiesbaden (AP)
Die Qualität der Ultraschalluntersuchungen in deutschen Arztpraxen ist nach Ansicht der Deutschen Röntgengesellschaft unzureichend. Lediglich in 24 % der Fälle erfolgt eine korrekte Diagnose, wie nach einer gestern in Wiesbaden vorgestellten Studie die Überprüfung von 546 Untersuchungen ergab. "Wir haben ein Riesenqualitätsproblem mit der Sonographie in Deutschland", sagte der Präsident der deutschen Röntgengesellschaft, Claus Claussen, im Vorfeld des Deutschen Röntgenkongresses.
"Ohne Kommentar"

Horst MUC stellte am 7.10.2004 den folgenden Bericht ins Forum:
Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 07.10.2004
Kontrastmittel in der Sonographie: Sanfte Alternative zu Röntgenverfahren
Pressedienst
Kontrastmittel nun auch beim Ultraschall – weniger Nebenwirkungen und bessere Ergebnisse in Kombination mit neuen Ultraschallgeräten – geringeren Kosten.
Hannover, 7. 10. 2004 - Röntgen-Kontrastmittel wurden bisher nur in strahlenbelastenden radiologischen "Durchsichtverfahren" sowie in der aufwendigen Computer- und Kernspintomographie eingesetzt. Sei gut zehn Jahren wird auch an Kontrastmitteln für Ultraschalluntersuchungen in der Medizin (Sonographie) gearbeitet. Beim Dreiländertreffen der deutschen, österreichischen und schweizer Ultraschallexperten, das vom 6. bis zum 9. Oktober in Hannover stattfindet, wurde ausgiebig über die Anwendung von Kontrastmitteln nun auch in der Sonographie berichtet. Dabei zeigte sich: Kontrastmittel in der Sonographie sind ärztlicher Alltag geworden. "Damit zieht die Sonographie erstmals in die bisher heiligen Hallen der radiologischen Schnittbildverfahren ein", sagte Privatdozent Dr. Jörg Bleck von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Insgesamt werde die Sonographie so "zunehmend zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für die aufwendigeren, oft extrem teuren und zum Teil mit Strahlenbelastungen einher gehenden Untersuchungstechniken."
Längst ist der Ultraschall aus so gut wie keinem medizinischen Gebiet mehr weg zu denken, betonte der Präsident des Kongresses, Prof. Michael J. Gebel von der MHH. Nun wird diese sichere und günstige Diagnosetechnik durch Kontrastmittel erweitert, um zum Beispiel die Bösartigkeit oder Gutartigkeit eines Tumors zu erkennen. Auch versteckte Tumoren werden entdeckt. Eine weitere Anwendung ist die genaue Diagnostik bei abgestorbenen Gewebeteilen: Auf diese Weise können die Ärzte zum Beispiel feststellen, wo genau ein Ausfall (Infarkt) von Gewebe – etwa in Leber, Niere und Milz – stattgefunden hat und so gezieltere Therapiemaßnahmen einleiten.
Die Kombination aus Ultraschall und Kontrastmitteln hilft ferner bei der Behandlung. Sie zeigt, ob ein – etwa durch Hitze oder Laser – behandelter Krebs wirklich restlos zerstört, das Krebsgewebe also abgestorben ist. Die Ultraschallspezialisten folgen dabei einer alten ärztlichen Erkenntnis: "Wo noch Durchblutung ist, da ist auch Leben".
Ein konkretes Beispiel schließlich ist der bei vielen Menschen auftretende "Blutschwamm" (Hämangiom), dessen Diagnose früher sehr teuer war. Die Einführung der Kontrastmittel-Sonographie trägt so zur Kostensenkung im Gesundheitswesen bei.
Bei der Ultraschalluntersuchung werden Schallwellen jenseits des für den Menschen hörbaren Bereichs eingesetzt. Auch Ultraschall besitzt die Eigenschaft, zurück zu kommen, wenn er auf etwas trifft. Die von Organen oder Geweben reflektierten Wellen werden in elektrische Impulse verwandelt, aus denen ein Bild errechnet wird - und zwar, im Gegensatz zu anderen Techniken, bewegte Bilder in Echtzeit.
Doch die frühere Weisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch heraus" gilt bei dieser modernen Technik nicht mehr ganz. Denn die Einführung von Kontrastmitteln in die Sonographie ging mit der Entwicklung von noch ausgeklügelteren UIltraschallgeräten einher. Die Fachleute nennen dies "Kontrastharmonik": Hier schallt es mit doppelter Frequenz zurück, und zwar rauscharm, und liefert Bilder so von höchster Qualität. Mit bestimmten Ultraschallgeräten lässt sich der Blutfluss sichtbar machen. Die Anzahl der der reflektierenden, bewegten Blutkörperchen wird durch Kontrastmittel, sprich durch kleine Gasbläschen erhöht. Kontrast-mittel bewirken also, dass eine doppelte Schwingung zurück geworfen wird. Dafür sind selbstverständlich auch bessere Ultraschallgeräte notwendig.
Zugegebenermaßen macht die Sonographie mit dem Einsatz von Medikamenten – und dazu gehören Kontrastmittel – auch einen Schritt in Richtung invasiver ("in den Körper eingreifender") Medizin. Jedoch sind, so Bleck, sonographische Kontrastmittel sehr viel besser verträglich "und somit ein weiteres Plus für die Ultraschalltechnik.
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.mwm-vermittlung.de/aktudegum04.html

Urologe schrieb am 17.1.2013:
Es muss aber nicht immer gleich ein MRT sein - mit den entsprechend hohen Kosten etc. (und moderne MRTs haben eine Auflösung von ca. 2 Millimeter). Eine transrektale Ultraschalluntersuchung mit einem modernen Gerät hat eine Auflösung von 0,5 Millimetern, bei sehr guten Geräten bis 0,1 Millimeter und das Ergebnis liegt in einer Minute vor - zu 1/50 der Kosten.
Deswegen mache, und empfehle ich, GRUNDSÄTZLICH bei der ersten Nachuntersuchung nach OP nach drei Monaten (nicht früher wegen möglicher Blutergüsse etc.) eine farbdopplerkodierte transrektale Ultraschalluntersuchung. Außerdem hat man dann einen Ausgangsbefund, der bei steigenden PSA-Werten als Referenz für mögliche Veränderungen im Anastomosen-/Blasenbereich dienen kann. So haben wir schon oft auch kleine Herde gefunden (bioptisch gesichert).
Hier im Beispiel ein 10,7 Millimeter großes Rezidiv am OBEREN Blasenanteil – Biopsie Gleason 5+5 !!! (Wurde im 3-Tesla-MRT übrigens NICHT gesehen).
Die Standard-Bestrahlung war hier, wie zu erwarten, ohne Effekt gewesen. Nur die F18-Cholin-PET/CT hat diesen Befund dann ebenfalls gesehen.