Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Tumorvolumen

[Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen dem innerprostatischen Tumorvolumen und der Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs (Zurückbleiben von Tumorgewebe in der Prostataloge). Eine Tabelle dazu ist hier zu finden. - Ed]

Manfred fragte am 24.3.2001:
ich hatte letzte Woche gefragt, ob jemand sein Tumorvolumen kennt, mein Tumor hatte ein Volumen von 11 ml bei einem Prostatagewicht von 82,3 g. Wird diese Info von den Kliniken nicht weitergegeben?
Wil antwortete am 24.3.2001:
Nach einer Radikalen Prostatektomie (RP), wie du hattest, kann der Pathologen das Tumorvolumen (TV) bestimmen. Wenn er dieses gemacht hat, müsste es in seinem Bericht stehen. Ich weiß aber nicht, ob nach einer RP das TV noch von Nutzen sein kann bei späteren Prognosen. Kann auch sein, dass der Pathologe das PV bestimmt hat als Teil einer Studie, ähnlich wie Amico und Aihara es gemacht haben, siehe unten.
Zunächst mal, der Tumor in der Prostata ist im Allgemeinen keine schöne runde Kugel. Der Krebs ist im Allgemeinen "multi-fokal", und es kommen auch Ausläufer vor. Nach Prostataentfernung könnte der Pathologe das Tumorvolumen bestimmen. Ich stelle mir dabei vor, dass er alles, was Krebs ist, ausschneidet und dann die Masse oder das Volumen bestimmt. Amico und Aihara (Pathologen, nehme ich an) haben eine Studie gemacht um herauszufinden, ob das Tumorvolumen (TV) in einfacher Weise geschätzt werden kann aus eine Anzahl Grundparameter. Es wurde gezeigt, dass das TV geschätzt werden kann aus 3 Parametern, nämlich: Prostata-volumen, bPSA und Gleason Score (GS). Wie das geht, wird anhand eines Beispiels gezeigt:
Gegeben sind PV = 30 ml, bPSA = 26,8 ng/ml und GS = 8.
Ohne Prostatakrebs wird ein PSA von 0,067 x PV erwartet, wobei 0,067 eine empirisch ermittelte Konstante ist. Also, 0,067 x 30 = 2,0 ng/ml. Also, von den 26,8 sind schon 2,0 erklärt. Der Rest, 24,8 ng/ml, wird durch Tumor-Aktivität erklärt, die mit dem Tumorvolumen (TV) und dem GS zusammenhängt. Es wird nun die folgende Tabelle benutzt:
GS     PSA/TV (TV=Tumorvolumen)
10 ----- 1
 9 ----- 1,5
 8 ----- 2 Ü
 7 ----- 3
 6 ----- 4
 5 ----- 6
 4 ----- 10
 3 ----- 15
 2 ----- 20
GS=8 gibt ein (durchsickerndes) Extra-PSA von 2 x TV. Also 2 x TV = 24,8. Das geschätzte Tumorvolumen, TV, ist also 12,4 ml (ml = cm3 = cc ist ung. Gramm).
Dazu schrieb Manfred am 25.3.2001:
danke für Deine Erläuterung vom 24.3.01. Ich habe die Daten für meinen Fall umgerechnet. PV = 82,3 g entspricht 82,3 ml PSA = 72 ng/ml GS(2+3) = 5.
PSA(min) = 0,067 * 72 = 5,5 PSA (Tumor) = 72 - 5,5 = 66,5
aus Tabelle GS zu PSA/TV ergibt sich bei GS = 5 ein PSA (Tumor) = 6 * TV oder TV gleich PSA (Tumor) geteilt durch 6. TV = 66,5/6 = 11 ml entsprechend der Aussage des Pathologen, also eine 100-prozentige Übereinstimmung.
Theo bemerkte dazu noch am 30.3.2001:
Es ist doch wichtig, sein Tumorvolumen bei der RP zu wissen! Ich habe nämlich vor einigen Woche im Internet von einer wissenschaftlichen Studie gelesen (leider könnte ich es später nicht wiederfinden, aber ich glaube, es war ein Bericht von USTOO), in der festgestellt wurde, dass die wichtigsten Risikofaktoren für einen Rückfall nach einer RP nicht, wie im Allgemeinen angenommen wird, positive Schnittränder oder befallene Lymphknoten seien, sondern das Tumorvolumen und der Gleasonscore.