Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Sentinel-Lymphadenektomie


Günter schrieb am 28.9.2006:
Die Darstellung der Lymphknoten in der Radiologie [mit dem USPIO-Verfahren – Ed] geleitet von Prof. Barentsz ist die weltweit beste nicht invasive Methode. Ich kenne einen Mitstreiter, dessen Krankenkasse (private) die Untersuchung in Nijmwegen bezahlte. Das die Kasse überzeugende Argument war – eine extrakapsuläre Ausbreitung ist gemäß Gleason Wert nicht unwahrscheinlich, eine Kontrolle der Lymphknoten ist somit angezeigt und eine diagnostische Lymphknotenentfernung nebst Beprobung kostet nicht weniger als die Untersuchung bei Prof. Barentsz.
Alternativ hierzu möchte ich Dir eine minimal invasive Form der Lympknotendarstellung vorstellen, gemäß einer Auskunft von PD Dr. Corvin, jetzt Chefarzt der Urologie im Klinikum St. Elisabeth, Straubing, früher Uniklinik Tübingen. Was ich außer der von ihm beschriebenen geringen Belastung für den Patienten hervorheben möchte, ist die Chance, auch Mikrometasen mit dieser Methode erkennen zu können. Ich zitiere hierfür aus einem Schriftverkehr mit PD Dr. Corvin:
Dr. Corvin: "ich möchte Ihnen kurz das Prinzip der Schildwächter- oder Sentinel-Lymphadenektomie erläutern. Bei dieser Technik wird eine schwach radioaktive Substanz vor OP in die Prostata gespritzt. Diese verteilt sich dann in den sogenannten Sentinel-Lymphknoten, die die erste Metastasierungsstation darstellen. Eine Anreicherung der Substanz in den Sentinel LK bedeutet aber nicht, daß diese auch mit Metastasen befallen sind. Man kann aber im Umkehrschluß aber folgern, daß wenn die Sentinel-Lymphknoten metastasenfrei sind, mit größter Wahrscheinlichkeit tatsächlich keine Lymphknotenmetastasen vorliegen. Mit dieser Technik können sogar Mikrometastasen in den Lymphknoten erkannt werden. Wir haben diese Sentinel-Lymphknoten meist laparoskopisch entfernt, z.B. bei Patienten vor Strahlentherapie eines Prostatakarzinoms. Bei diesem Eingriff erfolgt die Lymphknoten-Entfernung minimal-invasiv über 3 bis 4 winzige Hautschnitte. Waren die Sentinel-Lymphknoten tumorfrei, dann wurde nur die Prostata und nicht das gesamte Becken bestrahlt". (Zitatende)
Nachtragen möchte ich noch, daß die mit Radioisotope gekennzeichneten Wächterlymphknoten per Gammakamera und integriertem Röntgengerät kontrolliert werden.
Dazu schrieb Dieter am selben Tag:
Die von Günter geschilderte Methode wird nicht nur vor Bestrahlungen, sondern in ähnlicher Weise auch bei operativen Entfernungen der Prostata angewendet. Die Details stehen in folgender Veröffentlichung der UK Kiel:
7. b) Staging-Lymphadenektomie vs. ausgedehnte Lymphadenekomie
"Lymphknoten fungieren als Filterstationen des menschlichen Körpers für einzelne Organe, Organsysteme bzw. Körperregionen zum Schutz vor Infektionen (Lymphknotenschwellung nach Insektenstich etc.) oder eben Krebszellen. Finden sich Karzinomenzellen in den organbezogenen Lymphknoten, so ist dies gleichbedeutend mit einem nicht mehr organbegrenzten Wachstum des bösartigen Tumors (N+).
Im Falle der Prostata bedeutet das, dass trotz Entfernung der Prostata oder deren Bestrahlung Krebszellen in den organbezogenen Lymphknoten verbleiben, die sich weiter vermehren und in das Knochenskelettsystem abgeschwemmt werden können (Knochenmetastasen).
Üblicherweise werden im Rahmen der Radikalentfernung der Prostata die Lymphknoten mitentfernt. Dadurch ist die größtmögliche Diagnosesicherheit gewährleistet, allerdings nur dann, wenn die relevanten Lymphknotenstationen weitreichend mitentfernt werden (ausgedehnte Lymphadenektomie).
Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, kann durch die weitreichende Ausräumung/Entfernung der Lymphknoten selbst bei Prostatakrebspatienten mit geringem Lymphknotenbefall eine Heilung erreicht werden.
Um die Diagnose- und Therapiesicherheit zu erhöhen und den Erfolg der Behandlung bestmöglich zu gestalten, wird an der Urologischen Universitätsklinik Kiel darüber hinaus das Schildwächterlymphknotenverfahren eingesetzt (Sentinel-Lymphadenektomie). Hierzu wird am Tag vor dem Eingriff ein radioaktiv markierter Trägerstoff (Technecium) in die Prostata mit zwei kleinen Einstichen eingespritzt (ähnlich der Prostata-Stanzbiopsie) und ein Lymphknotenszintigraphiebild 2-4 Stunden später erstellt, das die relevanten Lymphknotenabflusswege/-stationen darstellt. Im Rahmen der Operation am Folgetag werden sodann mit einer Geigerzählersonde die Lymphknoten, in die der Trägerstoff abgeflossen ist, aufgesucht und zusätzlich entfernt. Auf diese Weise können bis zu 65 % mehr von Prostatakrebs befallene Lymphknoten aufgespürt und mitentfernt werden. Der Überlebensvorteil für diese Patienten ist in mehreren Untersuchungen in Deutschland, Europa und den USA nachgewiesen worden."