Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Regressionsgrad

Uwe fragte am 19.3.2001:

...bei Manfred steht im pathologischen Bericht nach der Prostataentfernung: ypT2b No Mx G1/2 R II (Gleasonsumme 2+3) im Text steht dann Regressionsgrad II (arabisch 2)

  1. Was das y vor dem p bedeutet, weiß ich nicht
  2. p bedeutet, der Pathologe hat das T2b nach [p = post? Ed] OP bestimmt.
  3. T2b bitte auf meiner Seite TNM-System nachsehen.
  4. N0 bedeutet, der Pathologe hat bei den entfernten Lymphknoten keinen Befall entdeckt.
  5. Mx bedeutet, der Pathologe weiß nicht, ob Metastasen im Körper sind (eine ehrliche Aussage, viele Pathologen schreiben M0, nur kein Mensch weiß woher sie das wissen)
  6. G1/2 (sollte G I/II geschrieben werden, hier verwendet man arabische Zeichen) bedeutet G I und G II gefunden, es gibt auch noch die Sechserstufung G I a bis G III b) Gleasonsumme 2+3 = 5 bestätigt Grading
  7. R II = Regressionsgrad II Was bedeutet das??? kann mir jemand helfen???
Wil antwortete am 19.3.2001:
Regressionsgrading
Als Folge von Hormon- und Strahlentherapie zeigen sich in Karzinomen regressive Veränderungen. Deren Ausmaß kann entweder an histologischem Untersuchungsgut (Stanzbiopsien) oder an zytologischen Präparaten semiquantitativ beurteilt werden. Quelle:
Leitlinie zur Diagnostik des Prostatakarzinoms
http://selene.rz.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/urol-021.htm
Weil bei Manfred entweder vom Pathologen (p) oder einem sonstigen Analytiker (y?) der Regressionsgrad R II angegeben wurde, muss ich vermuten dass Manfred zwischen der Biopsie und der Operation noch irgendeine Behandlung gehabt hat, z. B. eine Hormonblockade oder eine Bestrahlung. Wie könnte sonst eine regressive Veränderung festgestellt werden. Sonst müsste Manfred mal nachfragen, wie man den R II aus dem Hut gezaubert hat.
Matthias schrieb am 20.3.2001 dazu:
...Der Regressionsgrad bezeichnet eine degenerative Veränderung eines Primärtumors, also eines Tumors, der bei einem Patienten gefunden wurde, der zuerst einer Chemo resp. Hormontherapie oder einer Bestrahlung unterzogen wurde und anschließend biopsiert operiert oder sonst wie einer zytologischen Begutachtung zugänglich gemacht wurde. Dabei beurteilt man die Schädigung, die der Tumor durch die Therapie erhalten hat. Also wenn Du von untenstehendem Schema ausgehst, wird beurteilt, wie sich das Zytoplasma verändert hat, welche Zeichen der Zellschädigung es aufweist und welche Zeichen der Zerstörung der Zellkern resp. Nukleus aufweist.
Dazu ein kurzer Ausflug in die Biologie:
Im Zytoplasma (Zellflüssigkeit) finden die meisten Stoffwechselvorgänge statt. Hier werden Proteine und Zellstrukturelemente hergestellt und an die richtige Stelle transportiert. Die Integrität dieses Kompartimentes ist essentiell für das Funktionieren einer intakten Zelle. Eine Schädigung zeigt sich hier in einer Blasenbildung (Vakuolisierung) oder was viel schlimmer ist in einer Ruptur (Zerreißung) oder einer allgemeinen Abnahme des Volumens (weniger Volumen bedeutet auch weniger Stoffwechselleistung, die Zelle ist aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage, eine große Zytoplasmamenge (Zellflüssigkeitsmenge) zu „verwalten“.
Der Zellkern und der Nukleus beinhalten das Erbgut, die genetische Information, der Zelle. Im Fall des Prostatakarzinoms aber auch die Information: Verhalte Dich wie eine Tumorzelle!
Diese Struktur gilt es nun, in ihrer Funktion so weit wie möglich einzuschränken, um ein Tumorwachstum und –leben zu unterbinden. Schädigungsmarker sind hier Verkleinerung, Schwund usw.
Aufgrund dieser Marker kann man die kumulative Schädigung der Zelle und damit den Erfolg einer Hormon oder Strahlentherapie beurteilen.
In Deinem Brief habe ich aber noch ein zweites „R“ gesehen, das auch etwas anderes bedeuten kann: Das R-Klassifikation nach operativer Therapie: Sie beschreibt, wie radikal ein Tumor entfernt werden konnte. R0 (R-Null) meint, dass weder makroskopische Tumorreste (der Operateur und der Pathologe sehen keine Tumorreste auf der Schnittfläche des Operationspräparates) noch mikroskopische Reste (d.h.: Die Schnittränder des Operationspräparates sind tumorfrei, was nur durch eine histologische Untersuchung (feingewebliche Untersuchung) nachgewiesen werden kann) im Operationspräparat vorhanden sind. Das ist der Optimalfall einer operativen Therapie, natürlich unter der Voraussetzung, dass weder Lymphknoten- noch Fernmetastasen vorhanden sind.
R1 bedeutet, dass man die Schnittränder im Operationspräparat, der entfernten Prostata, mit bloßem Auge als Tumorfrei beurteilt, aber unter dem Mikroskop erkennen kann, dass der Tumor nicht im ganzen entfernt werden konnte. Hier wurden kleine Tumorreste durchgeschnitten und Tumorzellen sind sicherlich im Patienten verblieben.
R2 bedeutet, dass bereits mit unbewaffnetem Auge erkennbar ist, dass Tumorreste im Patienten verbleiben mussten.
Bei dem von Dir vorgestellten Patienten scheint aber aufgrund der niedrigen TNM-Klassifikation das R eher den Regressionsgrad zu bezeichnen. Ansonsten hätte der Patient als T3 oder sogar T4 bezeichnet werden müssen. Die Wahrheit wissen hier allerdings nur die Götter (in Weiß).
Tut mir leid, dass ich bis jetzt immer von Patient geschrieben habe (das legt meinen Standpunkt ziemlich deutlich fest, aber ich bin heute Abend zu müde, um das noch zu ändern), und mittlerweile habe ich mich einfach daran gewöhnt.


B. Festlegung des Regressionsgrades für den Gesamttumor (R)
...........................r 0 Keine Regression
..........................r I Regressionsgrad R I
..........................r II selten ( < 20%)
Regressionsgrad R II
..........................r II häufig ( > 80%)
Regressionsgrad R III
..........................r III
Alle anderen Möglichkeiten: Regressionsgrad RII
    1. Regressionsgrading
      Als Folge von Hormon- und Strahlentherapie zeigen sich in Karzinomen regressive Veränderungen. Deren Ausmaß kann entweder an histologischem Untersuchungsgut (Stanzbiopsien) oder an zytologischen Präparaten semiquantitativ beurteilt werden.

    2. Pathohistologische Begutachtung
      Die pathohistologische Begutachtung bei Prostatakarzinomen soll enthalten: Typing, Grading, TNM Klassifikation, begleitende PIN, Regressionsgrad nach nichtoperativer Therapie, prozentualer Anteil des Karzinoms / untersuchten Gewebes; nach Prostatektomie zusätzlich: R-Klassifikation.

Als PDF-Datei habe ich Dir noch einmal eine Übersichtsdatei beigefügt, die nicht nur das zytologische Regressionsgrading, sondern auch das histologische Regressionsgrading beinhaltet.