Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Prostatavolumen

[Manche Urologen (und auch manche Patienten) haben Schwierigkeiten damit, das Prostatavolumen zu berechnen. Grundlage ist das Bestimmen des Prostatadurchmessers durch eine Ultraschalluntersuchung. Vereinfachend werde angenommen, dass das Organ Kugelform hat. Das Volumen einer Kugel berechnet sich nach
oder, da im Fall der Prostata der Durchmesser gegeben ist, nach
Neuere Ultraschallgeräte sollen aus den festgestellten Abmessungen der Prostata, die ja tatsächlich nicht kugel-, sondern eher apfel- (Boskop-) förmig ist, selbsttätig das einigermaßen exakte Volumen errechnen können. – Ed]

Willi fragte am 17.1.2001:
...in obiger Erläuterung gibst Du eine Faustformel an zur Ermittlung des PSA bzw. des PV. Diese gilt für eine "gesunde" Prostata? Mein PSA-Wert ist bzw. war 26,8 ng/ml. Nach der Formel kommen 400 ml zusammen. In ccm, ein ganz schönes Moped.
Und der angesprochene Wil antwortete am 17.1.2001:
Die Fausttegel gilt für die Prostata ohne Prostatakrebs, also ohne Tumore.

Leider weißt Du dein Prostatavolumen (PV) noch nicht. Nehmen wir mal an PV = 30 ml (etwa 30 Gramm). Ohne PK wäre dann das erwartete PSA 0,067 x 30 = 2,0. Du hast aber ein PSA von 26,8. Also 24,8 sind als Folge des Prostatakrebses. Du hattest Grad GIII. Dieses entspricht Gleason-Score 8, 9 oder 10. Nehmen wir an GS = 8. Dann schauen wir in folgender Tabelle:
GS PSA/TV (TV=Tumorvolumen)
10 ----- 1
9 ----- 1,5
8 ----- 2 Ü
7 ----- 3
6 ----- 4
5 ----- 6
4 ----- 10
3 ----- 15
2 ----- 20
GS = 8 gibt ein (durchsickerndes) Extra-PSA von 2 x TV, also 2 x TV = 24,8. Das geschätzte Tumorvolumen ist also 12,4 ml (ml = cm³ = ccm ist ungefähr = Gramm).
Zusammenfassend:
Wir nahmen an PV = 30 ml. Daraus folgt die Schätzung TV = 12,4 und gilt für PSA 26,8 und ein GS = 8.
Das Rechenmodell und die statistisch ermittelte Tabelle stammt von Amico/Aihara. Die Tabelle leuchtet nicht sofort ein. Um sie zu erklären muss man mehr wissen über die Anatomie der Prostata mit ihren Kapillaren. Letztere werden durch den Krebs deformiert oder zerstört. Dann drückt der Tumor auf die Umgebung, usw. Ich blicke hier auch nicht durch. Habe einige Beschreibungen, die es nicht deutlicher machen. Mit dem Tumorvolumen kann der Patient wenig anfangen. Aber ich nehme an, dass das geschätzte Tumorvolumen wichtig ist bei lokalen Therapien.

Karl fragte am 4.4.2006:
Wer hat eine Erklärung dafür? Bei mir wurde 2004 eine retropubische radikale Prostatovesikulektomie durchgeführt. Beim Durchschauen meiner Unterlagen fiel mir folgendes auf: Im Klinikbericht stand unter Befund (Untersuchung in der Klinik vor der OP, durchgeführt vom assestierenden OP-Arzt): Prostata 30 g,nicht carcionomsuspekt.
Im Operationsbericht stand unter "Befund": Relativ große Prostata (mandarinengroß). Unter "Operation": Aszendierende retrobische radikale Prostatovesikulektomie (114 g).
Frage: Ist eine Prostata von 30 g eine "relativ große" Prostata?
Günter antwortete am selben Tag:
eine 30 Gramm Prostatadrüse wird als leicht vergrößerte Prostata gewertet. Bis zum ca. 40. Lebensjahr wiegt die Prostata 10-20 Gramm. Der recht große Unterschied der Größenangabe Deiner Prostata, jeweils vor und nach Op., ist allerdings für mich, als Laien, nicht verständlich.
Und Urologe fs schrieb einen Tag später:
zur Klärung einiger Ungereimtheiten bei urologischer Größenangabe der Prostata:
Dennoch eine Diskrepanz von 30 zu 114 Gramm ist eigentlich nicht möglich – einer war schlicht falsch!