Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Diagnose einer Prostatitis

[Auch im Forum zum Prostatakrebs wird gelegentlich das Thema Prostataentzündung (Prostatitis) diskutiert, weshalb vorliegend auch hierzu eine Seite angelegt wurde.
Bei einem erhöhten PSA-Wert ist zunächst unklar, woher die Erhöhung rührt – das PSA ist bekanntlich kein Krebs-, sondern ein Organmarker; es zeigt lediglich an, dass mit der Prostata etwas nicht in Ordnung ist. Wenn es außer dem erhöhten PSA-Wert kein weiteres Indiz für einen Prostatakrebs gibt, wird der Arzt zunächst eine Prostatitis (Prostataentzündung) ausschließen.
Eine Prostatitis ist in nur etwa zehn Prozent der Fälle bakteriell verursacht, das Gros von etwa 90 Prozent betrifft die nicht von Bakterien hervorgerufene und schwerer zu behandelnde abakterielle Prostatitis. Die Therapie der Wahl bei einer bakteriellen Prostatitis ist eine Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum, eine "Antibiose". Für das Behandeln einer abakteriellen Prostatitis ist dem Editor nur ein Präparat bekannt, das nicht verschreibungspflichtige Pollstimol® (früher: Cernilton®).
Ed]

Heribert berichtete am 17.8.2012 über eine lange zurückliegende lehrbuchmäßig verlaufene Prostatitis-Diagnostik und -Therapie:
Eine simple, akute Prostatitis kann ein Vorreiter eines späteren Prostatakarzinoms werden, wenn sie nicht ausreichend und konsequent behandelt wird. So wird zumindest vermutet.
Als etwa 25-Jähriger litt ich an einer akuten Prostatitis, der aber damals, wie mir scheint, ein viel größeres Augenmerk zugedacht wurde, als ich das hier immer wieder lese. Deshalb möchte ich hier mal das Verfahren beschreiben, was zur Diagnosesicherung, Therapie und Nachsorge bei mir durchgeführt wurde.
Erst danach wurde die Prozedur abgeschlossen.
Meine praktischen medizinischen Erfahrungen liegen zwar schon 18 Jahre zurück, den Ablauf, mal abgesehen von den Depot-Testosteron-Spritzen, kenne ich nicht anders.
War man damals übervorsichtig mit solchen Erkrankungen, oder findet man solche Vorgehensweisen auch heute noch? [eine gute Frage! – Ed]
Winfried, ein Internist im Ruhestand, schrieb am 18.8.2012 dazu und aus seiner Berufserfahrung:
Ich denke, hier wird mit der Prostatitis ein wichtiges Thema erörtert. Besonders der junge Patient wird angesprochen, bei dem nach Erfahrung und Statistik der Prostatakrebs nicht an erster Stelle der "Diffentialdiagnostik" steht, und den man natürlich vor der Überdiagnostik, sprich Biopsie, bewahren muss. Beim älteren Patienten steht zurecht der Gedanke einer bösartigen Erkrankung im Vordergrund.
Vielen Dank, lieber Heribert für deine perfekte Schilderung. Ich selbst habe die Vier-Gläser-Probe als Klinikarzt durchgeführt, in der eigenen Praxis bin ich ihr niemals mehr begegnet. Habe aber meinen jüngsten Prostatakrebspatienten mit 29 Jahren diagnostiziert.
Zitat Heribert: –
Eine simple, akute Prostatitis, kann ein Vorreiter eines späteren Prostatakarzinoms werden, wenn sie nicht ausreichend und konsequent behandelt wird. So wird zumindest vermutet.
Als etwa 25-jähriger litt ich an einer akuten Prostatitis,
Mittels 4-Gläser-Probe und Antibiogramm wurde die Diagnose gesichert.
Meine praktischen medizinischen Erfahrungen liegen zwar schon 18 Jahre zurück, den Ablauf, mal abgesehen von den Depottestosteron-Spritzen, kenne ich nicht anders.
War man damals übervorsichtig mit solchen Erkrankungen, oder findet man solche Vorgehensweisen auch heute noch?
Zitatende –
Aus der Sicht des Hausarztes - welcher 25-jährige Mann geht gleich zum Urologen ? - habe ich einige Informationen zusammengestellt.
"Die akute Prostatitis geht mit hohem Fieber und Schüttelfrost einher. Dysurie, Pollakisurie, Nykturie, Schmerzen im Damm, Gesäß und Rektum sind die Regel.
Die Prostata ist schmerzhaft vergrößert und prall-elastisch. Die häufigsten Erreger sind E.coli und andere Enterobacteriaceen sowie Enterokokken. Sie können in den meisten Fällen im Urin nachgewiesen werden.
Die chronische Prostatitis verursacht meist unspezifische Beschwerden ohne Fieber. Zur differentialdiagnostischen Abrenzung gegenüber der Prostatodynie sind sorgfältige mikrobiologische Untersuchungen (Vier-Gläser-Probe) notwendig."
Zitiert aus Differentialdiagnose innerer Krankheiten, Herausgeber Walter Siegenthaler, Stuttgart 2000.
"Die Prostatodynie ist ein nicht entzündliches abakterielles chronisches Schmerzsyndrom des Beckens und zählt zu den psychosomatischen Erkrankungen. Es ist eine Erkrankung des Mannes.
Als psychosomatisches Krankheitsbild entsteht die Prostatodynie auf dem Boden einer Vielzahl von Faktoren. Eine differenzierte Ursache ist bis jetzt jedoch noch nicht eruierbar.
Zu den prädisponierenden Faktoren, also zu den Faktoren, welche eine Prostatodynie begünstigen zählen unter anderem Verletzungen und Traumata im Bereich des Damms und im Analbereich. Neben abgeklungenen und ausgeheilten Verletzungen zum Beispiel nach Beckenringfrakturen oder nach Stürzen auf Eisenstangen wie man sie zum Beispiel an Sportgeräten und Kinderklettergerüsten finden kann, können auch anhaltenden bzw. immer wiederkehrende stumpfe Traumata prädisponierend sein. Hierzu zählen zum Beispiel wiederholte Belastungen des Damm- und Analbereiches durch Radfahren oder Reiten. Auch Alkoholmissbrauch kann eine Prostatodynie begünstigen. Als weitere begünstigende Faktoren zählen sexuelle Vorlieben, sehr häufiger Geschlechtsverkehr oder sexueller Missbrauch, welcher auch in nicht geringer Zahl bei Jungen und Männern
auftritt."
Zitiert aus DocCheck(R) Flexikon: –
Samba500 schrieb am 19.9.2011:
Bei den weiteren Untersuchungen (Blut-Urin-Sperma) konnten keine Hinweise auf eine Entzündung gefunden werden. Mein Urologe geht erstmal weiter von einer Prostatitis aus. Der PSA soll in vier Wochen nochmals kontrolliert werden. Ich bin schon überrascht, dass der PSA-Rückgang nicht mit Antibiotikum, sondern mit dem planzlichen Medikament Pollstimol erreicht werden konnte.
Zitatende –
Nach Thomas Mann ist die Sehnsucht ein Erzeugnis mangelhafter Erkenntnis. So wird mancher sich nach der Wahrheit sehnender Patient bitter enttäuscht, wenn der Arzt sich mit einer probaten Diagnose zufrieden gibt, "das wird halt so sein".
Andererseits ist manche Heilung gerade nicht durch das eingenommene Medikament verursacht . Die Medizin ist keine Wissenschaft im mathematisch-naturwissenschaftlichen Kontext. So gibt es immer ein großes Fragezeichen hinter einer "...dynie".
Also bleibt das Vorgehen nach den Regeln der ärztlichen Kunst
1. Anamnese
2. Untersuchung, eben auch mittels "Fingerei" - welcher junge Arzt bekommt es noch gezeigt?
3. Labor: Urin (Bakteriologie!), Blutsenkung, Blutbild (Leucocyten), CrP, PSA (hier kurativ), ggfs. Vier-Gläser-Probe
4. Sonographie Prostata, Blase, Niere: Form, Größe, Struktur (Abszess?)
5. Geduld
6. Entzündungshemmende Schmerzmittel (Diclofenac, Ibuprofen) – Entzündung bedeutet nicht den automatischen Einsatz von Antibiotica! Eventuell aber in Form der kalkulierten Antibiose.
Am 20.8.2012 ergänzte Winfried:
Unter dem Stichwort der Prostatitis hat Heribert am 17.8.12 dankenswerterweise auf die Pathogenese [Entstehung einer Krankheit – Ed] des Prostatakarzinoms hingewiesen. Für die Beratung erscheint mir der mögliche Zusammenhang zwischen der oftmals als eher harmlos erachteten Prostatitis und dem Prostatakarzinom bedeutend zu sein.
In der S3-Leitlinie AWMF-Register-Nummer (043-0220L) Version 2.0 -1. Aktualisierung 2011 wird auf Seite 22 Folgendes ausgeführt .
Lokale entzündliche Prozesse
In der zurzeit gängigen Theorie der Pathogenese des Prostatakarzinoms wird eine nichtandrogen-sensitive von einer androgen-sensitiven Phase bei der Entstehung unterschieden. In der ersten, nichtandrogen-sensitiven Phase werden bestimmte Mutationen sowie O2-Radikale und Karzinogene [krebsauslösende Stoffe – Ed] für die Entstehung einer proliferativen inflammatorischen Atrophie [fortschreitender entzündlicher Schwund, Schrumpfen, Rückbildung eines Organs – Ed] verantwortlich gemacht. Ein wesentlicher Faktor hierbei sind chronische Entzündungsreaktionen. Zusätzliche epigenetische Inaktivierungen von bestimmten Genen führen dann zu einer prostatischen intraepithelialen Neoplasie. Ab diesem Schritt wird die Entwicklung des Prostatakarzinoms als androgen-sensitiv bezeichnet [17]. Diese Theorie stützt die Hypothese, nach der sexuell übertragbare Erkrankungen und das Krankheitsbild einer Prostatitis mit dem erhöhten Risiko der Prostatakarzinomentstehung ursächlich verknüpft sind. Wenn bei einem Gesunden das Risiko für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms als 1 angenommen wird, beträgt das Quotenverhältnis für jegliche Geschlechtskrankheit im Hinblick auf die Assoziation mit einem Prostatakarzinom 1,48 und bei Vorliegen einer Prostatitis 1,6 [18; 19].“