Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – PET/CT

[Beim PET/CT werden mit zwei unterschiedlichen Verfahren unmittelbar nacheinander Darstellungen derselben Körperregionen gewonnen und die so gewonnenen Bilder übereinandergelegt ("fusioniert"). Während die Computertomographie (CT) die Organe sehr deutlich darstellt, aber kaum zwischen gutartigem und bösartigen Gewebe unterscheiden kann, zeigt die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) an, wo – nämlich in bösartigem Gewebe – sich das Kontrastmittel ("Tracer") vermehrt angelagert hat. Das Ergebnis ist eine Darstellung der Organe mit genauerer Angabe darüber, wo bösartiges Gewebe vorliegt:


CT allein (links) und Fusion CT + PET (rechts)
Als Tracer kommen im wesentlichen die Isotope C11, N13, O15 und F18 Glukose in Betracht. Beim Prostatakrebs besteht das Problem, dass manche dieser Tracer sich auch im Urin wiederfinden und die Blase dann bei der Bildgebung die etwaige Anreicherung in der Prostata überstrahlt.
Bei niedrigen PSA-Werten von unter etwa 2 ng/ml nach lokaler Behandlung (Prostatektomie oder Bestrahlung) kann auch die PET/CT nichts finden. Die diagnostische Empfindlichkeit und die Sicherheit der Cholin PET/CT in der Rezidivdiagnostik hängen von mehreren Faktoren ab:
Neben der absoluten Höhe des PSA-Wertes sind die PSA-Verdopplungszeit/Anstiegsgeschwindigkeit, aber auch das Tumorstadium zum OP-Zeitpunkt und der Gleason Score Indikatoren für die "biologische Aggressivität" des Tumors und damit auch für seine Nachweiswahrscheinlichkeit mit der PET/CT. Bei eher aggressiven, schnell wachsenden Tumoren hat man auch bei PSA-Werten von ca. 2 ng/ml eine gute Chance, ein Rezidiv aufzuspüren.
Durch Verwenden anderer Kontrastmittel – die Entwicklung des Verfahrens ist noch im Fluss – lässt sich in Zukunft die Aussagekraft möglicherweise noch verbessern. – Ed]

Uwe schrieb am 14.7.2003:
für mich sollte vor einer Therapie-Entscheidung eine fundierte Diagnostik gemacht werden, nicht nur PSA und Biopsie positiv, sondern auch eine Zweitbefundung der Gewebeprobe und/oder ein MRTS und/oder ein PET (Positronen-Emissions-Tomographie) mit C11-Cholin. Die Radiologen und/oder Nuklear-Mediziner ersinnen immer bessere Methoden, um nicht nur verdächtiges Gewebe, sondern vielleicht bald Krebs-Gewebe zu entdecken, wie Prof. Vogl [in der Uniklinik in Frankfurt/Main – Ed] mit seinen Spektographie-Versuchen. Meine neueste Seite handelt von der Cholin-PET/CT-Untersuchung, die in Ulm gemacht wird. Siehe:
http://www.prostatakrebse.de/themen/0066.htm. PET wird von den GKVs nicht bezahlt.
Dazu schrieb Julius am 16.7.2003:
Zu deinem interessanten Beitrag über Cholin-PET/CT passt glaube ich sehr gut ein hoch informativer Bericht von Herrn Dr. (med.) Blumstein (Nuklearabteilung der Universitätsklinik Ulm) selbst, den ich von ihm vor kurzem erhalten habe.
Ich stelle ihn hier gern zur Verfügung, weil er in sehr guter allgemeinverständlicher Sprache die ja oft schwierigen wissenschaftlichen Zusammenhänge erklärt.
Dazu kommen auch konkrete Hinweise für Patienten, die eine solche Untersuchung an sich vornehmen lassen wollen.
Hier der genaue Text des Berichtes:
"Prostatakarzinom
Die Cholin- PET/CT-Untersuchung ist sinnvoll
I. bei Patienten mit Verdacht auf Prostatakarzinom
- Ausschuss/Nachweis eines Prostatakarzinoms (PC) bei erhöhtem PSA-Spiegel
- bei stanzbioptisch negativem Ergebnis und weiter bestehendem Verdacht auf ein PC
II. bei Patienten mit gesichertem Prostatakarzinom
- bei stanzbioptisch gesichertem Prostatakarzinom mit der Frage des therapeutischen Vorgehens (OP?, Bestrahlung?, Hormontherapie?)
- im Primärstaging bei erhöhtem PSA-Spiegel
  a) zum Ausschluss/Beweis von Lymphknoten-Metastasen im Becken oder oberhalb des Beckens
  b) zum Ausschluss/Beweis von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Organen
  c) als Hinweis für das Vorhandensein von Knochenmetastasen.
III. bei Patienten nach einer Prostata-Operation.
- vor der Therapieentscheidung: Strahlentherapie nach der Operation: ja oder nein ?
- vor der Therapieentscheidung: keine Strahlentherapie, Hormontherapie: ja oder nein ?
- vor der Therapieentscheidung: benötige ich überhaupt noch eine Therapie oder reichen Kontrolluntersuchungen aus ?
IV. bei Patienten nach einer Lymphknoten-Operation
- Therapieentscheidungsfrage: Operation oder Bestrahlung der Prostata, ja oder nein?
- Therapieentscheidungsfrage: benötige ich überhaupt noch eine Therapie oder reichen Kontrolluntersuchungen aus?
V. bei Patienten in der Nachsorge und erhöhtem PSA-Spiegel
- ohne bisherige Therapie
- nach perkutaner Strahlentherapie oder interstitieller Brachytherapie
- mit/ohne Hormontherapie
- mit/ohne Chemotherapie
Allgemeines
Das Prostatakarzinom ist der sechst häufigste bösartige Tumor in der Welt, der dritthäufigste Tumor bei Männern weltweit und die häufigste Tumorentität in Europa, Nordamerika und in einzelnen Teilen Afrikas. Es wird geschätzt, dass es im Jahre 2010 die häufigste Todesursache sein wird.
Mehr als 50 % der Fälle betreffen Patienten über 70 Jahre, die Inzidenz steigt allmählich ab dem 50. Lebensjahr an. 85 % der Patienten über dem 65. Lebensjahr leiden unter dem Prostatakarzinom. In Deutschland liegt die Inzidenz bei 50/100.000, in der Altersgruppe zwischen 75-85 Jahre beträgt mehr als 400/100.000.
Die Metastasierung erfolgt lymphogen in die regionalen Lymphknoten und hämatogen in die Organsysteme Skelett, Lunge und Leber. Die Behandlung erfolgt stadienabhängig mit radikaler Prostatektomie oder interstitieller Bestrahlung (Brachytherapie) oder Operation und/oder konformer perkutaner dreidimensionalen Bestrahlung und/oder Systemtherapie (antihormonelle Therapie, Zytostatika).
Leider zeigt weltweit die Erfahrung, dass die klinische Diagnose des Prostatakarzinoms nach wie vor unzuverlässig ist und die Krankheit oft erst spät erkannt wird: So liegt zum Zeitpunkt der Diagnose in rund 30 Prozent der Fälle bereits eine Metastasierung vor.
Die digital rektale Untersuchung hat nur eine Nachweissicherheit von 6,3 - 50 %, durch eine zusätzliche transrektale Ultraschalluntersuchung kann dieser Wert um den Faktor 1,3 – 2,0 erhöht werden. Der PSA-Wert im Serum als alleinige Untersuchung mit dem früher verfochtenen Normwert von 4.0 µg/ml gilt heute als zu wenig aussagekräftig; deswegen finden altersspezifische Normalbereiche (Oesterling E. et al.: J Urol 1995; 154: 1090) in der klinischen Routine eher Verwendung. Neue laborchemische Testmethoden wie die PSM (Membran-Antigen-Test) und der RT-PCR (Reverse Transcriptase Polymerase Chain Reaction) scheinen brauchbar für die Früherkennung zu sein, können aber derzeit nicht in der klinischen Routine eingesetzt werden.
Besonders kritische Fragen werden immer wieder in Bezug auf die Notwendigkeit und Sicherheit der Stanzbiopsie gestellt:
1. Schließt ein negatives Biopsieresultat ein Prostatakarzinom aus ?
2. Kann durch die Biopsie der lokalisierte Krebs der Prostata verstreut werden ?
3. Gibt es Alternativen zur Stanzbiopsie für die Diagnosesicherung ?
Die Stanzbiopsie der Prostata wird nach den Kriterien der deutschen Gesellschaft für Urologie auch weiterhin empfohlen, wenn ein pathologischer Tastbefund bei der DRU (digital rektalen Untersuchung) oder ein signifikant erhöhter PSA-Wert entdeckt wurde,- trotz der Tatsache, dass bereits 1991 auf die Gefahr der metastatischen Aussiedlung durch die Nadelbiopsie hingewiesen wurde (Bastacky et al; J Urol 1991; 145:1003; Polascik et al.; J Urol 1999; 162:749).
Für die Therapiewahl ist die Praxis neben Alter und Allgemeinzustand vor allem das klinische Erkrankungsstadium unter Einschluss der DRU, PSA-Wert und der sechs systematischen Stanzen (Sextantenbiopsie) hilfreich. Statistische Aussagen über das Ausmaß des Kapseldurchbruchs, des periprostatischen Befalls, der Lymphknoten-Metastasierung geben die Tabellen von Partin und Mitarbeiter (Partin et al.; J Urol. 1993; 150:110-114) hinlänglich Auskunft.
Um Prostatapatienten, entsprechend ihres Krankheitsstadiums, eine schnelle, effektive und optimale Therapie zukommen zu lassen, ist es wichtig, möglichst frühzeitig die Krebszellen in der Prostata, in den Lymphknoten oder in den Knochen zu entdecken.
Somit kommt einer ganzheitlich erweiterte Diagnostik, wie die der Cholin-PET/CT-Untersuchung, eine große Bedeutung zu.
Was ist eine PET/CT-Untersuchung
Dieses Kombinationsgerät stellt derzeit die modernste Generation diagnostischer Großgeräte zur funktionellen hochauflösenden anatomischen und biochemischen Bildgebung des gesamten Körpers dar. Durch diesen neuesten Ansatz der funktionellen Bildgebung können z.B. anatomisch kleinste Manifestationen bösartiger Tumore nachgewiesen werden (mittels der Positronen-Emissions-Tomographie, PET) und anatomisch korrekt und präzise lokalisiert werden (mittels der Mehrzeilen-Spiral-Computertomographie). Als besonderen Vorteil der PET/CT-Untersuchung bei Patienten mit Prostatakarzinom ist die routinemäßige Untersuchung des gesamten Körpers in einem Untersuchungsvorgang, die Vermeidung von Doppel-und Mehrfachuntersuchungen sowie die Reduzierung des Zeitaufwands des diagnostischen Ablaufes auf ca. 30 Minuten Untersuchungs- und ca. 60 Minuten Befundungs-/Auswertezeit zu sehen.
Warum wird als Marker (Tracer) Cholin verwendet, was ist Cholin ?
Cholin ist eine auch eine Vorstufe der Zellmembranphospholipide.
Cholin wird im gesamten Darm aufgenommen (resorbiert) und gelangt dann selbständig oder mit Hilfe von Trägerstoffen (z. B. Lecithin) ins Blut und zur Leber. Aus Eiweißbausteinen, die in pflanzlicher Kost nur geringfügig vorkommen, wird es auch vom Stoffwechsel selbst hergestellt. So leiden strenge Vegetarier, die auf Eier, Milch und Milchprodukte verzichten, möglicherweise an Cholinmangel, insbesondere dann, wenn Sie unter Stress stehen.
Man geht von einem Verbrauch bis zu 4 Gramm Cholin pro Tag aus, bei erhöhtem Stress bis zu 6 Gramm, wobei etwa ein Fünftel oder ein Viertel durch die Nahrungsaufnahme beigesteuert wird.
Die Aufnahme von Cholin in den menschlichen Körper wird beeinträchtigt durch die Aufnahme von Zucker, Alkohol, Tee, erleichtert durch die Einnahme von Folsäure, Inositol, B12,Vitamin-B12-Komplex. Cholin kommt auch in Bierhefe, Eigelb und Weizenkeimen vor.
Bei vielen Karzinomen stellt die Glukoseaufnahme ein Maß für die Malignität dar. Dies ist jedoch bei den meisten Prostatakarzinomen sehr niedrig und deswegen wenig hilfreich. Hingegen ist aus kernspinspektroskopischen Untersuchungen bekannt, dass die Konzentration von Cholin in den Prostatakarzinomzellen, die im Vergleich zu Normalzellen deutlich gesteigert ist. Deshalb kann das Prostatakarzinom mit bildgebender Diagnostik unter Zuhilfenahme der C-11-Cholin-PET/CT-Untersuchung gut dargestellt werden.
In dem letzten Jahren wurde in verschiedenen Tumoren ein hoher Gehalt an Phosphorylcholin gefunden, der in gesunden Gewebe meist unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Vor kurzem ist durch das Verfahren der 31P-Magnetischen Resonanz Spektroskopie entdeckt worden, dass in vielen Tumoren und auch im Prostatakarzinom eine erhöhte Aufnahme von Cholin in den Zellen stattfindet, um so die erhöhte Synthese der Phosphatidylcholin, ein wichtiges Zellmembran-Phospholipid sicherzustellen. Zusätzlich ist die Gesamtkonzentration von Cholin (Cho) und Kreatin (Cr) erhöht. Studien an Patienten haben diese Ergebnisse bestätigt und es konnte gezeigt werden, dass ein 3-fach erhöhtes (CH0+Cr)/Cit-Verhältnis als sicherer Indikator für das Vorliegen eines tumorösen Gewebes gewertet werden kann.
Ebenso kann mit radioaktiv markiertem Cholin (Kohlenstoff-11, Halbwertszeit 20 Minuten, reiner Positronenstrahler) anhand der C-11-Cholinspeicherung im Prostatakarzinom der Primärtumor nachgewiesen und anatomisch präzise lokalisiert werden. Somit kann mittels PET/CT der gesamte Körper in weniger als 30 Minuten mit C-11 Cholin untersucht werden; Diese Untersuchung ist zugleich auch sehr gut zur Stadieneinteilung und zur Suche von Tochtergeschwülsten (Metastasen) geeignet.
Um die logistischen Nachteile der kurzen Halbwertszeit von C-11 (20 Minuten) zu vermeiden, hat die Ulmer Arbeitsgruppe seit Juni 2003 F-18-Fluorethylcholin entwickelt. Erste vergleichende Untersuchungen von F-18-Fluorethylcholin und C-11 Cholin zeigen eine sehr ähnliche Bioverteilung beider Radiopharmaka und vergleichbare diagnostische Aussagekraft.
Patientenvorbereitung, Untersuchungsvorgang und Befunderhebung
Voraussetzungen:
Nüchtern in den letzten 12 Stunden vor Untersuchungsbeginn
Zeitspanne zwischen Stanze (wenn durchgeführt) und PET/CT: >5 Wochen
Bitte bringen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Befunde mit: Diese könnten sein: PSA-Wert im Blut (auch Verlaufsuntersuchungen), Laborbefunde, Ergebnis der Ultraschalluntersuchungen des Körpers und/oder Ergebnisse der rektalen Ultraschalluntersuchung, CT oder MR-Befund, Ganzkörperskelettszintigraphie, urologischer Fachbefund.
Nach einem Einführungsgespräch wird über einen venösen peripheren Zugang (Infusionsnadel) die radioaktive Substanz in eine Armvene appliziert. Nach einer kurzen Wartezeit wird sodann die PET/CT-Untersuchung durchgeführt. Die CT-Untersuchung mit nicht-ionischem Kontrastmittel, das über die Injektionsnadel in Ihren Körper fließt, um alle Organe, Venen, Arterien und Lymphknoten darzustellen. Sie bleiben auf dem Untersuchungstisch liegen und anschließend wird die PET-Untersuchung durchgeführt (Dauer: ca. 40 Minuten). Nach dieser Zeit wird Ihre Untersuchung von einem Hochleistungsrechner ausgewertet und ärztlich befundet.
Nebenwirkungen und Risiken: Mögliche Komplikationen betreffen die venöse Punktion (Hämatombildung). Allergische Reaktionen oder pharmakologische Wirkungen sind von dem radioaktiven Arzneimittel Cholin nicht zu erwarten und werden bisher auch nicht beobachtet, da es sich um eine dem körpereigenen Cholin sehr ähnlichen Substanz handelt und außerdem nur Spurenmengen (im Bereich von Picogramm) als minimaler Bruchteil der normalen Cholinkonzentration (20 mg -100 mg) im Blut appliziert werden.
Es werden ca. 1000 MBq C-11 Cholin oder 370 MBq 18F-Fluorethylcholin appliziert, um den gesamten Körper in ausreichender Qualität zu untersuchen.
Die Strahlenexposition entspricht einer effektiven Äquivalentdosis von 7 mSv. Die PET/CT-Untersuchung als solche geht mit einer Strahlenexposition von 23,5 mSv einher. Dieser Wert ermittelt sich aus der ansonsten in der Routine-Diagnostik durchgeführten CT-Ganzkörper-Untersuchung, wobei sich der Untersuchungsabschnitt vom Hals bis einschließlich in die Leistenregion erstreckt.
Die CT-Untersuchung erfolgt im Rahmen der Routinediagnostik. Die technischen Untersuchungsparameter (140 kV, 160 mAS, 4-Zeilen-Spiral-CT) entsprechen der medizinischen Standarduntersuchung, in der auch routinemäßig die Gabe eines nicht-ionischen Kontrastmittels im Rahmen der CT-Untersuchung mittels computergesteuerter, adaptierter Bolustechnik vorgesehen ist."
Werner lieferte am selben Tag die folgende Zusatzinformation:
Neben der Uniklinik Ulm gibt es eine weitere Adresse im süddeutschen Raum, wo die Cholin-Pet gemacht wird. Für Interessenten:
Dr. med Bernhard Hoerr, Zehntgasse 1
73207 Plochingen,Tel.: 07153 82130.
Die Praxis ist auch über Email (praxis@hoerr-pet.de) erreichbar.

Winni schrieb am 10.9.2003:
für alle, die sich für die Kosten einer Untersuchung mittels eines C-11-Cholin-PET/CT interessieren: 2100,- Euro für Selbstzahler.

Am 22.6.2004 schrieb Winni:
ich habe mir mal wieder die Internetseiten www.nucmed-ulm.de angesehen. Die Seiten sind überarbeitet worden. Von C11-Cholin als Tracer einer PET in Verbindung mit einer PCa-Untersuchung ist dort nicht mehr die Rede!!
[Wichtig erscheint mir auf der neuen Seite der Satz "Der Stellenwert der PET bei weiteren häufigen Krebsarten wie z. B. Brustkrebs oder auch Prostata-Krebs wird derzeit durch ein interdisziplinäres Gutachtergremium geprüft." – Ed]
[Unter der angegebenen URL tut sich derzeit (Dez. 2004) eine Seite von Nokia mit Informationen über Handys auf. Nokia hat nun mit Nuklearmedizin in Ulm herzlich wenig zu tun. Ich werde die weitere Entwicklung beobachten und den vorstehenden Link ggf. löschen. – Ed]

Horst MUC sandte am 21.10.2004 den folgenden Berich:
Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, 21.10.2004
PET/CT: Neue DGN-Patientenbroschüre / Einweihung der PET/CT an der MH Hannover
Die neue Patientenbroschüre zur PET/CT der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) e.V. ist ab sofort erhältlich. Das achte PET/CT-Gerät in Deutschland wird am 29. Oktober 2004 an der Medizinischen Hochschule Hannover eingeweiht.
Eine sichere Diagnostik ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Ein klarer Befund gibt sowohl Ärzten als auch Patienten Sicherheit bei der Planung der weiteren Behandlungsschritte. Die PET/CT, eine Kombination der Positronen Emissions Tomographie (PET) mit der Computertomographie (CT), bietet neue Möglichkeiten für die bildgebende Diagnostik, beispielsweise bei Krebserkrankungen. Um Betroffene und Interessierte über die Funktionsweise sowie die diagnostischen Möglichkeiten der PET/CT zu informieren, hat die DGN eine Zusatzbroschüre zu ihrer bereits in dritter Auflage erschienenen PET-Broschüre (http://www.nuklearmedizin.de/pat_info/broschuren.php) erstellt. Verständlich und anschaulich wird darin erklärt, wie die PET/CT funktioniert - unterstützt von Uhu Leonardo. Die Broschüre steht auf der Homepage der DGN zum Download zur Verfügung (http://www.nuklearmedizin.de/pat_info/broschuren.php). Sie kann außerdem bei unten stehender Adresse angefordert werden (bis zu drei Exemplaren kostenlos).
Die PET/CT ist ein neues Verfahren und wird erst an wenigen nuklearmedizinischen Institutionen in Deutschland durchgeführt. Das nunmehr achte Gerät wird am 29. Oktober 2004 an der Medizinischen Hochschule Hannover mit einem Symposium zum Thema "Multimodale Bildgebung – Chancen für schonende Heilverfahren" eingeweiht. Veranstalter ist Prof. Dr. Wolfram H. Knapp, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin der MH Hannover und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Die herausragende Bedeutung kombinierter, multimodaler bildgebender Verfahren, die in der Lage sind, Körperstrukturen und -funktionen in ihrer Beziehung zueinander darzustellen, wird aus Sicht verschiedener Disziplinen dargestellt. Weitere Informationen zum Symposium finden Sie im Veranstaltungskalender der DGN unter http://www.nuklearmedizin.de/aktuelles/event/veranstaltungen.php.
Die PET/CT ist eine Weiterentwicklung der seit Jahren erfolgreich eingesetzten PET. Ihre Vorteile lassen sich am Beispiel der Krebsdiagnostik anschaulich erläutern: Die PET macht Krebszellen sichtbar, indem sie sich den stark erhöhten Stoffwechsel dieser entarteten Zellen zunutze macht. In ihnen reichern sich spezifische, radioaktiv markierte Moleküle an. In der PET-Aufnahme werden diese Zellbereiche als leuchtend helle Flecken dargestellt, die sich deutlich gegen die dunkleren Bereiche mit normalem Stoffwechsel abheben. Morphologische Strukturen jedoch werden von der PET kaum abgebildet, so dass auffällige Zellbereiche schlecht lokalisierbar sein können. Deshalb wird bei der PET/CT in einer einzigen Untersuchung quasi gleichzeitig eine CT-Aufnahme erstellt, die morphologische Strukturen des Körpers exakt darstellt. Die PET- und die CT-Aufnahme werden dann so miteinander kombiniert, dass die PET-Aufnahme mit der CT-Körper-"Landkarte" hinterlegt ist und so eine exakte Zuordnung des auffälligen Bereichs möglich ist. In vielen Fällen können unklare Befunde durch die PET/CT abgeklärt werden. Die Kombination zweier Verfahren in einer Untersuchung ist nicht zuletzt deshalb von Vorteil, weil den Betroffenen eine weitere Untersuchung erspart bleibt. Die PET/CT – per se ein interdisziplinäres Verfahren (Nuklearmedizin, Radiologie) – ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr schwer kranke Patienten von einer guten Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte profitieren.
Zu dieser Mitteilung existieren Bilder im WWW. Siehe http://idw-online.de/public/zeige_bild?imgid=11825. Uhu Leonardo erklärt die PET/CT.
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.nuklearmedizin.de/pat_info/broschuren.php, http://www.nuklearmedizin.de/aktuelles/event/veranstaltungen.php.

M.S. hatte am 17.12.2004 gefragt, wo von Essen aus gesehen wohl die nächste PET-Diagnostik durchgeführt wird. Am 18.12.2004 konnte HWL ihm einen Hinweis geben:
Die zum Raum Essen nächstgelegene Cholin-PET-CT-Anlage steht in der Universität Münster, Urologische Abteilung. Nicht-privat-versicherte Patienten müssen einen Tag stationär im Hause bleiben, sonst muss der Patient selbst zahlen. Es ist eine stationäre Einweisung vom Hausarzt erforderlich.
Sofern der Grund für die Untersuchung und die Terminwünsche angegeben werden, kann ich gern über einen mir bekannten Oberarzt der Klinik organisatorisch helfen.
Und ein Gast gab am selben Tag den folgenden Tipp:
ein PET/CT gibt es auch in Stuttgart im Katharinenhospital. Kontrastmittel sind dort Cholin-C11 oder auch Fluor 18.
Die Telefon Nr. des PET Centers Stuttgart:
0711/278-4300 oder 0711/278-4360,
Fax.Nr.: 0711/278-4309 oder 0711/278-4369.Otto fragte am 8.6.2005:
PET/CT schafft Klarheit und ist nebenbei eine der beschwerdefreiesten Untersuchungsmethode, so ein namhafter Spezialist in einem seiner Aufsätze.
Meine Frage in diesem Zusammenhang ist: Muss/sollte einer PET/CT stets eine Biopsie vorhergehen? Wer hat Erfahrung mit einer PET/CT-Untersuchung?
Urologe fs antwortete postwendend:
PET/CT ist, richtig eingesetzt, sicher eine sinnvolle diagnostische Massnahme, aber mit 700-1200 € auch eine der teuersten (eine Biopsie "kostet" die Krankenkasse 17,38 €).
Eine großflächige Anwendung derart teuerer Untersuchungen ist nicht bezahlbar, und es ist auch nicht sinnvoll, das Pferd am Schwanze aufzuzäumen. Deswegen sollte die Untersuchung speziellen Fragestellungen vorbehalten bleiben.

Hans fragte am 3.4.2006:
bei PET-Untersuchungen wird als Trägersubstanz Cholin 11 verwendet. Jetzt habe ich erfahren, dass an unserer Klinik Cholin 18 eingesetzt wird. Wer hat Erkenntnisse darüber, ob die beiden Trägersubstanzen hinsichtlich der Aussagefähigkeit bei PCA-Erkrankungen gleichwertig sind?
Dieter V antwortete am selben Tag:
die Unterscheidung ist: C11-Cholin und F18-Cholin. Cholin ist der Trägerstoff, der mit den radioaktiven Teilchen C11 bzw. F18 beladen ist. Diese Masse wird in die Venen infudiert. Das Cholin wird von den Krebszellen verstärkt aufgenommen, so dass damit auch die radioaktiven Teilchen zu den Krebszellen geführt werden. Dadurch wird an den "Krebsstellen" auch eine lokal stärkere Strahlung bewirkt.
Beim PET wird diese Strahlung gescannt, d. h. aufgezeichnet, wenn der Sanner über den Körper wandert. Durch das PET kann man also die Krebsstellen erkennen (genau genommen Cholin-aktive Areale). Beim CT im gleichen Durchgang werden die Körperstrukturen aufgezeichnet. Wichtig ist, dass das CT im gleichen Durchgang aufgezeichnet wird, da man dann bei der Verbindung (Fusion) der Bilder eine geringere Abweichungen hat als bei getrennten Aufzeichnungen PET und CT. Durch die Zusammenführung der PET- und der CT-Bilder kann man dann recht gut sehen, wo die Krebsstellen liegen.
Kohlenstoff (C) hat normalerweise 12 Elektronen, bei C11 wurde ein Elektron weggeschossen, dadurch ist es radioaktiv. F18 steht für Fluor mit 18 Elektronen, ist auch radioaktiv.
Entscheidend ist beim Prostatakarzinom die Verwendung von Cholin als Trägerstoff, da andere Stoffe (FDG) sich auch stark in der Blase ansammeln und dadurch das Gebiet um die Prostata stark überstrahlen, so dass man in der Prostata nicht mehr viel sehen kann.
Ob man als radioaktive Stoffe nun C11 verwendet oder F18, dürfte m. E. nicht der wesentliche Unterschied sein.
Ich vermute, dass F18 eine längere Halbwertszeit hat gegenüber C11. C11 hat nach ca. 20 Minuten nur noch die halbe strahlungsstärke (Halbwertszeit 20 Min). Eine längere Halbwertszeit ist da eher positiv für das Verfahren.
Bisher hat man mit Cholin nur C11 verwenden können, ich vermute also, dass es sich beim F18-Cholin um eine Weiterentwicklung handelt.
Dazu schrieb Heinz Kurt am 5.4.2006:
Es ist richtig, dass mit F18 die logistischen Nachteile der kürzeren Halbwertzeit von C-11 vermieden werden, so dass auch die Untersuchungszeit ausgedehnt werden kann, wärend die diagnostische Aussagekraft vergleichbar ist. Ich hatte eine Untersuchung mit C11 machen lassen und die mir jetzt mit F-18 angebotene vorerst zurückgestellt, da ich z. Zt. nicht eine Stunde regungslos liegen könnte. Es gibt allerdings die Möglichkeit, Beruhigungs- und Schmerzmittel einzusetzen.

HarriS schrieb am 1.9.2006:
hier ein informativer LINK zum Thema Diagnostik via PET. Es kann eine ausreichend informative Broschüre herunter geladen werden:
http://www.nuklearmedizin.de/pat_info/broschuren.php

Knut schrieb am 2..9.2006 diesen Erfahrungsbericht zum PET/CT:
Pet-Cholin – Ein Erfahrungsbericht
Ich möchte über meine Erfahrung mit diesem relativ neuem Diagnostikverfahren berichten, und es gleich vorweg nehmen, dass diese in jeder Beziehung sehr positiv waren.
Um meine Begeisterung für PET-Cholin zu verstehen, muss ich meine Krankheitsvorgeschichte erläutern.
März 2004 hatte ich plötzlich Wasser in beiden Unterbeinen. Die Blutuntersuchung beim Hausarzt in Spanien (ich lebe in Spanien) ergab deutlich zu geringen Anteil rote Blutkörperchen, zu niedriger Eisen- und Eiweißspiegel. Nun begannen die Untersuchungen: Urin- und Stuhlprobe, US von Blase, Nieren und Prostata, CT vom Unterbauch dann weiter in Deutschland Überprüfung des Lymphsystems, Herz- und Leberkontrolle mit diversen Blutuntersuchungen. Alle Befunde waren negativ. Bei der Prostata hieß es jeweils vergrößert dem Alter entsprechend, aber Gewebe homogen, keine Auffälligkeiten.
Ende August 04 hatte ich wieder einmal ein intensives Gespräch mit meinem Hausarzt über mein Problem und dabei wurde auch noch einmal die Prostata angesprochen, und wir stellten fest, dass bei den vielen Blutuntersuchungen nie der PSA-Wert bestimmt wurde. Von früheren – vor 2000 – Routineuntersuchungen in Deutschland wusste ich, dass dieser immer zwischen 1,5 und 1,8 ng/ml lag.
Das Ergebnis im September 04 ergab einen PSA = 6,49. Der konsultierte deutsche Urologe in Spanien schlug dann zur Absicherung eine Stanzbiopsie vor, die im November 04 mit 10 Stanzen von ihm durchgeführt wurde. Der histopathologische Befund war negativ und somit für mich großes Aufatmen. Übrigens das Wasser in den Unterbeinen war auch verschwunden und ist bis heute nicht mehr aufgetreten.
Der nächste PSA in Mai 05 war 7,5 und in August 05 dann 8,4, so dass ich bei dem selben Urologen Ende August eine zweite Biopsie mit 12 Stanzen durchführen ließ, bei der ich mir dann noch eine schwere Sepsis einhandelte. Der pathologische Befund war wieder negativ mit dem Hinweis, dass eine schwere Prostatitis vorliegen würde.
Der nächste PSA vom Dezember 05 war 13,1. Der starke Anstieg wurde auch auf die Sepsis zurückgeführt, und ich nahm dann vier Wochen Antibiotikum. Der PSA war dann, am 10.1.06 gemessen, 10,3 und das freie PSA – zum ersten Mal gemessen – kleiner als 5 %, was natürlich schon sehr bedenklich war.
Mein Urologe in Spanien schlug Schälung der Prostata vor, um mehr Gewebe für die pathologische Untersuchung zu haben. In der Uniklinik Heidelberg wurde eine Sättigungsbiopsie vorgeschlagen mit 35–40 Stanzen unter Narkose, und ich vereinbarte einen Termin zur Durchführung. Mein Hausarzt in Spanien riet mir dann von der Sättigungsbiopsie dringend ab und meinte, dass nach so vielen Stanzen meine Prostata ein Schweizer Käse wäre und sicherlich erhebliche Probleme mit Vernarbungen, unter Umständen dann eine chronische Prostatitis auftreten könnten. Er schlug eine PET-Untersuchung vor und meinte, damit könnte man alles finden. Ich suchte mir dann im Internet die Adressen in Deutschland heraus, und meine Frau machte dann die telefonische Kontaktaufnahme und fand heraus, dass in meinem Fall wohl nur über ein PET-Cholin eine sichere Diagnose möglich wäre, und diese Anlage im süddeutschen Raum nur im Klinikum München Rechts der Isar und in der Universitätsklinik Ulm vorhanden wäre.
Am 26.4.06 hatte ich dann einen Untersuchungstermin in Ulm. Die PET-Cholin Anlage ist eine moderne offene Anlage mit einem etwas engeren zylindrischen Teil von etwa 50 cm Länge und öffnet sich dann nach beiden Seiten stark konisch, so dass keine Platzangst wegen Beengung aufkommt. Man liegt bequem auf einem Schlitten, der von der Anlage gesteuert hin- und herfährt, und die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten. Vorher bekommt man an der Hand eine Kanüle angelegt, um während der Untersuchung die Kontrastflüssigkeit einzuleiten bzw. vorher das radioaktive Cholin einzugeben, das sich dann vorrangig im Gewebe des Prostatakarzinoms anreichern soll.
Eine Stunde nach der Untersuchung erfolgte dann die Ergebnisbesprechung beim Professor. Anhand von DIN-A3-Farbausdrucken erläuterte er die Ergebnisse und zeigte, dass in der Prostata zwei Stellen mit Cholinanreicherung waren, die voraussichtlich Karzinome sind. Er meinte aber, dass wir uns nicht große Sorgen machen müssten, da dies heilbar wäre. Meine Frau und ich wollten schon etwas erleichtert aufstehen und uns verabschieden, da kam dann vom Professor, aber wir haben noch weitere Entdeckungen gemacht, die sehr bedenklich sind. Er zeigte dann auf weiteren Farbausdrucken einen großen Knoten im Bauchraum, in der rechten Armachsel und am Hals. Es wurde dann noch vormittags am Lymphknoten in der rechten Achsel eine Feinnadelbiopsie durchgeführt. Nachmittags erhielt ich telefonisch das Ergebnis mit Verdacht auf ein indolentes Lymphom. Der Arzt sagte aber, dass die Probe nicht ausreichend ist, um eine verbindliche Diagnose zu stellen, und schlug vor, am nächsten Tag eine Rückenmarkpunktion zu machen. Ich sagte zu und war dann erst einmal im Internet beschäftigt, mich über Lymphome und deren Konsequenzen zu informieren. Die Prostata war nun Nebenschauplatz geworden.
Am nächsten Morgen erfolgte die Punktion mit Flüssigkeit- und Knochenentnahme. Nachmittags erhielt ich dann telefonisch das Ergebnis: negativ - alles normal, wobei sich dies auf die Untersuchung der Flüssigkeit bezog, die im eigenen Abteilungslabor durchgeführt wurde. Das Material zur Knochenmarkhistologie wurde an die Pathologie gegeben, wobei man mir schon sagte, dass das Ergebnis voraussichtlich auch negativ sein wird, da, wenn in der Flüssigkeit nichts gefunden wird, erfahrungsgemäß auch im Knochenmark nichts vorliegt. So war es dann auch, und es wurde der 7.6.06 als Termin in der Chirurgie für die Lymphknotenentnahme rechts axillär vereinbart, um genügend Material für eine Diagnose zur Verfügung zu haben.
Da es sicherlich von Interesse ist, gebe ich nun nachstehend den Befundbericht des Universitätsklinikum Ulm Abteilung Nuklearmedizin im Originaltext wieder (Eine CD über alle PET-Aufnahmen habe ich auch erhalten):
"Wir berichten über die C-11-Cholin-PET/CT-Untersuchung, die wir bei Ihnen am 26.4.06 durchgeführt haben.
Klinische Angaben:
Erhöhte PSA-Werte, zuletzt 9,5 ng/ml im Vorfeld zweimal negative Stanze, zuletzt am 30.8.05 bei einem damaligen PSA-Wert von 13,5 ng/ml. Nach antibiotischer Therapie geringgradiger Abfall auf den zuletzt gemessenen Wert von 9,5 ng/ml. Cholin-PET/CT mit der Frage V.a. Prostatakarzinom.
Technik:
I. v. Applikation von 1051 MBq C-11-Cholin. Ca. 10 Minuten später statische Aufnahmen/Multi-Slice-Spiral-CT i.v. KM vom Hals bis zur Leiste mit dem GE PET/CT. Gemessene Transmission. Iterative Rekonstruktion.
Befund:
1. Intraprostatisch im mittleren Drittel rechts peripher bei 11 Uhr fokale Cholin-Anreicherung, weiter cranial links bei 1 bis 2 Uhr, ebenfalls in der Peripherie gelegene fokale Cholin-Mehrspeicherung. Die Samenblasen stellen sich unauffällig dar.
2. Kein Nachweis pathologisch vergrößerter oder pathologisch Cholin-anreichender pelviner L.K.
3. Mesenterial gelegener großer, intensiv Cholin-speichender LK (32 x 21 mm), axillär rechts ein weiterer (16 x 30 mm) sowie ein kleinerer LK (max. 15 mm), auch hier mit fokaler Cholinanreicherung. Hoch cervikal rechtsseitig retromandibulär zentral hypodenser, ebenfalls intensiv Cholin-mehrspeichernder LK, nicht ganz im Untersuchungsfeld gelegen (31 x 20 mm).
4. Im Knochenfenster kein Nachweis osteoblastischer oder osteolytischer Prozesse.
5. Im Lungenfenster in der Nähe des Interlobs rechts kleine Verdichtung (10 mm), drüber hinaus kein Nachweis intrapulmonaler Rundherde, Infiltrate und Ergüsse.
Zusammenfassende Beurteilung:
1. Befund vereinbar mit lokal begrenztem Prostata-Karzinom.
2. Pathologisch vergrößerte und pathologisch Cholin-anreichernde LK cervikal, rechts axillär sowie mesenterial. Eine noch am selben Tag durchgeführte Feinnadel-Aspirationszytologie in der Inneren Medizin III im Hause brachte den zytologischen V. a. indolentes malignes Non-Hodghin-Lymphom, z. B. follikuläres Lymphom Grad I."
Soweit der Bericht in seinem Medizin-Deutsch, aber ich meine, dass dieser am besten wiedergibt, welche Möglichkeiten dies Diagnoseverfahren bietet.
Nun noch kurz der weitere Verlauf:
Am 7.6.06 wurde der axilläre Knoten in der Universitätsklinik entnommen. Ich hatte aber meinen Nebenschauplatz Prostata nicht aus den Augen verloren und mir für den Einlieferungstag einen Termin in der Urologie geben lassen. Der Professor sagte mir gleich, dass bei meiner Daten/Befundlage ich mit einem Prostata-Karzinom rechnen muss, und es wurde dann gleich ein Stanztermin frühmorgens 7:15 Uhr – ich wurde terminlich eingeschoben – für den 8.6.06 festgelegt. Der ausführende Arzt hatte sich die PET-CD von der Abteilung Nuklearmedizin besorgt und führte über die Aufnahmen und Rektal-Sonografie dann gezielt die Stanzen durch, und zwar 11 x.
Der Befund war:
Prostatakarzinom im Stadium T2c GIIb N0 M0 Gleason Score 3 + 4 = 7
Ich habe dann noch eine Zweitmeinung bei Prof. Bonkhoff eingeholt, die mit Gleason Score 4 + 3 = 7 noch etwas ungünstiger ausfiel. Das Ergebnis der DNA-Analyse steht noch aus.
Als Therapie habe ich mich für eine DHB entschieden, und diese am 28.7.06 begonnen.
Der Befund vom Lymphknoten war negativ. Es konnte kein Nachweis auf ein malignes Lymphom gebracht werden, und es wurden auch keine Mikrometastasen vom Prostatakarzinom gefunden.
Zusammenfassung:
Bei erhöhten PSA-Werten und sonst keinen weiteren Auffälligkeiten an der Prostata kann mit dem PET-Cholin mit hoher Wahrscheinlichkeit von 80 % nachgewiesen werden, ob ein Prostatakarzinom vorliegt und gegebenenfalls schon weitere Bereiche betroffen sind. Mit dem Ergebnis ist dann eine gezielte Stanzbiopsie durchführbar mit dann voraussichtlich mehreren positiven Stanzen, die eine aussagefähige Diagnose erlauben.

Günter Feick schrieb am 17.12.2006 auf eine entsprechende Bemerkung:
Die Nachweisgrenze bei PET C-11 Cholin ist nicht der 2-mm-Bereich, sondern sie ist erreicht bei 5 mm. Gut zu merken ist die Faustregel, ab 5 ng/ml PSA und 5 mm Größe der Metastase zeigt PET-C-11-Cholin an.

Strahlentherapeut Daniel Schmidt schrieb am 28.12.2012 nach einer Diskussion über bildgebende Verfahren:
Die Cholin-PET-CT ist zwar eine elegante Methode zur Prostatakrebsdiagnostik, allerdings muss man auch ganz genau anschauen, für welche Fragestellungen diese bislang angewendet worden ist und deswegen auch genügend Daten existieren.
Als Primärdiagnostik bei Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms ist die Cholin-PET-CT durch Studien nicht belegt. Es gibt keine Studien, die zeigen, dass eine Cholin-PET-CT im Rahmen der Erstdiagnostik mehr Erkentnisse als die Standarduntersuchungen (Skelettszinti, CT/MRT-Becken) erbringt. Die Cholin-PET-CT ist zudem deutlich teurer.
Hinweise, dass eine Cholin-PET-CT wertvolle Informationen liefert und ggf. den therapeutischen Pfad beeinflussen kann, finden sich lediglich für die Situation, wenn die Untersuchung bei steigendem PSA nach Prostatektomie gemacht wird. Sie kann nämlich dann manchmal die in der MRT nicht erkennbare Lymphknotenmetastasen oder das Lokalrezidiv erkennen. Dafür gibt es auch nur bedingt Daten in kleinen Studien mit wenig hunderten Patienten. Ob man durch diese Erkenntnisse tatsächlich mehr Patienten das Leben gerettet hat oder unnötige Therapien vermieden hat, wisssen wir nicht. Daher wird die Cholin-PET-CT von den meisten Krankenkassen nicht übernommen. Der "Trick" einiger Kliniken die Untersuchung als "teilstationäre" Leistung abzurechnen ist daher entwickelt worden. Die Klinik kassiert einen abgeschwächten DRG-Satz und rechnet darüber die Untersuchung ab. Der Patient kriegt kein Bett, erscheint jedoch für einen Tag im Krankenhaus "stationär" zu sein und daher kann die Untersuchung bezahlt werden.
Wenn man möchte, dass die Cholin-PET-CT bezahlt wird, muss man eine Studie machen.
600 Patienten mit einem steigenden PSA nach Prostatektomie werden eingeschlossen. Die Hälfte kriegt Skelettszinti und MRT-Becken, die andere Hälfte eine Cholin-PET-CT. Dann kann man sehen, was besser ist.
Ich möchte jedoch hier nochmals daran erinnern, dass die Cholin-PET-CT ihre "besten" Resultate beim PSA >0,5 ng/ml liefert und darunter oft nichts entdeckt. Allerdings wissen wir auch, dass die besten Chancen für eine Erfolg einer Salvage-Bestrahlung bei PSA <0,5 ng/ml zustande kommen. Daher ist die Frage: Lieber früh "blind" bestrahlen (um es polemisch auszudrucken) und mit hoher Chance den Tumor erledigen oder abwarten, bis eine Cholin-PET-CT gute Bilder liefern kann, dann allerdings mit schlechteren Chancen durch die Bestrahlung geheilt zu werden?

PeterP schrieb am 2.1.2013:
Die zuverlässigste, einfachste und mit den geringsten Schmerzen verbundene Diagnose [für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms – Ed] sehe ich aber in einer PET-CT. Die Bildgebung liefert eine sehr klare Aussage, ob ein Kazinom überhaupt vorliegt oder wenn, in welchem Bereich der Prostata und dort auch gezielt biopsiert werden kann. Für gesetzlich Versicherte ist ist die PET zwar ein Kostenfaktor, doch sollte jedem die Sicherheit über den tatsächlichen Sachverhalt diese Investition wert sein.
Strahlentherapeut Daniel Schmidt protestierte am selben Tag gegen diese Aussage:
Das ist doch ein Scherz, oder?
Sie wollen einem Patienten mit einem low-risk ProstataCa als Erstdiagnostik eine Cholin-PET-CT zukommen lassen?
Kein Wunder, dass Deutschland das Land der Überdiagnostik geworden ist und soviel Geld aus dem Fenster rausgeschmissen wird.
Ich sage das zum zweiten Mal innerhalb einer Woche:
Die Cholin-PET-CT hat absolut gar keinen Platz in der Erstdiagnostik eines ProstataCa.
Sie ist zu teuer, zu unzuverlässig und es gibt keine Daten dafür, dass sie mehr Informationen als die Standardverfahren liefert.
Die Cholin-PET-CT ist eine spezielle Untersuchung, die bei speziellen Fragestellungen eingesetzt werden kann.
Die meisten Erfahrungen stammen aus dem Bereich der Rezidivdiagnostik, wo andere diagnostische Massnahmen (CT, MRT, Ultraschall, Szinti) versagt haben und es um die Frage einer lokalen Behandlung geht (im Prinzip bestrahlen ja/nein und was bestrahlen: Prostata +/- Lymphabflussgebiet).
Für alle andere Fragestellungen gibt es zu wenig Daten.
Es ist sogar absurd, über gezielte Biopsien zu reden. Wieso eine gezielte Biopsie jetzt? Es hat wohl schon eine Stanzbiopsie gegeben, und wenn man den Pathologiebefund nachliest, kann man sehen, wieviel Prozent welcher Stanze mit was für einem Tumor befallen ist. Was bringt uns eine zusätzliche gezielte Biopsie?
[Zitat:]
Für gesetzlich Versicherte ist die PET zwar ein Kostenfaktor, doch sollte jedem die Sicherheit über den tatsächlichen Sachverhalt diese Investition wert sein.
[Zitatende]
Dieses sozialfeindliche Statement finde ich völlig daneben.
Ich kann nur hoffen, dass Sie und ich nicht die gleiche private Krankenversicherung teilen und Sie meine Versicherungsbeiträge mit schwachsinniger Diagnostik verpulvert haben...
Reinhold2 fragte am 14.4.2014:
Ist PET/CT Verfahren eigentlich jetzt Standard in jeder besseren Radiologie in Deutschland?
Hvielemi antwortete am selben Tag:
NEIN.
Ein PET/CT-Scanner ist eine monsterteure Angelegenheit, und die verwendeten Radiodiagnostika müssen für jeden einzelnen Patienten mittels Kernreaktor, Zyklotron oder anderer kerntechnischer Einrichtung ('Generator') und radiopharmazeutischem Labor hergestellt werden. Da die für die PET verwendeten radioaktiven Isotope mit kurzer Halbwertszeit zerfallen, darf der Weg vom radiopharmazeutischen Labor zum Scanner nicht sehr weit sein. Es bedarf also einer sehr aufwändigen Infrastruktur, die flächendeckend nicht vorhanden ist.
Das beim PSMA-PET in wenigen Zentren verwendete 68Gallium etwa zerfällt mit einer Halbwertszeit von 68 min, während 18Fluor doch immerhin 110 min hält, weswegen PET-Untersuchungen ausserhalb universitärer Zentren stets mit 18Fluor in verschiedenen Radiodiagnostika gemacht werden.
Guck http://de.wikipedia.org/wiki/Positronen-Emissions-Tomographie