Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Polymerase-Kettenreaktion
(Polymerase Chain Reaction, PCR)

Elke verwies am 18.11.2004 auf den nachstehenden Artikel der Deutschen Krebshilfe e. V. aus dem Jahr 2002:
Schlummernde Tumorzellen nachweisen
Deutsche Krebshilfe hilft, Krebsdignose zu verbessern
Berlin – Eines der größten Probleme in der Krebsbekämpfung ist die rechtzeitige Erkennung von solchen Tochtergeschwülsten, die erst Jahre nach der Operation, Strahlen- oder Chemotherapie auftreten. Forscherteams auf der ganzen Welt suchen nach Testsystemen, um diese Spätmetastasen so früh zu finden, daß sie noch erfolgreich bekämpft werden können. So auch die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Ulrich Keilholz, Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin. Die Berliner Wissenschaftler entwickeln ein molekularbiologisches Verfahren zum Nachweis vagabundierender Hautkrebszellen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das erfolgversprechende Projekt mit insgesamt rund 480.000 Mark.
Noch vor rund 15 Jahren stand lediglich das Mikroskop zur Verfügung, um eine Tumorzelle unter tausenden gesunden Zellen zu entdecken. Durch den Einsatz von Antikörpern sind Ärzte in der Lage, Tumorzellen zu markieren und so die Nachweisgrenze auf eine Tumorzelle unter 10.000 bis 100.000 normalen Zellen zu senken. Mit molekularbiologischen Methoden, insbesondere der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), gelingt es heute, diese Empfindlichkeit nochmals um das 100-fache zu erhöhen. Die PCR ist ein Verfahren, mit dem die Erbsubstanz einer Zelle beliebig oft vervielfältigt werden kann. „Erst so wurde es möglich, einzelne Tumorzellen schon zu finden, bevor beim Patienten erneute Krankheitsanzeichen auftreten – seien es nun Metastasen oder das Wiederauftreten des vermeintlich geheilten Ersttumors, eines sogenannten Rezidivs“, so der Leiter des Projektes, Professor Keilholz.
Doch bislang reichte das molekularbiologische Analysesystem lediglich aus, um zu erkennen, ob bei einem Patienten ein verdächtiges „Signal“ vorhanden ist oder nicht. Aussagen über die Menge an zirkulierenden Tumorzellen waren nicht möglich. Dadurch kamen widersprüchlich erscheinende wissenschaftliche Ergebnisse zustande: Während beispielsweise einige Forscher fanden, daß der Nachweis zirkulierender Krebszellen im Blut das Vorhersagekriterium für Rezidive und Überlebenschancen sei, konnten andere Wissenschaftler dies nicht bestätigen.
Das Berliner Forscherteam unter der Leitung von Professor Keilholz verbessert nun die PCR-gestützte Nachweismethode. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten steht das maligne Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, sowie verschiedene Formen des Blutkrebses. Das Verfahren soll jetzt außerdem bei Tumorarten wie Darm- oder Prostatakrebs getestet werden. „Unser Ziel ist es, den Nachweis von Spätmetastasen so sensibel zu gestalten, daß er tatsächlich die Entwicklung im Organismus des Patienten widerspiegelt und so gezielte Therapieentscheidungen ermöglicht“, konstatiert Professor Keilholz.
Seiner Arbeitsgruppe ist es mittlerweile gelungen, den Test soweit zu entwickeln, daß bei Hautkrebspatienten erstmals quantitative Aussagen, also Angaben über die Menge an Tumorzellen im Blut, möglich sind. Innerhalb europäischer Therapiestudien wird die Methode nun in der Hoffnung eingesetzt, bessere Vorhersagen über das Risiko von Spätmetastasen zu machen. Für verschiedene Blutkrebsarten haben die Berliner Wissenschaftler ein solches Nachweisverfahren ebenfalls erarbeiten können. Zur Zeit wird es in großen Therapiestudien auf seine Wertigkeit hin überprüft. Für andere Krebsarten sind Tests in der Entwicklung. „Die wesentliche Bedeutung liegt bei vielen Tumorarten darin, daß Fernmetastasen im fortgeschrittenen Stadium bislang nicht behandelt werden können“, erklärt Professor Keilholz. Eine frühe Erkennung hingegen würde eine gezielte, rechtzeitige Chemotherapie oder bei anderen Krebsformen die Korrektur operativer Strategien ermöglichen.
Dadurch, daß uns erneut die Einwerbung beträchtlicher Drittmittel gelungen ist, besteht nicht nur eine große Chance, gute Testsysteme für eine große Anzahl von Tumoren zu entwickeln. Zudem ermöglicht der verfeinerte Nachweis auch die Untersuchung wichtiger Grundsatzfragen zur Metastasenentstehung“, sagt Professor Keilholz. Noch wisse man nur wenig über den „Schlummerzustand“ von Tumoren. Insbesondere sei unklar, ob die Krebszellen in dieser Zeit tatsächlich „schlafen“, sprich sich einfach nicht vermehren, oder ob in diesem Zeitraum das Immunsystem die Kontrolle über Tumorzellen übernimmt. Auch von der Beantwortung dieser Frage hänge die Verbesserung der Krebstherapie ab. Professor Keilholz: „Wir sind der Deutschen Krebshilfe sehr dankbar, daß sie unsere Forschungsarbeiten erneut fördert. Insgesamt hat die Bürgerbewegung gegen den Krebs allein für Projekte unter meiner Leitung rund 1,4 Millionen Mark bereitgestellt. Wir konnten damit maßgeblich dazu beitragen, die Heilungschancen vieler Krebspatienten zu verbessern“.