Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum von KISP
und BPS
Diagnostik
– ProstataClass (eine Software)
- Dr.
Carsten Stephan von der Klinik für Urologie,
Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte,
schrieb am 2.3.2004 im BPS-Forum:
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Das
Prostatakarzinom ist mittlerweile der häufigste Tumor bei
Männern in der westlichen Welt. Eine Heilung hängt im
wesentlichen von der frühzeitigen Entdeckung des Tumors ab. Bei
jährlich über 30000 neu entdeckten Prostatakarzinomen und
über 11000 Patienten, die an dieser Krankheit in Deutschland
versterben, darf der generelle Nutzen der Bestimmung des
prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut nicht in Frage gestellt
werden.
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Ein erhöhter
PSA-Wert bedeutet nicht unbedingt Krebs, denn andere gutartige
Erkrankungen können diese Erhöhung ebenfalls bewirken. Ein
PSA-Wert größer als 4 Mikrogramm pro Liter (µg/l)
gilt jedoch als Hinweis für ein Karzinom. Bisher war dieser
erhöhte Wert Anlass für eine Gewebeentnahme aus der
Prostata mittels 6-10 ultraschallgestützter Feinnadelbiopsien.
Bei ca. 60-80 % dieser Patienten wird jedoch kein Karzinom
nachgewiesen. Deshalb ist man bemüht, diese hohe Anzahl der
"unnötigen" Biopsien zu reduzieren, um Patienten mit
geringerem Krebsrisiko diesen Eingriff zu ersparen.
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Mittels
eines neuen Computerprogramms kann jetzt genauer vorhergesagt
werden, ob tatsächlich eine Gewebeprobe entnommen werden
sollte. Anhand des PSA und des freien PSA (eine Unterform des PSA),
des Patientenalters, des Prostatavolumens und des Tastbefundes der
Prostata wurde das Computerprogramm "ProstataClass"
entwickelt.
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Dieses
Programm basiert auf dem Prinzip eines sogenannten artifiziellen
neuronalen Netzwerkes (ANN) [also ähnlich
dem ANNA-Verfahren in Homburg/Saarland –
Ed] und erleichtert die Entscheidung für eine
Biopsie. Es wurden 1188 Patienten aus 6 verschiedenen Kliniken an
der Urologischen Klinik der Charité in Zusammenarbeit mit dem
Institut für medizinische Biometrie in Berlin ausgewertet.
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Mit Hilfe
dieses neuronalen Netzwerkes können im niedrigen PSA-Bereich
2-4 µg/l (= ng/ml) Patienten mit einem erhöhten
Risiko für ein Prostatakarzinom identifiziert werden.
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Bei einer
ähnlich hohen Karzinomhäufigkeit im PSA-Bereich 2-4 µg/l
wie im Bereich 4-10 µg/l können somit zusätzlich
Prostatakarzinom-Patienten entdeckt werden. Andererseits kann bei
Patienten im PSA-Bereich 4-10 µg/l gegebenenfalls auf
eine sofortige Biopsie verzichtet werden, wenn das Programm ein
geringeres Risiko für Prostatakrebs anzeigt.
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Bei
PSA-Werten von 10-20 µ/l, die stets Anlass für eine
Biopsie sind, kann das Programm zur Entscheidungsfindung für
eventuelle Wiederholungsbiopsien beitragen.
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Das Programm
"ProstataClass" wurde erstellt mit den fünf Werten:
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1. PSA
(IMMULITE-Test),
2. freies PSA (IMMULITE-Test),
3. Alter des
Patienten,
4. Prostatavolumen (transrektaler Ultraschall, TRUS)
und
5. digital rektale Untersuchung: DRU (auffällig oder
nicht). -
In der
praktischen Anwendung werden jedoch nur die ersten vier Werte im
Programm genutzt, da bei einer auffälligen DRU ohnehin eine
Biopsie empfohlen wird. Das Computerprogramm kann auf der Homepage
der Urologie unter http://www.charite.de/ch/ur
und
Prostatastanzbiopsie frei heruntergeladen werden oder online bzw.
offline unter www.charite.de/ck/uro/schwerpunkte/pcclass.html
direkt im Internet genutzt werden.
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Tests für
PSA und freies PSA von anderen Herstellern können abweichende
Ergebnisse liefern. Dies kann zum Übersehen von Karzinomen
führen. Das Programm soll künftig entsprechend angepasst
werden. Neueste Erkenntnisse mit bisher nur in der Forschung
verwendeten Tests innerhalb dieses Programms zeigen eine weitere
Verbesserung der Risikoabschätzung für Prostatakrebs.
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Auskunft:
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Programmanleitung:
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Die Eingabe
einer Patientenidentifikation erfolgt wahlweise im ersten oberen
linken Feld. Die Eingaben des Patientenalters (zweites Feld von
oben) und des Gesamt-PSA (drittes Feld) sowie aller weiteren Werte
sind jedoch zwingend erforderlich. Der Wert des freien PSA kann
direkt in das vierte Feld eingegeben werden, dann wird der Quotient
des freien PSA zum Gesamt-PSA automatisch im fünften Feld
berechnet. Man kann jedoch alternativ dazu den Quotienten (in
Prozent) gleich in das fünfte Feld direkt eintragen. Das
Prostatavolumen wird in das sechste Feld eingetragen. Im vorletzten
Feld vor der OK-Taste ist per Mausklick das Ergebnis der DRU
(auffällig oder nicht) auszuwählen. Ein unauffälliger
Tastbefund ist hier voreingestellt. Die Eingabe der Werte (PSA,
freies PSA, prozentuales freies PSA) kann mit Punkt oder Komma
erfolgen. Nach Anklicken des OK-Feldes erscheint rechts das Bild mit
dem jeweiligen Risiko und ein Vorschlag, ob eine
Prostatastanzbiopsie durchgeführt werden sollte. Dieser
Vorschlag, der nur bei Nutzung des IMMULITE-PSA-Tests gilt, sollte
als Empfehlung verstanden werden.
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