Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Saure Prostataphosphatase (SPP)
(engl. Prostatic Acid Phosphatase, PAP)

[Die Saure Prostataphosphatase SPP, englisch Prostatic Acid Phosphatase PAP (beide Abkürzungen sind in Deutschland üblich) ist ein aus 354 Aminosäuren bestehendes Glykoprotein mit dem Molekulargewicht 41 kDa (Kilodalton) = 41.000 mol/l.
Bevor das PSA entdeckt und Mess-Assays dafür marktfähig waren, war die SPP der urologische Blutmarker für eventuellen Prostatakrebs. Nach dem Übergang auf das zuverlässigere PSA geriet das Messen der SPP aus der Mode; viele – wenn nicht die meisten – Labors machen es nicht mehr. Der SPP-Test bei der Krebsdiagnose und nach einer Therapie ist aber nützlich, um das Risiko für eine systemische Erkrankung bzw. für ein PSA-Rezidiv nach einer lokalen Maßnahme vorhersagen zu können. In einer amerikanischen Studie hatten Männer nach einer Radikalen Prostatektomie nach vier Jahren eine PSA-Rezidiv-Rate von 61,2 %, wenn ihr SPP-Ausgangswert 3 ng/ml oder mehr betragen hatte. Bei Patienten mit einem niedrigeren Wert betrug die Rate nur 21,2 %. Die Kenntnis des SPP-Wertes bei der Diagnose sollte daher bei der Therapiewahl mit einfließen – leider kennen die wenigsten deutschen Urologen diese Studie, geschweige denn, dass sie die entsprechenden Schlussfolgerungen zögen, nämlich dass bei einem Ausgangswert von ≥3 ng/ml eine lokale Therapie eher keinen Sinn macht.
Die SPP wird üblicherweise in ng/ml angegeben, manche Labors verwenden aber auch mol/l (Mol pro Liter) oder auch U/l (Einheiten pro Liter). Der Umrechnungsfaktor (nur für die SPP!) ist: 1 ng/ml = 24,39 fmol/ml (femtomol pro Milliliter; 1 fmol = 1 x 10-15 mol) bzw. 2,9545 U/l (letztere Angabe ohne Gewähr).
Es gelten die folgenden Referenzwerte:

Ergebnis

Bewertung

<2,2 ng/ml
<53,658 fmol/l
<6,5 U/l

kein Hinweis auf ein Prostatakarzinom

2,2-3,4 ng/ml
53,658-82,926 fmol/l
6,5-10,05 U/l

Grauzone; Kontrolle und ggf. Abklärung empfohlen

>3,4 ng/ml
>82,926 fmol/l
>10,05 U/l

Verdächtig für ein Prostatakarzinom



Für die Blutabnahme gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie beim PSA: Keine Manipulation der Prostata, kein Radfahren, kein Orgasmus in den 48 Stunden davor.
Ed]

Schorschel fragte am 31.1.2005:
komme gerade von meinem Labor zurück. Habe mal wieder Blut abzapfen lassen. Möchte erstmals auch einige hier im Forum empfohlene Werte bestimmen lassen.
Der Chef des (recht großen und renommierten) Labors sagte mir bei dieser Gelegenheit, dass man PAP eigentlich gar nicht mehr bestimmt; das sei veraltet (er macht es für mich trotzdem).
Wie seht Ihr das?
Urologe fs antwortete wenige Minuten später:
es stimmt, soweit es der Aufdeckung eines PK dient, aber... beim Staging eines Erstbefundes sind Kandidaten mit PAP über 3,0 ng/ml besonders rezidivgefährdet nach einer Radikal-OP.
Und Ludwig schrieb ebenfalls am selben Tag:
Hallo Schorschel, bei Dr. Strum/USA ist nachzulesen:
Über die prostataspezifische saure Phosphatase (PAP)
In einer Studie der Johns Hopkins Medical Institutions an 1681 Männern konnte anhand der Messung des PAP-Spiegels vor der Durchführung einer radikalen Prostatektomie (RP) das Behandlungsergebnis der Patienten eingeschätzt werden.
Die in dieser Studie (von 1982 bis 1998) angewendete PAP-Messung basierte auf Enzymtests, wie von Roy et al. beschrieben, im Gegensatz zu der heute verwendeten Methode mit Immuntests.
Im Originalbericht von Roy betrug die mittlere PAP für gesunde Männer 0,28 ± 0,09 U/Liter, mit einer Spanne von 0,11 bis 0,60. In der Hopkins-Studie erzielten 87 % der Männer, die vor der RP einen normalen PAP-Spiegel aufwiesen (definiert als < 0,4 U/Liter) eine biochemisch rezidivfreie Zeit von fünf Jahren nach der RP, und 77 % der Männer blieben zehn Jahre ohne Rückfall. Diese Werte fielen allerdings auf 79 % bzw. 65 % bei Männern mit präoperativen PAP-Werten von 0,4 bis 0,5 U/Liter und weiter auf 63 % und 44 % bei Patienten mit PAP-Spiegeln von > 0,5 U/Liter.
Dies ist nunmehr die dritte Studie, die den hohen prognostischen Wert des Ausgangs-PAP-Spiegels zeigt.

Schorschel fragte am 12.1.2006:
Ich wollte von meinem Labor die "SP" bestimmen lassen und erhielt die Antwort, dass man das nicht mehr mache, sondern dass der PSA-Wert das ersetzen würde. Ich meine, hier im Forum die Empfehlung gelesen zu haben, die SP zu erheben. Täusche ich mich da? Ist die SP nicht mehr aktuell?
Dieter H verwies am selben Tag auf den diesbezüglichen Artikel auf der Seite des BPS:
http://www.prostatakrebs-bps.de/index.php?option=com_content&task=view&id=113&Itemid=108
Schorschel bedankte sich und hakte nach:
Es scheint so zu sein, dass die SP erst nach einer lokalen Therapie, z. B. RPE oder ST, aussagekräftig ist. In meiner Phase der "Watchful Surveillance" ohne lokale bzw. kurative Therapie bringt der Wert wohl noch nichts, oder?
LudwigS klärte ihn, immer noch am 12.1.2006, auf:
Umgekehrt wird ein Schuh draus, Schorschel. Vor einer lokalen Therapie sollte man die Wahrscheinlichkeit einer Organbegrenzung abchecken – es sei den man operiert und/oder bestrahlt ohne Berücksichtigung einer möglicherweise mikrometastatischen Erkrankung.
Während man mit kleinen PAP-Werten mit großer Wahrscheinlichkeit eine echt lokal begrenzte Erkrankung hat, zeigen hohe Werte (über 3 ng/ml) genau das Gegenteil, d. h. man kann sich dann nach einer OP schon mal auf die nächste Therapie psychisch [Patient und Urologe] und physisch [nur Patient :-)] einstellen.

HerriS fragte am 21.8.2006:
vom Labor erhielt ich bei der Bestimmung der Bio-Phosphate bzw. PAP zwei Werte:
Was bedeuten diese unterschiedlichen Bezeichnungen?
Ralf antwortete am 23.8.2006:
das sind keine unterschiedlichen Bezeichnungen, sondern es sind zwei unterschiedliche Stoffe (Enzyme). Ich fand dazu die folgende Seite:
http://www.50plus.at/Default.htm?http%3A//www.50plus.at/gesund/phostsn.htm
Während die Saure Prostataphosphatase (SPP = SP = PAP) im Forum häufig angesprochen wird (siehe auch Forumextrakt - Diagnostik - Saure Prostataphosphatase), ist von der Prostataphosphatase (PP) bisher noch kaum die Rede gewesen. Zur diagnostischen und prognostischen Bedeutung der SP heißt es in "Ein Ratgeber zum Prostatakrebs" von Strum/Pogliano auf S. 53:
"In der Studie von Moul et al. lag die Wahrscheinlichkeit für ein PSA-Rezidiv nach radikaler Prostatektomie bei Männern mit einer Ausgangs-SPP (bSPP) ≥3,0 ng/ml fast dreimal so hoch wie bei Männern mit bSPP-Werten unter 3,0 ng/ml."
Den Umrechnungsfaktor zwischen ng/ml und U/l (Einheiten pro Liter) für die SPP habe ich noch nirgends angegeben gesehen; ich habe einmal ausgerechnet, dass er bei 1 ng/ml = 2,9545 U/l liegen könnte (ohne Garantie).
Das Bestimmen der SP ist also in der Frühphase und vor einer Therapieentscheidung wichtig, wenn es darum geht, sich die Chancen auszurechnen, durch eine RP geheilt zu werden.
Früher war die SP der Marker für PK-Verdacht. Als das PSA mit besserer Spezifizität entdeckt worden war, wurde es still um die SP. Viele Labors können sie nicht mehr bestimmen, viele Urologen - wenn nicht die meisten - halten die SP-Bestimmung für vollkommen überflüssig.
Und Elke-Carola schrieb am selben Tag:
Das online Labor-Lexikon bietet auf deine Fragen ausführliche Erklärungen:
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/p/Phosphatase_saure.htm
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/p/Phosphatase_Prostata.htm
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/p/Phosphatase_Gesamt_alkalische.htm