Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Magnetresonanzspektroskopie (MRS)

Hutschie schrieb am 27.7.2007:
Ich habe mich ja nun nach beendeter IMRT in IGTR-gesteuerter Form zunächst einer Kontroll-CT und am Montag noch einer MRS-Untersuchung unterzogen. Mir schwirrt noch der Kopf von Lymphknotenmapping/Metabolic-Mapping – Morphologie – Membranturnover – Citratstoffwechsel – Phased-Array etc. etc.
Für alle, die nicht über den Ablauf und den Zweck einer MRS informiert sind, habe ich vorab mal ein paar verständliche Darstellungen zusammengetragen:
Was versteht man unter Magnetresonanz-Spektroskopie?
Neben der Erzeugung von Schnittbildern verschiedenster Organssysteme (Magnetresonanz- bzw. Kernspintomographie, MRT bzw. KST) können die unterschiedlichen Magnetresonanz- (MR-) Eigenschaften von Molekülen auch zur Analyse von Stoffgemischen eingesetzt werden. Die einzelnen molekularen Bestandteile auch von Geweben lassen sich anhand ihrer unterschiedlichen Resonanzfrequenzen identifizieren und quantifizieren (Spektroskopie). Die Spektroskopie erzeugt also keine Abbildungen der Gewebestrukturen wie die MRT, sondern misst die Gewebezusammensetzung.
Wie kann man die MR-Spektroskopie an der Prostata nutzen?
Bislang war der Einsatz der MR-Spektroskopie in der Medizin aber auf Messungen von Gewebeproben oder von großen Organen beschränkt. Erst in den letzten Jahren konnte die Technik der MR-Spektroskopie so verbessert werden, dass nichtinvasiv auch kleine Organe wie die Prostata in allen drei Raumrichtungen (3D) mit hoher räumlicher Auflösung (<1 mm³) untersucht werden können.
Gesundes Prostatagewebe produziert Citrat. Bei Prostataerkrankungen sinkt der Citratgehalt des des Gewebes ab. Bösartige Prostatatumoren führen zusätzlich durch die Zellvermehrung zu einer Erhöhung von Cholin, einem Bestandteil der Zellmembran. Citrat und Cholin lassen sich mit der MR-Spektroskopie (MRS) messen. Mit der 3D-MRS wird die gesamte Prostata in kleine Volumenelemente von unter 1 mm³ unterteilt und in jedem Volumenelement Citrat und Cholin bestimmt. Bösartige Tumoren können anhand einer Erniedrigung von Citrat und einer Erhöhung von Cholin mit der 3D-MRS erkannt werden.
Was sind die Voraussetzungen für die 3D-MR-Spektroskopie?
Für die 3D-MRS wird ein Hochleistungs-MR-Gerät mit einer Feldstärke von mindestens 1,5 Tesla benötigt. Die Untersuchung der Prostata muss mit einer Kombination aus Oberflächen- (sog. Phased-Array-) und Endorektalspule erfolgen. Eine Endeorektalspule ist ein spezieller Empfänger der MR-Signale, der in den Enddarm des Patienten eingeführt wird und direkt an der Prostata anliegt. Durch die Nähe zur Prostata wird ein hohes Signal empfangen, welches erst hochauflösende Untersuchungen möglich macht. Für die Auswertung der Signale sind eine spezielle Workstation und Software erforderlich.