Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Maintrac/CellSearch

Harald_1933 schrieb am 10.10.2012:
Heinz vom AKFPK [Arbeitskreis Fortgeschrittenes Prostatakarzinom – Ed] hat auch auf diesen Bluttest aufmerksam gemacht, der die vom Tumor ins Blut ausgeschwemmten Zellen nachweist.
Hans-J. schrieb dazu am 30.10.2013:
Ob der Nachweis über die Methode auch Auswirkungen auf die Therapie hat, dürfte wohl mehr im Zukunftsbereich liegen. Man mag auch darüber spekulieren, ob es nur eine neue innovative Idee als Geschäftsidee ist. Es könnte aber auch ein hoch interessantes Feld sein, wo in Zukunft sich die Therapie hin bewegen könnte.
Weiteres im nachfolgenden Link: http://www.journalonko.de/newsview.php?id=6020
Und Frerich 48 einen Tag später:
Ich habe die Maintrac machen lassen (auf Anraten von Prof. Wehner, Gisunt Klinik). Befund: "Es befand sich eine mäßig erhöhte Anzahl im Blut zirkulierender, vitaler tumorverdächtiger Zellen. Daneben waren viele spezifische Zellfragmente. Spezifische Zellfragmente treten z. B. nach Chemotherapie, Bestrahlung oder im Rahmen immunologischer Abwehrreaktionen als Zeichen der Zellschädigung auf.
Im Zusammenhang mit einem nachgewiesenen Tumor handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Zellen aus dem Tumor. Derartige Zellen werden auch noch nach Jahren rezidivfreien Überlebens im Blut gefunden. Die jetzt bestimmte Anzahl (9,75 Mill.) stellt nur einen Basiswert dar, erst ein Anstieg der Zellzahl ist krankheitsrelevant."
Am 23.5.2013 meldete sich Urologe fs:
Habe den Thread leider erst jetzt gesehen........
Besonders interessant könnte dieses Verfahren zur Messung zirkulierender Tumorzellen im Bereich Active Surveillance, Frage adjuvanter Strahlen- und Hormontherapie nach R1-Resektion, Wahl des Medikamentes zur Chemotherapie (in-vitro-Testung), Erfolgsüberwachung alternativer Heilmethoden und –ganz neu – "Zellpicking" und Kultur dieser Zellen – z. B. für die typgerechte Gewinnung von spezifischern Tumorzellen für die dentritische Therapie sein.
Auch kann oft schon nach zwei Zyklen Taxotere kontrolliert werden, ob dieses überhaupt weiter gegeben werden sollte … Ich habe gestern Frau Dr. Pachmann persönlich getroffen und diese Ansätze besprochen, den es liegen viel Erfahrungen beim Mammakarzinom, aber noch wenige beim Prostatakarzinom vor.
Auf jeden Fall eine interessante Erweiterung des Spektrums für ausgewählte Patienten. Und was noch interessant ist: Eine Vertreterin der Bundesknappschaft war vor Ort und hat zugesagt, die Kosten im Rahmen von Einzelfallentscheidungen zu übernehmen (einzelne Bestimmung ca. 160 € - bis über 2000 € bei zusätzlicher Testung gegen mehrere Chemotherapeutika). Und sie würde ggf. auch mit Vertretern anderer Kassen reden, wenn diese sich schwer tun würden bei der Genehmigung – mal ein Lichtblick in der heutigen Kassenmedizin.
Mit den aktuellen Möglichkeiten werde ich zumindest das Maintrac doch regelmäßiger benutzen als bisher.
Skeptisch bis ablehnend zeigte sich Helmut.a.g. am 24.5.2013:
MAINTRAC Blutanalyse (vitale zirkulierende Tumorzellen im peripheren Blutkreislauf) Institut Pachmann: 10,75 Mill. epithelzellantigen positive Zellen (HEA), davon 55,1 % PSA; 58,3 % PSMA; 71,4 % B7-H3 (PSMA, u. B7-H3 werden mit einer ungünstigen Prognose assoziiert). Viele Zellfragmente vorhanden, soll heißen, dass die Apoptoserate durch das Immunsystem gegeben ist.
Anmerkung zu dieser Blutanalyse:
Prof. A. Böcking, Düren, informierte mich telefonisch nach seiner Befundung der Stanzbiopsate vom 18.04.2013, ihm lagen sämtliche Befunde vor, dass dieser Test unseriös sei. Aufgrund seiner Befundung kann kein Zusammenhang dazu bestehen. Daraufhin hatte er nach evidenzbasierten Studien, nach Validitätskriterien des Tests schlechthin, recherchiert.
Fazit:
Es gibt keinen wissenschaftlich Nachweis, wie Epithelzellen im peripheren Blutkreislauf durch diese Methode nachgewiesen werden können. Dieses vorgegebene physikalische Verfahren ist dazu nicht in der Lage. Die Uni Freiburg, Institut für hämatologische Tumorbiologie, bestätigte mir dies.
Am 10.7.2013 schrieb MalteR:
Wenn ich den Beitrag vom Urologen lese, wundert es mich sehr, dass nicht jeder, der sich mit dem Gedanken trägt eine Chemo zu machen, diesen Sensitivitätstest durchführen lässt. In meinem Umfeld habe ich es mehrere Male erlebt, dass Taxotere nach dem Motto gegeben wird: Nun ist Chemo dran, es wird schon helfen. Ist aber "Sch...." wenn dann nach sechsmaliger Verabreichung gesagt wird: hat leider nicht geholfen. Nur dem Arzt und der Pharmaindustrie hat es geholfen. Und dem Immunsystem wurde weiter geschadet! In meiner SHG leider miterlebt!
Wir sollten dafür streiten, dass diese Untersuchung nicht nur Selbstzahlern offensteht, von der Knappschaft mal abgesehen.
Am 12.8.2013 meldete sich Urologe fs wieder:
Die Uni Eppendorf Institut für Tumorbiologie hat jetzt eine eigene Forschung dazu. Am 30.8.13 werden Ergebnisse präsentiert (ihr MAINTRAC nennen sie CellSearch:
Pressemittteilung vom 23. Feburar 2012
UKE-Studie: Zirkulierende Tumorzellen ermöglichen Prognose für Therapieerfolg bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom
Prostatakrebs wird manchmal erst so spät entdeckt, dass er nicht mehr erfolgreich behandelt werden kann. Jenseits der klassischen Hormonentzugstherapie kann Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom jetzt mit neuen antihormonell aktiven Medikamenten geholfen werden. Das hat eine Studie der Martini-Klinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bestätigt. Mithilfe im Blut zirkulierender Tumorzellen konnten die Wissenschaftler um Priv.-Doz. Dr. Thomas Steuber, Leitender Arzt an der Martini-Klinik, schneller als bisher erkennen, ob die medikamentöse Therapie Erfolg versprechend verläuft oder nicht.
An der Studie nahmen rund 40 Patienten aus der Martini-Klinik mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom teil. "Diesen Männern konnte bisher nur sehr unbefriedigend geholfen werden, weil die Tumorzellen in diesem Stadium nicht mehr auf den Entzug der männlichen Geschlechtshormone reagieren und hormonunabhängig wachsen", erklärte Dr. Steuber beim Deutschen Krebskongress in Berlin. Er und sein Team untersuchten, inwiefern ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Abirateron hormonelle Prozesse hemmen und somit das Krebswachstum in der Prostata aufhalten kann. Dabei zeigte sich, dass die neue Hormontherapie die Lebenszeit verlängern, die Beschwerden lindern und damit die Lebensqualität erheblich verbessern kann.
Zirkulierende Tumorzellen sind PSA-Wert überlegen
Besonderes Augenmerk richteten die Wissenschaftler dabei auf Tumorzellen, welche im Blut zirkulieren. "Wir hoffen, künftig anhand der zirkulierenden Tumorzellen schneller abschätzen zu können, wie wirkungsvoll eine Therapie ist", sagte Dr. Steuber. Bei der Messung des so genannten PSA-Wertes dauere es bis zu zwölf Wochen, bis sich ein Therapieerfolg feststellen lässt. "Mithilfe der zirkulierenden Tumorzellen können wir innerhalb von drei bis fünf Wochen sehen, ob die Behandlung anschlägt."
Den zirkulierenden Tumorzellen kommen die Mediziner mithilfe einer Blutprobe auf die Schliche: Diese wird mit Antikörpern angereichert, die wiederum mit magnetischen Eisenpartikeln verbunden sind. Beim Filtern der Blutprobe durch eine Säule, in der ein starkes Magnetfeld herrscht, bleiben die Eisenpartikel samt Tumorzellen hängen. Durch die so gefundenen Tumorzellen können Mediziner Rückschlüsse auf den Therapieerfolg ziehen: Je niedriger der Tumorzellenwert ist, desto besser schlägt die Therapie an und desto besser ist die Prognose.
Die Studie, an der bundesweit 16 Prüfzentren teilnehmen, ist Teil eines so genannten Härtefallprogramms, welches vom Bundesamt für Arzneimittel bewilligt wurde, um betroffenen Männern das neue Medikament schnellstmöglich zugängig zu machen.