Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Magnetresonztomographie mit Endorektalspule (MRTS)

Rudolf schrieb am 18.9.2002:

Die Endorektalspule liefert gerade für die Untersuchung der Prostata eine höhere Auflösung als ein normales Becken-MRT. Bei mir wurde der aus dem transrektalen Ultraschall stammende Verdacht, dass möglicherweise die Samenblasen befallen sind, bestätigt, so dass die Entscheidung, die OP abzulehnen, noch klarer ausfiel. Nun hab ich 170 Bilder meines Beckens, die ich neben eine Vergleichsuntersuchung in ca. einem Jahr legen kann. Allerdings ist der diagnostische Fortschritt Becken-MRT mit Endorektalspule noch nicht sehr verbreitet, in Hamburg gibt’s in ambulanter Radiologen-Praxis die Spule gerade erst einmal.


Ralf schrieb am 24.8.2003:

Ich war vor einigen Tagen bei Prof. Vogl, Radiologische Abteilung der Uniklinik Frankfurt/M. zur Magnetresonanztomographie mit endorektaler Spule und Bauchspule. Man liegt ca. 40 Minuten in der Röhre (der Kopf bleibt draußen, für diejenigen, die an Klaustrophobie leiden). Anschließend betrachtete ich mir zusammen mit Prof. Vogl die Bilder. Auf einem ist deutlich eine Gewebeveränderung in der Prostata zu erkennen, dort saß/sitzt noch der Tumor, ein Rest von ihm oder durch die DHB verändertes ursprünglich bösartiges Gewebe - nur eine erneute Biopsie würde Klarheit bringen. Laut Prof. Vogl muss das mal (d. h. vor der DHB) ein "stattlicher Kamerad" gewesen sein. Seine Empfehlung: Derzeitige Strategie beibehalten, d. h. Erhaltungstherapie mit Proscar, in einem Jahr wiederkommen und schauen, ob sich etwas verändert hat.

Der betreffende Bereich ist markiert:


Erläuterungen:
Der schwarze runde Fleck unterhalb der Bildmitte ist der Darm (darin die Spule, natürlich nicht sichtbar), die dunkle Zone darüber ist die Prostata, rundherum die Beckenknochen, der dunkle Fleck ganz unten in der Mitte ist die Wirbelsäule (das Steißbein), ganz oben in der Mitte die Schambeinfuge.


Auf eine Anfrage zu den Kosten für eine MRTS schrieb Gert am 10.9.2003:

Prof. Vogl hat mir für die Untersuchung 887,73 Euro in Rechnung gestellt.


Binato fragte am 7.10.2004:

von Kliniken, u. a. auch der Uniklinik Frankfurt wird als Verfahren zur Früherkennung von PK die kombinierte Magnetresonanztomographie mit Magnetresonanzspektroskopie mit Endorectalspule angeboten. In vielen vergleichenden Studien u. a. der University of California wird für das Verfahren eine hohe 95 % Spezifität festgestellt.

Was würden Sie bei einem negativen Ergebnis einer solchen Untersuchung , d.h. kein Verdacht auf PK und einem PSA-Wert von 5,8 ng/ml und fPSA von 0,86 als weiteres Vorgehen zur Klärung des PSA-Wertes vorschlagen? Prostatavolumen ist 17 ccm.

Urologe fs antwortete am selben Tag:

die Konstellation ist hochverdächtig. Eigentlich sollte ein transrektaler Farbdoppler (ggf. mit gezielter Biopsie) hier Klärung bringen. MRT mit Spule: wird von vielen Radiologen "verkauft" als Superdiagnostikum. Leider sieht die Realität oft anders aus:

Pat. X, PSA 5,4 ng/ml,
- MRTS - leicht Prostatavergößerung DEFINITIV ohne Karzinom. (einer unser TOP Five!),
- FCDS: Prostata 14 Gr. (also KLEIN!!) hochverdächtiges Areal re. Biopsie: PK in 6 von 8 Stanzen, G3, Gleason 4+3, perineurale Invasion und V.a. [Verdacht auf – Ed] Kapseldurchbruch.

Von diesen Patienten habe ich mehr als einen!

Ich stehe daher der MRT (nicht generell!) als Diagnostikum bei V.a. PK sehr kritisch gegenüber. D. h. ich habe bisher noch keine(!) richtige Einstufung nach RP-Präparat gesehen.


Elke wies am 1.11.2005 auf eine 83-seitige Dissertation unter dem Titel "Wertigkeit der Kernspintomographie beim Prostatakarzinom unter Verwendung einer endorektalen sowie einer externen Spule" hin:

http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00001620/01/Praetorius_Manuel.pdf


Schorschel schrieb 7.12.2006

Das Thema MRT wurde hier kürzlich (und nicht zum ersten Mal) sehr kontrovers diskutiert. Ich persönlich bin sehr skeptsich, andere weniger. In meinem Falle hat die MRT-Diagnose von Prof. Vogl/Uniklinik Frankfurt bei allen anderen Ärzten jedenfalls nur Kopfschütteln und Unverständnis ausgelöst. Zur Meinung von Urologe fs schau bitte im Forumextrakt unter Diagnostik und MRT nach.

Es mag in einigen Fällen sinnvoll sein, die MRT differentialdiagnostisch einzusetzen, um u. U. bestimmte andere Feststellungen zu untermauern. Auf eine singuläre MRT-Diagnose würde ich mich persönlich niemals verlassen. Das mag sich ändern, wenn sich einmal die neuen Geräte mit deutlich höherer Leistungsfähigkeit etabliert haben werden. Hier und heute kann ich nur zur Vorsicht bei der Interpretation einer MRT ermahnen.