Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Blutwerte



[Diverse Blutwerte spielen bei der Diagnostik und Verlaufskontrolle des Prostatakrebses eine wichtige Rolle. Für einige davon, wie die Alkalische Phosphatase, das Chromogranin A (CGA), die Neuronenspezifische Enolase (NSE), das Testosteron und das Dihydrotestosteron, die Ostase, die Saure Prostataphosphatase (PAP), die Prostataphosphatase (PP), das Tissue Polypeptide Antigen (TPA), das Enzym TKTL1 und natürlich das Prostata-spezifische Antigen (PSA) gibt es hier eigene Seiten mit gesammelten Beiträgen.

Ferner gibt es eine detaillierte Abhandllung über die bei der Überwachung von Patienten unter Chemotherapie zu kontrollierenden Blutwerte.

Ed]


Wil schrieb am 22.4.2001:

Blutwerte. Alkalische Phosphatase bei Metastasen.

Alkalische Phosphatase (ALK PHOS, AP) wird, wie PSA und Testosteron, im Blut gemessen. Bei Erwachsenen ist der normale Bereich 30 bis 100 E/l (Internationale Einheiten pro Liter). Das Labor meines Krankenhauses achtet auf einen Grenzwert <90 E/l. ( Das Zeichen < bedeutet "kleiner als"). Wenn der Wert über 90 ist, wird ein Sternchen hinzugefügt oder ein "H" für "zu hoch".

Speziell für uns PK-Patienten hat ALK PHOS eine spezielle Bedeutung. Die ALK PHOS ist zu hoch im Falle von METASTASEN in den Knochen, obwohl das Enzym ALK PHOS vom Knochen produziert wird und nicht vom Krebs selbst. ALK PHOS kann auch erhöht sein bei Leberanomalitäten. Also wird der Arzt die ALK PHOS immer im Zusammenhang mit anderen Blutwerten beurteilen, insbesondere mit den Werten, die etwas aussagen über die Leberfunktion, nämlich

gGT (gamma-GT), ist normal kleiner als 44 Einheiten/Liter,
ASAT (oder auch AST o. SGOT o. GOT), ist normal kleiner als 30 Einheiten/Liter,
ALAT (oder auch ALT o. SGPT o. GPT), ist normal kleiner als 30 Einheiten/Liter,
Gesamt-BILIRUBIN, ist normal kleiner als 1,2 mg/dl ( <17 micromol/Liter),
Alk. Phos., ist normal kleiner als 100 Einheiten/Liter.

Hier noch ein paar Erläuterungen, etwas simplifiziert:

PHOSPHATASE - Ein Enzym (ein spezielles Protein), das bei gewissen Stoffumwandlungen vermittelt
ALKALISCHE PHOSPHATASE - Eine Phosphatase, die aktiv ist in einer alkalischen Umgebung (pH >7).

So gibt es auch:
Die SAURE PHOSPHATASE - Eine Phosphatase, die aktiv ist in einer sauren Umgebung (pH <7). Und dann noch speziell (spezifisch):
Die PROSTATASPEZIFISCHE SAURE PHOSPHATASE (PAP), Bereich 0 bis 1,7 Einheiten/Liter. Bevor es PSA-Messungen gab, war die PAP der Prostatakrebs-Indikator. In meinem Krankenhaus wird die PAP gar nicht mehr gemessen. Trotzdem ist sie für einen Prostatakrebs-Onkologen in gewissen Fällen noch immer ein wichtiger Indikator.

Daraufhin fragte Malte am 24.4.2001:

bei mir ist GOT 23 U/l; GPT 45 U/l; GGT 49 U/l nach 2½ Monaten Flutamid. Mein AP ist 144 U/l! Hältst Du das für bedenklich? Oder soll ich nach Wechsel auf Casodex erstmal warten, bis sich meine Leberwerte auch unter Einfluss von Silymarin normalisiert haben? Bei Dir steht als Einheit E/l. Ist U/l dasselbe?

Wil antwortete am selben Tag:

Du warst doch schon auf Casodex umgestiegen?

Ich würde auf jeden Fall Casodex vorziehen. Also, umsteigen wenn du kannst. Deine Leberwerte sind nicht schlecht, obwohl an der Obergrenze oder etwas höher. 3 mal 200 mg/Tag Silymarin ist sehr empfehlenswert, auch bei Casodex, obwohl dieses erheblich leberfreundlicher ist. Alk Phos (AK) ist erhöht. Welches TNM-Staging hast du? Schon Metastasen wie ich? AK vorläufig öfters mal messen. Aufpassen, wenn Trend nach oben. Denn AK kann eine Frühanzeige für Aktivität in den Knochen sein. Noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn möglich, auch DYPD messen lassen, gibt auch Frühanzeige. Was ist mit Knochenerhaltungstherapie? Meinen diesbez. Beitrag gelesen?

Wozu Malte am 24.4.2001 die folgenden Angaben machte:

meine Werte: T2c; Gleason: 3+3, Knochen: Dichte gesamt 467,4 ± 5, Dichte trabekulär: 224,5 ± 3 (Ausdauersportler seit 16 Jahren, Jogging 50 km/Woche) keine Metastasen in Knochenszintigramm erkennbar.


Hans fragte auf Wils ursprünglichen Beitrag vom 22.4.2001 hin am 25.4.2001:

Du nennst Laborwerte für alkalische Phosphatase von 30 bis 100 IE. Das Labor, wo meine Blutwerte analysiert werden, nennt einen Normbereich von 40 bis 170, im höheren Alter bis 190. Meine Werte liegen hier zwischen 80 und 95. Nun müsste ich nach Deinen Angaben schon gefährdet sein. Oder?

Was Wil Gelegenheit zu einer ausführlichen Antwort am selben Tag gab:

Deine Frage gibt mir die Gelegenheit, nochmals und dann noch ausdrücklicher zu sagen, dass die Beurteilung dem Arzt vorbehalten ist. Die Sache ist viel zu kompliziert für einen Laien, wie ich auch einer bin.

Ich schrieb "ALK PHOS kann auch erhöht sein bei Leberanomalitäten. Also wird der Arzt ALK PHOS immer in Zusammenhang mit anderen Blutwerten beurteilen, insbesondere mit den Werten die etwas aussagen über die Leberfunktion."

Meine E-Mail über "Blutwerte. Alkalische Phosphate bei Metastasen" hat nur den Zweck, dass wir Patienten einige Ahnung haben, warum gewisse Messungen gemacht werden. Knochenmetastasen sind eben stark korreliert mit einem erhöhten Alk.-Phos.-Wert. Es gibt übrigens Messungen, die viel spezifischer für Metastasen in den Knochen sind. z. B. "Knochen-spezifische alkalische Phosphatase. Siehe Lit. [1]. Prostatakrebs-Onkologen machen davon bereits Gebrauch, z. B. auch Dr. Strum vom PCRI.

Die Normalbereiche werden ziemlich unterschiedlich angegeben. Beispiele:
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Dein Labor nennt 30 - 100 U/Liter

Das Labor unseres Krankenhauses macht folgende Angaben: Alk. Phos. (im Blut) Erwachsenen < 90 U/Liter (U = Units = Internationale Einheiten) Kinder jünger als 16 Jahre < 400 U/Liter. Woanders lese ich: 25-140 U/Liter.

Und auf http://village.vossnet.co.uk/c/crina/pag-tests-bloodindex.html#5. ist die Angabe für Alk. Phos. wieder anders: Männer 90 - 239 U/Liter, Frauen (< 45 Jahre) 76 - 196 U/Liter, Frauen (> 45 Jahre) 87 - 250 U/Liter. Kinder haben normalerweise bis zu dreifach höhere Werte als Erwachsene.
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Es ist mir beim Lesen auf p2p (PCRI, Dr. Strum et al.) aufgefallen, dass Alk. Phos. oft von Patienten angegeben wird und dass die p2p-Doktoren auch mal danach fragen. Andererseits hat mein Urologe die Gewohnheit, auf dem Blut/Urin-Laborformular nur PSA anzukreuzen. Ich bitte ihn ab und zu noch einige anderen Werte messen zu lassen, wie z. B. Alk. Phos. So weiß ich, dass meine Alk. Phos immer zwischen 45 und 55 U/Liter liegt, und das beruhigt mich. So weiß ich auch, dass mein Prolactin 120 mIU/Liter ist [55 - 520]. Hohe Werte sind assoziiert mit aggressivem PK. Solche Gedanken haben mich dazu gebracht, den Beitrag über Blutwerte zu schreiben. Aber, BITTE, arbeitet mit dem Arzt zusammen. Lasst ihn die Ergebnisse interpretieren.

Zum Schluss, was mich immer am meisten interessiert sind etwaige TRENDS von Messergebnissen, (Blutwerte, Knochendichte, usw.). Es ist dann auch sinnvoll, die Basiswerte (Anfangswerte) zu kennen.

[1] BJU Int 2001 Mar;87(4):348-51: The serum level of the amino-terminal propeptide of type I procollagen is a sensitive marker for prostate cancer metastasis to bone. Koizumi M, Yonese J, Fukui I, Ogata E. Departments of Nuclear Medicine, Urology and Internal Medicine, Cancer Institute Hospital, Tokyo, Japan.

[2] Indian J Med Sci 2000 Apr;54(4):136-9: Comparative study of alkaline phosphatase and prostate specific antigen in prostate cancer. Gadre SG, Kale KU, Hedge R, Raste AS. Dept of Biochemistry, Institute of Science, 15, MC Road, Mumbai-32.


Werner fragte Ralf am 28.3.2002:

ich finde nirgendwo Erklärungen für die Begriffe G-GT und GOT und GPT. Würdest Du mich bitte informieren? Danke sehr.

Ralf antwortete am selben Tag:

G-GT steht für "Gammaglutamyltransferase", das ist "ein Enzym, das Glutamylreste von Gluthation auf Aminosäuren und Peptide überträgt". Der Referenzwert liegt für Männer bei 4-28 U/l (Einheiten pro Liter) (Frauen 4-18 U/l). Erhöhte Werte sind ein Anzeichen für Erkrankungen der Leber und der Gallenwege [z. B. Cholestase (zu geringer oder fehlender Abfluss von Galle in den Darm), Fettleber, Tumoren, durch Medikamente oder Alkohol].

GOT steht für "Glutamat-Oxalacetat-Transaminase" (die neuere Bezeichnung ist "Aspartataminotransferase", AST, ASAT); "ein Enzym, das die Übertragung von Aminogruppen von Aspartat auf Ketosäuren und die Bildung von Oxalacetat und L-Glutamat katalysiert". Der Referenzwert liegt bei 4-22 U/l. Erhöhte Werte u. a. bei Lebererkrankungen und Herzmuskelschädigungen.

GPT schließlich steht für "Glutamat-Pyruvat-Transaminase", (die neue Bezeichnung lautet "Alaninaminotransferase", ALT, ALAT). "Ein Enzym, das die Umwandlung von L-Glutamat und Pyruvat zu L-Alanin und Alphaketoglutarat reversibel katalysiert". Der Referenzwert liegt bei 4-17 U/l. Erhöhte Werte bei Lebererkrankungen und Cholestase.

Da ich nicht Medizin, sondern Nachrichtentechnik studiert habe, habe ich alle meine Weisheit aus Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage.

Bei mir (von Dezember 2000 bis Mitte März 2002 in der DHB) ist, wohl durch das Flutamid, vor allem das GPT stark erhöht (Maximalwert 42 U/l). Das sollte sich jetzt wieder normalisieren, aber so weit bin ich noch nicht [Ralfs GPT-Wert betrug ein Jahr später 29 U/l, nach neuem Verfahren gemessen (siehe nachstehend), und lag damit wieder im Normalbereich – Ed].

Ich hoffe, dass ich Dir ein bisschen Klarheit bringen konnte.

[Im Oktober 2002 wurden die o. g. Referenzwertbereiche wegen geänderter Messverfahren wie folgt geändert:

- G-GT 10-66 U/l (unklar ob für Männer, Frauen oder beide),
- GOT 10-50 U/l,
- GPT 10-50 U/l.

- Ed]


Petra fragte am 10.5.2002:

welche Argumente sprechen für Messung des Testesteron oder weiterer Hormone bei DHB?? Bei meinem Mann wird lediglich der PSA monatlich gemessen. Ich sehe jedoch hier im Forum immer eine größere Vielfalt von Untersuchungen.

Vielleicht noch eine Frage. Welche Nebenwirkungen hat Zometa? Werden die Infusionen auch von den Urologen durchgeführt??

Willi antwortete am 12.5.2002:

der Testosteronwert sollte als Basiswert bekannt sein. Also vor einer Androgen-Entzugstherapie. Dann innerhalb, z. B. der DHB, eventuell dann, wenn der PSA-Wert nicht das erwartete Plateau von <0,04 ng/ml erreicht. Ansonsten hat das Wissen um den Testosteronwert dann meines Erachtens keinen Nutzen. Das Kastrations-Niveau liegt bei <60 ng/dl = <0,6 ng/ml.

Eher macht es Sinn, die Werte folgende Marker zu kennen, da diese das Entstehen von kleinzelligen Tumorzellen rechtzeitig erkennen lassen, da hier der PSA-Wert nicht aussagefähig ist:

PAP (Prostata-acidische (=saure) Phosphatase)
CGA (Chromanganin A)
NSE (Neuronen-spezifische Enolase)

Auch hier sind die Basiswerte sinnvoll, dann eventuell nach 4 Monaten u. ggf. nach weiteren 2-3 Monaten. Wichtig ist natürlich die Beobachtung der Leberwerte.

Grundsätzlich gilt: Sind die ermittelten Werte stabil, können die Erfassungszeiträume großmaschiger erfolgen (2 Monate).

Zometa: Ich nahm Aredia, auch ein Bisphosphonat, und bekam am Folgetag der Infusion ein beklemmendes Gefühl im Brustbereich. Der weitere Folgetag war fast beschwerdefrei, und die weiteren Infusionen brachten keinerlei Nebenwirkungen. Dies kann aber bei anderen unterschiedlich sein. Ich rate daher zu einer geringen Dosierung als Erstgabe. Diese Infusion kann theoretisch jeder Arzt durchführen. Da PK-Patienten gwöhnlich beim Urologen in Behandlung sind, kann dieser natürlich die Infusion verordnen. Problem wird die fehlende Zustimmung des Urologen sein. Es sollte jedoch die Notwendigkeit auch durch Nachweis des erhöhten Knochenabbaues dargelegt werden. Dies sind: Deoxypyridinolin (DYPD), Pyridinolin (PYD). Im Zweifel könnte hier aber auch ein Onkologe kompetenter sein. Bei bereits metastasiertem Krebs sollte auf die Infusion nicht verzichtet werden!

Informationen zum Knochenstoffwechsel und Diagnostik bei Osteoporose in der Anlage.


Urologe fs schrieb am 12.10.2006 über die Möglichkeiten, die ein Blutbild (insbesondere einen PSA-Wert) verfälschen können:

Die Liste technischer Fehlermöglichkeiten ist lang, haben wir hier schon mehrfach diskutiert.

Wer sich intensiv über die PSA-Bestimmung und deren Fehlerquellen informieren will, dem sei das Büchlein

PSA. Der Weg zum Befund. Präanalytik und Analytik des prostataspezifischen Antigens
von PD A. Semjonow
ISBN: 3886037908, 29,- Euro

wärmstens empfohlen.