Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Diagnostik – Biopsie

[Sprechen Sie vor einer Biopsie unbedingt mit dem Urologen darüber, dass er die Stanzproben dem Entnahmebereich zuordnet und einzeln in Probenröhrchen tut, dies ist wichtig für das Einstufen des Befalls (ein Lappen oder beide Lappen sind befallen). Man sollte meinen, dass jeder Urologe das weiß, mein Urologe machte es aber nicht, so dass der Pathologe später keine Chance zu einer genaueren Einstufung mehr hatte. Zur Einstufung siehe z. B. unter den Partin-Tabellen – Ed.
Ergänzung von Franz Reuter von der SHG Itzehoe:
"Im Zusammenhang mit der Biopsie (Gewebeentnahme) wird immer wieder vermutet, dass die Biopsie eine Aussaat des Krebses begünstigt und damit das Schicksal des Betroffenen negativ beeinflusst. Dazu ist zu sagen: Die Diagnose Krebs ist erst dann sicher, wenn die Gewebeuntersuchung einen Krebs nachweist. Keine andere Methode hat eine vergleichbare Zuverlässigkeit.
Es ist seit langer Zeit bekannt, dass Krebszellen oder Bruchstücke davon durch eine Biopsie in die Blut- oder Lymphbahn gelangen können. Sie sind sogar mit höchstsensiblen Messmethoden nachzuweisen. Da in vielen Jahren bei den Betroffenen bisher keine Absiedelung nachgewiesen wurde (auch nicht mit den modernen Biopsie-Geräten), ist die Nutzen-Risiko-Bewertung eindeutig zu Gunsten der Gewebeproben zu beantworten. Wenn Sie sehr ängstlich vor diesen Streuzellen sind, lassen Sie sich vor der Biopsie von Ihrem Arzt eine Woche lang Antiandrogen verordnen. Durch diese Maßnahme bekommen die vermuteten Streuzellen keine Wachstumsmöglichkeit, und der Körper kann sie selbst beseitigen. In jedem Menschen entfernt der Körper ca. 1000 Karzinomzellen täglich!"
Wie eine Biopsie im Idealfall ablaufen sollte, schrieb Urologe fs am 17.10.2013.
Achtung, wichtig: Sie werden einige Tage vor bis einige Tage nach der Biopsie ein Antibiotikum verabreicht bekommen, um die Gefahr eines Verschleppens von Darmkeimen in die Prostata zu vermindern. Üblicherweise werden Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone eingesetzt, z. B. Ciprofloxacin. Die Wirkung dieser Antibiotika wird durch den gleichzeitigen Verzehr von Grapefruit signifikant verringert. Sie sollten also zumindest während dieser Zeit auf Grapefruit verzichten. Weitere Information hierzu gibt es z. B. bei Wikipedia.
Ed]

Tomas fragte am 8.1.2001:
Wie schmerzhaft ist eine Prostata-Biopsie? Eine bei mir gemachte Zystoskopie (Blasenspiegelung) war einfach unmöglich schmerzhaft. Vielleicht kann das Forum genauer hierüber berichten.
Uwe antwortete am 8.1.2001:
Sie ist zu ertragen, besser man macht sie in einer erfahrenen urologischen Klinik! Bei einer Blasenspiegelung gehen sie durch Ihre Harnröhre, wenn das schmerzhaft war, dann haben Sie wohl eine gutartige Erweiterung der Prostata. Eine Biopsie wird in der Regel durch den Darm gemacht, also ganz anders als eine Blasenspiegelung.

Tomas schrieb am 10.1.2001:
Wenn jemand Angst vor einer Blasenspiegelung hat, so wie ich sie hatte, und sich informieren möchte, findet er/sie hier gute Beschreibungen (englisch). Zwar gehört es nicht direkt zum Thema Prostatakrebs, doch jemand, der vor einer solchen Diagnose steht oder sie befürchtet, so wie ich, kann sich hier einmal vorab informieren:
http://www.medizin-forum.de/prostatitis/cysto-d.html
Wenn das Forum meint, diese Information gehört hier nicht hin, so bitte ich um Streichung.
Walter schrieb dazu am 11.1.2001:
Angst ist nicht notwendig.
Ich hatte vor 20 Monaten eine Radikalentfernung der Blase wegen eines aggressiven Blasenkarzinoms mit Anlage einer Neoblase mit natürlichem Ausgang. Die Nachsorge schließt auch die Blasenspiegelung durch die Harnröhre mit ein. Unangenehm und nachklingend schmerzhaft beim Wasserlassen. Bei den letzten Untersuchungen ließ ich mir zehn Minuten vor der eigentlichen Zystoskopie ein lokal wirkendes Anästhetikum in die Harnröhre geben. Die Untersuchung war ohne jeden Schmerz und auch die Schmerzen beim Wasserlassen waren gering.
Die Ärzte machen dies offensichtlich nicht so gerne, weil die Prozedur natürlich ca. 10 Minuten länger dauert .

Günter fragte am 5.8.2002:
Habe eine Biopsie durchführen lassen und habe jetzt wie schon länger Hodenschmerzen. Bisher war ich wegen Sakralgelenk- [Kreuzbeingelenk- Ed] Problemen in Behandlung (Akupuntur, Physiotherapie). Kreuz- und Hodenschmerzen verschwanden oder wurden besser. Jetzt nach der Biopsie - die PK ergeben hat - sind die Hodenschmerzen wieder da. Welche Erfahrungen habt ihr?
Uwe bot am selben Tag eine mögliche Erklärung:
hat Dein Urologe Dir Antibiotika vor, während und nach der Biopsie gegeben? Wenn nicht, kann durch die Biopsie eine Entzündung in der Prostata entstanden sein, die bis in die Hoden ausstrahlt.
Am 8.8.2002 hatte Günter wieder eine Frage:
Hier meine PKG, wobei ich mich mit dem Vergleich Gleasonsumme und dem Pathologiebericht Probleme habe.
Günter(1943)
Dx: 01.08.2002; aPSA 10,8, jedoch folgende PSA-Messungen seit 1995:
Nov 1995   4,9, dann 4,4
Jan 1996   3,8;
Sep 1996   4,0
Mai 1998   6,2
Apr 1999   5,47
Dez 2000   6,5
Mai 2001   8,94; Antibiotikabehandlung wg. Prostatitis
Aug 2001   7,99
Jun 2002  10,8; Rat dringend Biopsie durchzuführen
Jul 2002   9,32 (anderer Arzt, anderes Labor)
Aug 2002  10,8
Bx 3./4././8. rechts basal, rechts und links jeweils transitional,3. 20 %;4. 20 %;8. 30 %, Tumorinfiltrat von 8 Stanzproben. Malignitätsgrad Iib/Gleason-Pattern 4a, 3b: Score = 7.
Dazu hatte Uwe eine Rückfrage:
zur Bestimmung des klinischen Stadium noch zwei Fragen:
1.) Hat der Urologe bei der Fingerprobe eine Verhärtung gespürt?
2.) von den acht Proben waren wieviel positiv, und auf welcher Seite?
Die Aggressivität habe ich auf einer Seite beschrieben: http://www.prostatakrebse.de/themen/0012.htm
die Günter wie folgt beantwortete:
Es wurde eine Verhärtung ertastet (am hinteren Ende der Prostata). Es wurden acht Proben genommen, davon waren drei Proben rechts basal, rechts und links jeweils transitional zwischen 20 und 30 % befallen.
Ich habe mir die Tabelle angesehen. Danach ist ein gewisser Widerspruch bei der pathologischen Beurteilung. Verbal wird gesagt, das Postatakarzinom sei noch mäßig differenziert (nach Tabelle GIIa). Im Befund Einordnung Malignitätsgrad IIb.
Und Uwe kommentierte:
GIIb und Gleason-Summe 7 heißt: "Schlecht differenziert". Wenn der Pathologe das nicht weiß, dann solltest Du eine zweite Meinung über Deine Gewebeprobe bei Herrn Prof. Helpap in Siegen einholen. Dein klinisches Stadium ist somit mindestens T2c, damit kannst Du dann in die Partin-Tabelle gehen (http://www.prostatakrebse.de/themen/0067.htm).

Günter fragte am 10.8.2002:
kann mir jemand sagen, ob der PSA-Wert nach der Biopsie ansteigt?
Wil antwortete am selben Tag:
Bei den vielen PSA-Grafiken die ich für Patienten gemacht habe, sah ich in zwei Fällen einen sprunghaften PSA-Anstieg kurz nach der Biopsie.
Über Ursache bzw. Zufall konnte man sich natürlich streiten. Jedoch für mich war die plausibelste Erklärung, dass die Biopsie die Ursache war.
Ebenso wie Uwe:
nach einer Biopsie steigt der PSA fast immer. Der Grund ist ganz einfach, das Sekret der Prostatadrüsen wird durch kleine Kanäle in die prostatische Harnröhre geleitet, bei einer Biopsie werden diese kleinen Kanäle zerstört, und damit geht das Sekret, also auch das PSA ins Blut. Deshalb frage ich beim aPSA (Anfangs-PSA) immer nach dem PSA vor der Biopsie. Bei mir war der aPSA 119 ng/ml, dann wurde ich biopsiert und eine Woche später wurde im Krankenhaus, also mit einem anderen Labor, noch einmal gemessen, und ich hatte einen PSA von 177 ng/ml.
Und Wil korrigierte sich und ergänzte noch Uwes Antwort:
Ich schrieb "....... einen sprunghaften PSA-Anstieg".
Was ich meinte war eine sprunghafte Steigung der PSA-Steigerungsrate.
Mit anderen Worten, die PSA-Verdopplungszeit (PSAVZ), die normalerweise eine Konstante ist, verkürzte sich nach der Biopsie, und zwar sprunghaft.
Im Beispiel unten war die PSAVZ jahrelang 60 Monate. Nach der Biopsie war sie nur noch 8 Monate. Der Patient hatte einen GS 4+4 (bestätigt).
1995/02 PSA 9.0
1999/04 PSA 16 BIOPSIE. Bis jetzt war PSAVZ 60 Monate
1999/06 PSA 27
1999/12 PSA 43 ab jetzt ist PSAVZ 8 Monate
2000/03 PSA 53
2000/10 PSA 93
Uwe schrieb:
"nach einer Biopsie steigt der PSA fast immer. Der Grund ist ganz einfach, das Sekret der Prostatadrüsen wird durch kleine Kanäle in den prostatischen Harnleiter geleitet, bei einer Biopsie werden diese kleinen Kanäle zerstört und damit geht das Sekret, also auch das PSA ins Blut."
Diese Erklärung ist wohl richtig und könnte sich im obigen Beispiel beziehen auf die Steigung von 16 auf 27. Jedoch würde man danach erwarten, dass sich die PSAVZ wieder auf 60 Monate einpendelt. Tat sie NICHT. Die PSAVZ wurde erheblich verkürzt, d. h. die PSA-Steigungsrate wurde erheblich beschleunigt. In diesem Beispiel ist also durch die Biopsie nicht nur mehr PSA ins Blut gelangt, sondern es sind auch Krebszellen in den Blutstrom gelangt, denen es dann gelungen ist irgendwo einen Tumor zu bilden, eine Metastase. Eine Metastase kann schneller als ein Primärtumor wachsen, wenn sie auf einem fruchtbaren Boden gelandet ist.

Günter fragte am 15.8.2002:
der PSA Wert steigt nach der Biopsie. Normalisiert sich der Wert wieder? In welchem Zeitraum?
Uwe antwortete am selben Tag:
das ist ganz individuell. In der Regel, wenn nach einem Monat PSA genommen wird, ist er wieder auf Normalmaß. Auch der Heilungsprozess ist individuell und hängt von dem Prostatagewebe ab, wieviel gutartige Vergrößerung und wieviel Entzündung vorhanden ist.

Wilfried schrieb am 23.1.2003 unter anderem:
Eine Empfehlung möchte ich geben. Die Biopsie ist nicht ausreichend für die Feststellung, ob Krebs vorliegt oder nicht. In meinem Fall wäre es auch leicht möglich gewesen, dass alle Proben negativ gewesen wären. Wesentlich besser ist die MRT, weil man auch kleine Tumore sieht, und auch Durchbruch, Befall der Samenbläschen und Vergrößerung der Lymphknoten erkennen kann. Laut Dr. Bloch liegt die Genauigkeit bei größer 96 %, festgestellt durch Vergleich der MRT-Ergebnisse mit den pathologischen Ergebnissen nach Operationen. In meinem Fall war er sich bzgl. Durchbruch nicht sicher, ein Teil des Randes der Kapsel war unscharf, der Pathologe hat aber nichts gefunden. Allerdings ist das Verfahren noch neu und wahrscheinlich teuer, die Untersuchung dauerte ca. 1 Stunde. Mein behandelnder Arzt, obwohl Univ.-Prof., wusste davon noch nichts. Die MRT wird in Wien auch dann eingesetzt, wenn eine Brachytheraphie durchgeführt wird, weil man dann die Seeds genauer plazieren kann.

Udo schrieb am 11.6.2003 unter dem Betreff "Farbdoppler-Ulltraschall FCDS":
nachdem bei positivem Tastbefund die erste Biopsie falsch-negativ war, bin ich zu einem Urologen gegangen, der eine Farbdoppler-Ultraschall-gesteuerte Biopsie machte. Hier konnte ich die geschwollenen Stellen der Prostata (den vermuteten Prostatakrebs) selbst deutlich sehen. Der PK wurde mit 6 von 9 Stanzen bestätigt.
Diese Geräte gibt es seit kurzem an mindestens drei Orten: In Celle bei Hannover bei einem Urologen, an der Uni Homburg (www.uniklinik-saarland.de/urologie), in Hannover im Vinzenz-Krankenhaus (http://www.vinzenzkrankenhaus.de/, Urologie bzw. uroonko@vinzenzkrankenhaus.de) wo auch mehrere Geräte den Urologen wahlweise zur Verfügung gestellt werden.
Christine schrieb dazu am selben Tag:
In Homburg wird er noch mit einem normalen Ultraschall gekoppelt und somit ist das System "ANNA" entstanden. Die Softwares beider Geräte werden miteinander gekoppelt, so dass eine relativ hohe Aussagekraft getroffen werden kann.
Und Uwe antwortete beiden am 12.6.2003:
natürlich sind die neuen TRUS besser als die alten, nur, Krebs kann man nicht sehen, nur verändertes Gewebe, und es gibt auch Prostatakrebsgewebe, das man im Ultraschall nicht erkennen kann. Natürlich ist damit die Wahrscheinlichkeit größer, den Prostatakrebs bei der Biopsie zu treffen! Siehe auch: http://www.prostatakrebse.de/themen/0011.htm.
Mit dem TRUS kann man aber nur die Prostata beurteilen, die Ränder sind schlecht erkennbar, und über Lymphknoten und Samenblasen ist nichts zu sehen. Dafür ist MRTS oder Cholin-PET/CT besser. Siehe MRTS: http://www.prostatakrebse.de/themen/0014.htm oder siehe C11-Cholin-PET/CT: http://www.prostatakrebse.de/themen/0066.htm.

Hans schrieb am 10.9.2003:
Die Helpap-Untersuchung [für ein Zweitgutachten – Ed] kostet mich 312 Euro, gerechnet hatte ich mit wesentlich weniger.
Darauf schrieb Ralf am selben Tag:
die hohen Kosten für die Untersuchung bei Prof. Helpap überraschen mich. Ich war es wohl, der den Preis von etwa 110,- EUR in die Welt gesetzt hat, und ich habe jetzt aufgrund Deiner Meldung noch einmal nachgeschaut: Im Februar dieses Jahres hatte ich exakt 119,10 EUR zu zahlen. Man müsste jetzt die Positionen der Rechnung vergleichen, ob in Deinem Fall mehr zu tun war (fünf Stanzproben bei mir), aber das würde am Ergebnis natürlich nichts ändern. Bleibt festzuhalten, dass die Kosten für ein Zweitgutachten individuell sehr unterschiedlich sein können.
Christine fragte am 8.2.2004:
Mein Vater hat einen PSA Wert von ca. 90 ng/ml mit verdächtigem Tastbefund und ist von seinem Urologen zur Biopsie in Städtische Klinikum Karlsruhe überwiesen. (...) Soll er die Biopsie machen lassen?
Günter schrieb am 10.2.2004:
an der Biopsie geht kein Weg vorbei, erst dann weiß man, ob es Krebs ist und in welchem Stadium. Aber immer gleich Gleason-Score-Bestimmung machen lassen und die PAP (Prostataspezifische saure (acid) Phosphatase), die ein Marker für Mikrometastasen ist, leider bei Urologen und Chirurgen als solcher nicht bekannt; die PAP war vor dem Aufkommen des PSA-Wertes der damalige ziemliche ungenaue Prostatakrebsmarker und wird seitdem verachtet. Sehr zu Unrecht!!!
Ich habe meinen Urologen gebeten, Gleason-Score und PAP bestimmen zu lassen, was er beides abgelehnt hat. Ich habe mich selbst darum kümmern müssen.
Bei meinem PSA von 7,2 ng/ml (Januar 2001) und Tumor-Grad 2/3, was er mir nicht erklärte, empfahl er mir die Operation (mit 95 % Erfolg) oder Bestrahlung. Für die Operation riet er zur Trudpert-Klinik Pforzheim oder Prof. Dr. Frohneberg (Städtische Klinikum, Urologie KA). Letzterer habe zwar die größte Erfahrung aufgrund der vielen OPs, aber es sei nicht sicher, dass man auch von ihm operiert werde, da er auch oft unterwegs sei auf Vorträgen, da hätte man doch in PF die größere Chance, auch vom Chef operiert zu werden.
Ich habe mich in Trudpert über die Chancen einer OP informieren lassen, war auch in der Strahlenklinik,wo ich erstmals hörte, ich könnte auch "wait and see" machen, also abwartendes Beobachten.
Ein Onkologe sagte mir, bei einem Grading von 2/3 seien die Chancen auf eine kurative OP 1:1, ich sollte sie ergreifen. So ein Käse! Beim russischen Roulett ist die Chance, von der einen Kugel getroffen zu werden, 1 zu 5, bei meiner kurativen OP stecken aber 3 Kugeln im Sechsschusstrommelrevolver. Das ist also das chirurgische Roulett, das man mit uns spielen will.
Ich habe mich für die Dreifache Hormonblockade nach Dr. Leibowitz entschieden. Erst ein halbes Jahr später habe ich eine Expertenmeinung bei Prof. Dr. Helpap, Singen, eingeholt: Gleason-Score 4 + 3 = 7 (Risiko!), perineurale Invasion (PNI) (Risiko!).
Schon vor zehn Jahren wurde in USA in zwei verschiedenen Studien festgestellt, dass die PNI mit 95 % Gewissheit sicher ist, dass der Krebs die Prostatakapsel durchbrochen hat, eine Operation also keinen Sinn hat. Die Chirurgen sagen dann gern, dass doch dann immerhin die Tumormasse beseitigt sei, was aber nichts bringt, im Gegenteil fangen dann die Metastasen erst recht zu wachsen an und sich auszubreiten, die vorher vom Tumor in der Prostata aus, schlafend gehalten wurden.
Meine Entscheidung hat sich bisher im nachhinein als richtig erwiesen. Und die Moral von der Geschichte:Man muss selber hinterher sein, dass alle Bestimmungen durchgeführt werden, die notwendig sind, um zu wissen, ob ein Kapseldurchbruch vorliegt oder nicht.Erst dann kann man sich für eine Therapie entscheiden.Sicher, es gibt auch dann keine 100 % Gewissheit, das meiste ist Statistik, und der Einzelfall kann ganz anders liegen. In Deutschland gibt es leider nur Fachidioten, keine Experten für Prostatakrebs, kann es auch nicht geben, denn jeder Krebs wird gleich wegoperiert, weil es angeblich keine andere Möglichkeit gibt. Auf die Experten in den USA und Kanada, die sich nur mit Prostatakrebs befassen und darüber informieren, daß es sechs Therapiemöglichkeiten gibt (OP, Bestrahlung, Seeds-Implantation, Vereisung, Überhitzung, Hormonentzug) und dass letztlich der Patient entscheiden sollte, welche Therapie er bevorzugt, denn der hat ja auch die Vor- aber auch Nachteile jeder Therapie zu ertragen, hört auch dort kaum einer. Verständlich, die Chirurgen, Radiologen usw. wollen ja auch leben, und so empfiehlt ein jeder das, was er kann und womit er seinen Lebensunterhalt verdient.

jko fragte am 21.12.2004:
mir hat heute der Urologe eine Erst-Biopsie zu weiteren Abklärung nahegelegt. Er macht die Biopsie grundsätzlich nur unter Vollnarkose und entnimmt 20 Stanzen. Ist diese Art der Biopsie nicht etwas ungewöhnlich?
Urologe fs fand das auch. Am 22.12.2004 antwortete er:
20 Stanzen sind in der Tat recht viel und sollten nur bei besonderer Fragestellung durchgeführt werden. Das Risiko stärkerer Blutungen oder Auslösen einer Prostatitis ist signifikant erhöht.
Jede, auch noch so flache, Narkose hat ein gewisses zusätzliches Risiko.
Um 20 Proben korrekt zu platzieren muss man mit TRUS arbeiten, aber dann sieht man normalerweise auch das "Problem" und kommt mit 8-10 Biopsien aus.
In Lokalanästhesie ist es genau so gut möglich und risikoärmer.
Reinhold fragte am 1.1.2005:
Nachdem mein PSA von Nov. 2003 bis Okt. 2004 von 3,4 auf 7,01 ng/ml gestiegen war ergab die Zwölffach-Biopsie mit TRUS ein PV von 89 ml und links basal einen etwas hypodenser [verminderte Dichte – Ed] rundl. Bezirk, der auch bei DRU etwas fester zu tasten war.
Das Ergebnis der pathologischen Begutachtung durch Prof. Helpap ergab "einen winzigen Herd einer atypischen mikroglandulären Proliferation [Ausbreitung – Ed]. Der Befund ist insgesamt als hochgradig suspekt einzustufen, reicht jedoch für die Diagnose eines Prostatacarcinoms nicht aus. Eine weitere stanzbioptische Befundkontrolle sollte unbedingt empfohlen werden."
Fünf Wochen nach der Biopsie hatte ich einen PSA von 6,01 und ein PSAfrei von 0,57. Seit ca. zehn Jahren habe ich BPH, die mit Alna behandelt wird, und mein Vater ist an PK verstorben.
Meine Frage: Wann Wiederholungsbiopsie? Der Chefarzt (den ich nicht persönlich kenne) der Biopsie-Klinik sagt, nach vier Monaten, mein Urologe ist sich offensichtlich unschlüssig.
Und ist es sinnvoll die Wiederholungsbiopsie mit ANNA, MRTS oder Cholin-Pet/CT machen zu lassen, um ein "Löchern wie Schweizer Käse" zu vermeiden. Und welches System ist am besten? Was sagt der Urologe bzw. die anderen Experten? Wer hat sonst noch Erfahrungen?
Urologe fs antwortete am 2.1.2005:
die Biopsie wird in der Regel nach 3-6 Monaten wiederholt. Deine Prostata ist sehr groß, das macht es etwas schwierig, Prozesse, die nicht nahe am Rektum liegen, zu treffen (die Biopsienadeln haben 15 - 22 mm Eindringtiefe, der Durchmesser Deiner Prostata ist ca. 60 mm). Es ist allerdings ein lösbares Problem, wenn man ein gutes Gerät für TRUS hat. Deshalb ist ANNA sicherlich eine gute Wahl.
Zweiter Weg:
Proscar für sechs Monate, das PSA sollte auf die Hälfte fallen, dann ist alles ok. Liegt der Wert 30 % darüber, muss ein PK vermutet werden.
Nebeneffekt: Die Prostata wird deutlich verkleinert, was spätere OPs leichter macht. Bevor jemand fragt: mit Avodart geht es nicht.

Heinrich T fragte am 18.4.2005:
wer hat Erfahrung mit einer MR-tomografisch gesteuerten Biopsie der Prostata? Desweiteren wüsste ich gerne, an welchen Standorten außer am Uni-Klinikum Frankfurt diese in der Republik vorgenommen werden kann.
Micha (H) antwortete am 20.4.2005:
ich möchte nachfolgend kurz über die Erfahrungen meines Vaters bei der MRT-gesteuerten Biopsie berichten. Er hat die Biopsie an der Uniklinik Tübingen durchführen lassen.
Wenn Du weitere Infos zur MRT-geführten Biopsie möchtest und einen Ansprechpartner brauchst, schau mal auf der Homepage der Urologie der Uniklinik Tübingen nach: http://www.medizin.uni-tuebingen.de/~weburo/, gehe dann zu Leistungsspektrum => Prostatazentrum.
Nach zwei negativen Biopsien und steigendem PSA konnte mein Vater seinen Urologen überzeugen, eine MRT der Prostata zu verschreiben. Nach langer Suche, haben wir uns für die Uniklinik Tübingen entschlossen. Die Untersuchung wurde 12/04 (kurz vor Weihnachten) durchgeführt und es wurde ein auffällige Stelle von 0,7 cm Durchmesser links basal gefunden. Kapsel glatt abgegrenzt und Samenblasen unauffällig. Bei diesem Befund hat der Radiologe uns gleich vorgeschlagen, eine MRT-gesteuerte Biopsie durchführen zu lassen. Nach Rücksprache mit seinem Urologen entschied er sich für die MRT-Biopsie, da eine Ultraschall-(US-) Untersuchung keine Auffälligkeit in dieser Region ergab.
Die MRT-gesteuerte Biopsie wurde gleich Anfang des neuen Jahres 2005 angesetzt, nach einer kurzen Vorstellung beim betreuenden urologischen Oberarzt. Die Biopsie wird rektal durchgeführt und der Patient muss auf dem Bauch liegen. Es wurden zwölf Stanzen entnommen und es dauerte eine Stunde. Mein Vater hat von der Biopsie gar nichts gemerkt, nur das Liegen auf dem Bauch ist ihm etwas schwer gefallen. Dabei war die entnommene Stanze in der auffälligen Region schwierig, da sie sich in der Nähe des Blasenhals befand und mehrere Kontrollmessungen gemacht mussten (dauerte 30 Minuten insgesamt), bevor die Biopsie genommen werden konnte. Die restlichen elf Stanzen wurden in weiteren 30 Minuten entnommen. Die Biopsie wird durch einen Urologen durchgeführt, während ein Radiologe für die Bildgebung sorgt. Die Ärzte waren in Tübingen sehr kompetent und wir waren sehr zufrieden. Mein Vater war recht zufrieden, vor allem weil endlich nach einem Jahr Odyssee ein Befund gestellt werden konnte. Er hatte kein Komplikationen und fühlte sich immer gut durch die Ärzte betreut.
Die RP-OP hat er nicht in Tübingen machen lassen, da Tübingen keine Auskunft über den Operateur und die Qualitätssicherung macht. Zur Diagnose kann ich Tübingen empfehlen. Vor allem die Radiologie ist sehr kompetent.
Im nachhinein stellte sich heraus, dass eine Stanze der Biopsie vertauscht worden sein musste. Den die Biopsie ergab zwei kleine Herde, links basal und rechts apikal. Das Operations-Präparat wurde nur der Tumor links basal bestätigt, der etwas größer war als die 0,7 cm. Wo die Vertauschung stattgefunden hat, können wird nicht sagen und ist von keiner weiteren Bedeutung für uns. Du solltest dies aber wissen für Deine Entscheidung.
Abschließend ist zu sagen, das Tübingen durch die MRT-gesteuerte Biopsie eine höhere Trefferquote hat, als bei der US-geführten. Natürlich schließt eine negative Biopsie keinen Tumor endgültig aus, aber ist ein weitere Möglichkeit, zu einer Diagnose zu kommen. Kann deshalb alle ermutigen, diese Untersuchung durchführen zu lassen, wenn Sie mehrere negative Biopsien schon hinter sich haben.
Auf eine entsprechende Anfrage hin ergänzte Micha (H) am selben Tag:
bei meinem Vater waren es zwei MRT-Untersuchungen. Die erste im Dezember, wo die auffällige Stelle gefunden wurde. Diese wurde in Tübingen an einem 1,5-Tesla-Geraet (Sonata, also alte Gerätegeneration) von Siemens gemacht, mit Hilfe einer Endorektal-Spule, Bauch und Wirbelsäulenspule. Da die auffällige Stelle nur einen Durchmesser von 0,7 cm hatte, wurde zwar eine Spektroskopie versucht, brachte aber kein Ergebnis. So wie uns der Oberarzt erzählt hat, wurde durch eine Studie in Tübingen belegt, dass die Spektroskopie sehr unzuverlässig ist. Erst bei großen Tumoren funktioniert sie gut. Tübingen arbeitet dabei sehr eng mit dem Hersteller Siemens zusammen (Cooperation).
Aus diesem Grund wurde dann die MRT-gesteuerte Biopsie Anfang Januar gemacht. Diese konnte natürlich nicht mit der Endorektalspule gemacht werden, da die Biopsie über den After entnommen wurde. Hierfür wurde die neue Gerätegeneration von Siemens benutzt. Das 1,5 Tesla-Gerät Avanto von Siemens. Ging Mitte letzten Jahres durch die Presse und Fernsehen, da es zur alten Generation bedeutend bessere räumlich Auflösung hat und viel leiser ist. Durch die bessere Auflösung kann man auf die Endorektalspule verzichten und sieht die kleine Stelle fast genauso gut.
So wie ich den Oberarzt der Urologie in Tübingen bei der Auklärung verstanden habe, wird die MRT-gesteuerte Biopsie auch für diese Leute angeboten, die zuvor noch keine MRT mit Endorektal-Spule und Spektroskopie hatten. Auch dort sollten bessere Ergebnisse erzielt werden, als mit der US-geführten Biopsie.
Solltest Du darüber mehr Infos benötigen, bitte direkt in der Urologie Tübingen nachfragen. Die ganze Kommunikation hatte ich damals per Email mit der Oberarzt Dr. Anastasiadis gemacht. Er war immer sehr kompetent und nett.

Achim fragte am 30.9.2005:
Mein Urologe rät zu einer Biopsie in der nächsten Woche und erklärt mir die verschiedenen Methoden. Wenn ich die Biopsie von ihm durchführen lasse, wird er 12 Stanzen machen. Eine ultraschallgesteuerte Biopsie hält er nicht für notwendig, da er sich lieber auf seinen Tastsinn verlässt. Er hat bisher mehrmals sehr gewissenhaft die Prostata per Ultraschall untersucht und sagt, er weiß, wo er die Nadel hinführen muss.
Nun habe ich hier im Forum mehrfach gelesen, dass eine Biopsie normalerweise mit Ultraschallkontrolle durchgeführt wird. Andererseits halte ich ihn für einen erfahrenen Urologen, der nicht leichtfertig auf den Ultraschall verzichtet.
Wie ist Eure Meinung dazu?
Urologe fs teilte ihm einen Tag später seine Meinung mit:
Biopsien ohne TRUS geführt sollten der Vergangenheit angehören! Als es die Geräte noch nicht gab, war es ok, und ich habe unzählige davon gemacht.
Aber:

Serena fragte am 23.1.2006:
Nach der Stanzbiopsie bekam mein Schwiegervater Antibiotika. Sobald aber eine Packung aufgebraucht war bekam er sofort Fieber, und zwar hohes, fast 40 Grad. Der Arzt gab dann mehrere Male wieder Antibiotika. Er meinte, das käme von einer Harnleiter-Entzündung. So musste Schwiegervater 5-6 Wochen Antibiotika benutzen. Kommt sowas vor? Ist es nicht noch belastender, dauernd diese "Keulen" benutzen zu müssen, wenn man sowieso schon Krebs hat?
Dieter V. antwortete am selben Tag:
Ich kann mir vorstellen, dass bei der Biopsie Kotteilchen in die Prostata geschossen wurden. Es wurde hier im Forum bereits berichtet, dass nach der Biopsie schmerzhafte Entzündungen in der Prostata vorhanden waren. Allerdings ist eine so lange Antibiotikumbehandlung sicher ungewöhnlich! Vielleicht sollte der Arzt mal versuchen, das Antibiotikum zu wechseln! Noch besser wäre es, wenn er über das Prostatasekret mal versuchen würde, im Labor die Bakterien zu analysieren, um dann gezielt Antibiotika einzusetzen...
Guy schrieb einen Tag später:
Die Wirksamkeit von Preiselbeersäften in der Prophylaxe von Harnwegsentzündungen wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Die Verabreichung ist einfach: Patienten trinken täglich 50–100 ml Preiselbeersaftkonzentrat, oder Saft 200–750 ml pro Tag respektive Tabletten 1–2 pro Tag. Die Therapiedauer beträgt zumindest mehrere Monate. Das Risiko einer symptomatischen Entzündung wird dadurch um 12 bis 20 % reduziert.
Für die Entstehung einer Entzündung ist es erforderlich, dass Bakterien an Schleimhautoberflächen anhaften. Dazu haben Bakterien an der Oberfläche Fimbrien, die Adhäsine erzeugen, die wiederum mit spezifischen Mono- oder Oligosaccharid-Rezeptoren des Urothels reagieren. Preiselbeeren enthalten Tannine (Proanthocyanidine), welche die Adhäsion von uropathogenen E.-coli-Bakterien im Urogenitaltrakt verhindern.
http://www.biothemen.de/index.php?go=http%3A//www.biothemen.de/Qualitaet/beeren/beeren.html

Ich bevorzuge den Preiselbeersaft von EDEN.

Renate berichtete am 8.2.2012, dass bei ihrem Mann ein erhöhter PSA-Wert festgestellt worden war und dass der Urologe eine Biopsie durchführen wolle, und fragte:
Nun soll nächste Woche eine Gewebeprobe entnommen werden, dies in der Praxis des Urologen. Solche Proben seien rein vorsorglich und würden von ihm 3-4 Mal in der Woche gemacht.
Da ich schon sehr besorgt bin, möchte ich hier die Betroffenen fragen, ob denn mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ergebnisse der Gewebeproben die Diagnose Prostatakrebs bringen. Ich habe so viel gelesen und bin nun total verunsichtert, man hört so Vieles.
Was halten Sie hier von diesen Gewebeprobeentnahmen direkt vor Ort in der Praxis des Urologen und halten Sie es für sinnvoll diese Untersuchung zu machen?
Ralf antwortete am selben Tag:
Eine Biopsie bei einem (in diesem Fall leicht) erhöhten PSA-Wert ist eine Vorsichtsmaßnahme, über die man streiten kann.
Wenn Dein Mann seit Jahren zur Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung geht, dann sollten ja auch eine Reihe von PSA-Werten vorliegen. Diese Reihe und die Entwicklung der PSA-Werte über die Zeit sind viel interessanter als ein herausgegriffener einzelner Wert, der von mehreren Faktoren beeinflusst werden kann, die gar nicht Krebs bedeuten müssen. Z. B. deutet der Wert 7,0 ng/ml mit anschließendem Abfall darauf hin, dass etwas Anderes im Spiel ist. Ein krebsbedingter PSA-Wert kennt nur eine Richtung: nach oben.
Meine Empfehlung:
- Teile uns die PSA-Werte der letzten, sagen wir, fünf Jahre mit, daraus lässt sich die PSA-Verdoppelungszeit ermitteln, die einen Hinweis darauf gibt, ob ein Krebsverdacht begründet ist. Viele Urologen geben sich mit solchen Überlegungen nicht ab.
- Sagt den vorgesehenen Termin zur Biopsie in der nächsten Woche ab. Hier brennt nichts an. Es gibt seit einigen Jahren bei Biopsien eine besorgniserregende Entwicklung, nämlich, dass das Auftreten von Darmkeimen zunimmt, die gegen die üblicherweise verwendeten Antibiotika resistent sind. Das Ergebnis können Entzündungen an den Stichkanälen bis hin zu Blutvergiftungen mit Aufenthalten auf der Intensivstation sein. Dem kann zwar mit wenig Aufwand vorgebeugt werden, aber auch das ist bei den Urologen noch nicht angekommen. Die nehmen solche Komplikationen als unabänderlich in Kauf.
- Lies auf dieser Seite über das CTRUS/ANNA-Verfahren nach, dass eine höhere Treffersicherheit bei Vorliegen von Krebs ermöglicht, verbunden mit einer möglicherweise geringeren Zahl von Stanzen – jede zusätzliche Stanze erhöht das Infektionsrisiko! Schau bei dem dort eingefügten Link nach, ob es in Eurer Nähe einen Arzt gibt, der an dem Verfahren teilnimmt, und lasst – wenn wirklich angesagt – dort die Biopsie durchführen, wobei Ihr auch dort wahrscheinlich auf spezielle Infektionsprophylaxe dringen müsst. Allerdings kostet diese Untersuchung ca. 340 €, was von den Kassen meistens nicht übernommen wird.
Hvielemi war einen Tag später dieser Meinung:
Den bisherigen Beiträgen kann ich nicht entnehmen, dass eine Biopsie falsch wäre.
tom aus lu schrieb:
Der Urologe will auf Nummer sicher gehen und dadurch auch sein Haftungsrisiko minimieren. Daher das Motto lieber mal zu früh biopsiert als gar nicht. Allerdings sollte er dann auch über die Risiken einer Biopsie aufklären, da diese nicht immer erwähnt werden. Immerhin wird in einem bis dahin gesund anzunehmenden Organ bewusst Schaden zugefügt und dies mit den evtl. bekannten Folgen wie Blutungen, Entzündungen usw.
Da keine Eile geboten ist würde ich persönlich den Weg gehen:
- PSA weiter kontrollieren und in Relation des Organes betrachten,
- Zweitmeinung bei einem weiteren Facharzt einholen
- Alternative Tumobestimmungen in Erwägung ziehen (z.B. PCA3 Test oder Feinnadelaspierationsbiospsie).
Eine Stanzbiopsie, auch wenn als Goldstandard angepriesen, wäre für mich eine Ultima Ratio Option.
Ralf ging, ebenfalls am 9.2.2012, auf Hvielemis Antwort ein und schrieb:
Einspruch in mehreren Punkten:
[Zitat:] Den bisherigen Beiträgen kann ich nicht entnehmen, dass eine Biopsie falsch wäre. [Zitatende]
Eine Biopsie ist etwas Anderes als Haareschneiden oder von mir aus auch einen hohlen Zahn füllen. Wir haben es in den letzten Jahren mit einer steigenden Zahl von Komplikationen aufgrund von Darmkeimstämmen (in der Regel escherichia coli) zu tun, die gegen das als Infektionsprophylaxe meistens verwendete Antibiotikum Fluoroquinolon resistent geworden sind. Es werden Komplikationsraten von z. B. 2,5 % genannt, das wäre eine Komplikation bei jeder 40. Biopsie – mit steigender Tendenz. Ich hatte an der Beratungshotline auch schon einen oder zwei Anrufer, die nach einer Biopsie mit einer lebensbedrohlichen Sepsis auf der Intensivstation gelandet waren. Beim letzten DGU-Kongress, September 2011 in Hamburg, hörte ich in einem einschlägigen Vortrag, dass mittlerweile 25 % der Darmkeime gegen Fluoroquinolon resistent sind – das ist alarmierend!
In dem Artikel
"The Incidence of Fluoroquinolone Resistant Infections After Prostate Biopsy—Are Fluoroquinolones Still Effective Prophylaxis?
Joseph Feliciano,* Ervin Teper, Michael Ferrandino, Richard J. Macchia, William Blank, Ivan Grunberger† and Ivan Colon
From the State University of New York Downstate Medical School, Brooklyn, New York
berichten die Verfasser, wie es ihnen an ihrer Klinik gelungen ist, die Komplikationsrate bei Biopsien von 2,4 % auf NULL zu drücken: Es wird zunächst ein Rektalabstrich gemacht, damit eine Bakterienkultur angelegt und dann geprüft, auf welches Antibiotikum diese individuellen Darmkeime ansprechen. Dieses Antibiotikum wird dann bei der Biopsie zur Infektionsprophylaxe verwendet. Dieses Verfahren kostet vielleicht 20,- € mehr, aber einen Bruchteil eines zweiwöchigen Aufenthalts auf der Intensivstation.
Ich war im Januar in Rotterdam auf einer internationalen Konferenz zur Active Surveillance. Dort sprach ein englischer Arzt konsequent nicht von "transrectal biopsy", sondern von "transfecal biopsy" – was nach meiner Meinung die Sache präziser beschreibt.
Ich bin – als Quintessenz – jedenfalls vorsichtig damit geworden, hier oder an der Beratungshotline einem Mann unbesehen zur Biopsie zu raten, ohne dass vorher, so gut es geht, abgeklärt würde, ob der Krebsverdacht wirklich begründet ist – Stichwort PSA-Verdoppelungszeit über die letzten Jahre, sofern ermittelbar – und ihn auf die Risiken hinzuweisen sowie auf die Möglichkeit, per erweiterter Bildgebung – Stichwort CTRUS/ANNA (MRT ist viel teurer) – die Zahl der Stiche zu minimieren und die Trefferquote zu maximieren.
Es ist festzustellen, dass die geschilderte Problematik der Zunahme resistenter Stämme bei der DGU noch nicht angekommen ist. Der BPS ist über seine drei Vertreter bei der S3-Leitlinien-Kommission dran, im Interesse der Patienten die DGU diesbezüglich zu sensibilisieren.
[Zitat:] Was halten Sie hier von diesen Gewebeprobeentnahmen direkt vor Ort in der Praxis des Urologen ...? ... Wo denn sonst?[Zitatende]
Dort, wo der Urologe bereit ist, zunächst die oben geschilderte Bakterienkultur anzulegen/in einem Labor anlegen zu lassen, und er möglichst am CTRUS/ANNA-Verfahren teilnimmt, falls mann bereit ist, die Mehrkosten zu zahlen.

Georg fragte am 21.6.2012:
Das Biopsieergebnis ist wie folgt:
22-fache stereotaktische Stanzbiopsie
1., 2., 3., 5. und 6. Stanzzylinder (beidseits) mit Infiltraten eines Adenokarzinoms.
4. Stanzzylinder dorsal links tumorfrei
Gleason Score 7a: 3 mit 80 %, 4 mit 20 %
Die Tumorformationen nehmen ca. 10 % des tumortragendes Schnittmaterials ein.
Empfohlen wird eine kurative Behandlung mittels RPE oder Bestrahlung.
Ich kann das noch nicht so richtig einordnen und habe folgende Fragen:
- Wie passt eine 22-fache Biopsie mit 6 Stanzzylindern zusammen?
- dass soviele Zylinder (5 von 6) betroffen sind, jeder aber nur mit 10 %, erscheint mir ungewöhnlich. Zumindest hab ich hier in den Foren von so einer Verteilung noch nicht gelesen. Es scheint also nicht eine eher lokal begrenzte Sache zu sein, sondern eher etwas was über das ganze Organ verteilt ist.
Liege ich da richtig?
- Ist bei Gleason 7a mit 80/20 noch eine abwartende / beobachtende Haltung möglich?
- Ist mit diesen Werten noch ein nerverhaltende RPE möglich?
- Macht hier noch eine DNA-Zytometrie-Untersuchung Sinn?
- Sollten noch andere Untersuchungen folgen um eine Ausbreitung auszuschließen?
Der PSA Verlauf war:
............PSA ... Quotient
11.04.2011: 6,24 ... -
20.04.2011: 4,35 ... 11 %
17.06.2011: 5,03 ...  9 %
24.11.2011: 5,56 ...  6 %
März 2012:  5,6
Mai 2012:   6,34
25.01.2011: PCA3 Score: 92
DRU sowie TRUS von 06/11, 01/12 und 03/12 alles unauffällig.
MRT (3-T-Gerät am DKFZ) am 04.06.12: Ausgeprägte Zeichen einer Protatitis (Kalkablagerungen).
Keine Anzeichen auf einen makroskopisch suspekten Befund.
30 ml Prostatavolumen, zentrale Adenomzone vergrößert.
Ralf antwortete am 22.6.2012:
zu Deinen Unklarheiten und Fragen:
- Wie passt eine 22-fache Biopsie mit sechs Stanzzylindern zusammen ?
es wurden 22 Stanzproben entnommen und von 1 bis 22 durchnummeriert. In den Proben mit den Nummern 1, 2, 3, 5 und 6 wurde Krebs gefunden, in der zwischen 3 und 5 liegenden Probe 4 nicht.
- dass soviele Zylinder (5 von 6) betroffen sind, jeder aber nur mit 10% erscheint mir ungewöhnlich.
"Gewöhnlich" ist beim Prostatakrebs gar nichts.
- Es scheint also nicht eine eher lokal begrenzte Sache zu sein, sondern eher etwas was über das ganze Organ verteil ist. Liege ich da richtig ?
Nein. Die Proben 4 sowie 7 bis 22 sind ja krebsfrei.
- Ist bei Gleason 7a mit 80/20 noch eine abwartende / beobachtende Haltung möglich?
Nach der reinen Lehre (urologischen Leitlinie) nicht. Außerdem hast Du eine mittlere PSA-Verdoppelungszeit zwischen April 2011 und Mai 2012 von knapp zwei Jahren. Das ist für eine abwartende Haltung (Active Surveillance) zu wenig, da sollten es schon eher fünf Jahre sein. Lade Dir diese Excel-Tabelle herunter und trage Deine PSA-Werte und die jeweiligen Daten ein, lass dabei den Wert vom 11.4.2011 weg, der passt nicht in die Reihe (Blut nach DRU abgenommen?).
- Ist mit diesen Werten noch ein nerverhaltende RPE möglich?
Da wir nicht wissen, aus welchen Regionen die Proben 1...6 stammen, können wir Dir das nicht beantworten. Ein Nervenerhalt ist möglich, wenn die den Erektionsnerven zugewandte Seite der Prostata krebsfrei ist.
- Sollten noch andere Untersuchungen folgen um eine Ausbreitung auszuschließen?
Bei einem PSA-Wert von um die 6 ng/ml ist eine Metastasierung nicht sehr wahrscheinlich, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der Medizin nicht. Nach der Leitlinie soll bei einem PSA-Wert von ≥10 ng/ml eine Skelettszintigraphie gemacht werden. In der Praxis wird sie immer gemacht, weil's dafür gutes Geld gibt. Tatsächlich sehen tut man erst ab vielleicht 20 ng/ml etwas.

Frank schrieb am 24.7.2012:
Nach der Biopsie gestern möchte ich mich nochmal melden. Die Biopsie mit sechs Stanzen, bei der die Probenahmestellen durch TRUS-Anna-Auswertung festgelegt wurden, verlief vollkommen problemlos und fast schmerzfrei. Sehr angenehm war´s natürlich nicht, aber meine schlimmen Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Dazu trugen auch die gelöste Atmosphäre und die humorvolle menschliche Art meines Urologen einen großen Teil bei. Eigentlich schön, wenn man bei so einer Sache noch Scherze machen und lachen kann. Ich hatte direkt nach der Biopsie und habe auch bis jetzt überhaupt keine Beschwerden und keine Blutungen, weder aus After noch im Urin. Gott sei Dank ist das so gut verlaufen, denn ich hatte schon gehörig Schiss davor.
Jetzt warte ich die Ergebnisse ab, natürlich in der Hoffnung, dass sie negativ ausfallen. Natürlich schwingt die Angst mit, dass ein Karzinom gefunden wird. Ich bin aber erst mal optimistisch und hoffe, dass auch bei einem positiven Befund alles noch gut werden wird.

tom aus lu schrieb am 2.1.2013:
Hier in diesem Forum wurde schon öfters über das Empfinden und der Schmerzhaftigkeit der Biopsie geschrieben.
Anscheinend eine sehr individuelle Betrachtungsweise, die Meinungen gingen von kleine Piekser bis gar nicht erträglich sehr auseinander.
Liegt es daran, dass Männer nach außen immer stark sein müssen und keine Empfindungen zugeben können? Warum werden dann immer noch Biopsien ohne lokale Betäubungen oder sogar Sedierungen durchgeführt. Mangelt es an Studien?
Einen sehr interessanten Artikel habe ich hierzu, allerdings schon aus dem Jahr 2002, in der Medical Tribune gefunden:
http://extranet.medical-tribune.de/volltext/PDF/2002/MT_Deutschland/43_mtd/MTD_43_S04.pdf
Meines Erachtens lesenswert. Demnach hatten damals 44 % von 140 Männer die Prozedur als schmerzhaft empfunden, gar sieben Männer fanden eine Biopsie absolut unerträglich.
Nach diesem Artikel halte ich persönlich eine Lokalanästhesie für ein absolutes Muss, eine Sedierung als empfehlenswert.
Am selben Tag schrieb auch PeterP:
Die zuverlässigste, einfachste und mit den geringsten Schmerzen verbundene Diagnose [für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms – Ed] sehe ich aber in einer PET-CT. Die Bildgebung liefert eine sehr klare Aussage, ob ein Kazinom überhaupt vorliegt oder wenn, in welchem Bereich der Prostata und dort auch gezielt biopsiert werden kann. Für gesetzlich Versicherte ist ist die PET zwar ein Kostenfaktor, doch sollte jedem die Sicherheit über den tatsächlichen Sachverhalt diese Investition wert sein.
Strahlentherapeut Daniel Schmidt protestierte am selben Tag gegen diese Aussage:
Das ist doch ein Scherz, oder?
Sie wollen einem Patienten mit einem low-risk ProstataCa als Erstdiagnostik eine Cholin-PET-CT zukommen lassen?
Kein Wunder, dass Deutschland das Land der Überdiagnostik geworden ist und soviel Geld aus dem Fenster rausgeschmissen wird.
Ich sage das zum zweiten Mal innerhalb einer Woche:
Die Cholin-PET-CT hat absolut gar keinen Platz in der Erstdiagnostik eines ProstataCa.
Sie ist zu teuer, zu unzuverlässig und es gibt keine Daten dafür, dass sie mehr Informationen als die Standardverfahren liefert.
Die Cholin-PET-CT ist eine spezielle Untersuchung, die bei speziellen Fragestellungen eingesetzt werden kann.
Die meisten Erfahrungen stammen aus dem Bereich der Rezidivdiagnostik, wo andere diagnostische Massnahmen (CT, MRT, Ultraschall, Szinti) versagt haben und es um die Frage einer lokalen Behandlung geht (im Prinzip bestrahlen ja/nein und was bestrahlen: Prostata +/- Lymphabflussgebiet).
Für alle andere Fragestellungen gibt es zu wenig Daten.
Es ist sogar absurd, über gezielte Biopsien zu reden. Wieso eine gezielte Biopsie jetzt? Es hat wohl schon eine Stanzbiopsie gegeben, und wenn man den Pathologiebefund nachliest, kann man sehen, wieviel Prozent welcher Stanze mit was für einem Tumor befallen ist. Was bringt uns eine zusätzliche gezielte Biopsie?
[Zitat:]
Für gesetzlich Versicherte ist die PET zwar ein Kostenfaktor, doch sollte jedem die Sicherheit über den tatsächlichen Sachverhalt diese Investition wert sein.
[Zitatende]
Dieses sozialfeindliche Statement finde ich völlig daneben.
Ich kann nur hoffen, dass Sie und ich nicht die gleiche private Krankenversicherung teilen und Sie meine Versicherungsbeiträge mit schwachsinniger Diagnostik verpulvert haben...
Wie eine Biopsie im Idealfall ablaufen sollte, schrieb Urologe fs am 17.10.2013:
Wenn die Biopsie korrekt nach heutigem Standard durchgeführt werden soll, dann wird
1. ein Antibiotikum ab Tag vor dem Eingriff verordnet
2. vor dem Eingriff ein desinfizierendes und betäubendes Gel als Klistier eingeführt (z. B. Farcosedan Set – optimiert für die Prostatabiopsie)
3. Einführen der TRUS-Sonde und Setzen des periprostatischen Betäubungsblockes mit 10 ml Xylonest 1 %
4. während der Wartezeit, die die Betäubung braucht, wird die Prostata nochmals gründlich durchmustert und verdächtige Areale werden identifiziert
5. aus mindestens 10 Arealen Probenentnahme unter Berücksichtigung der verdächtigen Regionen
6. die Biopsien sollten gerade ausgestreckt, einzeln beschriftet, in Formalin zum Pathologen – nennt sich preembedded (aus Proben, die frei schwebend und geknäuelt im Gefäß liegen und dann auch noch zu mehreren wird bis zu 20 % PCA übersehen)
7. die Proben sollten zu einem auf Prostatakarzinom spezialisierten Pathologen gehen.
Bei diesem Vorgehen hat man eine optimale Entdeckungsrate und trotzdem verspürt der Patient praktisch keinen Schmerz.
Urologe fs schrieb am 20.10.2013:
Ich habe das Gefühl (Achtung Satire), dass süddeutsche/bayrische Patienten nicht so schmerzempfindlich sind....
Im Rahmen eines State-of-the-Art Workshop für Prostatabiopsien der LMU wurde durch Handheben abgefragt, wer so vorgeht (etwa 80 % eines der betäubenden Verfahren, 10 % beides, 10 % keine Anaesthesie).
Interessanterweise um so weniger Betäubung, je weiter südlich der Kollege residierte (Eindruck). Münchener Kollege neben mir: "MEINE Patienten brauchen keine Betäubung, die merken auch so nichts!" Mein Angebot, ihn dann doch mal eben hier ohne Betäubung zu biopsieren, hat er dann aber doch dankend abgelehnt :-)
Mein Rat: IMMER bei der Aufklärung nach der Betäubung fragen - gibt’s keine – Urologen wechseln. NIEMAND sollte zu Schmerzen aus Bequemlichkeit oder Sparsamkeitsgründen des Arztes gezwungen werden.
Wir haben bei Einführung der aktuellen Technik bei den ersten 100 Patienten eine Befragung mit der sogenannten visuellen Analogskale durchgeführt:
und hatten durchschnittliche Beurteilungen von 0,5 bis 1,5. Dass Höchste war 3 (war eine riesige Prostata).
Bernhard* schrieb am 4.11.2013:
Am 15.10.13 Biopsie. (Ergebnis in meinem Profil). Biopsie und der Tag danach waren erträglich. In der folgenden Nacht bekam ich Schüttelfrost und Fieber. Also Notarzt – Krankenhaus. Dort wurde im Blut das E-Coli-Bakterium nachgewiesen.
Zustand einigermaßen stabil. Am folgenden Nachmittag erneut Fieberschub 40,2° und Schüttelfrost, mit Bewusstseinstrübung. Daraufhin Antibiose [Behandlung mit einem Antibiotikum – Ed] und Umstellung auf 3 x tgl. 50 mg Piperacillin. Dieses Medikament wurde acht Tage intravenös verabreicht. Am 25.10.13 aus dem Krankenhaus entlassen. Zu Hause fünf Tage Antibiotikum weiter eingenommen.
Am 28.10. Vorgespräch in der Martiniklinik. Nach Vita und meinen Bericht zum Verlauf meiner Sepsis, wurde Op-Termin für den 02.12.13 vereinbart. Op – Rpe offen. Der Arzt meinte diese Zeitspanne sollte für meine Genesung ausreichen.
Heute, elf Tage nach Entlassung aus dem Krankenhaus fühle ich mich immer noch sehr schwach! Nachts schwitze ich sehr stark, mein Blutdruck ist erhöht, und z. T. noch Durchfall. Das war vor meinem Krankenhausaufenthalt alles nicht vorhanden. Ich habe immer körperlich gearbeitet, hatte immer Kraftreserven.
Wenn ich nach meinem "Bauchgefühl" gehe, dann möchte ich die Op um ca. vier Wochen nach hinten verschieben, damit ich dann einigermaßen fit in die Klinik gehe.
Vielleicht stand hier jemand schon einmal vor so einer Entscheidung?
Uli_HD meinte einen Tag später:
Glücklicherweise passieren solche Auswirkungen offensichtlich selten. Ob "Kunst"fehler oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Mir scheint es angesichts des körperlichen Stresses, den eine OP darstellt, immer besser, sich vorher physisch und psychisch gut zu fühlen, als jetzt die OP überhastet durchzuziehen.
Deshalb eindeutige Empfehlung: Verschieben! Sich regenerieren!
Am selben Tag schrieb Urologe fs aus ärztlicher Sicht:
Ein Kunstfehler ist es nicht – weltweit treten nach einer Biopsie, egal welches Vorbeuge-Antibiotikum verwendet wird, dieses Fieber in etwa 1-2 % der Patienten auf.
Eine solche akute Prostatitis sollte auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch mindestens zwei Wochen mit einem oralen Antibiotikum weiterbehandelt werden. Testgerecht nach Kultur, die ja inzwischen vorliegen sollte, denn der E. coli wurde ja nachgewiesen. Die Kollegen haben einen berechtigten Grund, den Termin zur OP nicht zu weit nach hinten zu schieben:
- die Entzündung ist kaum vollständig aus der Prostata zu bekommen (Probleme der Prostatitisbehandlung habe ich hier schon mehrfach beschrieben),
- eine Entfernung der Prostata hätte praktisch auch eine Entfernung der Entzündung zur Folge,
- wartet man(n) nach einer solchen Entzündung zu lange mit der OP, vernarbt und verklebt das umgebende Gewebe durch die Entzündung zunehmend und die Erhaltung der Potenz und Kontinenz wird immer schwieriger, weil die unterschiedlichen Schichten miteinander verschmelzen.
Und Bernhard* antwortete:
Ich hatte einen Tag vor Biopsie und auch die nächsten beiden Tage ein Antibiotikum genommen. Im Krankenhaus wurde aber festgestellt, dass ich gegen dieses verordnete Antibiotikum resistent bin [tatsächlich ist nicht der Patient Bernhard* resistent gegen das Antibiotikum, sondern die betreffenden Darmkeime sind es – Ed]. Somit hatte der Keim freie Bahn. Ich habe, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen bin, noch fünf Tage ein Antibiotikum weiter genommen. Gestern Urinprobe. Zum Glück, keine Erreger gefunden. Eine "Antibiose", vor der Biopsie hätte klar gestellt, welches Antibiotikum wirksam ist [mit "Antibiose" ist hier ein "Antibiogramm" gemeint, das ist ein Labortest zum Ermitteln des An­sprechens bzw. der Resistenz von Krankheitskeimen gegenüber bestimm­ten Antibiotika – Ed].
Schließlich, am 30.11.2013, berichtete Bernhard*:
Endlich … Urin Keimfrei, keine E-Coli-Bakterien nachweisbar. Heute war Voruntersuchung für meine Op. am Montag, den 02.12. Prostata noch einmal untersucht. Tastbefund/Ultraschall: keine Auffälligkeiten festgestellt. Abschließend noch ein Gespräch mit meinem Operateur. Er hat auf die Problematik einer Prostata-Op. mit vorausgegangener Prostataentzündung hingewiesen. Es ist nicht auszuschließen, dass Verklebungen zwischen Nervengeflecht und Prostata bereits stattgefunden haben. Er wird natürlich versuchen, nervenschonend zu operieren. Bei mir wurde leider erst im Krankenhaus ein Antibiogramm angefertigt, mit dem Ergebnis, dass ich gegen das prophylaktisch verabreichte AB = Ciprofloxacin resistent bin.
Ich kann nur jedem, der eine Biopsie vor sich hat, empfehlen auf ein Antibiogramm zu bestehen. Auch, wenn es für den Urologen lästig ist und Extrakosten macht [Hervorhebung durch Ed].
Heute bin ich dankbar, dass ich die Sepsis ohne weitere Schäden überstanden habe. Was meine Op. betrifft, so kann ich nur hoffen, dass die Entzündung nicht allzuviel angerichtet hat.
Dazu schrieb RalfDm am selben Tag:
Hallo Bernhard, da sprichst Du ein großes Wort gelassen aus! Ich bin vollkommen Deiner Meinung, und ich denke, dass diese Forderung nach einem routinemäßigen Antibiogramm eines nicht allzu fernen Tages Einzug in die S3-Leitlinie halten muss.
Ich habe als Hotline-Berater schon mehrfach Männer an der Leitung gehabt, die sich nach einer Biopsie trotz vorangegangener Antibiose mit einer Sepsis auf der Intensivstation wiedergefunden hatten. Es ist im Prinzip bekannt, dass diese Fälle immer mehr zunehmen, weil immer mehr Bakterienstämme auf das routinemäßig verwendete Ciprofloxacin resistent werden. Nur wird von der offiziellen Urologie bisher souverän ignoriert, dass sich da ein Problem zusammenbraut. Erst wenn das Kind im Brunnen liegt, sprich der Patient auf der Intensivstation, wird geschaut, ob seine Darmkeime vielleicht gegenüber dem verwendeten Antibiotikum resistent waren.
Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gefunden (The Incidence of Fluoroquinolone Resistant Infections After Prostate Biopsy—Are Fluoroquinolones Still Effective Prophylaxis? Joseph Feliciano, Ervin Teper, Michael Ferrandino, Richard J. Macchia, William Blank, Ivan Grunberger and Ivan Colon From the State University of New York Downstate Medical School, Brooklyn, New York — der Artikel steht inzwischen nur noch registrierten Benutzern zur Verfügung, ich habe ihn als PDF-Datei vorliegen), in dem aus einer amerikanische Klinik berichtet wird, dass durch das Einführen eines routinemäßigen Antibiogramms vor jeder Prostatabiopsie die Fälle von ernsthaften Komplikationen von, ich glaube (ich müsste nachsehen), 2,4 % auf Null gedrückt werden konnten. Es wurden dann in einer Versuchsreihe Fluoroquinolon-resistente Bakterienstämme bezüglich ihres Ansprechens auf andere Antibiotika überprüft, und es wurden in der Tat sechs Antibiotika identifiziert, die ein hundertprozentiges Ansprechen erbrachten: Cefazolin, Cefotaxim, Cefotetan, Ceftazidim, Ceftriaxon und Amikazin. Ob diese Antibiotika bei uns unter diesen oder unter anderen Namen im Handel sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Die take-home lesson, um mit Dr. Strum zu sprechen, ist also: Es gibt sichere Alternativen zu den Fluoroquinolonen (Ciprofloxacin gehört zu dieser Gruppe von Antibiotika), man muss nur nach ihnen suchen.
Eine Quote von 2,4 % ernsthafter Komplikationen mag einem Kliniker niedrig erscheinen, den Patienten, der zu den 2,4 % gehört, tröstet das aber nicht, zumal es sich mit einfachen Mitteln (in dem Beitrag ist – wenn ich mich recht erinnere – von ca. 20 USD für ein Antibiogramm die Rede) hätte vermeiden lassen können.
Heribert gab hierzu Folgendes zu bedenken:
Die Cefalosporine [eine Gruppe von Breitband-Antibiotika, zu der die im vorstehenden Beitrag genannten sechs Antibiotika gehören – Ed] der 3. und der 4. Generation gelten aber auch als eingeschränkt wirksam gegen Methicillin- (Oxacillin-) resistente Staphylokokken. Außerdem ist für Patienten mit erwiesener Penicillinallergie der Einsatz problematisch und nach meiner Kenntnis nur als i.m.-Injektion [i.m. = intramuskulär – Ed] verfügbar.
Das ändert allerdings grundsätzlich nichts an dem Problem, von dem ich ebenfalls überzeugt bin, dass es bei gründlicher Vorbereitung inklusive Antibiogramm vermeidbar wäre. Als Alternative käme ja auch noch die Biopsie über den Damm infrage.
Einwände hatte auch Urologe fs am 10.12.2013:
Ganz so einfach ist das nicht .... mit der Biopsie.
Antibiogramm wovon? VOR der Biopsie ist im Urin in der Regel nichts nachzuweisen. Im Rektum sind sowieso immer Keime.
Am erfolgreichsten scheint dennoch der Rektalabstrich vor Biopsie zu sein aber es bedeutet auch einen zusätzlichen Praxisbesuch eine Woche vor Biopsie.
Dieser wird aber von den gesetzlichen Kassen nicht als Leistung anerkannt und daher auch nicht bezahlt (lieber löhnen sie bei 1 % Krankenhauspatienten …).
Und einfach nur Cephalosporine zu nehmen oder andere Ausnahmeantibiotika wird dann in kurzer Zeit zu einem ganz großen Problem nicht mehr behandelbarer, weil komplett resistenter Keime führen.
Fluorchinolon-Prophylaxe schützt vor Prostatitis bei Stanzbiopsie — noch ...
Quelle: URO-NEWS
Bei der Fluorchinolonresistenz von E. coli handelt es sich um ein Phänomen, das seit etwa zehn Jahren nicht nur in urologischen Kliniken beobachtet wird.
Französische Urologen haben daher untersucht, ob eine Fluorchinolon-Prophylaxe vor Prostatitis schützt [Campeggi A et al. Int J Urol 2013; doi: 10.1111/iju.12207]. 3.000 Patienten, die sich zwischen 2006 und 2009 einer Ultraschall-gesteuerten transrektalen Stanzbiopsie der Prostata unterziehen mussten, erhielten eine siebentägige Prophylaxe mit dem Fluorchinolon Ofloxacin (zweimal täglich 200 mg), beginnend mindestens zwei Stunden vor der Biopsie. Innerhalb einer Woche nach der Stanze entwickelten 20 Männer (0,67 %) eine akute Prostatitis mit Fieber, Bakteriurie und/oder Leukozyturie sowie Schmerzen bei rektaler Palpation. Einziger isolierter Keim war E. coli, 95 % der nachgewiesenen Bakterien waren resistent gegen Fluorchinolon sowie Amoxicillin.
Angesichts der niedrigen Inzidenz der Post-Biopsie-Prostatitis halten die Autoren eine Fluorchinolonprophylaxe nach wie vor für gerechtfertigt. Weiter spricht dafür, dass sich sämtliche Prostatitisfälle gut mit Cephalosporinen der dritten Generation oder Imipenem behandeln ließen. „Würde man zur Vorbeugung ein Antibiotikum mit breiterem Spektrum einsetzen, könnte dies die Resistenzsituation bei den verantwortlichen Bakterien verschärfen und in der Folge schwerere Prostatitisverläufe nach sich ziehen“, meinen die Autoren. Mehr versprechen sie sich davon, den transrektalen durch einen transperinealen Zugang zu ersetzen.
Es liegen noch keine belastbaren Daten vor, aber seitdem ich ein spezielles rektales Betäubungs-/Desinfektionsset für die Biopsie benutze (Farcosedan Set) und lange genug warte, bis die desinfizierende und betäubende Wirkung eingetreten ist, spüren die Patienten kaum noch etwas vom Eingriff und bisher (toi, toi, toi) keinen einzigen Sepsisfall.
W.Rellok schrieb am 6.5.2014:
Wesentlich ist nach einer Biopsie die Möglichkeit einer Sepsis (Blutvergiftung). Daher gilt es streng zu achten auf Vorzeichen:
Körpertemperatur >38 °C oder <36 °C
Tachykardie: Herzfrequenz >90/min
Tachypnoe: Atemfrequenz >20/min oder Hyperventilation (PaCO
2 <4,3 kPa bzw. 33 mmHg)
Für die ärztliche Diagnostik gilt:
Leukozytose (>12.000 weiße Blutkörperchen/mm3) oder Leukopenie (<4.000/mm3) oder >10 % unreife neutrophile Granulozyten im Differentialblutbild.
Ich zitiere aus den Hinweisen des Berufsverbandes der Internisten:
http://www.internisten-im-netz.de/de...ergiftung.html
Eine Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Sie entwickelt sich während schwerer Erkrankungen, nach Verletzungen oder großen Operationen. Ausgehend von einem örtlich begrenzten Krankheitsherd breitet sich die Entzündung bei einer Sepsis im ganzen Körper aus. Es kommt zu einer fatalen Kettenreaktion mit hohem Tempo: Der Kreislauf kollabiert und viele Organe zeigen schwere Funktionsstörungen. Nieren, Lunge, Leber und Herz können schließlich komplett versagen. Pro Jahr entwickeln rund 200.000 Patienten in Deutschland eine Sepsis, ein Drittel stirbt an den Folgen der außer Kontrolle geratenen Infektion. In Deutschland ist sie die 3.-häufigste Todesursache, auf den Intensivstationen sogar die häufigste.
___
wasnun fragt am 21.11.2014:
Wegen der durchgemachten Sepsis nach der ersten 12-fachen Stanzbiopsie habe ich doch große Bedenken wenn nicht Angst vor der 24-fachen Stanzbiopsie. Deswegen bin ich auf die Alta Klinik gekommen. Hier wird von außen gestanzt, so dass es praktisch kein Infektionsrisiko gibt. Da ich kein Privatpatient bin, ist mit Kosten von einigen tausend Euro zu rechnen. Die GKV übernimmt nichts.
Fragen:
Urologe fs antwortete am 24.11.2014:
- 24-fach-Biopsien (Sättigungsbiopsien ) bringen auch nicht sehr viel weiter, haben aber deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko, und werden immer weniger gemacht.
- Der PSA-Verlauf legt ein PCa nahe, daher zunächst auf GKV-Kosten MRT ggf. 3 Tesla oder mit endorektaler Spule zur Lokalisation potentieller Herde (es muss nicht gleich ALTA sein).
- Alternativ kann auch eine Biopsie mit Elastographie oder cTRUS/ANNA erwogen werden.
- Zur Vermeidung einer erneuten Sepsis VOR Biopsie Rektalabstrich mit Antibiogramm, dann testgerechter Prophylaxe (z. B. Kombination Cephalosporin + Gentamycin), antiseptische Vorbehandlung des Rektums mit Farcosedan.
- Perineale (durch den Damm) möglich, lässt sich aber nicht mit Elastografie oder ANNA verbinden.


rob6519 fragte am 3.2.2015 unter dem Betreff „Nach Biopsie Blut im Sperma“:
Hatte vor zwei Wochen eine Biopsie, eine teure Variante, sogenanntes 3D-Verfahren mit mehr Proben aber sehr hoher Trefferquote. Wollte keine Rebiopsien riskieren.
War völlig schmerzfrei da, in Vollnarkose. Urinfluss und -farbe waren kurz danach wieder voll ok. Musste allerdings den Katheter fünf Tage tragen, da meine Prostata mit 70 ml ziemlich groß ist, und den Harnleiter [gemeint ist die Harnröhre – Ed] durch eine weitere Schwellung evtl. ganz abgesperrt hätte. Gab aber kein Problem. Jetzt wieder alles ok.
Frage aber: Hab sieben Tage nach der Biopsie erstes Sperma betrachtet, Tomatensaft-ähnlich, nach zwei Wochen immer noch hübsch rot.
Was für Biopsie-Erfahrungen mit dieser Hämospermie [Blutbeimengung im Sperma – Ed] gibt es, wie lange kann das dauern?
Harald_1933 antwortete am selben Tag:
Nach Prof. Stockamp sind fast schwarze Blutbeimengungen in der Samenflüssigkeit in abnehmendem Maße noch mehrere Monate nach Biopsien beobachtet worden.
Snoopy1958 (eine Ehefrau) schrieb:
Bei meinem Mann war die Biopsie am 02.12.2014. Er hat im Moment ebenfalls noch etwas Blut im Sperma. Ist wohl nicht ungewöhnlich...


LowRoad schrieb am 2.4.2015 unter dem Betreff „Severe Infections After Prostate Biopsy on the Rise“ (ernsthafte Infektionen nach Prostata-Biopsien nehmen zu):
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Infektionen nach einer transrektalen Ultraschall-gesteuerte (TRUS) Prostata-Biopsie, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen würden, ist ansteigend, entsprechend einer bevölkerungsbezogenen Studie aus Schweden.
"Über 100.000 Biopsien werden in Europa und den Vereinigten Staaten jedes Jahr durchgeführt, womit auch ein kleiner Anstieg des Risikos für Komplikationen viele Menschen betreffen könnte", sagte der Forscher Karl-Johan Lundström, MD, ein Facharzt für Urologie an der Universität Umeå in Östersund, Schweden.
"Es ist daher von größter Bedeutung, die Patienten einer genauen Beobachtung zu unterziehen, um gegebenenfalls Komplikationen festzustellen, und um festzustellen, ob die Rate der Komplikationen steigt, und ob es bestimmte Risikofaktoren gibt, die diesen Anstieg erklären könnte", sagte er Medscape Medical News.
Die Ergebnisse wurden am 6. Mai [Jahr? – Ed] im Journal of Urology online veröffentlicht. Die Forscher ermittelten die Häufigkeit und Schwere von infektiösen Komplikationen in einer Kohorte von 51.321 Männern, die sich zwischen 2006 und 2011 einer Ultraschall-geführte [transrektalen] Biopsie unterzogen hatten. In Schweden ist dabei die Verabreichung einer Einzeldosis eines Antibiotikums vor dem Eingriff die häufigste Form der Prophylaxe, so Dr. Lundström.
Das Team stellte fest, dass 3.210 Männer (6 %) im Zeitraum von einem Monat und 54 % in der Woche nach der Biopsie wegen eines Harnwegeinfekts ein Rezept für ein Antibiotikum erhielten.
Darüber hinaus wurden 587 Männern (1 %) wegen einer infektiösen Komplikation stationär behandelt, wobei dies bei 74 % der Männer dieser Gruppe in der ersten Woche nach dem Eingriff geschah.
Männer, die in den letzten 6 Monaten vor der Biopsie eine Harnwegsinfektion HWI (Urinary Tract Infection UTI) hatten, zeigten eher Symptome einer Harnwegsinfektion nach dem Eingriff (Odds Ratio 1,59). Darüber hinaus entwickelte sich auch bei Männern mit Diabetes eher eine UTI nach einer Prostata-Biopsie (OR 1,32), ebenso bei Männern mit einem hohen Komorbiditätsindex (OR 1,25).
Die Ausstellungen für Antibiotika-Rezepte nach einer Prostata-Biopsie sanken 2011 um etwa 20 % gegenüber denen im Jahr 2006. Während dieser Zeit begann die schwedische Regierung Initiativen gegen Antibiotikaresistenzen zu fördern und propagierte den sachgerechten Einsatz von Antibiotika, was wahrscheinlich zu dieser Abnahme führte, sagte Dr. Lundström Medscape Medical News.
Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt nach der Prostatabiopsie war jedoch 2011 doppelt so hoch wie im Jahr 2006. Die Forscher glauben, dass diese Zunahme ein Spiegelbild der zunehmenden Resistenz von Enterobacteriaceae-Arten ist, eine häufige Ursache von UTIs in Schweden und anderswo.
Dennoch starben nur 34 Patienten in der Kohorte (0,07 %) wegen einer UTI oder Sepsis. Und es gab keinen signifikanten Anstieg der 90-Tages-Mortalität bei Patienten, die eine Infektion nach der Biopsie entwickelten, zu denen, die dies nicht taten.
Biopsie sind weiterhin angemessen
In der Regel sollten Biopsien nur bei Patienten durchgeführt werden, deren Überleben oder deren Morbidität durch eine Prostatakrebs-Diagnose verbessert werden kann, sagte Dr. Lundström. "Die Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs ist besonders vorteilhaft bei jüngeren Patienten", sagte er. "Ich würde vorschlagen, dass bei allen Patienten mit einem geschätzten Überleben von mehr als zehn Jahren eine Biopsie durchgeführt werden sollte, wenn Prostatakrebs vermutet wird, ebenso bei denjenigen mit lokal fortgeschrittener Erkrankung."
Männer mit einem Prostata-spezifischem-Antigen- (PSA-) Wert oberhalb von 100 ng/ml und tastbaren Verhärtungen sowie erkennbaren Knochenmetastasen auf einer Knochenszintigraphie profitieren beispielsweise nicht von einer Prostatabiopsie, sagte Dr. Lundström. "Eine negative Biopsie würde die Behandlung dieser Patienten nicht ändern, und die Biopsie nur ein unnötiges Risiko generieren", erklärte er.
Die Vorteile der Biopsie wären auch fraglich bei Patienten mit signifikanten Begleiterkrankungen, die ein hohes Todesrisiko aus anderen Gründen als Prostatakrebs haben, oder die ein hohes Risikopotential für infektiöse Komplikationen nach dem Eingriff bieten, stellte er fest.
Ein systematischer Überblick über Komplikationen einer Prostatabiopsie zeigte auch, dass sich Infektionen immer häufiger nach der Prostatabiopsie entwickeln (Eur Urol 2013; 64:. 876 bis 892). Die Autoren vermuten, dass die Zunahme der Infektionen weitgehend das Ergebnis einer generell erhöhten Resistenz gegen Antibiotika ist.
Ist das transperineale Verfahren der besserer Ansatz?
Um das Risiko für Sepsis zu minimieren, nutzen viele Ärzte heutzutage ein transperineales Verfahren anstatt des transrektalen Weges, erklärt Dr. Declan Murphy vom Peter MacCallum Cancer Center an der Universität von Melbourne in Australien.
"Die Ergebnisse dieser Studie, bestätigt durch Daten aus anderen Ländern, zeigen steigenden Infektionsraten und Sepsis als Folge einer TRUS-Biopsie der Prostata", so Dr. Murphy. "Es ist wahrscheinlich, dass die allgemeine Antibiotikaresistenz dazu beiträgt, mit bis zu 20 % Patienten mit Ciprofloxacin-resistenten Organismen im Rektum bei der Biopsie, entsprechend einer kanadischen Studie", berichtet er.
Ein offensichtlicher Weg diese Gefährdung weitgehend auszuräumen wäre, es zu vermeiden mit einer Nadel durch den Darm die Keime in die Prostata zu verschleppen, sagte er. "Durch die Verwendung eines transperinealen Ansatzes in Zentren in Australien und im Vereinigten Königreich konnte eine Sepsis nach Prostatabiopsie so gut wie ausgeschlossen werden, und es hat sich auch eine bessere Diagnosefähigkeit ergeben", sagte Dr. Murphy.
Die Tatsache, dass infektiöse Komplikationen nach der TRUS-Biopsie zunehmen spiegelt wahrscheinlich die hohe Prävalenz von Antibiotika-resistenten Stämmen von Enterobacteriaceae in Schweden und anderswo wider, sagte Dr. Josep Maria Gil-Vernet, von der Abteilung für Urologie an einer Klinik in Barcelona/Spanien.
"Ich denke, es ist Zeit, neue Strategien zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen nach TRUS-Biopsie zu entwickeln", so Dr. Gil-Vernet.
In einer früheren Studie hatten er und seine Kollegen festgestellt, dass von 530 Männern, die vor einer TRUS-Biopsie intrarektal eine zehnprozentige PVP-Jod-Lösung verabreicht bekamen, nur einer nach dem Eingriff eine Escherichia-coli-akute bakterielle Epididymitis [Nebenhodenentzündung – Ed] entwickelte. Jeder Patient erhielt auch prophylaktisch Ciprofloxacin 1g/Tag für drei Tage, beginnend am Tag vor der Biopsie, sowie reinigende Einläufe.…
"Im Gegensatz zu dem, was mit Antibiotika auftritt, hat sich die bakterizide Wirkung von Jod im Laufe der Zeit nicht verringert, und bis jetzt sind keine mikrobiellen resistenten Stämme gegenüber PVP-Jod festgestellt worden", erklärte er. "Mit dieser einfachen, leicht zu bedienenden und kostengünstigen Technik haben wir nur eine 0,25-prozentige Inzidenz für Harnwegsinfektionen, und nur bei einem Patienten war eine stationäre Behandlung erforderlich…
Eigene Anmerkungen [von LowRoad – Ed]:
Ich habe das hier als neues Thema in die Rubrik AS [Active Surveillance – Ed] eingestellt, da ja gerade die ASler von immer wiederkehrenden Biopsien betroffen sind, und somit sich ihr persönliches Risiko einer Sepsis deutlich erhöht, wenn nicht sachgerecht vorgegangen wird.
Ein Ansatz, dem Einsatz von Povidon-Jod-Lösungen wurde aufgezeigt.
Noch verträglicher dürfe es sein, überhaupt keine Wiederholungsbiopsie durchzuführen, und diese durch einen mpMRI-Scan zu ersetzen. Solange bildgebend keine Progression ermittelt werden kann, sollte der Weg für die Fortführung der AS-Strategie geebnet sein. Das ist allerdings ein experimenteller Ansatz, der zudem noch eine Menge mehr finanzielle Mittel erfordert.
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[1]: Medscape; Severe Infections After Prostate Biopsy on the Rise
Dazu schrieb am selben Tag Norbert H.:
Ich war auch davon betroffen: trotz Antibiotika-Prophylaxe am Abend nach der Biopsie mit 41° C Fieber ins Krankenhaus wegen Sepsis, nach ein paar Wochen nochmal Epididymitis. Vermutlich weil ich vorher schon mal mit Antibiotika behandelt wurde.
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es die Möglichkeit gibt, vorher auf Resistenzen zu prüfen um das richtige AB auszuwählen. Gibt es damit Erfahrungen?
Und Ralf schrieb:
Dazu habe ich im "Ersten Rat" Folgendes geschrieben:
"Die korrekte Vorgehensweise bezüglich der Infektionsprophylaxe vor einer Biopsie wäre nach meiner Meinung, bei Ihnen etwa 14 Tage vor der geplanten Biopsie zunächst einen Rektalabstrich zu nehmen und per Anlegen mehrerer Kulturen mit verschiedenen Antibiotika zu prüfen, ob die in dem Abstrich enthaltenen Keime auf das vorgesehene Antibiotikum überhaupt ansprechen.
Dieses Verfahren nennt sich „Antibiogramm“, kann ggf. auch von Ihrem Hausarzt durchgeführt werden und und kostet einen Bruchteil dessen, was ein Aufenthalt auf der Intensivstation kosten würde[1]. Vielleicht können Sie mit diesem Argument Ihre Krankenversicherung dazu bewegen, die Kosten für diese empfehlenswerte vorsorgliche Maßnahme zu übernehmen.
Ein Antibiogramm kann allerdings in der Regel nicht sagen, welches Antibiotikum einer Auswahl das „beste“ ist, sondern nur, welche Antibiotika vermutlich nicht wirken würden.
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[1] Dieser Vorgehensweise stammt nicht von mir, sondern ich habe sie dem (als Volltext anscheinend nicht mehr zugänglichen) Artikel „The Incidence of Fluoroquinolone Resistant Infections After Prostate Biopsy – Are Fluoroquinolones Still Effective Prophylaxis?“, veröffentlicht in The Journal of Urology, March 2008, S. 952-955 entnommen, in dem eine Klinik, nämlich The State University of New York Downstate Medical School, darüber berichtete, dass durch dieses Vorgehen die Infektionsrate bei Prostatabiopsien von 2,4 % auf Null gesenkt werden konnte."
Ich bleibe weiter am Ball, um meine am Erstellen der Leitlinie beteiligten Kollegen vom BPS und über sie das Leitlinien-Komitee für das Thema zu sensibilisieren.
Mercy1 fragte am 26.6.2016:
Ich habe wegen einer Darm-OP kein Rektum mehr (Darmausgang verlegt). Mein PSA steigt an und ich war zur Ultraschallbiopsie über den Damm. Leider konnten von 12 Proben nur drei halb getroffen werden. Diese Biopsie war sinnlos. Wer ist in der gleichen Lage und kann mehr mit Rat und Tat Hilfe geben. War in mehreren Kliniken, die eine MRT-gesteuerte Biopsie anboten, aber als ich dort vorsprach, wurde ich darau hingewiesen, dass dieses nur durch den Rektum (After) geht. Habe schon die Krankenkasse, Krebscenter in Heidelberg und verschiedene Kliniken angefragt. Keiner wusste Bescheid. Ich habe noch da einen Tipp bekommen, die Alta-Klinik in Gütersloh. Allerdings muss ich dort privat bezahlen. Hat damit oder sonst irgend jemand selbst Erfahrungen oder kennt jemanden? Bin für jeden Rat dankbar.
Ralf antwortete am selben Tag:
Mehrere Kliniken bieten als Alternative die transperineale Biopsie an, z. B.:
Wenn bis hierher für Dich nichts dabei ist, dann solltest Du nach "Prostatabiopsie transperineal" googeln. Es gibt bestimmt noch mehr Kliniken in Deutschland, die die transperineale Biopsie anbieten.
dreispitz antwortete am 27.6.2016:
Mein Vater hat im Sommer 2015 eine transperineale Biopsie am Heidelberger Uniklinikum in der Urologie (Chirurgische Klinik) durchführen lassen.
Am selben Tag gab Urologe zu bedenken:
Aber selbst transperineale Biopsien werden durch Ultraschallsonde im Enddarm gesteuert – was hier nicht möglich ist. Also muss es hier eine reine MRT-gesteuerte Biopsie sein, was dann nicht mehr die Urologen, sondern die Radiologen machen, ist aber möglich.
Und Heribert riet:
Schau mal in der nächstgelegenen UniKlinik unter dem Begriff "Interventionsradiologie" nach. Unter diesem Sammelbegriff fallen bildgestützte radiologische Eingriffe. Gibt es bestimmt auch in Deiner Nähe.