Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

    Ärzte – Dr. Leibowitz und Dr. Tucker

Ralf schrieb am 20.8.2003:
am 12. dieses Monats lernte ich die Gemeinschaftspraxis Dr. Leibowitz/Dr. Tucker in Los Angeles kennen. Alles weitere in nachstehendem Bericht.
Ein Besuch in der Gemeinschaftspraxis Dr. Leibowitz/Dr. Tucker in Los Angeles
Die Doktoren Leibowitz und Tucker, die in Los Angeles gemeinsam eine onkologische/hämatologische Gemeinschaftspraxis betreiben, werden in unseren Foren immer wieder genannt, aber unterschiedlich bewertet, da sich einige Betroffene (und natürlich Ärzte) mit ihren Thesen und Behandlungskonzepten nicht anfreunden können/wollen. So brauchte ich nicht lange zu überlegen, als jemand, nennen wir ihn J., der kurz zuvor mit in einem Alter von 53 Jahren einem PSA von 23,8 ng/ml, einem GS8 und multiplen Knochenmetastasen diagnostiziert worden war, sich per E-Mail um Rat an mich gewandt, von mir vom Leibowitz-Tuckerschen Behandlungskonzept mit Dreifacher Hormonblockade plus Chemotherapie plus Zometa für Fälle wie seinen gehört und sich kurzentschlossen und kurzfristig bei Dr. Tucker einen Termin besorgt hatte, mich fragte, ob ich Lust hätte, mitzukommen, um mir selbst einen Eindruck von Dr. Tucker zu machen. Ich hatte. Und damit vielleicht auch andere von unserer Reise und unseren Eindrücken profitieren können, schreibe ich diesen Bericht.
Der Termin war auf 13 Uhr angesetzt. Die Praxis liegt etwas außerhalb von Los Angeles Downtown in einem Klinikkomplex. Die Suite 601, die Dr. Leibowitz immer noch in den Köpfen seiner Beiträge angibt, stimmt nicht mehr, es ist jetzt die Suite 1005, im 10. Stockwerk. Wir waren (mit einem Mietwagen) frühzeitig losgefahren, brauchten von der Innenstadt über den Freeway I10 in Richtung Santa Monica ca. eine halbe Stunde und waren um 12:15 Uhr in der Praxis.
Man betritt ein kleines Wartezimmer mit bequemen Sesseln und der Theke der Rezeption. Auf einem Sideboard stehen drei umfangreiche Alben, voll mit Dankesbriefen von Patienten aus den letzten ca. 12 Jahren.
Ein halbes Dutzend Sprechstundenhilfen und ein Laborant wuseln umher, gelegentlich kommen und gehen andere Patienten. J. reichte die Zeit gerade, um die umfangreichen Fragebögen auszufüllen. Ich erstand das neueste Leibowitz-Video (auch als DVD erhältlich) eines zweistündigen Vortrages vor einer Selbsthilfegruppe in Palatine, Illinois am 22.5.2003, "Everyone is entitled to their own wrong opinion" (Jeder hat ein Recht auf seine eigene falsche Meinung).
J. wurde Blut abgenommen und gleich zum praxiseigenen Labor gebracht, die Werte kamen herein, während wir später noch bei Dr. Tucker saßen, nur den PSA- und den Testosteronwert gab es erst einen Tag später (PSA 14,... ng/ml, die Dreifache Hormonblockade zeigte bereits Wirkung).
Um etwa 13:20 Uhr wurde J. in Dr. Tuckers Behandlungszimmer gebeten, er bat mich, mitzukommen. Dr. Tucker ist ein etwas untersetzter, freundlicher, jüngerer Mann, vielleicht Anfang 40. Wir stellten uns vor, Dr. Tucker las sich die ausgefüllte Fragebögen, die (aus dem Deutschen übersetzten) Befunde und Berichte über Vorbehandlungen durch (DHB noch in Deutschland eingeleitet, ebenso die erste Zometa-Infusion verabreicht) und stellte eine Reihe ergänzender Fragen. Wie ich insgeheim schon vorher, stellte er ansgesichts des relativ niedrigen PSA-Wertes bei schon größerer Ausbreitung der Erkrankung den pathologischen Befund einer Gleason-Summe 4+4 in Zweifel und veranlasste sofort, dass die mitgebrachten Schnitte an einen Pathologen am renommierten Johns Hopkins Institute in Boston gesandt wurden (Johns Hopkins stellte in einer Stanze einen zehnprozentigen Anteil eines Gleason 5 fest, J. hat also eine Gleason-Summe 9).
Er sagte J. ohne Umschweife, dass er es mit einer aggressiven Erkrankung zu tun hat, dass er aber zuversichtlich sei, ihm helfen zu können. Er ließ sich als Beispiele zwei Akten von Patienten kommen, die ebenfalls bereits Knochenmetastasen gehabt hatten, denen vier Jahre zuvor geraten worden war, ihre Angelegenheiten zu regeln ("to get their affairs in order"), weil sie nur noch wenige Wochen zu leben hätten, und die immer noch lebten und denen es gut gehe. Unaufgefordert räumte er aber auch ein, dass er auch Patienten gehabt habe, bei denen keinerlei Behandlung anschlug, doch sie seien in der Minderheit gewesen. Dann erläuterte er sein Behandlungskonzept, das mir von Dr. Leibowitz' Vorträgen bereits weitgehend bekannt war: Zusätzlich zur DHB und zu Zometa niedrig dosiertes, einmal wöchentlich verabreichtes Taxotere und Carboplatin, dazu an zwei Tagen der Woche Decadron (ein Cortison, das auch bei Krebs gute Wirkung hat) und Emcyt (Wirkstoff Estramustin, ein Östrogen). Da Östrogen bei Männern Thrombosen auslösen kann, zusätzlich ein Blutverdünner, zuerst das schnell wirkende Lovenox, dann Cumadin, das erst nach drei Tagen wirkt. Gesamtdauer der Behandlung: Zunächst 20 Wochen (die DHB natürlich wie üblich 13 Monate).
Dann bat er J. in ein Untersuchungszimmer, wo er ihn sozusagen auf Herz und Nieren abklopfte, und anschließend in einen Extraraum für die von einer freundlichen, resoluten Sprechstundenhilfe namens Andé bereits vorbereitete erste Chemo-Anwendung mit Decadron, Taxotere und Carboplatin (alles intravenös). Ich kriegte, weil ich nur nutzlos herumstand, ein Rezept für zwölf Kapseln des in der Praxis gerade nicht vorrätigen Emcyt (Ration für die erste Behandlungswoche) in die Hand gedrückt, um sie in der Apotheke im Erdgeschoss zu besorgen (93,50 USD). Ich setzte mich, nachdem ich das besorgt hatte, zu J. ins Behandlungszimmer. Es gab etwa sechs bis acht bequeme Sessel mit verstellbaren Rückenlehnen und Fußstützen, vergleichbar den Business-Class-Sitzen im Flugzeug. Wir kamen mit einem 77-jährigen Herrn ins Gespräch, der 4½ Jahre zuvor mit Metastasen diagnostiziert worden war und der sich gerade wieder eine Chemo-Behandlung abholte. Ihm ging es gut, er führt noch zusammen mit einem Partner ein Motel und eine Grundstücksverwaltungsfirma. Er war voll des Lobes über die beiden Ärzte und ihr Behandlungskonzept, im gleichen Sinne äußerten sich die Sprechstundenhilfen, mit denen wir sprachen.
J. wurde seine persönliche Betreuerin Mary vorgestellt, an die er sich bei allen Rückfragen per Telefon, Fax oder E-Mail wenden kann. Auf dem gleichen Weg werden Konsultationen mit Dr. Tucker laufen. J. muss sich in Deutschland einen Arzt ("Korrespondenzarzt") suchen, der die Behandlung exakt nach dem Protokoll fortsetzt und sich ggf. mit Dr. Tucker in Verbindung setzt.
Wir fragten die Sprechstundenhilfen, ob Dr. Leibowitz auch anwesend sei, den ich anlässlich seines Vortrages in Montabaur im September 2002 kennen gelernt hatte. Sie sagten, er hätte ab heute Urlaub, den sie ihm verordnet hätten, weil er urlaubsreif gewesen sei, aber er würde bestimmt noch einmal auftauchen, weil er sein Schlüsselbund vergessen hatte. Als wir nach zwei Stunden Infusion gerade aufbrechen wollten, kam er, und wir konnten ihn kurz begrüßen. Er machte tatsächlich einen urlaubsreifen Eindruck.
J. bezahlte per Kreditkarte seine Rechnung für die Konsultation, die Behandlung und die verabreichten Medikamente: 4800,- USD, davon allein 2800,- USD für Taxotere und Carboplatin.
Auf der Rückfahrt zum Hotel (und auch danach noch) diskutierten J. und ich unsere Eindrücke. Unser gemeinsames Fazit: Eine absolut professionell geführte Praxis, ein freundlicher, kompetenter, patientenorientierter Arzt, Sprechstundenhilfen, die genau wissen, was sie tun und was zu tun ist. In der Praxis hatten wir eine Weltkarte gesehen, darin war mit Stecknadeln markiert, wo auf der Welt es Patienten von Dr. Leibowitz und Dr. Tucker gibt. Bei Deutschland ist kein Platz mehr für weitere Stecknadeln. China und Grönland stehen noch aus.
J., der bei unserer Anreise noch Schmerzen gehabt hatte, war es bereits, wohl durch die noch in Deutschland eingeleitete DHB plus Zometa, während unseres viertägigen Aufenthaltes in LA von Tag zu Tag besser gegangen, und er hatte auch an den auf die Chemo folgenden Tagen keinerlei Beschwerden, fühlte sich im Gegenteil zunehmend wohler.
P.S. 1: Nach der Rückkehr nach Deutschland wandte sich J. an den ihn behandelnden Arzt, den Chefarzt der urologischen Abteilung eines Krankenhauses in einer deutschen Großstadt, mit der Bitte um Weiterbehandlung nach dem Tuckerschen Protokoll. Dies wurde ihm zugesagt. Am 19.8. war die zweite Chemo-Anwendung fällig. J. rief mich etwa viermal aus dem Krankenhaus an, er hatte offensichtlich einen Kulturschock erlitten. Trotz Vorankündigung und Hinterlegen des Therapieplans war ein Medikament zunächst nicht vorrätig, eins war nicht bekannt, zum Schluss wurde er gefragt, was er jetzt schon bekommen hatte, man hatte den Überblick verloren.
P.S. 2: Diesen Bericht habe ich mit J. abgestimmt.
P.S. 3: Am 25.8. rief mich J. wieder an. Er hat in der Nähe seines Wohnortes in Norddeutschland einen Internisten/Onkologen gefunden, bei dem es nach seinem Eindruck mindestens genau so kompetent und professionell wie bei Dr. Tucker zugeht, und bei dem er die Behandlung fortsetzen wird.
P.S. 4: Das Johns Hopkins Institute fand in J.s Schnitten auch Anteile eines Gleason 5, so dass seine Gleason-Summe jetzt 4 + 5 = 9 ist.
P.S. 5: Steven Tucker, M.D. ist Vorsitzender (President) der Medical Oncology Association of Southern California (MOASC) (http://www.moasc.org).
[Dieser Beitrag löste eine ausufernde Diskussion aus, die mit dem eigentlichen Thema bald nichts mehr zu tun hatte und deshalb hier nicht wiedergegeben wird. Interessenten werden deshalb auf das Forum verwiesen. – Ed]
Ralf ergänzte am 2.10.2003:
ich hatte ja am 20.8. berichtet, dass ich Anfang August jemanden nach LA zu Dr. Tucker begleitete und mir bei der Gelegenheit das neueste Video von Dr. Leibowitz mitbrachte. Ich habe es mir jetzt noch einmal angesehen und nachstehend die wichtigsten Thesen und Erkenntnisse zusammengefasst (Stand: Mai 2003).
[Diese Zusammenfassung ist als pdf-Datei abgelegt und kann hier abgerufen werden. Zum Lesen von pdf-Dateien ist der kostenlos erhältlich Acrobat Reader erforderlich. - Ed]
Ich hoffe, dass der eine oder andere hieraus etwas Honig saugen kann.

Ralf schrieb am 3.3.2004:
Christian Ligensa hatte mir im Jahr 2002 das von NTSC auf PAL umkodierte Video eines Vortrages von Dr. Leibowitz mit der Bitte gegeben, eine Übersetzung anzufertigen. Es handelt sich um einen Vortrag, den Dr. L. im Mai 2001 vor einer SHG in Kalifornien gehalten hat, mit dem übersetzten Titel "Prostatakrebs in allen Stadien behandeln und besiegen".
Ich dachte zunächst an eine Synchronisation des Videos, kam dann aber bald zu der Erkenntnis, dass dies meine technischen und persönlichen Möglichkeiten weit übersteigen würde, und beschränkte mich daher auf eine schriftliche Übersetzung, mit der ich von Juni/Juli 2002 bis März 2003 gut beschäftigt war. Die CD-ROM ist dann, soweit ich weiß, irgendwann einmal vom BPS an die Leiter der BPS-SHGs verteilt worden, und danach habe ich bis zu einer Erwähnung kürzlich im BPS-Forum nichts mehr von ihr gehört. Ich habe sie allerdings in der Zwischenzeit ein paarmal individuell verteilt.
Ich habe den Text heute auf unseren Server geschaufelt. Er kann von dort heruntergeladen werden.
Zum Herunterladen beim IE mit der rechten Maustaste auf den vorstehenden Link klicken und "Ziel speichern unter" auswählen, oder was immer Eure Browser für diese Funktion Passendes vorschlagen.
Die Datei ist knapp 10 MByte groß. Das Herunterladen wird sich entsprechend hinziehen, bei einem ISDN-Anschluss dürfte es eine gute Viertelstunde dauern, bei analogen Anschlüssen entsprechend länger.
[Diese Datei ist mittlerweile als gezippte PDF-Datei von 3,2 Mbyte Größe gespeichert und lässt sich entsprechend schneller herunterladen. Sie enthält jetzt ein Inhalts- und ein Stichwortverzeichnis. Es liegen auch noch ein paar gedruckte Exemplare vor. Nähere Auskünfte bei mir (siehe Kopf dieser Seite). – Ed].
Vielleicht zieht der eine oder andere noch Nutzen aus der Übersetzung.

Christian schrieb am 31.3.2004 im BPS-Forum:
hier ein Bericht eines Journalisten der CBN-Nachrichten. Leider nur in englischer Sprache. Vielleicht hat jemand die Zeit, ihn zu übersetzen.
[Der übersetzte Text kann
hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. – Ed]
Am 7.4.2004 hatte Christian noch einen Text:
die Patientenergebnisse von Dr. Leibowitz, die erstmalig bereits 2001 in der wissenschaftlichen Zeitschrift der amerikanischen internistischen Onkologen "The Oncologist" veröffentlicht worden sind, werden ständig weitergeschrieben.
Hier der Bericht vom März 2004 [im PDF-Format – Ed].

[Hier ist der Ergebnisbericht eines Patienten mit metastasierter Erkrankung nachzulesen, dem von Dr. Tucker eine kombinierte Therapie verordnet wurde – Ed]

Sepp schrieb am 23.4.2006:
Ich verdanke dem Bob Leibowitz sehr sehr viel, und ich wüsste gar nicht, was ich ohne ihn und ohne Christian Ligensa, der mich auf ihn aufmerksam gemacht hat und von dem ich die ersten Informationen erhalten habe (im Herbst 2000), gemacht hätte. Die Stärke von Bob Leibowitz ist seine große onkologische Erfahrung im Umgang mit PCa, die in Deutschland leider kein Arzt aufweisen kann. Bob Leibowitz hat schon vor über fünf Jahren (!) Thalidomid in der Behandlung des PCa eingesetzt und herausgefunden, dass auch niedrig dosiertes Thalidomid (in Kombination mit anderen Medikamenten) eine gute Wirkung bei PCa hat. Oder die Bedeutung der Cox-2-Hemmer beim Prostatakrebs (auch schon vor vielen Jahren!). Oder die der Bisphophonate. Oder der Leukine. Oder des Avastins. Oder chemotherapeutischer Kombinationsbehandlungen. Bob Leibowitz integriert wie kein zweiter Arzt neue zukunftsträchtige Behandlungskonzepte, und viele von uns werden auch die nächsten Jahre davon profitieren. Leider haben viele Ärzte bei uns gar nicht die Fachkompetenz, die Größe eines Bob Leibowitz würdigen zu können. Deshalb gehören die Infos von Bob Leibowitz in aller Ausführlichkeit auf die KISP-Seiten.