Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

    Ärzte – Dr. Ryke Geerd Hamer

[Ein Forumsteilnehmer begann, sich für die sogenannte „Neue Medizin“ nach Dr. Ryke Geerd Hamer zu interessieren. Nicht nur nach meiner Meinung ist diese „Neue Medizin“ kompletter Humbug. Weil sich aber daraus ein Diskussionsfaden entspann, und um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich über Meinungen zu diesem Thema zu informieren, wird es hier mit aufgenommen. Jeder Leser möge sich seine Meinung selbst bilden. – Ed]


Willi fragte am 24.8.2001:

ich habe mich in meinem Urlaub mit einer Lektüre beschäftigt, die da heißt:
"KREBS Krankheit der Seele"  Kurzschluss im Gehirn, geschrieben von Herrn Dr. med. Ryke Geerd Hamer.

Herr Dr. Hamer behauptet, dass die Entstehung z. B. eines Krebses immer eine Folge eines vorangegangen Konfliktes sein muss. Ein schweres Konflikterlebnis reicht nach Dr. Hamer aus, einen sog. Kurzschluss im Gehirn auszulösen. Dieser Kurzschluss wird auch nicht irgendwo im Gehirn erfolgen, sondern genau in dem zur Konfliktproblematik passenden biologischen Funktionsbereich. Aufgrund dieser Störung wird nun das zu diesem Bereich im Gehirn zugehörige Organ beeinflusst, je nach Störungsart, zum Zellwachstum oder zum Zellschwund (Entstehung von Carcinom oder Nekrosen).
Ich habe inzwischen ein Gespräch mit einem geschulten Therapeuten der Neuen Medizin geführt und denke über einen Wechsel meiner Therapie nach. Die Thesen dieser Therapie stellen sich für mich schlüssig dar und werden durch etliche Fallbeispiele untermauert. Ich werde als nächstes eine Hörcassette und die Habilitationsschrift des Dr. Hamer über die Neue Medizin bestellen und durcharbeiten sowie Kontakt zu therapierten Männern unseres Problemkreises suchen.

Uwe antwortete ihm am 26.8.2001:

kannst Du Dich nicht an die Geschichte mit Dr. Hamer erinnern? Das österreichische Mädchen mit dem großen Tumor im Bauch, das Dr. Hamer behandelt hat? Das Kind wurde per Gesetz gegen den Willen der Eltern von Spanien nach Österreich gebracht und erfolgreich behandelt. Prüfe Dich ernstlich, wenn Du Deine Therapie änderst.

Wil schrieb am 28. August 2001 zu dem Thema zornig:

Die sogenannte "Neue Medizin" ist Quacksalberei.

Neuerdings wurde die sogenannte "Neue Medizin" von Dr. med. Ryke Geerd Hamer zur Sprache gebracht. Was wir davon von halten sollen. Herr Hagers Homepage ist auf http://www.pilhar.com/index.htm.

Ich will mich beschränken auf seine rückständige Ideen darüber, wie Metastasen zustande kommen. Dieses sägt ein paar Beine unter seinem Stuhl weg. Hauptsache ist, dass keiner von uns den Herrn Hamer ernst nimmt. Höchstens ist er selbst interessant als Phänomen, als Objekt einer Psychoanalyse.
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http://www.pilhar.com/Fragen/NeuMed/Medi/Metastasen.htm Fragen zu "Metastasen" "Metastasen" sind Zweit- und Drittkrebse aufgrund von Zweit- und Dritt-Konflikten!

Meist iatrogen verursacht: "Sie haben Krebs und leben nur mehr so und so lange!" (Schock durch brutale Diagnose führt zu neuem Konflikt und damit zu neuem Krebs)

Sie werden nicht durch "bösartige" Krebszellen verursacht!
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Wil: Bei einer solchen simplifizierende Hypothese würde man erwarten, dass Zweit- und Drittkrebse unterschiedlicher Art sind. Jedoch ist dies fast nie der Fall. Zum Beispiel, Prostatakrebs, der in die Knochen eingedrungen ist, wird bei einer Untersuchung erkannt als Prostatakrebs, nicht als "Knochenkrebs". So ist Leberkrebs ganz was anderes als Prostatakrebs, der in die Leber eingedrungen ist.

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Die Meinung, diese "Metastasen" entstünden durch 'wandernde Krebszellen', ist weiter nichts als ein Versuch einer Erklärung und nicht beweisbar!

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Wil: So ein dummes Zeug. Es ist schon längst bewiesen, dass Krebszellen vom primären Tumor aus durch Wanderung die ersten Metastasen bilden. Bei Prostatakrebs werden zunächst die Lymphknoten im unteren Becken befallen. Auch über die mikrobiologischen Vorgänge bezüglich der Wanderung ist schon sehr viel bekannt.

Ergänzend noch folgendes: Es ist nicht so, dass Krebszellen nur über das Blut- und Lymphsystem wandern. Sie sind fähig, sich durch Gewebe durch zu fressen, z. B. durch die Wände der Blutgefäße. Dazu produzieren die Krebszellen kollagenverdauende Enzyme, die das auf ihrem Weg liegende Bindegewebe verdauen um sich so ihren Weg frei zu machen. Hinter ihnen repariert das Gewebe sich. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Krebs umso aggressiver ist, je mehr kollagenverdauende Enzyme eine Krebszelle produziert. Siehe zum Beispiel http://www.drrath.com/mr-publishing-internet/cancer/brd/index.htm.

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Für diese eine Hypothese "Metastase" benötigt die Schulmedizin 3 weitere Hypothesen:

1. Noch nie konnte eine wandernde Krebszelle im arteriellen Blut nachgewiesen werden! Im arteriellen Blut müsste sich diese Krebszelle befinden, denn nur dadurch ist es möglich, überall im Körper "Metastasen" anzusiedeln! Dieser Nachweis ist bis heute nicht gelungen!

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Wil: Auch diese Behauptung stimmt nicht. Es ist unfassbar, dass Herr Hamer jemals Medizin gelernt hat. Er ist ein Schandfleck für die Universität, wo er seinen Dr. Med. gemacht hat. Die technische Probleme zum Nachweis von wandernden Krebszellen im Blut waren erheblich, sind jedoch gelöst. Herr Hamer braucht sich lediglich auf folgender Webseite zu vergewissern: http://www.aston.it/biomedicine/biom0104.htm. Hier werden 18 Verweise zu wissenschaftlicher Literatur gegeben, u.a.

6. Jaakkola S., Vornanen T., Leinonen J, et al.; Detection of prostatic cells in peripheral blood: correlation with serum concentrations of prostate specific antigen. Clin. Chem. 41:182-6,1995.

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2. Nicht erklären kann sie, wie z. B. aus einer Darmkrebszelle eine Knochenkrebszelle werden könnte!

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Wil: Herr Hamer ist wieder auf dem Holzweg. Knochenkrebszellen sind was anderes als Darmkrebszellen in den Knochen.

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3. Nicht erklären kann sie, wie z. B. aus einer sich teilenden Darmkrebszelle eine löcherfressende Knochenkrebszelle werden könnte!

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Wil: Darmkrebszellen, wie auch Prostatakrebszellen de-differenzieren, d. h. sie verlieren die Fähigkeit, zusammenzuarbeiten und ein funktionelles Organ zu bilden. Es werden eigensinnige Zellen, die jedoch als Darmkrebszellen bzw. als Prostatakrebszellen erkennbar bleiben.

Ich lasse den Rest des Textes von Herrn Hamer weg, weil es sich nicht lohnt, sich da weiter mit zu befassen. Es ist alles eine fast unglaubliche Ansammlung von Blödsinn, dass ich mich frage, was Herr Hamer dazu bewegt hat, solche unsinnige Gedanken zu entwickeln und zu verbreiten. Die ganze wissenschaftliche Welt hat Unrecht. Nur er weiß, wo es lang geht - typisch für alle Quacksalber.


Der Justitiar des BPS, Rechtsanwalt Kai Mielke, liefert am 18.11.2004 aus gegebenem Anlass (Werbung für Dr. Hamer im Forum) den folgenden Text:

aus gegebenem Anlass möchte ich nachfolgend ein paar juristische Anmerkungen zum Thema „Dr. Hamer“, bzw. der von ihm propagierten „Neuen Germanischen Medizin“ machen. Mag sich jeder selbst ein Bild machen …

Nachdem Hamer im Juli 2004 wegen „Betrugs und illegaler Ausübung der Medizin“ von einem französischen (Berufungs-) Gericht zu 3 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, hat man ihn vor kurzem in Spanien verhaftet und in Auslieferungshaft genommen. Dies ist allerdings nur das (vorläufige?) Ende einer - auch aus juristischer Sicht - langen Geschichte, denn auch in Deutschland war und ist Hamer kein Unbekannter.

Aufgrund der doktrinären Verfechtung seiner „Neuen Germanischen Medizin“ und der sowohl theoretischen als auch praktischen Ablehnung aller anderen medizinischen Diagnose- und Therapieverfahren wurde Hamer Ende der achtziger Jahre in Deutschland die Ausübung seiner Praxis verboten, die Approbation entzogen und eine erhebliche Geldstrafe gegen ihn verhängt.

Im Jahr 1992 beantragte Hamer die Wiedererteilung seiner Approbation, welche das Hessische Landesprüfungsamt für Heilberufe jedoch abschlägig beschied. Hamer reichte daraufhin Klage beim Verwaltungsgericht Frankfurt a.M. ein, welches am 22.10.2003 unter dem Aktenzeichen 12 E 591/03 (2) folgendes – aufschlussreiche - Urteil fällte:

In der Verwaltungsrechtssache

des Herrn Dr. med. Ryke Geerd Hamer, …, gegen das Land Hessen, …, hat die 12. Kammer des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main […] entschieden:

1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Kosten des Verfahren hat der Kläger zu tragen.
3. Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

Der im Jahre 1935 geborene Kläger erhielt am 10. April 1962 seine Bestallung als Arzt. Nach der Promotion im Dezember 1963 erlangte er im Februar 1972 seine Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin. Nach Angaben des Klägers stellte sich nach der 1978 erfolgten Tötung seines Sohnes aufgrund der hierdurch erlittenen Schockreaktion bei ihm selbst Hodenkrebs ein, der im Jahre 1981 operativ entfernt werden konnte. Wesentlich durch diese Erlebnisse bedingt, gelangte der Kläger zu der Ansicht, die Ursache einer jeden Krebserkrankung gefunden zu haben sowie imstande zu sein, diese in jedwedem Stadium heilen zu können. Im Oktober 1981 reichte er bei der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen unter Vorlage einer Schrift mit dem Thema "Das Hamer-Syndrom und die Eiserne Regel des Krebs, ein Habilitationsgesuch" ein, welches jedoch abgelehnt wurde. Seitdem bemüht sich der Kläger um die wissenschaftliche Anerkennung der von ihm vertretenen Theorie von den Entstehungs-, Lokalisations- und Verlaufsmechanismen und Therapiemöglichkeiten von Krebserkrankungen.

Mit Bescheid vom 8. April 1986 widerrief die Bezirksregierung Koblenz die vom Land Hessen dem Kläger erteilte Approbation. Die hiergegen vom Kläger erhobene Klage wurde durch Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz vom 3. Juli 1989 - 9 K 215/87 - abgewiesen: die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde mit Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 21.12.1990 - 6 A 10035/89 - zurückgewiesen. Dabei wurde im wesentlichen ausgeführt, der Widerruf der Approbation sei gemäß § 5 Absatz 2 Satz 2 i.V.m. § 3 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 der Bundesärzteordnung in der maßgeblichen Fassung der Änderung durch das Gesetz vom 18.02.1986 zu Recht erfolgt. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Kläger aufgrund seiner geistig-seelischen Konstitution nicht mehr in der Lage sei, sein praktisches ärztliches Handeln an der Einsicht in die ärztlichen Gegebenheiten auszurichten. Der Kläger sei durch eine wahnähnliche Gewissheit, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse seien unantastbar, geprägt.

Der Kläger beantragte mit Schreiben vom 30.06.1992 bei dem beklagten Land die Wiedererteilung seiner Approbation als Arzt. Zur Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, die "Neue Medizin" sei nun durch eine universitäre Prüfung im Auftrag der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf geprüft und für richtig befunden worden. Es habe sich erwiesen, dass die "Neue Medizin" der bisherigen auf den meisten Gebieten weit überlegen sei und daher in der Therapie nicht mehr blockiert werden dürfe. Mit Bescheid vom 12.01.1993 lehnte das Hessische Landesprüfungsamt für Heilberufe den Antrag auf Wiedererteilung der Approbation ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Kläger erfülle nicht die Voraussetzungen nach § 3 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 der Bundesärzteordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 16.04.1987. Nach § 1 Bundesärzteordnung diene der Arzt in der Ausübung seines Berufes der Gesundheit des Einzelnen und des gesamten Volkes. Im Bewusstsein dieser Verpflichtung sei er gehalten, den ärztlichen Beruf nach den Regeln der ärztlichen Kunst auszuüben und dabei die Grenzen des eigenen Wissens und Könnens zu erkennen sowie danach zu handeln (vgl. § 4 Abs. 2 S. 2 BÄO). Dies setze voraus, dass der Arzt regelmäßig im wohlverstandenen Interesse eines Patienten neben anderen auch die Grundlagen und Entwicklungen der medizinischen Wissenschaft insgesamt zu berücksichtigen haben. Dabei habe er sein praktisches ärztliches Handeln an der Einsicht in alle ärztlichen Gegebenheiten auszurichten. Nach dem rechtskräftigen Beschluss des OVG Koblenz vom 21.12.1990 sei davon auszugehen, dass der Kläger in der Diagnostik und Therapie insbesondere krebskranker Patienten einer von ihm begründeten Lehre, der sog. "Neuen Medizin" den absoluten Vorrang einräume und dabei zugleich Möglichkeiten, die sich mit ihren Methoden nicht vereinbaren ließen, von der Anwendung ausschließe. Er sei folglich nicht bereit, Patienten in Kenntnis der ärztlichen Gegebenheiten der nach dem derzeit anerkannten Wissenstand gebotenen Behandlung zuzuführen. Es bestehe deshalb die Gefahr, dass der Kläger Krebskranke zu ihrem Nachteil von einer möglicherweise erfolgversprechenden Behandlung auf anerkannter Grundlage abhalte. Die vom Kläger im Rahmen dieses Verwaltungsverfahrens gemachten Äußerungen ließen erkennen, dass er nach wie vor eine unversöhnliche Haltung gegenüber anderen Therapieformen, nämlich denen der sog. Schulmedizin einnehme. Es stehe deshalb zu befürchten, dass im Falle der Wiedererteilung der ärztlichen Approbation dieselben Umstände wieder eintreten würden, die seinerzeit zum Widerruf der Approbation geführt hätten, nämlich eine unzureichende ärztliche Betreuung krebskranker Menschen. Nach alledem sei der durch den Widerruf der Approbation erfolgte Eingriff in das Grundrecht der Berufsfreiheit (Art. 12 Absatz 1 GG) nach wie vor gerechtfertigt.

Der Kläger legte gegen diese Bescheid am 15.01.1993 Widerspruch ein. Zur Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, die Richtigkeit der "Neuen Medizin" habe sich in der praktischen Anwendung bestätigt. Die Neue Medizin gründe auf vier "harten" biologischen Gesetzmäßigkeiten, die an jedem einzelnen Fall reproduzierbar seien. Damit dürfe sie "als einzige Medizin den Anspruch einer strengen Naturwissenschaftlichkeit erheben". Eine Therapie auf der Basis der "Neuen Medizin" verstoße schon deshalb nicht gegen das geltende Recht, weil Behandlungsweisen der Schulmedizin dort nicht allein als wissenschaftlich anerkennbar seien, wo die Ursachen einer Krankheit noch immer nicht erforscht seien; deshalb habe jede Art der Behandlung zwangsläufig experimentellen Charakter. Im übrigen würden auch die für die Erteilung der ärztlichen Approbation maßgeblichen Bestimmungen nicht abschließend regeln, dass nur die Schulmedizin für die Ausübung des ärztlichen Berufs maßgeblich sei.

Mit Widerspruchsbescheid vom 13.06.1996 wies das Hessische Landesprüfungsamt für Heilberufe den Widerspruch zurück. Hierbei wurde u. a. ausgeführt, bei dem Kläger sei weiterhin die Bereitschaft stark ausgeprägt, die von ihm vertretene Lehre einer "Neuen Medizin" absolut zu setzen und andere möglicherweise erfolgversprechende Behandlungsmethoden auf anerkannter wissenschaftlicher Grundlage schon vom Ansatz her auszugrenzen. In diesem Zusammenhang sei exemplarisch auf das Verhalten des Klägers im Falle der an Krebs erkrankten sechsjährigen Olivia Pilhar verwiesen. Der Kläger habe diese Patientin längerfristig nach seinen medizinischen Vorstellungen behandelt und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine erfolgversprechende ärztliche Behandlung nach den anerkannten Regeln der Medizin solange verhindert, bis schließlich das Leben des Kindes in höchstem Maße konkret gefährdet gewesen sei und das Kind nur durch staatliche Maßnahmen österreichischer und spanischer Behörden und Gerichte einer lebensrettenden Behandlung der anerkannten medizinischen Wissenschaft habe zugeführt und gerettet werden können.

Der Kläger hat am 16.06.1996 die vorliegende Klage erhoben. Mit Beschluss vom 15.05.1997 hat die erkennende Kammer das Verfahren bis zum Abschluss des von der Staatsanwaltschaft Köln betriebenen Ermittlungsverfahrens wegen fahrlässiger Körperverletzung tateinheitlich mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde in Sachen Olivia Pilhar ausgesetzt. In dieser Sache hat die Staatsanwaltschaft Köln am 23.11.1998 Anklage gegen den Kläger erhoben. Ein Strafverfahren konnte in der Folgezeit nicht durchgeführt werden, weil der Kläger seinen Wohnsitz nach Spanien verlegt hat. Der Kläger war bereits mit Urteil des Landgerichts Köln vom 12.02.1993 wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, deren Vollstreckung auf Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt worden. Mit Urteil vom 09.09.1997 verhängte das Amtsgericht Köln gegen den Kläger wegen der Ausübung der Heilkunde ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 Heilpraktikergesetz zu besitzen - in drei Fällen - eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Weiterhin wurde der Kläger im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit auf dem medizinischen Gebiet im Februar 2000 in Frankreich zu einer - nicht rechtskräftigen - Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt.

Der Kläger vertritt die Auffassung, der Bescheid des Hessischen Landesprüfungsamtes für Heilberufe vom 12.01.1993 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom 13.06.1996 sei rechtswidrig; dem Kläger stehe ein Anspruch auf erneute Erteilung der ärztlichen Approbation zu. Der Kläger habe sich in der Vergangenheit keines Verhaltens schuldig gemacht, aus dem sich seine Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufes gem. § 3 Abs. 1 Nr. 2 BÄO ergebe. Das ihm vorgeworfene Fehlverhalten wiege nicht schwer und liege Jahre zurück. In dem für die Entscheidung des Rechtsstreits maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung seien keine Umstände erkennbar, die eine aktuelle Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit des Klägers zur Ausübung des ärztlichen Berufes rechtfertigen würden. Der Kläger behauptet, er habe in der Vergangenheit und würde dies auch zukünftig tun, seine Patienten über alle nach den Künsten der Medizin in Betracht kommenden Behandlungsmethoden aufgeklärt und ihnen klargemacht, dass es sich bei der von ihm vertretenen Therapie nach der "Neuen Medizin" um eine Mindermeinung handele. Entgegen der Annahme des Beklagten sei es also nicht so, dass er seine Patienten unkritisch und mit einem Absolutheitsanspruch ausschließlich seiner eigenen Therapie unterstelle. Unter Anwendung der "Neuen Medizin" überlebten 95 % aller Patienten ohne Spät- und Nachfolgen, jedenfalls dann, wenn sie nicht zuvor schulmedizinisch behandelt worden seien. Ca. 5 % der Patienten würden sterben, weil sie nicht in der Lage gewesen seien, ihre eigenen Konflikte zu lösen.

Der Kläger beantragt,

den Beklagten unter Aufhebung des Bescheides vom 12.01.1993 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom 13.06.1996 zu verpflichten, ihm die Approbation als Arzt wieder zu erteilen.

Der Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen.

Der Beklagte ist der Auffassung, der Kläger habe keinen Anspruch auf erneute Erteilung der ärztlichen Approbation. Wegen der Einzelheiten der Begründung nimmt der Beklagte Bezug auf die Ausführungen in den angefochtenen Bescheiden.

Wegen der Sach- und Rechtslage im einzelnen wird auf den Inhalt der Gerichtsakte und die zu dieser gelangten Schriftsätze der Beteiligten samt Anlagen Bezug genommen.

Das Gericht hat die Behördenakten (2 Bände) beigezogen und sie zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht.

Entscheidungsgründe:

Die Klage ist nicht begründet.

Der Kläger hat keinen Anspruch auf erneute Erteilung der ärztlichen Approbation. Der ablehnende Bescheid des Hessischen Landesprüfungsamtes für Heilberufe vom 12.01.1993 in der Fassung der Widerspruchsbescheides vom 13.06.1996 ist rechtsmäßig und verletzt den Kläger dadurch nicht in seinen Rechten (vgl. § 113 Abs. 5 VwGO).

Der Kläger erfüllt nicht sämtliche für die Erteilung der Approbation erforderlichen Voraussetzungen. Nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 BÄO in der Fassung der Bekanntmachung vom 16.04.1987 (BGBl. 1 S. 1218) ist die Approbation als Arzt nur zu erteilen, wenn der Antragsteller sich nicht eines Verhaltens schuldig gemacht hat, aus dem sich seine Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufes ergibt. Dies trifft auf den Kläger jedoch nicht zu, denn bei ihm liegt eine Unzuverlässigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs vor. Unzuverlässig ist derjenige, der nach seiner Gesamtpersönlichkeit keine ausreichende Gewähr für eine ordnungsgemäße Berufsausübung bietet (Haage, Erläuterungen zur BÄO, Das deutsche Bundesrecht I Kg, S. 19). Der Begriff der "Unzuverlässigkeit" wird durch die Prognose gekennzeichnet, ob der Betroffene in Zukunft seine beruflichen Pflichten zuverlässig erfüllen wird (BverwG, NJW 1993, 806 und NJW 1991, 1557). Der Kläger bietet zum für die Beurteilung der Sach- und Rechtslage maßgeblichen Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung aufgrund seines in der Vergangenheit gezeigten Verhaltens keine ausreichende Gewähr dafür, den ärztlichen Beruf ordnungsgemäß auszuüben, so dass er nicht als zuverlässig angesehen werden kann.

Nach § 1 BÄO dient der Arzt in der Ausübung seines Berufes der Gesundheit des Einzelnen und des gesamten Volkes. Im Bewusstsein dieser Verpflichtung ist er gehalten, den ärztlichen Beruf nach den Regeln der ärztlichen Kunst auszuüben und dabei die Grenzen des eigenen Wissens und Könnens zu erkennen sowie danach zu handeln (vgl. § 4 Abs. 2 S. 2 BÄO). Dies setzt voraus, dass der Arzt regelmäßig im wohlverstandenen Interesse eines Patienten neben anderem auch die Grundlagen und Entwicklungen der medizinischen Wissenschaft insgesamt zu berücksichtigen hat. Es gehört somit zur Berufspflicht, dass der Arzt sein praktisches Handeln an der Einsicht in alle ärztlichen Gegebenheiten auszurichten hat. Der Kläger bietet nicht die Gewähr, dieser ärztlichen Verpflichtung nachzukommen. Vielmehr ist aufgrund seiner bisherigen Einlassungen davon auszugehen, dass er nicht Willens oder in der Lage ist, sein praktisches ärztliches Handeln an der Einsicht in alle ärztlichen Gegebenheiten auszurichten. Die vom Kläger während des Laufes des Verwaltungsverfahrens und des Gerichtsverfahrens gemachten Äußerungen zeigen, dass er in Diagnostik und Therapie krebskranker Menschen der von ihm begründeten Lehre der sogenannten "Neuen Medizin" den absoluten Vorrang einräumt und andere Ansätze und Methoden bei der Behandlung von vorneherein ausschließt. Da der Kläger für die von ihm vertretene Lehre einen Absolutheitsanspruch geltend macht, steht ernsthaft zu befürchten, dass Patienten einer umfassenden Behandlung nicht zugeführt würden.

Die vom Kläger während des Laufes des Verwaltungsverfahrens und des Gerichtsverfahrens gemachten Äußerungen zeigen, dass der Kläger über die gesamten Jahre hinweg bis zum heutigen Zeitpunkt einzig und allein auf die von ihm begründete Lehre der sogenannten "Neuen Medizin" fixiert ist und gegenüber anderen Therapieformen eine unversöhnliche Haltung einnimmt. Zum Beleg hierfür stehen die folgenden Äußerungen des Klägers bzw. seines damaligen Prozessbevollmächtigten, wobei es sich nur um eine beispielhafte Aufzählung handelt. So spricht der Kläger in einem von ihm stammenden Telefax vom 17.12.1992 an das Hessische Landesprüfungsamt für Heilberufe davon, dass er von der Behörde gezwungen werden solle, wieder den alten überholten Kram. zu machen und seine Patienten damit in Scharen - schulmedizynisch korrekt - umzubringen, obwohl die Behörde wisse, dass die Patienten nach der Neuen Medizin die zehnfache Überlebenschance hätten. Im Schriftsatz seines damaligen Prozessbevollmächtigten vom 12.08.1996 an das Verwaltungsgericht Frankfurt a. M. wird ausgeführt, der Kläger habe im Bereich der Onkologie "eine völlig ablehnende Haltung gegenüber der Medizin bei gleichzeitigem Angebot seiner eigenen Neuen Medizin". In seinem Schreiben vom 06.09.2002 an das Gericht in Chambery / Frankreich führt der Kläger aus, "die Neue Medizin sei von zwei Universitäten nach naturwissenschaftlichen Regeln verifiziert und damit sei die bisherige Schulmedizin falsch. Das Gericht in Chambery versuche vergeblich, eine wissenschaftliche Leiche zu reanimieren". Weiterhin hat der Kläger in mehreren Schreiben an das Verwaltungsgericht Frankfurt a. M. aus der jüngsten Vergangenheit den Vorwurf erhoben, ebenso wie die beklagte Behörde wäre die für die Entscheidung zuständige Gerichtskammer mitverantwortlich "an der vorsätzlichen sogenannten schulmedizinischen Tötung von vielen Millionen Patienten in Deutschland und Milliarden Patienten weltweit" (so das Schreiben vom 21.03.2003). Schließlich lassen sich auch aus dem in der mündlichen Verhandlung überreichten Buch des Klägers "Vermächtnis einer Neuen Medizin", Teil 1 Äußerungen entnehmen, die den vom Kläger geltend gemachten medizinischen Alleinvertretungsanspruch belegen. So spricht er auf Seite 7 davon, dass dieses Buch u. a. seinen gestorbenen Patienten gewidmet sei, die "so bedrängt oder gar mit massivem Druck gezwungen wurden, sich wieder in die sogenannte Behandlung der herrschenden Mediziner zu begeben und dort unter Morphium elendig zu Tode gebracht worden (seien)". In dem Vorwort zur 2. bis 6. Auflage auf Seite 17 wird davon gesprochen, das Buch sei Grundlage eines völlig neuen Verständnisses der Medizin geworden. Die Leser hätten begriffen, "dass hier eine medizingeschichtliche Wende eines vorher für unvorstellbar gehaltenen Ausmaßes markiert" worden sei.

Angesichts dieser klaren und über Jahre hinweg gemachten Aussagen des Klägers bestehen für das Gericht keine vernünftigen Zweifel daran, dass der Kläger einzig und allein die von ihm vertretene "Neue Medizin" als Behandlungsmöglichkeit krebskranker Patienten anwenden und andere Therapieformen von vorneherein von der Behandlung ausschließen würde, zumal der Kläger vorgebracht hat, unter Anwendung der "Neuen Medizin" würden 95 % aller Patienten ohne Spät- und Nachfolgen überleben, jedenfalls dann, wenn sie nicht zuvor schulmedizinisch behandelt worden seien.

Ein weiterer Grund für die Annahme, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bietet, den ärztlichen Berufs ordnungsgemäß auszuüben und damit als unzuverlässig anzusehen ist, stellt die Tatsache dar, dass der Kläger in der Vergangenheit im Rahmen des beruflichen Bereiches wiederholt und erheblich gegen Strafvorschriften verstoßen hat, weswegen er auch rechtskräftig verurteilt wurde. Der Kläger hat auch, nachdem ihm die ärztliche Approbation bestandskräftig entzogen worden war, mehrfach Patienten behandelt, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigt zu sein und eine Erlaubnis nach § 1 Heilpraktikergesetz zu besitzen. Er wurde deshalb mit rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Köln vom 12.02.1993 zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Mit rechtskräftigem Urteil des Amtsgericht Köln vom 09.09.1997 wurde der Kläger zu einer weiteren Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt. Anders verhält es sich jedoch mit dem in Sachen Olivia Pilhar erhobenen Vorwürfen der unerlaubten Ausübung der Heilkunde sowie der fahrlässigen Körperverletzung. Diese Tatvorwürfe, insbesondere der der fahrlässigen Körperverletzung, der Anlass für die Aussetzung des verwaltungsrechtlichen Klageverfahrens war, konnte bis zum heutigen Tage nicht strafrechtlich geklärt werden, da der Kläger sich der Durchführung dieses Strafverfahrens dadurch entzogen hat, dass er seinen Wohnsitz nach Spanien verlegt hat. Diese Tatvorwürfe können deshalb nicht Gegenstand der vorzunehmenden rechtlichen Würdigung sein, ohne dass dies allerdings von entscheidungserheblicher Bedeutung ist. Denn der Kläger hat unabhängig hiervon ein Fehlverhalten gezeigt, das gerade in Bezug auf die Ausübung des ärztlichen Berufes von Bedeutung ist, nämlich die Ausübung der Heilkunde ohne erforderliche Erlaubnis. Dies lässt auf eine Neigung bei dem Kläger schließen, sich über bestehende Rechtsvorschriften hinwegzusetzen, wenn sie mit seinen Vorstellungen und Zielen nicht zu vereinbaren sind. Das Vorliegen einer solchen Einstellung steht jedoch der Annahme entgegen, der Kläger biete die Gewähr, zukünftig den ärztlichen Beruf ordnungsgemäß auszuüben.

Da nach alledem der Kläger die Voraussetzungen für die Erteilung einer ärztlichen Approbation nicht erfüllt, ist die zwingende Rechtsfolge, dass ihm die begehrte Approbation zu entsagen ist. Der in der Versagung der Approbation liegende Eingriff in die Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) ist im Hinblick auf den Erhalt einer ordnungsgemäßen ärztlichen Versorgung und den Schutz der Patienten sachlich gerechtfertigt und verhältnismäßig, ohne dass es noch einer zusätzlichen Auseinandersetzung mit individuellen Umständen, wie Alter des Betroffenen und Möglichkeiten anderweitiger beruflicher Tätigkeiten bedürfte (vgl. BverwG, NJW 1999, 3425, 3426 betreffend dem Widerruf einer ärztlichen Approbation).

Da es sich bei der Erteilung bzw. Versagung einer Approbation als Arzt um eine gebundene Entscheidung und nicht um eine Ermessensentscheidung handelt, ist es ohne Erheblichkeit, dass das Hessische Landesprüfungsamt für Heilberufe seine ablehnende Entscheidung nicht auf § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 sondern auf Nr. 3 BÄO gestützt hat, wonach Erteilungsvoraussetzung ist, dass der Antragsteller nicht in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufes ungeeignet ist.

Der Kläger hat als unterlegener Beteiligter die Kosten des Verfahrens zu tragen (§ 154 Abs. 1 VwGO).

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit des Urteils beruht auf § 167 VwGO I. V. §§ 708 Nr. 11, 711 S. 1 ZPO.