KISP  Die Hilfe bei Prostatakrebs   ·   Dipl.-Ing. Uwe Peters†    ·      


Die  1. Partin - Tabellen

Die "1. Partin-Tabellen" wurden 1997 von den Urologen Drs. Alan W. Partin und Patrick C. Walsh, vom The Johns Hopkins Hospital Baltimore USA entwickelt, wobei sie die gesammelten Daten hunderter Patienten zugrundelegten, die wegen Prostatakrebs behandelt worden waren.

Indem drei Dinge miteinander in Zusammenhang gesetzt wurden, die über die Erkrankung eines Patienten bekannt waren – den PSA-Wert, die Gleason-Summe und die klinische Einstufung – wurden die Tabellen entwickelt, um Männern und ihren Ärzten dabei zu helfen, den definitiven pathologischen Zustand vorherzusagen (sie wurden nach dem Eingriff bestimmt, wenn ein Pathologe die entfernte Prostata auf das Vorhandensein von Prostatakrebs untersucht) und die beste weitere Behandlung festzulegen. 

Jetzt sind die Tabellen aktualisiert worden, und drei Institutionen – der Universität von Michigan, dem Baylor College of Medicine sowie der Urologischen Abteilung des The Johns Hopkins Medical Institute – haben die Daten von 4133 Männern aufgenommen, die somit von fast einem Dutzend Chirurgen operiert wurden.

Wie sind die Tabellen zu lesen?

Die Partin-Tabellen können dazu verwendet werden, vier verschiedene Parameter einzuschätzen, die sehr wichtig sind für die Entscheidung für die weitere Behandlung eines Patienten:

1. die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung vollkommen auf das Organ beschränkt ist

2. die Wahrscheinlichkeit, dass bei dem Patienten ein "Kapseldurchbruch" eingetreten ist (der Prostatakrebs ist in die Kapsel vorgedrungen und möglicherweise aus ihr ausgetreten)

3. die Wahrscheinlichkeit, dass der Prostatakrebs in die Samenblasen des Patienten eingedrungen ist

4. die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs sich in die Lymphknoten ausgebreitet hat

Zur Erläuterung


Was ist

- die Gleason-Summe? - Die Bestimmung der Aggressivität des Krebses (Zahlen von 2 bis 10) durch einen Pathologen. 

- der PSA-Wert? - Das Prostata-Spezifische Antigen, ein in der Prostata gebildetes Enzym, ist ein hochempfindliches Maß für das Wiederauftauchen des Krebses. Wird nach der Prostataentfernung wieder ein messbarer PSA-Wert festgestellt, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass einige Prostatakrebszellen im Körper verblieben sind. 

- das klinische Stadium nach dem TNM-System? 

- die folgenden Klinischen Stadien mit ihren Definitionen werden unterschieden:

T0 Kein Anhalt für Primärtumor.
T1 Klinisch nicht erkennbarer Tumor, der weder tastbar noch in bildgebenden Verfahren sichtbar ist.
T1a Der Tumor wurde zufällig festgestellt und ist in 5% oder weniger des entnommenen Gewebes vorhanden.
T1b Der Tumor wurde zufällig festgestellt und ist in mehr als 5% des entnommenen Gewebes vorhanden.
T1c Der Tumor wurde mittels Nadelbiopsie festgestellt (z.B. wegen PSA-Erhöhung).
T2 Der Tumor ist tastbar und auf die Prostata begrenzt.
T2a Der Tumor hat eine Hälfte eines Prostatalappens oder weniger befallen.
T2b Der Tumor hat mehr als die Hälfte eines Lappens, aber nicht beide Lappen befallen.
T2c Tumor hat beide Lappen befallen.
T3 Der Tumor hat sich sich durch die Prostatakapsel hindurch in außerhalb befindliches Gewebe ausgebreitet.
T3a Einseitig
T3b Beidseitig
T3c Der Tumor ist in die Samenblasen vorgedrungen.
T4 Der Tumor hat sich festgesetzt und andere benachbarte Strukturen als die Samenblasen befallen.
T4a Der Tumor hat den Blasenhals, den äußeren Blasenschließmuskel und/oder den Darmschließmuskel befallen.

- Das Vertrauensintervall? – Ein Begriff aus der Statistiklehre, den genau zu erläutern hier zu weit führen würde. Für die nachstehenden Tabellen wird ein "Vertrauensintervall von 95 %" angegeben. Die der Tabelle aufgrund von PSA-Wert, klinischer Einstufung und Gleason-Summe zu entnehmenden Wahrscheinlichkeitswerte stellen einen Mittelwert aus den vom Pathologen festgestellten Befunden dar, d.h. nach beiden Richtungen hin gibt es Abweichungen mit abnehmender Anzahl ("Normalverteilung"). Das Vertrauensintervall gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit der gewünschte (der Tabelle zu entnehmende) Wert zutrifft.


Für die folgenden Tabellen gilt:


Alle Zahlen geben Vorhersagewahrscheinlichkeiten in Prozent an (Vertrauensintervall 95 %), Fehlende Werte (...) zeigen an, dass nicht genug Daten für das Ermitteln einer Wahrscheinlichkeit vorlagen.


1. Die Partin-Tabelle für PSA von 0,0 bis 4,0 ng/ml

PSA = 0,0 - 4,0 ng/ml
Klinisches Stadium
T1a
T1b
T1c
T2a
T2b
T2c
T3a
Gleason-Summe
Wahrscheinlichkeit in %, dass die Erkrankung auf das Organ begrenzt ist
2-4
90
80
89
81
72
77
...
5
82
66
81
68
57
62
40
6
78
61
78
64
52
57
35
7
...
43
63
47
34
38
19
8-10
...
31
52
36
24
27
...

 

Wahrscheinlichkeit eines Kapseldurchbruchs
2-4
9
19
10
18
25
21
...
5
17
32
18
30
40
34
51
6
19
35
21
34
43
37
53
7
...
44
31
45
51
45
52
8-10
...
43
34
47
48
42
...
Wahrscheinlichkeit eines Samenblasenbefalls in %
2-4
0
1
1
1
2
2
...
5
1
2
1
2
3
3
7
6
1
2
1
2
3
4
7
7
...
6
4
6
10
12
19
8-10
...
11
9
12
17
21
...
Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls in %
2-4
0
0
0
0
0
0
...
5
0
1
0
0
1
1
2
6
1
2
0
1
2
2
5
7
...
6
1
2
5
5
9
8-10
...
14
4
5
10
10
...


2. Die Partin-Tabelle für PSA von 4,1 bis 10,0 ng/ml

PSA = 4,1 - 10,0 ng/ml
Klinisches Stadium
T1a
T1b
T1c
T2a
T2b
T2c
T3a
Gleason-Summe
Wahrscheinlichkeit in %, dass die Erkrankung auf das Organ begrenzt ist
2-4
84
70
83
71
61
66
43
5
72
53
71
55
43
49
27
6
67
47
67
51
38
43
23
7
49
29
49
33
22
25
11
8-10
35
18
37
23
14
15
6

 

Wahrscheinlichkeit eines Kapseldurchbruchs
2-4
14
27
15
26
35
29
44
5
25
42
27
41
50
43
57
6
27
44
30
44
52
46
57
7
36
48
40
52
54
48
48
8-10
34
42
40
49
46
40
34
Wahrscheinlichkeit eines Samenblasenbefalls in %
2-4
1
2
1
2
4
5
10
5
2
3
2
3
5
6
12
6
2
3
2
3
5
6
11
7
6
9
8
10
15
18
26
8-10
10
15
15
19
24
28
35
Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls in %
2-4
0
1
0
0
1
1
1
5
1
2
0
1
2
2
3
6
3
5
1
2
4
4
9
7
8
12
3
4
9
9
15
8-10
18
23
8
9
16
17
24


3. Die Partin-Tabelle für PSA von 10,1 bis 20,0 ng/ml

PSA = 10,1 - 20,0 ng/ml
Klinisches Stadium
T1a
T1b
T1c
T2a
T2b
T2c
T3a
Gleason-Summe
Wahrscheinlichkeit in %, dass die Erkrankung auf das Organ begrenzt ist
2-4
76
58
75
60
48
53
...
5
61
40
60
43
32
36
18
6
...
33
55
38
26
31
14
7
33
17
35
22
13
15
6
8-10
...
9
23
14
7
8
3

 

Wahrscheinlichkeit eines Kapseldurchbruchs
2-4
20
36
22
35
43
37
...
5
33
50
35
50
57
51
49
6
...
49
38
52
57
50
54
7
38
46
45
55
51
45
40
8-10
...
33
40
46
38
33
26
Wahrscheinlichkeit eines Samenblasenbefalls in %
2-4
2
4
2
4
7
8
...
5
3
5
3
5
8
9
15
6
...
4
4
5
7
9
14
7
8
11
12
14
18
22
28
8-10
...
15
20
22
25
30
34
Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls in %
2-4
0
2
0
1
1
1
...
5
3
5
1
2
4
4
7
6
...
13
3
4
10
10
18
7
18
24
8
9
17
18
26
8-10
...
40
16
17
29
29
37


4. Die Partin-Tabelle für PSA von > 20,0 ng/ml

PSA = > 20,0 ng/ml
Klinisches Stadium
T1a
T1b
T1c
T2a
T2b
T2c
T3a
Gleason-Summe
Wahrscheinlichkeit in %, dass die Erkrankung auf das Organ begrenzt ist
2-4
...
38
58
41
29
...
...
5
...
23
40
26
17
19
8
6
...
17
35
22
13
15
6
7
...
...
18
10
5
6
2
8-10
...
3
10
5
3
3
1

 

Wahrscheinlichkeit eines Kapseldurchbruchs
2-4
...
47
34
48
52
...
...
5
...
57
48
60
61
55
54
6
...
51
49
60
57
51
46
7
...
...
46
51
43
37
29
8-10
...
24
34
37
28
23
17
Wahrscheinlichkeit eines Samenblasenbefalls in %
2-4
...
9
7
10
14
...
...
5
...
10
9
11
15
19
25
6
...
8
8
10
13
17
21
7
...
...
22
24
27
32
36
8-10
...
20
31
33
33
38
40
Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls in %
2-4
...
4
1
1
3
...
...
5
...
10
3
3
7
7
11
6
...
23
7
8
16
17
26
7
...
...
14
14
25
25
32
8-10
...
51
24
24
36
35
42
                                                                               Copyright: KISP
 
von Ralf-Rainer Damm, Dieburg den 04.02.2001